Umgehung Bad Oeynhausen

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Moderator: Sönke

Lucky
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Beitrag von Lucky » Montag 18. Januar 2010, 19:10

Sorry, aber um was geht es denn nun eigentlich: um ( "von oben" verordnete ) wissenschaftliche Aufsammlung oder den "Schutz der Baustelle" vor dem alles vernichtenden Normalsammler ( Achtung: ironisch gemeint ) ? Für Letzteres wäre nicht der Bauträger, sondern wären die beteilgten Baufirmen verantworlich, die hier aber anscheinend nicht mehr die Entscheidungsbefugnis haben, ob und ggf. welche Sammler sie auf die Baustelle lassen.
Viele Grüße, Edgar

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Triassammler
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Beitrag von Triassammler » Montag 18. Januar 2010, 21:27

Hallo Edgar,

das kam ggf. durch die teilweise etwas emotionale Diskussion etwas verzerrt rüber, aber aus der Ankündigung geht es eigentlich deutlich hervor: Im Normalfall würde das Bauunternehmen gar niemanden auf das Gelände lassen. Für das LWL bzw. die mit der Arbeit vor Ort betrauten Mitglieder von dessen Förderverein wird eine Ausnahme gemacht.
Wahrscheinlich wird vom Bauunternehmen auch weniger der "alles vernichtende Normalsammler" gefürchtet, als der Fossiliengeieridiot, der sich auf der Baustelle nicht nur wegen übertriebener Riskiobereitschaft ein Bein bricht, sondern dann auch noch die Chuzpe und die Muße hat, das Bauunternehmen wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen zu verklagen.

Gruß,
Rainer
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marocco
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Beitrag von marocco » Dienstag 19. Januar 2010, 07:57

Ich bin davon überzeugt,daß die Baufirmen im Vorfeld der Arbeiten
niemals auf die Idee gekommen sind Sammler auszusperren.
Ich habe so etwas noch nie erlebt!
Ich glaube ,daß einige wenige das Gesetz zur Bodendenkmalpflege
ausnutzen um andere Sammler auszuschließen.Dann haben sie die Baufirmen beeinflußt in ihrem Sinne zu handeln.
Da diejenigen die den Beitrag reingestellt haben hoffendlich
auch die Resonanz lesen wundert es mich, daß sie auf Fragen,zB.Profilaufnahme ,welche Schichten nicht antworten.
Alles nach Gutsherrenart ?

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Tapir
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Beitrag von Tapir » Dienstag 19. Januar 2010, 08:28

marocco hat geschrieben:Ich bin davon überzeugt,daß die Baufirmen im Vorfeld der Arbeiten
niemals auf die Idee gekommen sind Sammler auszusperren.
Ich habe so etwas noch nie erlebt!
Ich leider schon. (z.B. Autobahnbaustelle im Jura nahe Bad Eilsen, dürfte ja ungefähr Deine Gegend sein) Und da ich weiß dass soetwas durchaus (häufiger) vorkommt bin ich gegen eine evtl. Vorverurteilung.

Um es vielleicht ins Gedächtnis zu rufen: weder die Baufirma muß jemanden auf das Baugelände lassen, noch muß eine Bodendenkmalsbehörde nicht betroffene Personen über denkmalpflegerische Maßnahmen informieren oder sich über den Einsatz ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger oder freiwilliger Helfer vor Leuten mit privatem Interesse aber keinen Ansprüchen rechtfertigen.

Insofern wäre es schön (und dankenswert) hier von Personen die mehr darüber wissen weitere Informationen zu bekommen. Aber wenn es nicht passiert kann man sich durchaus fragen warum nicht. (bzw. wenn man einige Beiträge höher gelesen hat bevor sie von den Schreibern selber "entschärft" wurden braucht man das eigentlich nicht mehr)


edit:
marocco hat geschrieben:Alles nach Gutsherrenart ?
Wenn Du damit meinst dass Verantwortliche für ein bestimmtes Areal dieses gegen (auch nur eventuell) zu erwartende Schäden (die vorkommen können, aber nicht zwingend müssen) schützen wollen dann trifft diese Aussage wahrscheinlich zu. Würde ich auch wenn es sich um mein Gelände handelt und ich es "bewirtschaften" müßte und für die Sicherung verantwortlich wäre.
Glück auf!

Johannes Kalbe

---------------
"Kalsarikänni is real. It’s about letting go and being yourself, no affectation and no performance"

Be more specific! http://www.youtube.com/watch?v=PusCpQIbmCw

Two down. Four to go.

