Die neuesten fünf Galerie-Fotos (zum Vergrößern anklicken):                                                                 Die neuesten 48 Fossilien    Neue Kommentare

Geschrieben am 01/07/2020, 20:17 von Fritz Lang
gelenk-schwenkarmNicht nur in der Mikropaläontologie sind Stereomikroskope unentbehrliche Hilfsmittel. Auch für anspruchsvolle Präparationsarbeiten, etwa an filigranen oder schlecht trennenden Fossilien, ist es hilfreich oder gar zwingend notwendig auf Vergrößerung zurückzugreifen. Oftmals findet die Präparationsarbeit aufgrund der Staubentwicklung in Kabinen (Stichel- und Strahlkabine) statt oder die Objekte sind zu groß, um sie unter einem Stereomikroskop auf handelsüblichem Stativ händeln zu können. Hier nun kommen Gelenk-Schwenkarme als Aufhängung für die Mikroskope ins Spiel. Neue Gelenkarme werden von der Industrie oft nur zu recht hohen Preisen angeboten, doch gibt es Mittel und Wege mit etwas technischem Geschick kostenlos oder günstig erhältliche Abfallprodukten (alte Markisenarme) selbst zu Gelenk-Schwenkarmen umzufunktionieren. Wie das geht, erklärt Ihnen Fritz Lang im Bericht. Viel Erfolg beim Nachmachen!
Geschrieben am 25/06/2020, 21:45 von Udo Resch
aspidorhynchusDer Solnhofener Plattenkalk ist das Hauptinteressengebiet des Autors, der sich zur Abwechslung auch gerne mit Trilobiten aus dem Devon Marokkos oder in letzter Zeit etwa auch mit französischen Oberjura-Seeigeln befasste. Jahr für Jahr aufs Neue kommen ihm viele interessante Präparate unter den Stichel. In diesem Fall beschäftigte er sich mit einem Fundstück aus dem Tithonium von Wegscheid, einem juvenilen Schnabelfisch der Gattung Aspidorhynchus. Schnabelfische sind schnell Räuber mit einem Kleid aus Ganoidschuppen. Sie erreichen typischerweise Längen um 50-60 cm, in Einzelfällen auch bis zu einen Meter. Das vorliegende Exemplar starb im Juvenilstadium und ist nur 7 cm groß. In seinem Bauchraum konnten im Rahmen der Präparation definierte Reste der letzten Nahrung ausgemacht werden. Der Beutefisch konnte nicht bestimmt werden, doch liegt die Vermutung nahe, dass der junge Schnabelfisch sich mit der 2,5 cm langen Beute übernommen haben könnte und deswegen eines frühen Todes starb - a moment frozen in time.
Geschrieben am 18/06/2020, 21:00 von Alexander Benn
giulianova-bernsteinIm Jahr 2019 war der Autor mit einer Gruppe des Stader Vereins "Kinder unserer Stadt e.V." in Giulianova am Fuße der Abruzzen in der Provinz Teramo in Italien in einem Sommercamp. Schnell wurde das Durchsuchen des Strandguts von ihm und den Kindern als kurzweiliger Zeitvertreib erkannt. Beiderseits der Mündung des Flusses Tordino fanden sich in Flussablagerungen neben Mollusken und Treibhölzern bei genauer Suche kleine Objekte, die an Bernstein erinnerten. Tests mit UV (Lumineszenz), Salzwasser, zuckerhaltiger Cola (Schwimmfähigkeit), Löslichkeit in Alkohol und Aceton sowie das vorsichtige Anstechen mit einer heißen Nadel (Harzgeruch!) bestätigten, dass es sich tatsächlich um Bernstein handelt. Dieser könnte aus Braunkohleablagerungen der Abruzzen vom Tordino und seinen Nebenflüssen an die Tordino-Mündung an der Adria gelangt sein. Über das Vorkommen finden sich im Internet keine Informationen, insofern handelt es sich möglicherweise um einen gänzlich neuen Fundpunkt für Bernstein.
Geschrieben am 12/06/2020, 19:33 von Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie
spinosaurierEinem Team von Wissenschaftlern um den Münchener Paläontologen Prof. Oliver W. M. Rauhut (Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie) gelang es kürzlich anhand computertomographischer Untersuchungen der Schädelanatomie eines Exemplars eines Spinosauriers der Gattung Irritator aus Brasilien neue Erkenntnisse über die vermutliche Lebensweise von Spinosauriern zu gewinnen. Die Forscher stellten bei Untersuchungen des Hirnraumes und mit diesem verbundener Sinnesorgane fest, dass dieser dem anderer Raubdinosaurier ähnelt. Bestimmte Strukturen (u. a. jene des Innenohrs) sind in einer Art und Weise ausgeprägt, die nach Einschätzung der Forscher darauf hindeutet, dass Spinosaurier zu schnellen präzisen Bewegungen mit dem Schädel imstande waren, ohne dabei ihre Beute aus den Augen zu verlieren. Insgesamt deuten diese und weitere Indizien darauf hin, dass sich Spinosaurier vorwiegend von kleinen Beutetieren wie Fischen ernährt haben könnten.
Geschrieben am 04/06/2020, 19:01 von Justus Güttler
adrisiopsTrilobiten der Ordnung Phacopida existierten vom Ordovizium bis zum Devon. Dreidimensional erhaltene Individuen in exzellenter Schalenerhaltung findet man im Devon von Marokko. Der Autor, der sich im Verlaufe der letzten Jahre mit Fossilien unterschiedlicher Erdzeitalter vertraut gemacht hat, fasste neulich auf der Suche nach einer neuen Herausforderung den Entschluss, sich endlich auch einmal eines Trilobiten anzunehmen. Bei der Auswahl des Rohlings achtete er darauf, eine "anfängergerechte Form" zu nehmen, d. h. ein Exemplar, dass keine empfindliche Bestachelung aufweist. Was lag da näher als der Rückgriff auf einen klassischen Phacopiden? Innerhalb von rund 15 Arbeitsstunden gelang es ihm mit Druckluftsticheln der HW-Baureihe (1er, 10er, 70er) einen knapp 6 cm langen Adrisiops weugi („Smiley-Phacops“) freizulegen. Im Bericht werden die Freilegungsschritte im Einzelnen beschrieben und illustriert, was zum Versuch des Nachahmens einlädt.

