Unterer Jura (Lias)

Ein Androgynoceras hybridiforme aus den Green Ammonite Beds des Stonebarrow Hill (Dorset, Großbritannien) - letzte Aktualisierung am 10.4.

In diesem Bericht möchte ich fortlaufend über die am Karfreitag (30. März 2018) begonnene Präparation eines Ammoniten berichten, den ich Anfang dieses Monats am Stonebarrow Hill in Dorset fand. Das Stück stammt aus den Green Ammonite Beds (Unterpliensbachium). Es handelt sich dabei um eine Hybridform der Familie Liparoceratidae, höchstwahrscheinlich aus der Davoei-Zone. Der Ammonit ist nicht ganz vollständig eingebettet. Obwohl es sich somit nicht um ein "Topstück" handelt, soll aufgrund der relativen Seltenheit über den Präparationsversuch Schritt für Schritt berichtet werden. Zunächst möchte ich mit einigen einleitenden Worten zur Fundgeschichte beginnen.

 

Fundgeschichte

Ende Februar und Anfang März war ich mit Sammlerfreunden für 14 Tage in Dorset. Wir konzentrierten uns bei der Suche im Wesentlichen auf die Küstenlokalitäten im Unterjura rund um Lyme Regis und Charmouth. Das Wetter schlug in diesem Jahr Kapriolen, wie sie für Dorset selbst im Winter eher untypisch sind. Bedingt durch die direkte Nachbarschaft zum Meer und den hier seinen Lauf nehmenden Golfstrom sind Minusgrade selten, doch hatten wir es die erste Woche aufgrund der sibirischen Kälte, die sich aus dem Osten den Weg bis hierher gebahnt hatte, ausnahmsweise dann doch mit knackigen Minusgraden zu tun. Es lag allerdings kein Schnee. Bei dem anfangs geringen Tidenhub waren die Fundbedingungen an der systematisch abgesuchten Küste relativ mäßig, trotzdem gelangen uns nach und nach einige recht schöne Funde - hinterher besserten sich mit hohen Tiden auch die Fundbedingungen. Am 1. März kam dann allerdings der große Schnee! Im Mitteljura von Burton Bradstock (ein Stück östlich von den Lias-Kliffs) schneiten uns die fossilträchtigen Blöcke während der Arbeit ein und die Sammelaktion musste etwas früher beendet werden als beabsichtigt. Rund 15 cm Neuschnee stellten auf der hügeligen Küstenstraße sowohl für die einheimische Bevölkerung (ohne Winterreifen) als auch für mit Winterreifen ausgestattetes Fahrzeug eine Herausforderung dar - Fahrer und Beifahrer waren unter solchen Bedingungen gleichermaßen gefragt.

 

Schieben

Abb. 1: Kurz vor der Ferienwohnung in Charmouth musste zum zweiten Mal geschoben werden. Da die Wohnung mittlerweile nur noch 50 Meter entfernt war, gaben wir auf und ließen das Auto stehen. Foto: Gerhard Philipps

 

Am nächsten Tag sollte es kalt bleiben. Da nicht in Aussicht stand, dass der Schnee auf den Nebenstraßen geräumt werden würde, stand schnell fest, dass eine fußläufig erreichbare Lokalität angesteuert werden müsste. Die Entscheidung bestätigte sich am nächsten Morgen - alle Autos waren nunmehr mit einem dicken Eispanzer überzogen, der Schnee auf der Straße ebenfalls von Eis überkrustet. Macht Sammeln unter diesen Umständen eigentlich Sinn beziehungsweise ist es überhaupt möglich? Ja, an der Küste schon, denn das Meer räumt glücklicherweise zirka zweimal täglich den Gezeitenbereich. Hinzu kam dieser Tage ein hoher Tidenhub, sodass sogar der Klifffuß an einigen Stellen erreicht und von Schnee  befreit wurde. Unsere Gruppe verteilte sich auf Stonebarrow Hill östlich von Charmouth und Black Ven in westlicher Richtung. Ich begann zunächst am Stonebarrow Hill, um nachmittags auch nochmals kurz am Black Ven zu schauen. Als an diesem Tage ernstzunehmendes Hindernis auf dem Weg zum Stonebarrow erwies sich die völlig vereiste Brücke über den Fluss Char. Am Strand konnte man dann wie gewohnt suchen - es war lediglich etwas kühl, aber trocken. Da das Wasser noch relativ hoch stand, konzentrierten wir uns zunächst auf den Klifffuß, was in meinem Fall schon nach einigen hundert Metern mit einer relativ gut erhaltenen Phalange eines Ichthyosauriers belohnt wurde.

 

01 Stonebarrow Snow

Abb. 2: Der von der Flut von Schnee befreite Strand und Kliffuß am Stonebarrow Hill.

 

In die einsetzende Ebbe hinein begannen wir dann mit dem Absuchen der allmählich freiwerdenden Geröllfelder. Je höher der Tidenhub, desto eher gibt es auch hier Bewegung. Dort wo viele Pyritkonkretionen herumlagen, ließ sich auch so mancher pyritisierte Ammonit entdecken. Ich hielt jedoch eher nach Fossilien in Kalkbänken oder Kalkkonkretionen Ausschau. "Verdächtige" Steine wurden an- oder aufgeklopft und es konnten einige präparationswürdige kleinere Exemplare geborgen werden. Dann fiel mein Blick auf einen recht großen Ammonitenrücken. Da ich meinen Rucksack zwischendurch in einigen hundert Metern Entfernung abgestellt hatte, hatte ich die Kamera leider nicht griffbereit, sodass kein Fundsituationsfoto entstanden ist - wenigstens entstand vor dem Einpacken noch ein Strandfoto:

 

02 Hybridform Fundzustand

Abb. 3: Das etwa 18 cm große Fundstück am Strand von Charmouth.