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Triassammler
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Beitrag von Triassammler » Dienstag 19. Januar 2010, 10:01

marocco hat geschrieben:Ich bin davon überzeugt,daß die Baufirmen im Vorfeld der Arbeiten niemals auf die Idee gekommen sind Sammler auszusperren.
Bspw. in Stuttgart ist dies Gang und Gäbe. Baustellen im städtischen Raum werden, sofern es ihre Größe zulässt, hermetisch mit Gittern oder Bretterwänden abgesperrt. Man denke da nur an spielende Kinder, die sich sonst Zutritt verschaffen könnten... Betretungsgenehmigungen werden dann für niemanden, auch nicht für Sammler, erteilt. Gleiches beim Bau der neuen Messe: Dort wurde fast rund um die Uhr gearbeitet, und es wurde so gut wie möglich verhindert, dass Betriebsfremde das Gelände betreten. Rein aus Sicherheitserwägungen heraus. Ich persönlich fühle mich als Sammler dadurch nicht herabgewürdigt oder benachteiligt.

Gruß,
Rainer
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Gravedigger
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Beitrag von Gravedigger » Dienstag 19. Januar 2010, 11:17

"Der Weg zur eigenen Sammlung ist oft steinig"

Kaufmann
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Beitrag von Kaufmann » Dienstag 19. Januar 2010, 14:36

Hallo,

es ist schon verwunderlich, welche Meinungsvielfalt zu dem Thema beigesteuert wird.

Aus eigener Erfahrung ist mir bekannt, wie unter wissenschaftlicher Leitung, beim Nichtausschöpfen denkmalpflegerischer Belage, Fundstellen radikal niedergemacht werden.
In erster Linie geht es hier um den Erhaltung palaeontologischer Kulturgüter und nicht um deren Ausbeutung.

Ich war bei vielen wissenschaftlichen Grabungen zugegen, ohne auf Fundstücke zu refelkieren-einfach aus wissenschaftlichen Interesse.
Dies hat mir eine Unmenge Wissen vermittelt, ohne irgend einen "Futterneid" zu verspüren.

Im Gegenzug hat man von wissenschaftlicher Seite, meist über Jahre hin, ein Vertrauen aufbauen können, welchres heute in vieler Hinsicht mehr als nützlich ist.

Ich möchte niemandem zu Nahe treten, aber viele sind doch gar nicht in der Lage ein Profil aufzunehmen, geschweige denn, zu deuten.
Genau dies macht den Unterschied aus. Sagt mir doch mal, wer von densogenannten Hobbypaläontologen
ein Profil aufnehmen kann, welches auch von den Wissenschaftlern angenommen wird. Doch wohl nur wenige.

Viele die in diesem Beitrag sich geäußert haben sind auch als "Hobbyleute" mehr als angesehen, aber auch deswegen, weil diese einen gewissen Eigennutz nicht in den Vordergrund gestellt haben sonderen oftmals mehr als nur einen bescheidenen Beitrag geleistet haben, ohne auf die großen Stücke für die eigene Sammlung zu schielen.

Man muss ja nicht ein 2. Buttenheim aus diesr Sache machen, wenn ja wäre ich tief betroffen.

Noch eines - wenn ich sehe, wer zu diesem Thema seine Meinung abgegeben hat und dann selbst erfahre, wie eine solche Person sich im Gelände verhält (was letzlendlich zum Ausschluss des Sammelns geführt hat), bin ich froh um jede Beschränkung zum Betreten der Fundstelle.

Es gibt keine "bessere" oder "schlechtere" oder eine zwei Klassen-Gesellschaft in der Betrachtung wissenschaftlicher Problemstellungen. Einzig was zählt, sind verwertbare Ergebnissse, Einsicht und Glaubwürdigkeit, egal ob ich mit Fliesenhämmerchen oder Baumaschinen mich einem Profil nähere.


Gruß
Hartmut
"Die Versteinerung ist das große Mittel der Natur, um die vergänglichen Lebewesen aller Erdzeitalter zu erhalten"
G. Buffon(1707-1788)

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Triassammler
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Beitrag von Triassammler » Dienstag 19. Januar 2010, 17:02

Hallo Hartmut,

Deine klaren und offenen Worte sprechen mir aus der Seele.

Gruß,
Rainer
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Leif
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Beitrag von Leif » Dienstag 19. Januar 2010, 17:55

Hallo

Ich gehöre zu den Sammlern die in der Nähe von Bad Oeynhausen wohnen und ich war schon sehr gespannt darauf mein Glück auf der Baustelle zu versuchen, ein neuer und vielversprechender Aufschluss ist schließlich immer eine spannende Sache. Natürlich war ich auch etwas enttäuscht als hier bekannt wurde das nur einem ausgewählten Personenkreis das betreten der Baustelle möglich sein wird. Andererseits freue ich mich aber auch das zumindest die wirklichen Experten zutritt erhalten, im Vorfeld ist also schon viel Arbeit in das Projekt gesteckt worden durch Schulung der Beteiligten und im Rahmen der Zusammenarbeit mit Land und Baufirma und ich bin mir sicher das das während der Bauarbeiten so bleiben wird. Ich hoffe sehr das es sich auszahlt und großartige Funde gemacht werden, denn dann wird auch sicher viel in Schrift und Bild veröffentlicht werden (hoffentlich auch hier auf Steinkern.de!). Ich bin mir sicher das sich die meisten von uns auch an Fundstücken erfreuen können die sie nicht selbst gemacht haben und nicht gleich grün vor Neid werden weil sie nicht ran dürfen.