Geologisch-paläontologische Exkursion zum Monte San Giorgio (CH) - Teil 1

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Dieser Artikel ist zweisprachig verfasst: Deutschsprachige und englischsprachige Passagen wechseln sich ab.

 

Die „Fondazione Monte San Giorgio“, der Dorfrat von Monte San Giorgio und die Gemeinde Meride organisierten am 12. 08. 2012 gemeinsam eine Exkursion mit Führung zu den verschiedenen wissenschaftlichen Grabungen und fossilführenden Fundstellen auf der schweizerischen Seite des Monte San Giorgio. Der Treck über 7 Kilometern Länge und mit einem Höhenunterschied von 400 Metern wurde von Prof. Rudolf Stockar, Kustos der “Museo cantonale di storia naturale” in Lugano und Leiter der Ausgrabungen, geführt. Eine unerwartet große Anzahl von Teilnehmern erschien zu diesen Ereignis: 96 Menschen hatten sich am verabredeten Treffpunkt am Parkplatz beim Ortseingang von Meride versammelt!

Die wissenschaftlichen Untersuchungen der Fossilfunde am Monte San Giorgio nahmen Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Dokumentierung eines ersten fossilen Fisches ihren Anfang, gefolgt von der Entdeckung großer mariner Reptilien. Die entdeckte triassische (Anis/Ladin) Fauna, und auch die anstehenden, höffigen, 240 Mio. Jahre alten Sedimente, zeugen vom einstigen ruhigen Flachmeer, gelegen in einem Bereich mit überwiegend subtropischem, warmem Klima. Es herrschten Bedingungen, die fürs Leben förderlich waren, was durch die reichen Fossilfunde bestätigt sind.

Beim Studium der Stratigraphie der Monte San Giorgio Formationen bemerkt man aber rasch, dass dort nicht immer marine Verhältnisse geherrscht haben. Im Liegenden befinden sich kristalline paläozoische Gesteine, die wiederum von permischen Vulkaniten überlagert sind, welche die damaligen starken vulkanischen Aktivitäten dokumentieren. Direkt über den Vulkaniten, an der Basis der triassischen Ablagerungen, liegt der Bellano-Formation auf, welche aus leicht erodierenden Sandsteinen zusammengesetzt ist. Erst danach hielt das Meereswasser im Zuge einer Transgression Einzug, die bis ins Karnium vor rund 230 Mio. Jahren dauerte. Nach einer kurzen Regression kam das Meer wieder zurück, wie die Komposition der darüberliegenden Pizella-Mergel zeigt.