 

Zunächst war mein Blick seitlich auf einen recht gut erhaltenen Windungsteil gefallen - Hochspannung! Sekundenbruchteile machte sich dann beim Umdrehen des Steins Ernüchterung breit. Der Ammonit ist auf einem Fünftel der Außenwindung eingedrückt. Da hilft es auch nur begrenzt, dass die andere Seite von einer schönen rundlichen Konkretion bedeckt ist - ohne Frage eine Konkretion aus den Green Ammonite Beds. Es ist nicht das erhoffte nahezu perfekte Exemplar. Allerdings ergibt die genauere Betrachtung, dass ein gewisses Potential vorhanden sein könnte, die konkretionsbedeckte Gegenseite nach vorheriger Stabilisierung zu präparieren. So ließe sich im besten Fall eine zu etwa 90-95 % erhaltene Schauseite generieren. Da sich bereits vor Ort erkennen ließ, dass es sich um eine der relativ raren Hybridformen der Familie Liparoceratidae handelte, überwog schließlich dann doch die Freude über den Fund, gegenüber der Ernüchterung über die offensichtlichen Erhaltungsdefizite. Immerhin hatte es sieben Dorset-Exkursionen lang gedauert, bis ich überhaupt einmal einen derartigen Vertreter fand.

 

Die zweite Woche der Exkursion war ziemlich nasskalt. Zurück in Deutschland erwischte mich - wohl fast folgerichtig - erst einmal eine Grippe. Ans Präparieren von Funden war noch kaum zu denken. Auch wenn es sicherlich nicht der beste Fund der Exkursion war, reifte allerdings die Idee an Ostern das "Ei" vom Stonebarrow zu bearbeiten oder zumindest mit der Präparation zu beginnen - dies würde sich gut mit einem (hoffentlich recht spannenden) Homepage-Bericht verbinden lassen. Als erster Schritt wurde vor einigen Tagen mit Akepox-2-Komponentenkleber die eingedrückte Stelle unterfüttert, sodass die Stabilisierung aushärten konnte. Zusätzlich ließ ich allerorten dünnflüssigen Sekundenkleber unter die Schale laufen, damit diese alle weiteren Arbeitsgänge ohne Abplatzungen übersteht.

 

Inzwischen einigermaßen wieder genesen, konnte ich am heutigen Karfreitag dann mit der eigentlichen Präparation beginnen und möchte zum aktuellen Stand berichten:

 

Beginn der Präparation (Karfreitag, 30. März 2018)

03 Ostern2018

Abb. 4: Zunächst wurde noch einmal der Vorherzustand der weitgehend konkretionsbedeckten Unterseite des Steins dokumentiert und österlich in Szene gesetzt.

 

04 Ostern2018 2

Abb. 5: Nach gutem Zureden räumten die Ostergäste die Konkretion. Ein dritter, besonders kühner Hase eroberte sie zwischenzeitlich (das geschulte Auge erkennt ihn oben auf zirka 0 Uhr). Dieser musste wenig später im Rahmen einer Zwangsräumung weichen.

 

05 Rueckseite

Abb. 6: Die leider eingedrückte, vermutliche Oberseite der Konkretion war vor Beginn der Präparation mit Akepox stabilisiert worden, damit die z. T. nur einige Millimeter starke Substanz des Ammoniten auf der anderen Seite der Präparation standhalten kann.

 

06 Rueckseite2

Abb. 7: Der zweite Klecks Akepox unterfüttert einen kleineren eingedrückten Ammoniten vor der Mündung des großen - vermutlich ein Oistoceras. Inwieweit dieses im Verlaufe der Präparation in die Präsentation einbezogen werden kann, wird sich noch erweisen müssen. Die Lage ist nicht ideal, aber vielleicht ist eine teilweise Einbindung möglich.

 

Nun kann es losgehen mit dem Sticheln!

 

07 Frohe Ostern

Abb. 8: Wie durch ein Wunder zeigt sich beim Beginn des Grobabtrags, zu dem einleitend der Drucklufstichel HW-70 verwendet wurde, ein mit Mühe als "Frohe Ostern" zu entziffernder Schriftzug. Diese wünsche ich schon jetzt allen Leserinnen und Lesern im Voraus!

 

Da es mir so aber auf die Dauer nicht schnell genug vorangeht, greife ich zum HW-65, mit dem sich das Sediment in Respektsabstand zum Fossil deutlich zügiger "Herunterschrubben" lässt. Mein Ziel ist es, zunächst den neuralgischen Punkt des Ammoniten zu erreichen. Fehlt zuviel oder ist die Schale hier zu bröckelig, macht eine weitere Präparation nämlich keinen Sinn mehr. Es wäre also keinesfalls klug, zunächst die erkennbar besser erhaltene Partie mit großem Aufwand sorgfältig freizupräparieren, um dann festzustellen, dass der Rest ganz schwach oder überhaupt nicht erhalten ist.

 

08 Praeparation

Abb. 9: Die Konkretion wird dort reduziert, wo sich am ehesten im Vorfeld entscheiden dürfte, ob eine Weiterarbeit sinnvoll ist, oder der Ammonit zu schlecht erhalten ist. Nachdem ich mit dem Stichel einige Millimeter oberhalb der leicht brandungsgeschliffenen Windung angekommen bin, greife ich zum Strahlgerät. Schließlich weiß ich nicht genau, wie die Schalenoberfläche skulpturiert ist - trägt der Ammonit in diesem Bereich Dornen, oder nicht? Sind diese kräftig oder schwach ausgeprägt? Es ist vorsichtiges Herantasten gefragt!

 

10 Strahlen

Abb. 10: Beim Anstrahlen zeigt sich, dass die Schale im Bereich der Fehlstelle durchaus vorhanden ist, wenngleich die Substanz etwas schwächelt. Es deutet sich an, dass sogar etwas weniger vom Ammoniten fehlt, als ich ursprünglich befürchtet hatte. Natürlich ist der gesamte Venter auf einer gewissen Strecke nicht vorhanden, das schmerzt - aber eine spätere Lateralansicht könnte trotzdem noch relativ adäquat werden. Dies motiviert zunächst einmal zum Weitermachen.