Viele Grüße
Leif
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Lucky
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Beitrag von Lucky » Dienstag 19. Januar 2010, 18:44

Hallo Hartmut,
als nur Hobbypaläontologe ( wobei ich allerdings zu dem "nur" auch stehe ) und Deinem Vergleich zu Buttenheim: ich glaube nicht, dass die Hobbysammler in Buttenheim - auch in wissenschaftlicher Hinsicht - bisher so negativ aufgefallen wären, dass Buttenheim als Schreckgespenst auftgebaut werden sollte. Oder anders gefragt: ist es tatsächlich so schlimm, wenn ernsthafte Hobbysammler ( die vielleicht tatsächlich kein Profil aufnehmen können ) eine Fundstelle regelmäßig und sorgfältig besammeln ( ich habe jedenfalls noch nicht davon gehört, dass sich in Buttenheim die wissenschaftlichen Institute die Klinke in die Hand gegeben hätten ) ? Jedes Fossil in einer Privatsammlung ist besser als in einem Brennofen.
Viele Grüße, Edgar

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Falk
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Beitrag von Falk » Dienstag 19. Januar 2010, 22:23

meint Ihr nicht, wenn alle Profile ordnungsgemäß aufgenommen und alle stratigrafischen Belege eingesammelt sind, dass dann nicht auch einige Sammler Zutritt bekommen werden?
Vielleicht werden nicht alle, die gerade vorbeikommen reindürfen, aber meistens haben sich dann nach einiger Zeit doch die Fronten etwas "geklärt", oder?

Viele Grüße,
Falk

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amaltheus
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Beitrag von amaltheus » Dienstag 13. Juli 2010, 08:44

Um das alte - damals kontrovers diskutierte Thema - mal wieder hervorzuholen ...

was ist den seither in Bad Oeynhausen passiert ?

Wurden Funde gemacht ?
Gibt es aktuelle Aufschlussbilder ?

- Thomas -

Siehe:
http://www.steinkern.de/vermischtes/son ... flege.html

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Freakshow
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Beitrag von Freakshow » Dienstag 13. Juli 2010, 17:52

Lucky hat geschrieben:...Jedes Fossil in einer Privatsammlung ist besser als in einem Brennofen.
Viele Grüße, Edgar
das würde ich anders umschreiben! Jedes Fossil in einer Sammlung ist besser als in einem Brennofen! Das trifft es meines Erachtens besser. Natürlich ist es immer schwer solche Reglementiereungen zu ertragen, besonders wenn man in Westfahlen lebt. Aber auch dort gibt es einen Silberstreif am Horizont. Manchmal muss man einfach Geduld haben. Neid ist definitiv der Falsche weg. Vermutlich meintest Du auch eher Trauer um die nicht geborgenen oder durch unverstand zerstörten Fossilien.

Lucky
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Beitrag von Lucky » Dienstag 13. Juli 2010, 20:13

Hallo Freakshow,
das hat nix mit Neid zu tun. Aber leider wissen wir ja alle, was in vielen öffentlichen Sammlungen so los ist ( Zigtausende von Belege, die mangels Geldnot nicht bearbeitet werden können und jahrelang irgendwo lagern und lagern und.... ). Da ist mir ein engagierter Privatsammler dann eigentlich lieber, der sich mit entsprechendem Engagement und Sachwissen um seine Funde bemüht.

Viele Grüße aus dem sammlerisch doch recht freien Bayern, Edgar
"Der Satz, den ich am wenigsten mag ? Das war schon immer so." ( Horst Brandstätter, playmobil )

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Triassammler
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Beitrag von Triassammler » Dienstag 13. Juli 2010, 20:31

Hallo,

schade dass immer ein Stereotyp bemüht wird: In Museen verlottere prinzipiell alles, und kein Museum kümmere sich um seine Bestände.

Dies ist genauso wenig richtig wie die Annahme, dass jeder Privatsammler seine Sammlung akribisch inventarisiere und sorgfältig seine Stücke konserviere. In Privatsammlungen verkommt bestimmt genauso viel Material durch unsachgemäße Behandlung oder unterlassene Inventarisierung wie in öffentlichen Sammlungen.

Gruß,
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