Während unserer Exkursion haben wir die Möglichkeit, Gesteine und Sedimente, die ein Zeitfenster vom Perm bis Karnium dokumentieren, zu studieren. Dabei werden wir Grabungsstellen besuchen, die in der Vergangenheit und zum Teil noch heute, Fauna zu Tage gefördert haben und noch fördern. Hier wurden zahlreiche wissenschaftlich bedeutsame Funde gemacht. Nach einer kurzen Erklärung der geomorphologischen Verhältnisse der Umgebung und einer Beschreibung der Route und der Fundstellen, die auf dem Weg liegen, durchquert die Menschenschlange erst die engen Gassen Merides und setzt dann die Wanderung auf dem steilen, beschwerlichen Pfad Richtung Cassina fort.

 

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Stratigraphie (nicht skaliert) und Stops.

 

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Auf dem Weg nach Cassina.

 

STOP 1 – CASSINA

Cassina liegt auf einer Höhe von 900 Metern ü. NN. Die ganze Gegend wurde erstmals vom Paläontologen Bernhard Peyer (1885 - 1963) eingehend studiert. Der Aufschluss selbst wurde aber erst 1933 entdeckt und gibt ca. 3 Meter des schiefrigen Gesteins der Calcare di Meride Inferiore (Unterer Meride Kalkstein, 240 Mio. Jahre) frei. Dieses Gesteinspaket kann schon von Meride aus gesehen werden und bildet, obgleich kaum zu bemerken, auch den geologischen Untergrund auf dem Weg nach Cassina. In den unteren Schichten dieses Pakets befindet sich der Cassina-Horizont: Schiefer, der durch ein anoxisches Ereignis grau gefärbt ist. Das Fehlen von Sauerstoff aber, schließt das Leben nicht immer ganz aus, wie das Vorhandensein kleiner, bis 3 Millimeter großer Organismen zeigt. Unmittelbar unterhalb dieses Horizonts steht eine rötliche, mit vulkanischen Aschen und Tuffiten durchsetzte Bank an, die vulkanische Aktivitäten anzeigt. An dieser Stelle wurden bei der ersten Grabung zwei fast 2 Meter lange Meeressaurier und ein über 2 Meter langer Ceresiosaurus calgagnii gefunden. Die Grabungen wurden 1937 unterbrochen und erst in den 70er Jahren wieder aufgenommen. Ein Team der Universität Zürich fand zwischen 1971-75 mehrere Fische der Gattung Saurichthys sowie den Schädel eines 5 Meter langen Reptils.

 

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Die Fundstelle bei Cassina.

 

Die Grabungen ruhten dann einige Jahrzehnte, bis im Jahr 2006 das Naturhistorisches Museum Lugano die Aktivitäten in Cassina an einer 150 Meter höher gelegenen Stelle wieder aufnahm. Man kann in der neu aufgeschlossenen Wand eine geologische Besonderheit beobachten: Die Schichten sind teilweise durch einen Gletschermoräne gestört. Die Fossilien der Cassina-Beds sind nie waagerecht in den Schichten gelagert, sondern eher schräg. Aus diesem Grund werden die einzelnen Platten im Querschnitt unter dem Binokular analysiert, um die Fossilien zu identifizieren. Wenn etwas gefunden wird, werden die angrenzenden Platten untersucht und nummeriert und sie werden dann, wenn alle Teile beieinander sind, wie ein Puzzle zusammengefügt. Anschließend wird der Fund mit Druckluftsticheln und anderen Instrumenten frei präpariert.

Die Schichten der Cassina-Beds bildeten sich in einer Lagune, die reich an Fischen war. Die Lagune wurde durch die Plattform der „Dolomia von S. Salvatore“ vom offenen Meer getrennt und hatte einen sauerstoffarmen Boden mit bakteriellen Leben. Die Reichhaltigkeit der Fisch-Funde aus den Cassina-Beds beruht unter anderem auf Funden von Exemplaren der Gattungen Eosemionotus oder Saurichthys, wovon über 300 Individuen gefunden worden sind, das größte mit einer Länge von 42 cm. Saurichthys war ein Raubfisch, vergleichbar mit den rezenten Barrakudas. Einige weibliche Exemplare sind mit Embryo im Mutterleib gefunden worden.

 

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Die neue Grabungsstelle in Cassina.

 


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Saurichthys vor, während und nach der Präparation, mit einem Modell zum Vergleich im letzten Bild.

 


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Einige Fische aus Cassina. Im ersten Bild: Eosemionotus.