 

Durch abwechselndes Sticheln und Strahlen muss ich mich nun von den freigelegten Bereichen zu noch sedimentbedeckten Bereichen vortasten. Dies ist aufgrund der noch etwas unklaren Form und im Bereich der Wohnkammer vor allem wegen der erheblichen Stauchung des Ammoniten in diesem Bereich gar nicht so einfach. Die Gehäuseteile können stauchungsbedingt einen beträchtlichen, nicht vorauszuahnenden Höhenversatz haben. Das Gestein ist, außer in den äußeren 3-5 mm der Konkretion, so hart, dass man mit Strahlen nur sehr langsam vorankommt. Dieses erfolgt übrigens - wie bisher stets bei meinen Ammoniten-Präparationen - mittels inzwischen sehr gut gerundetem Eisenpulver, welches ich schon sehr lange in Verwendung habe. Als Betriebsdruck habe ich heute weitgehend mit 7 bar gearbeitet, darunter tut sich fast gar nichts.

 

11 Sticheln und Strahlen

Abb. 11: Bei der Außenwindung muss für eine sichere Orientierung bei der weiteren Präparation das Ende der Wohnkammer freigelegt werden. Der rote Pfeil markiert einen leichten, unbeabsichtigten Sticheltreffer. Tückisch und leicht mit der Oberfläche des Ammoniten zu verwechseln sind die Kalzitadern in der Umgebung sowie millimetergroße Schnecken, die beim Ansticheln zunächst mit Ammonitendornen verwechselt werden können. Da man nicht ins Fossil hineinpräparieren möchte, muss man bei Verdachtsmomenten in der Nähe des freizulegenden Fossils immer mal wieder das Sticheln einstellen und mit dem Strahlgerät abklären, um was es sich handelt. Dies kostet mitunter Zeit, ohne dass ein allzu großer Arbeitsfortschritt damit einhergeht, aber sicher ist sicher.

Im Bereich der Pfeilmarkierung lag der Gehäuserand etwas höher als erwartet. Immerhin ergibt sich durch das Tangieren mit dem Stichel eine zusätzliche Orientierung für den nächsten Wechsel von der Stichel- in die Strahlkabine.

 

Es wird noch einmal gestrahlt. Nach insgesamt gut zweieinhalb Stunden Präparation, mache ich für heute Schluss, schließlich muss für die Dokumentation nochmals ähnlich viel Zeit einkalkuliert werden.

 

12 Tag1

Abb. 12: Der anpräparierte Unterpliensbachium-Ammonit nach dem Abwaschen im Istzustand. Unterstellt man, dass alle noch nicht freigelegten Bereiche relativ gut erhalten sind, kann man durchaus auf ein schönes Fossil für die Sammlung hoffen.

 

13 Ventral

Abb. 13: In der ventralen Ansicht wird deutlich, das die Wohnkammer des Ammoniten (links) stark gestaucht ist. Sie hat, anders als der Phragmokon, die Sedimentauflast frühdiagenetisch nicht mehr ausgehalten und ist kollabiert. Solange die Schalensubstanz noch insgesamt vorhanden geblieben ist, bedeutet dies für die Ästhetik des Fossils zwar einen gewissen Abstrich, aber bei einem rund 185 Millionen Jahre alten Fossil makellose Schönheit zu erwarten, wäre ja auch fast etwas vermessen.

 

Soviel erst einmal für heute. In den nächsten Tagen geht es weiter. Da auch noch viel Arbeit am 116-seitigen April-Heft der Steinkern-Zeitschrift zu erledigen ist, wird es aber wohl noch etwas über Ostern hinaus dauern, bis der Ammonit fertig präpariert ist. Ich vermute, dass die Arbeitszeit bis zur Fertigstellung über 20 Stunden betragen wird.

 


 

 

Fortsetzung der Präparation (Karsamstag, 31. März 2018)

Nach einem recht langen Arbeitstag am Computer präparierte ich zur Entspannung am Abend noch einmal für rund drei Stunden am Ammoniten weiter. Zunächst begann ich mit dem kräftigsten bislang in meiner Werkstatt verfügbaren Druckluftstichel (HW-65), um schnell mit dem Grobabtrag voranzukommen.

 

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Abb. 14: Mit dem Abtragen des Konkretionsbuckels über der Wohnkammer sowie über dem Zentrum des Ammoniten geht es schnell voran. Hier kann man nicht viel verkehrt machen, solange keine Überraschungen (weitere erhaltenswerte Fossilien) auftauchen, was (leider) nicht der Fall war. Der Stichel wird flachwinklig über die abzutragenden Bereiche geführt, ohne dabei zu drücken.

Die Arbeitskabine wird während der Arbeit erkennbar exakt um den Betrag dreckiger, um den der Ammonit sauberer wird (vgl. die noch saubere Kabine in Abb. 8 im Hintergrund).

 

Ab und zu fallen vom Stichel kalt erwischte winzige Schnecken- und Ammonitengehäuse ins Auge - jedoch alles im Millimeterbereich - nicht zu erhalten bzw. allenfalls dann, wenn es in direkter Nähe zum Ammoniten läge und man es beim Strahlen entdeckt.

 

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Abb. 15: Beim groben Sticheln fällt mir indessen eine Bruchstruktur auf, die sich wie eine Art Sollbruchstelle einmal quer durch die Knolle zieht. Oha, nicht dass man den Ammoniten gleich von innen betrachten kann! Obwohl Green Ammonites mit ihrem grünlichen Kalzit von innen ja sehr schön aussehen, missfällt mir die Vorstellung. Bei allen Defiziten hatte dieser Ammonit schließlich auch einen Vorteil, es war kein Spalten auf einen Querbruch erforderlich, um ihn zu entdecken, wie dies sonst oft der Fall ist.

 

Als reine Vorsichtsmaßnahme tränke ich die verdächtige Fuge großzügig mit Kleber.

 

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Abb. 16: Die Fuge nimmt allerdings kaum etwas davon auf - sie scheint nicht besonders durchgängig zu sein. Aber man sollte lieber einmal zu viel als zu wenig kleben, zumal in diesem Fall die Kleberüberschüsse sowieso noch wieder weggestichelt werden und somit keine Teile des Fossils verunreinigen und nicht weiter stören.

 

Problematischer droht im Verlaufe der Präparation noch eine durch die Wohnkammer des Ammoniten verlaufende Kalzitader zu werden:

 

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Abb. 17: Entlang der kalzitischen Ader scheint der Ammonit etwas verschoben und gleichzeitig etwas löchrig zu sein, so jedenfalls in dem kleinen bisher anpräparierten Bereich.

 

Nachdem der Stein schon ein wenig mehr die Form eines Ammoniten angenommen hat, taste ich mich an einigen Stellen mit dem Flachmeißel des HW-70 an den Ammoniten heran, um den nächsten Strahlgang vorzubereiten.

Ich favorisiere bei der groben und mittleren Vorarbeit an Green Ammonite Beds Konkretionen das Arbeiten mit einem Flachmeißeleinsatz gegenüber dem Spitzmeißel, denn wenn man versehentlich zu nah ans Fossil gerät, besteht hier noch eher die Chance, dass die Schale trotz sehr schlechter Trennung einfach ein Stück freiplatzt oder nur geringfügig beschädigt wird, während man mit einem Spitzmeißel allzu leicht eine tiefe Furche in die Fossiloberfläche ziehen könnte. Dasselbe Problem wie mit dem Spitzmeißel besteht auch mit rotierenden Werkzeugen. Bei der Arbeit mit rotierendem Werkzeug wird ferner der Arbeitsbereich nicht durch austretende Druckluft sauber "gepustet" wie dies beim Sticheln der Fall ist, was vergleichsweise unpraktisch ist.

Je mehr man bereits über die Lageposition des Fossils weiß, desto eher kann man natürlich mit dem Werkzeug variieren, es hängt freilich auch vom zu präparierenden Fossil, dessen Komplexität und dem Umgebungsgestein ab, was sich am besten eignet. Sehr nah am Ammoniten wird der Flachmeißel stellenweise zu grob und man riskiert Schalenabplatzungen. Hier arbeite ich dann gern mit einer feinen Nadel auf dem HW-1 weiter - so werden keine allzu tief reichenden Erschütterungen hervorgerufen und man kann sich noch ein ganzes Stück weiter ans Fossil "heran gravieren". Voraussetzung für das Arbeiten mit solch feinem Gerät ist lediglich, dass man bereits recht genau weiß, wie das Fossil in dem vorzuarbeitenden Bereich verläuft.

 

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Abb. 18: Nun ist ersteinmal wieder genug vorrgestichelt und es kann gestrahlt werden. Die kleinen hellen und dunklen Punkte etwas unterhalb der Bildmitte erweisen sich hierbei erfreulicherweise als Mini-Schnecken wenige Millimeter über dem Ammoniten und nicht als fast schon befürchtete "Treffer von Ammonitendornen". Vor dem Strahlen wurde übrigens noch etwas Sekundenkleber in den der Kalzitader folgenden Spalt gegeben, um die hier sehr labile Schale zu stabilisieren.

 

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Abb. 19: Blick durch die Scheibe der Srahlkabine auf den Ammoniten und den Strahlgriffel (im Augenblick mit 1 mm Düse bestückt). 

 

Beim Strahlen lege ich den äußeren Rand der Wohnkammer frei, danach einige Rippen des vor der Gehäusemündung liegenden Ammoniten (liegt im Bild im Schatten), damit dieser nicht beim weiteren Sticheln in Vergessenheit gerät. An einigen Stellen werden kleine "Probeschurfe" bzw. "Gucklöcher" am großen Ammoniten angelegt. So gewinnt man mehr und mehr Orientierung am Objekt für die nächsten Stichelarbeiten und erhält zudem bereits qualitative Aussagen über das Fossil. Am Innenbug der Außenwindung taste ich mich hierzu punktuell (auf Abb. 19 auf 6 Uhr) nach unten, bis ein Rippenbogen der nächsten Windung erkennbar wird, um dann sofort zu stoppen. Da diese Sondierungen vom Strahlwinkel her natürlich alles andere als ideal für die Fossiloberfläche sind, muss man rasch aufhören, sobald der Ammonit sicher lokalisiert ist, das gilt insbesondere dort wo der Winkel sehr steil ist. Da man ohne dieses Vortasten des Öfteren blind in den Ammoniten hineinsticheln würde, ist dieses Prospektieren mit dem Strahlgerät in meinen Augen ein probates und vergleichsweise schonenderes Mittel, mir ist jedenfalls keine bessere Technik bekannt. Außer  vielleicht den Ammoniten von einem einzigen Punkt ausgehend freizulegen, was aber ein großes Risiko birgt: man fängt an einer guten Stelle an und stellt erst ganz spät fest, dass der Rest des Fossils in die Rubrik "wieder verwertbarer Bauschutt" fällt. Man kann mit einem Übermaß an Sorgfalt also auch viel Zeit vergeuden.

Hat man ein Netz an Punkten freigelegt, hat man damit jedenfalls ganz gute Voraussetzungen für einen recht zügigen und relativ unfallfreien Grobabtrag im Abstand von zirka 5-10 mm zur Fossiloberfläche in der Umgebung geschaffen.

 

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Abb. 20: Zurück in der Stichelkabine werden entlang der neu gewonnenen bekannten Bereiche noch einige relativ hohe Überstände reduziert. Genau dort, wo noch eine Höheninformation fehlt, komme ich dem Ammoniten mit dem Stichel allerdings näher als gewollt (auf 1 Uhr).

 

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Abb. 21: Zwei Rippen wurden leicht touchiert. Damit die Erschütterungen durch den Stichel später nicht zu merklichen Schalenverlusten beim Strahlen führen, wird die Schale zur Vorsicht auch hier mit dünnflüssigem Sekundenkleber gesichert.

 

Damit ist für heute Schluss mit der Arbeit - vermutlich sind auch die Nachbarn dankbar dafür, dass der Kompressor nach 22 Uhr nun endlich Ruhe gibt.