 

In Cassina sind marine Reptilien eine wahre Seltenheit. Es wurde nur ein einziges während der gesamten Grabungskampagne gefunden. Diese Tiere werden dagegen häufiger in der unteren Besano-Formation gefunden. Indessen zeugen Pflanzen-Funde von der Küstennähe der Ablagerungen. So etwa Funde der Konifere Elatocladus cassinae, eine neue Art, die hier erstmals nachgewiesen werden konnte, oder auch des Farns Ptilozamites sandbergeri.

 

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Elatocladus cassinae und Ptilozamites sandbergeri.

 

STOP 2 - PUNKT 902

Der Pfad führt von Cassina durch dichten Wald bis zu einer Weggabelung Namens Punkt 902 ab. Der Name rührt vom Vermessungspunkt, genau 902 Meter ü. NN her. Die hier von Pflanzenbewuchs bedeckten Aufschlüsse weisen im Vergleich zu der vorigen Fundstelle wesentliche lithologische Unterschiede auf. Wir haben uns nur einige Dutzend Meter bewegt aber der Meride Kalkstein ist bereits hier den Dolomiten von S. Giorgio (241 Mio. Jahre) gewichen. Dieses Dolomit-Gestein ist reich an Radiolarien und liegt wiederum der Besano-Formation mit ihren Reptilien-Funden auf.

 

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Menschenschlange auf dem Weg zu Stop 2.

 

STOP 3 - QUOTA 902

Ein paar Dutzend Meter vom Stop 2 entfernt, sieht man etwas Schiefer unter der dichten Vegetation hervorluken. Die Besano-Formation steht hier an und es gibt an diesm Ort auch Grabungsstellen, die die Mitarbeiter der Universität Zürich zwischen 1950-68 schürften. Bitumenreiche Schiefer und Dolomitgestein wechseln sich mit einer Gesamtmächtigkeit von 16 Meter ab. Die Erdoberfläche ist von bei Grabungskampagnen ausgehobenem und zurückgelassenem Aushubmaterial bedeckt, welches inzwischen überwiegend von Pflanzen bewachsenen wird. Der ursprüngliche Aufschluss im Anstehenden ist nicht mehr zugänglich. Es existiert aber immerhin noch genügend Grabungsschutt aus der Formation unter der Vegetation, den man studieren kann. Diese Stelle ist von besonderer historischer Bedeutung, weil hier zum ersten Mal nur zu paläontologischen Zwecken gegraben wurde und nicht wie zuvor hauptsächlich zum Zweck der Gewinnung von Ölschiefer. Die Grabungen dehnten sich über einen Areal von 250m² aus und führten zur Entdeckung von zahlreichen Reptilien, u. a. wurden 62 Mixosaurier gefunden. Darüber hinaus wurden rund 80 Exemplare der Fischgattung Saurichthys ausgegraben. Saurichthys gehörte zum Beutespektrum von Mixosaurus, wie die Funde von Koprolithen auch zeigen. Die Fossilien wurden nicht nur im Schiefer, sondern auch im Dolomit gefunden. Ammoniten-Funde haben dabei geholfen, die Schichten stratigraphisch einzuordnen und spielten auch eine Rolle bei der Festlegung der Grenze zwischen Anis und Ladin.

 

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Die Überbleibsel von Punkt 902.

 

STOP 4 – DREI-QUELLEN-ZONE

 

Beim weiteren Abstieg erreicht man die "Drei-Quellen-Zone". Hier befinden sich die Überreste einer Mine im Dolomit von S.Salvatore. Im Profil sind Einschaltungen von Schiefer vorhanden. Die Mine wurde zum Zweck der Gewinnung vom Öl-Schiefer 1907 geöffnet. Aus dem Schiefer wurde das „saurolo“, eine Mineralsalbe, für die pharmazeutische Industrie fabriziert. Die Konsequenz davon war, dass nur Ölschiefer verwendet wurde, der den Fluss hinab zur Weiterverarbeitung abtransportiert wurde, während der Dolomit lediglich auf Halde geschüttet wurde. Bernhard Peyer fand 1919 auf eben diesen Halden eher zufällig ein Ichthyosaurus-Paddel. Er erkannte sofort das wissenschaftliche Potential dieser Stelle und begann daher 1924 damit systematisch die Ölschiefer Tunnel nach Versteinerungen zu untersuchen. Als Lohn für siene Bemühungen fand er dort einen 4-Meter-langen Paranothosaurus amsleri. Wegen der Gewinnungs-Methoden des Ölschiefer Abbaus, u. a. durch Sprengungen, die Funde komplett zusammenhängender Skelette praktisch unmöglich machten, verlagerte Peyer bald darauf seine Grabungen nach draußen. An der neuen Stelle fand er einen zweieinhalb Meter langen Ichthyosaurier  und mehrere Fische der Gattung Saurichthys. 1933 gelang ihm der spektakuläre Fund eines 4 Meter langen Tanystropheus longobardicus, ein Meeressaurier, der wegen seines im Vergleich zum Rest des Körpers überproportional langen Halses auch als Giraffenhalssaurier bekannt ist. Von dem Minenbetrieb von damals verblieb nur ein kleines Loch, das mittlerweile von dichter Vegetation bewachsen ist. Wegen des Gestrüpps nimmt man heute die alten Halden und den verfallenen Mühlentrichter kaum noch wahr. Besser erkennbar ist ein Rest der alten Schienen, auf denen einst über Loren der Schiefer ins Tal befördert wurde.