 

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Abb. 22: Der Venter sieht derzeit so aus. Die dünnen "Kratzer" auf dem anhaftenden Sediment etwas links der Bildmitte stammen vom HW-1. Als nächstes kann hier die Flanke freigestrahlt werden. Ergeben sich Überstände von mehr als 2-3 mm, kann man nochmals nachsticheln.

 

Nach kritischer Betrachtung der Venteransicht der Hybridform (Abb. 22) und, soweit nun im Ansatz erkennbar geworden, auch eines der kleineren Ammoniten, kann ich die Vermutung von Abb. 7, der kleinere Ammonit könne ein Oistoceras sein, getrost verwerfen. Es dürfte sich nach FOSTER, M. (unveröffentlicht) um eine Konkretion der Capricornus-Subzone handeln (dem Fundort nach müsste es ein abgerolltes "Stonebarrow Nodule" sein). Es wären dann je nach Nomenklatur Aegoceraten bzw. Androgynoceraten. Insgesamt wird es sich aber anbieten, die Bestimmung auf das Ende der Präparation zu verlagern, noch sieht man ja nicht viel.

 


Fortsetzung der Präparation (Ostersonntag, 1. April 2018)

 

Heute Abend geht es nochmals für zweieinhalb Stunden an den Ammoniten vom Stonebarrow, der ja nunmal in engen Zusammenhang mit Ostern gerückt wurde.

 

Ich beginne mit dem Strahlgerät. Zunächst läuft dabei alles nach Plan. Die Nabelkante der Außenwindung  kann auf längerer Strecke freigelegt werden, die Qualität der Schale ist in diesem Bereich gut. Der Abtrag geht stellenweise sogar zügiger als erwartet vonstatten, da ich mit dem Druckluftstichel am Vortag bereits längere Zeit (ohne es so ganz genau zu wissen) schon sehr nah am Ammoniten unterwegs gewesen war.

 

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Abb. 23: Nach rund einer halben Stunde war bereits einiges mehr zu sehen als zuvor. Ausgehend von dem "Treffer" in Abb. 21 konnte einiges in der Umgebung bis zur inneren Knotenreihe mittels kontinuierlichem Eisenpulverbeschuss freigelegt werden. 

 

Allerdings irritiert mich ein Schalenstück am Innenbug, das merklich disartikuliert vorliegt. Hier muss ich mit dem Strahler noch etwas nach dem Rechten sehen, um abzuklären, was hier passiert ist. Gehört es überhaupt zum Ammoniten?

 

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Abb. 24: Es wird mal hier, mal dort weitergestrahlt. So wird deutlich, dass stellenweise doch noch einiges weggestichelt werden kann. Kein Wunder, sonst hätte ich die erhabensten Bereiche der Ammonitenschale beim Sticheln zuvor ja auch schon laufend treffen müssen.

 

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Abb. 25: Rechts im Bild sind zwei angestrahlte Rippenbögen der Außenwindung zu sehen, während man auf der linken Seite nun bereits recht gut das schon gestern vorsichtig angestrahlte erste Rippchen der nächsten Windung erkennt. Es liegt ein beachtliches Stück tiefer als die Außenwindung, was eine wichtige Information für die weitere Vorarbeit entlang der Nabelkante der Außenwindung ist. Hier ist fast überall noch etwas "Luft nach unten".

 

Nachdem an nahezu allen Ansatzstellen wieder recht hohe "Abbauwände" erreicht sind, geht es in die Stichelkabine. Hier steht erst einmal wieder relativ grober Abtrag auf dem Programm, dort wo noch erkennbar recht viel Gesteinsauflage existiert. Nach zwanzig Minuten ist die Deckschicht Geschichte und ich bin der Ammonitenoberfläche überall recht nah. Leider kann man nun auch ausschließen, dass noch größere Ammoniten oder sonstige Fossilien im Gestein auftauchen - dafür ist jetzt der letzte denkbare Platz in sich zusammengeschmolzen.

Aufgrund der erreichten Nähe zum Fossil gilt es nun wieder vorsichtiger zu sein. Mit dem HW-70 und zuweilen auch mit dem HW-1 arbeite ich, orientiert an den freiliegenden Stellen so nah an den Ammoniten heran, wie mir das gefahrlos möglich scheint. Auch dem kleineren Ammoniten vor der Mündung des Großen nähere ich mich gezielt ein Stück, um beim nächsten Strahlgang noch dessen größten Windungsteil anstrahlen zu können. Dabei verläuft alles nach Plan.

 

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Abb. 26: Das Gros der Matrix gehört nun endgültig der Geschichte an. Der Stein hat durch die bisherige Arbeit insgesamt sicherlich bereits die Hälfte seines Gewichts eingebüßt.

 

Sorgen bereitet noch die Wohnkammer, vor allem in dem etwas disartikulierten Bereich. Bevor ich Feierabend mache, will ich hier noch etwas mehr Information gewinnen, was an der Stelle passiert. Leider treffe ich mit meinem bereits ganz schön tiefen Suchschurf nirgends auf Substanz! Die Hoffnung nach einigen Millimetern Versatz den Anschluss zu finden, erweist sich als trügerisch.

 

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Abb. 27: Der mit dem Strahler angelegte Suchschurf - wo bleibt der Ammonit?

Es ist noch nichts zu sehen. Nach allen Erfahrungen mit Green Ammonite Konkretionen gilt jedoch: er kann nicht weg sein, sonst hätte ich mich auch nicht so tief vorgewagt. Man kann Fossilien durch solche Buddelaktionen natürlich auch ruinieren.

 

Das Zentrum des kleinen Rechtecks kann nun mit dem Stichel entfernt werden. Durch die Prospektionsgräben ist ausgeschlossen, dass der Ammonit hier direkt auftaucht. Gleichzeitig wird der vom Venter her dem Suchschurf nächstgelegene Bereich des Ammoniten in Richtung Schurf erweitert. Der Lückenschluss ist das erklärte Ziel der Maßnahme. Hier hat man fürs Strahlen immerhin fürs Erste noch einen konkreten Anhaltspunkt. Man hätte natürlich auch gleich von hier langsam vorarbeiten können, andererseits hatte ich hinter der Nabelkante anfangs auch nicht mit einem ganz so starken Versatz gerechnet.

Beim Strahlen von oben taucht eine recht glatte Pyritoberfläche auf, ist das schon die hier pyritüberkrustete Ammonitenschale? Nein, dies erweist sich als Fehlalarm, es ist nur eine dünne pyritische Fläche knapp über dem Ammoniten, die seitlich "unterstrahlt" werden kann. Darunter geht es glücklicherweise dann doch noch mit dem Ammoniten weiter!

 

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Abb. 28: Im Zentrum des Fotos ist die zunächst beim Strahlen irritierende Pyritfläche zu sehen. Diese befindet sich etwas oberhalb des Ammoniten und kann beim nächsten Arbeitsgang mit dem Stichel entfernt werden, nachdem klar ist, dass sie allenfalls mittelbar mit dem Ammoniten zu tun hat.

 

Insgesamt löst der starke Höhenversatz in der Ammonitenwohnkammer keine große Begeisterung bei mir aus. Die Beimengung von Pyrit ebenso wenig. Beides wird nicht zu einem schnellen Vorankommen beitragen. Der Höhenversatz lässt sich beim Sticheln kaum sicher antizipieren, es wird also sehr viel gestrahlt werden müssen.

Wenn wir uns Abb. 13 noch einmal anschauen, war eigentlich klar, dass die Wohnkammer mächtig Druck abbekommen hat. Dass der relativ stabile Innenbug des Ammoniten unter solchen Bedingungen stehen bleibt und das Gehäuse dahinter kollabiert, ist auch üblich. Betrachten wir das Ergebnis des Suchschurfs also als zentralen und hilfreichen Ansatzppunkt für das weitere Hineintasten in den disartikulierten Wohnkammerabschnitt! Sobald der unverdrückte Phragmokon erreicht ist, was zirka nach einem Viertelumgang der Fall sein sollte, geht es dann voraussichtlich wieder etwas berechenbarer zu.

 


 

Fortsetzung der Präparation (Ostermontag, 2. April 2018)

Auch am Abend des Ostermontag schweigen Kompressor und Stichel nicht. Das erklärte Ziel der heutigen Mission: den äußeren Abschnitt der Wohnkammer vollständig freilegen, ohne allzuviel nach links oder rechts zu schauen. Auch wenn der Spaßfaktor aufgrund der Gesteinshärte durch den Pyritgehalt in Ammonitennähe dabei nahe Null liegen dürfte, da es absehbar nur äußerst zäh vorangehen wird.

 

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Abb. 29: Da mein Abschlussfoto der Gesamtansicht vom Ostersonntag verwackelt war, habe ich es nicht veröffentlicht und diesmal zum Start ein besseres Foto gemacht. Der Ammonit ist noch ziemlich staubig von der letzten Bearbeitung in der Strahlkabine - da ist mittlerweile nämlich einiges an Feinstaub im Strahlpulver enthalten.

 

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Abb. 30 und 31: "Das Gestein muss weg, das Gestein muss weg!"

Die obere Hälfte kann innerhalb einiger Minuten mit dem Stichel HW-1 entfernt werden - das Ergebnis sieht man rechts im Bild. Bei genauer Betrachtung erkennt man auch eine dunkle Verfärbung im Gestein - in diesem Bereich ist sehr viel Pyrit enthalten, das kann heiter werden!

 

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Abb. 32: Nach vierzig Minuten strahlen (Zeitdifferenz, die die Kamera zwischen meinen Fotos anzeigt), ist das Sediment im aktuellen Arbeitsbereich erkennbar zusammengeschmolzen. Der Ammonit ist darunter pyritisch überliefert. Jetzt sind die Ränder des verbleibenden Sedimentplackens wieder so erhaben, dass es höchste Zeit ist, noch einmal mit dem Stichel vorzuarbeiten, um nicht unnötig viel Zeit mit langwierigem Strahlen noch deutlich vom Fossil exponierter Bereiche zu verplempern. 

 

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Abb. 33: Detailansicht des freigelegten Bereichs. Hier sieht man deutlich, wie der Ammonit nahtlos von Kalzit zu Pyrit übergeht. Ich habe allerdings noch nie gehört, dass ein Ammonit aus den Green Ammonite Beds ausgeblüht ist, von daher lasse ich mich nicht beirren. Wenn mein Exemplar später einmal ausblüht, hat es wenigstens ein Alleinstellungsmerkmal, es wäre "der erste ausgeblühte Green Ammonite ever".

 

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Abb. 34: Mit dem HW-1 wird nochmals etwas "gekratzt". Mittlerweile sieht man im Gesamtkontext der Verdrückung gut, warum ich gestern an dem Versatz (weißer Pfeil) nicht auf Ammonitensubstanz stieß. Es geht hier mächtig in die Tiefe.

 

Auch an ein paar anderen Stellen stichele ich nun noch mit dem HW-1 einige Millimeter vor. Immer wenn man dabei gerade übermütig zu werden droht und meint, eigentlich könnte solche auf Dauer etwas stupide erscheinenden Vorarbeiten auch ein gut trainierter Schimpanse erledigen, schlägt der Stichel dann doch wieder irgendwo an einem unerwarteten Versatz der Schale ein. Heute war aber kein Wirkungstreffer dabei. Dennoch, man muss beim Fossilien präparieren stets aufmerksam bleiben, auch wenn die Arbeit an einem solchen Stück für erfahrene Präparatoren hauptsächlich eine Fleißarbeit ist. Man kann schon in Sekundenbruchteilen viel kaputt machen, deswegen spricht man ja auch von "-bruchteilen."