Wir bewegen uns nach dieser Besichtigung nun weiter durch dichten Waldbestand in Richtung Tal. Dabei eröffnet sich gelegentlich zwischen den Bäumen ein wunderschöner Panorama-Blick auf den unten liegenden Lugano-See. Auf dem Weg merkt man, wie der Dolomit von roten Vulkaniten abgelöst wird, was sich auch in der Vegetation widerspiegelt, die hier durch den fruchtbareren Boden weitaus üppiger ausfällt.

 

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Blick zwischen den Bäumen hindurch auf den Lugano See.

 

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„Tre Fontane“.

 

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Minen-Eingang, von Prof. Stockar beleuchtet.

 

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Schienenreste.

 

 

STOP 5 – ACQUA DEL GHIFFO

Bernhard Peyer kaufte 1924 von Gaetano Fossati ein Exemplar eines Neusticosaurus. Dieses Reptil inspirierte ihn, am Monte San Giorgio Ausschau nach weiteren Exemplaren zu halten. Dies führte ihn zu der Fundstelle, die jetzt den Namen Aqua del Ghiffo trägt, in Anlehnung an die dort vorhandene eisenhaltigen Wasserquelle. Peyer fing dort 1927 neben einem Höhleneingang, der jetzt mit Gittertür versehen ist, mit seinen Grabungen an.

Wir befinden uns hier im unteren Meride Kalkstein, der im Profil nur 28 Meter unter der Fundstelle von Cassina anzusiedeln ist. Peyer hatte hier das Glück, einige Neusticosaurus und später auch ein Ceresiosaurus zu finden. Er grub an der höher gelegenen von zwei dort vorhandenen alten Schurfstellen, die nur ein paar Meter auseinander liegen. Nachdem Peyer dort fertig war, ruhte die Arbeit bis 1984, als die Universität Zürich für kurze Zeit an der unteren Stelle weiter grub. Nach der Entdeckung eines Ceresiosaurus 1995 durch das Naturhistorische Museum Lugano, wurde die Stelle wieder eröffnet und zwischen 1997-2005 durchgehend gearbeitet. Während dieser Zeit wurden mehrere Fische und auch ein Neusticosaurus der gleichen Art wie in Cassina gefunden. Diese Funde sind jetzt in den Museen von Lugano und Zürich zu besichtigen.

Nun treten wir den Weg nach unten gen Spinirolo an, von wo aus wir uns wieder nach oben in Richtung Sceltrich Tal wenden.

 

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Obere Grabungsstelle am Aqua del Ghiffo mit Gittertür am Höhleneingang.

 

STOP 6 – SCELTRICH

Die Fundstelle bei Sceltrich ist ganz neu, erst 2012 geöffnet. Sie liegt ca. 700 Meter ü. NN und setzt sich aus Gesteinen der Oberen Meride Formation zusammen, die bisher wenig erforscht worden sind, weil angenommen wurde, dass sie fossilleer sind. Eine erste von Prof. Stockar während der Grabungskampagne von 2010 entdeckte Versteinerung, führte anschließend jedoch zur Entdeckung von einem Dutzend Fischen, darunter auch Exemplare von Saurichthys. Dazu wurden versteinerte Pflanzen wie z. B. Koniferen der Gattung Voltzia gefunden. Das Gestein ist ein dünn laminierter grauer Schiefer, der sich während anoxischer Verhältnisse am Meeresgrund eines von Frischwasserzufuhr abgeschlossenen Meeresbassins bildete. Die maximale Mächtigkeit der Schicht beträgt nur 30 cm. Einige der folgenden Bilder zeigen einen am Tag dieser Führung entdeckten Saurichthys, der noch teilweise im Gestein steckt.