Ein ernstzunehmender Risikofaktor: unser nunmehr 15-jähriger Cocker Spaniel, der am Vortag (kein Aprilscherz) aus Vorfreude auf sein Abendbrot unvermittelt durch Mark und Bein gehendes Gebell anstimmte, was mich völlig unvorbereitet traf. Durch die Konzentration auf das Werkstück und das Arbeitsgeräusch des Stichels bekommt man mitunter nicht viel davon mit, was sich in der Umgebung tut. Vor Schreck unwillkürlich zusammenzuzucken, ist nicht unbedingt ideal, wenn man Ammoniten präpariert - hier blieb es glücklicherweise folgenlos. Von einem Stacheltrilobiten wäre in gleicher Ausgangslage wohl nur noch ein entstachelter Torso übrig geblieben wieviel vom Cocker, sei dahingestellt ... möchte man augenzwinkernd hinzufügen.

 

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Abb. 35: Auch in der Totalen sieht es nun schon mehr und mehr nach Ammonit aus. Rechts liegt der kleine Stichel (HW-1), der verglichen mit den anderen bei dieser Präparation im Einsatz befindlichen Sticheln fast eher graviert als Material abzusprengen.

 

Nun wird für den Rest des Abends nur noch gestrahlt.

 

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Abb. 36: Zum Abschluss der heutigen Präparationssitzung habe ich den Ammoniten abgewaschen und nass fotografiert. Die hellen Punkte sind glücklicherweise Lichtreflexionen und keine Sticheltreffer. Das "Draufhalten" mit dem Strahler hat letztlich seine Wirkung nicht verfehlt. Die eingedrückte pyritische Partie am äußersten überlieferten Teil der Wohnkammer liegt insgesamt frei. Rechts oben ist beim Strahlen noch eine kleine Muschel aufgetaucht. Wenn das fragile Stück nicht später versehentlich beschädigt wird oder wegfliegt, kann es dauerhaft dort verbleiben.

 

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Abb. 37: Abschließend für heute noch ein Übersichtsbild. Dank des Benetzens mit Wasser, erhält man temporär bereits eine Annäherung an die Farbe, welche der Ammonit später in eingelassenem Zustand annehmen könnte. Wer die Vorherbilder genau vergleicht, sieht auch, dass ich inzwischen z. B. auf 0 bis 1 Uhr schonmal die äußere Dornenreihe angestrahlt habe. Das wird beim nächsten Vorsticheln in diesem Bereich von Nutzen sein.

 

Die Reihenfolge der Freilegung ist in dieser Phase nicht ganz so wichtig, es wird jedoch sinnvoll sein, die Neugierde hinsichtlich der Innenwindungen noch etwas zu zügeln und die Arbeit im Wesentlichen an der Außenwindung fortzusetzen.

 

Es stecken nun insgesamt 10 Arbeitsstunden in dem Stück, Ostern ist vorbei - aber die Präparation noch lange nicht.

 


 

Fortsetzung der Präparation (Samstag, 7. April)

Das April-Heft der Steinkern-Zeitschrift ist seit Freitagabend im Druck (zur Info: bis zur Lieferung an die Abonnenten wird es dennoch Ende April werden!), so konnte ich mich nach der kleinen Auszeit in Sachen Präparation heute etwas länger mit deren Fortsetzung befassen. Über Nacht hatte ich einen nassen Lappen auf die Außenwindung des Ammoniten gelegt, da das Gestein - wenn es Feuchtigkeit aufnimmt - mitunter etwas geschmeidiger zu strahlen ist. Schaden kann es jedenfalls nicht. Gegenüber einem Wasserbad hat diese Variante den Vorteil, dass der Ammonit nur etwas mit einem Handtuch abgetupft werden muss, bevor es losgehen kann. Eisenpulver und Nässe vertragen sich nämlich nicht sonderlich gut.

Mein Plan für heute: Soviel wie möglich von der Außenwindung freilegen und insbesondere den zähen pyrithaltigen, verdrückten Wohnkammerbereich abschließen. Auf geht´s, es gibt keine Zeit zu verlieren!

 

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Abb. 38: Zunächst wird der Bereich rund um 0 Uhr freigestahlt, um dann später mit der hier gewonnenen Orientierung in Richtung 11 Uhr bzw. 10 Uhr vorzudringen, wo die Schale des Ammoniten durch die Verdrückung bedingt einen Versatz nach unten macht. Beim Strahlen ist das relativ unbeachtlich, jedoch muss zwischendurch noch hin und wieder zum Stichel gegriffen werden und hierfür scheint es sinnvoll, sich von oben nach unten vorzutasten, weil es das Beschädigungsrisiko etwas minimiert.

 

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Abb. 39: Der zunächst freigestrahlte Bereich im Detail. Hier ist der Ammonit nur wenig verdrückt (so könnte er gern überall aussehen!) und auch das Gestein nicht sonderlich pyrithaltig, somit geht es vergleichsweise zügig voran. Die schmale Kalzitadern, die sich hier durchs Fossil ziehen, behindert das Vorankommen kaum.

 

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Abb. 40: Eine Stunde später, sieht es so aus. Einzig überraschend war der auf 1 Uhr durch den Schattenwurf sichtbare Versatz, der - wie könnte es anders sein... - natürlich beim zwischenzeitlichen Vorsticheln einmal leicht mit dem "Einser" (HW-1) touchiert worden ist.

 

Obwohl ich heute 90 % der Arbeitszeit mit strahlen zubringen werde, sind die 10 % Sticheln unentbehrlich, da sie ungefähr 50 % zum Materialabtrag beitragen. Insbesondere im pyrithaltigen Teil käme man ohne das zwischenzeitliche Sticheln überhaupt nicht voran. Der Zeitgewinn durch das Sticheln ist also enorm, um der ansonsten naheliegenden Frage vorzugreifen: "Warum nicht alles Strahlen?"

 

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Abb. 41: Das problematische, weil eingedrückte und stark pyrithaltige und von einer dicken Kalzitader durchzogene Areal ist erreicht - hier kulminiert alles, was man bei einem Green Ammonite "Nodule" (so der englische Begriff für die Konkretionen) an Problemen vorstellen kann.

Oberhalb der Bildmitte ist eine "Abbaukante" vom Strahlen zu sehen (Schattenwurf). Hier können nochmals 1-2 mm mit dem Stichel abgenommen werden, bevor man sich bei der Weiterarbeit "einen Wolf strahlt".