Am Ende dieser Besichtigung verlassen wir das Sceltrich Tal, folgen dem Weg ein Stück zurück Richtung Meride, biegen aber schon vorher entlang des Gaggiolo Flusses auf die Strasse nach Serpiano ab.

 

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Die Grabungsstelle bei Sceltrich.

 

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Gerade entdeckter Saurichthys.

 

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Prof. Stockar zeigt einem im Jahr 2010 ausgegrabenen Fisch.

 

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Fundstelle der Saurichthys.

 

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Noch im Gesteinsverband.

 

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Anpräpariert.

 


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Val Mara.

 

STOP 7 - VAL MARA

Der obere Teil der Oberen Meride Kalkstein Formation, die sogenannte Kalkschiefer-Zone (239.5 Mio. Jahre), ist entlang des Gaggiolo Flusses teilweise aufgeschlossen. Das Gestein ist so fein geschichtet, dass die Fossilien nur auf den Schichten liegend und nicht im Querschnitt gefunden werden. Die Ausbeute ist hier mit nur 0,1% an im Gestein überlieferter organischer Substanz ziemlich arm , doch sind hier schon einige Krustentiere entdeckt worden, die auf eine festlandsnahe Lagune hindeuten.

 

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Kalkschiefer Aufschluss im Val Mara am Ufer der Gaggiolo Fluss. Fundstelle Vecchi Mulini.

 

Eine Grabung bei Vecchi Mulini (Stop 7.1) wurde in den Jahren 1996-2003 von der Universität Mailand durchgeführt. Vorher hatte die Universität Zürich 1994 hier schon einige kleine Fische gefunden. 2010 eröffnete das Naturhistorische Museum Lugano stromabwärts eine weitere Grabung im obersten Teil der Kalkschiefer (Stop 7.2), wo die Grabungshelfer ein Massensterbe-Ereignis von Fischen entdeckten. Die größte Besonderheit der Ausgrabungen war jedoch die Entdeckung eines Insekts aus der Gattung Dasyleptus, von dem zuvor angenommen worden war, dass es bereits am Ende des Perms ausgestorben sei. Diese Entdeckung hat bewiesen, dass das Insekt das Massensterbensereignis am Ende des Perms (vor etwa 251.4 Mio. Jahren) überlebt hat. Man kann über die Einzelheiten in der folgenden frei verfügbaren Publikation nachlesen:

http://www.palaeodiversity.org/pdf/04/Palaeodiversity_4_BechlyStockar.pdf

Nicht weit von Stop 7.2 taucht am Fluss entlang der Pizzella Mergel auf und zeigt damit das Ende der Kalkschiefer-Zone und auch des Ladiniums an. Die darauf folgende Begegnung mit den Karnischen Mergeln kündigt auch das Ende unserer Exkursion an. Die Gesteine des Meride Kalksteins verschwinden allmählich aus unserem Blickfeld, setzen sich aber im Untergrund fort. Die Schichten fallen mit 30 Grad unter italienischen Boden unterhalb der Pianura Padana ein und werden 60 Kilometer weiter südlich in der Gegend um Trecate von der Firma Agip in einer Tiefe vom 4,5 Kilometern zwecks Ölgewinnung angebohrt. Druck und Temperatur haben dort die bauwürdigen Kohlenwasserstoffe produziert, die hier in Val Mara durch die oberflächennahe Lagerung nicht mehr vorhanden sind.

Die Menschenschlange von Hobby-Paläontologen hat sich nach 9 Stunden bis auf weniger als ein Drittel ihrer ursprünglichen Länge reduziert. Die letzten Unentwegten, machen sich müde aber zufrieden und durch viele Informationen bereichert auf den Weg zurück zum Parkplatz, wo das Abenteuer begonnen hatte.

Wir möchten an dieser Stelle Prof. Stockar für seine Höflichkeit, Hilfsbereitschaft und Geduld während dieses langen, fruchtbaren und interessanten Exkursionstages herzlich danken.

Luca Jaselli (porcospino2000)
https://sites.google.com/site/lucajaselli/

Von Roger Furze ins Deutsche übersetzt.

 

 

Zur Fortsetzung (Teil 2) über die Reptilien vom Monte San Giorgio im Museum Zürich.