 

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Abb. 42: Das Bild zeigt noch einmal denselben Sachstand wie Abb. 41. Es soll zeigen, dass hier an zwei Fronten gekämpft wird. Aufgrund der Stauchung am Venter muss man nämlich höllisch aufpassen, nicht unvorhergesehen in eine der hochgedrückten Scherben zu geraten. Deswegen wird hier zur Orientierung konsequent am "First" des Venters entlang gestrahlt (rechter unterer Bildrand).

 

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Abb. 43: Blick auf das momentane Arbeitsfeld im Gesamtkontext. Es ist 14:23 Uhr - ein bisschen ´was sollte heute noch zu schaffen sein.

 

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Abb. 44: Nochmals rund eine Stunde später, sieht man in der Lateralansicht leider noch kaum Fortschritt. Das liegt daran, dass hauptsächlich am Venter gearbeitet wurde, wie Abb. 45 zeigt. Ein kleines Bisschen habe ich ansonsten noch entlang der Kalzitader im schwierigen Bereich, wo jeder Millimeter hart errungen werden muss, in die Tiefe gestrahlt.

 

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Abb. 45: Der Durchbruch am Venter ist geschafft. Etwas rechts der Bildmitte ist beim Strahlen ein kleiner pyritisierter Ammonit aufgetaucht, den ich zunächst einmal auf dem Sockel belasse. Was bei näherer Betrachtung als nettes Detail erscheint, sieht in der Gesamtansicht des großen Ammoniten möglicherweise eher aus, wie eine Stelle, an der vergessen wurde das Gestein zu entfernen - da muss man gegebenenfalls abwägen.

 

Nachdem alle Seiten des steinernen Flickenteppichs deutlich über dem Fossil liegen, greife ich einmal mehr zum Druckluftstichel.

 

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Abb. 46: In den meisten Bereichen komme ich dem Fossil so auch unfallfrei einen wichtigen Tick näher. In der "Pyritmulde" liegt dann aber leider ein Dorn vollkommen anders als erwartet und wird etwas angemackelt. Man erkennt aber trotzdem noch, dass es mal ein Dorn war. Da Sticheln hier "alternativlos" ist, hält sich der Ärger in Grenzen.

 

Frei nach dem Motto des Präsidenten der Europäischen Zentralbank Mario Draghi in der Eurokrise "Whatever it takes." (Koste es was es wolle.) halte ich trotzdem von nun an mit dem Strahler drauf, was das Zeug hält!

Zwischendurch muss heute mehrfach der Strahltank aufgefüllt werden. Es dauert zwar, aber es verfehlt seine Wirkung nicht - steter Eisenpulverbeschuss höhlt den Stein.

 

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Abb. 47: Nur ein kleines Areal entlang des "Marianengrabens" ist so knüppelhart, dass es mit dem Strahler kein Stück mehr vorangeht. Nach nochmaligem Sticheln (im Bild schon passiert) wird dann aber auch dieser Sedimentrest Geschichte sein.

 

Damit ist die wahrscheinlich schwierigste und langwierigste Passage der Präparation Geschichte - als Katholik würde ich jetzt erst einmal drei Kreuze machen.

 

Ich strahle stattdessen nochmals etwas und wasche danach den Ammoniten fürs nächste Foto ab. Da die Sonne bereits etwas tiefer steht - ich hatte zwischenzeitlich auch mal kurz pausiert - sieht man die zwei Knotenreihen gut, die das liparoceratoide Stadium ausmachen.

 

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Abb. 48: Der verschobene Teil der Wohnkammer ist nun vollständig freigelegt. Von der Außenwindung ist nur noch auf 3-4 Uhr ein größerer Bereich mit Sediment bedeckt, den abzutragen vergleichsweise dankbar werden dürfte, also geht es zur Entspannung gleich hier weiter.

 

Das Gestein wird beim Strahlen stets in möglichst flachem Winkel abgetragen. Zunächst versuche ich mit dem Strahler der Fossiloberfläche auf einem kleineren Areal nochmals näher "auf den Pelz zu rücken" als das mit dem Stichel ohne akute Beschädigungsgefahr für das Fossil möglich war. Ziel ist es, knapp über dem Fossil herzustrahlen, ohne es dabei bereits zu erreichen. Im nächsten Schritt wird dann dieselbe Fläche ganz bis aufs Fossil abgetragen, was dann wegen der nur noch marginalen Gesteinsbedeckung sehr zügig vonstatten geht. Es ist wichtig, dass Stellen der Fossiloberfläche im direkten Zuge der Freilegung nicht zu lange dem Strahlmittel ausgesetzt werden und auch später nicht mehr bei Arbeiten in der Umgebung erneut tangiert werden. Ein Fußschalter am Strahlgerät, mit dem man den Strahlfluss sofort unterbrechen kann, ist für ein gezieltes Unterbrechen des Strahlflusses unerlässlich. So kann man nach Freilegung einer Stelle den Strahlgriffel zum nächsten freizulegenden Bereich bewegen, ohne dass beim Wechseln der Position unkontrolliert weiter Pulver fließt und auf das Fossil niederprasselt. Den Profi-Präparatoren unter den Lesern und vielen Fortgeschrittenen mag das banal erscheinen, allerdings gibt es sicherlich auch einige Neulinge unter den Lesern, an die sich dieser Hinweis richtet. Also: Beim Erwerb von Strahlgeräten immer darauf achten, dass diese per Fußschalter betätigt werden können!

 

Nachdem die Außenwindung freiliegt, kommen noch ein paar Rippen der Innenwindung an die Reihe, zusätzlich wird der Bereich vor der Mündung der Hybridform annähernd 90° steil mit dem Flachmeißel des HW-70 abgetragen. Hierbei muss aufgepasst werden, dass vom Rand der Wohnkammer keine Substanz abplatzt, die Schale ist hier hauchdünn.

Der kleine Ammonit vor der Wohnkammer taucht leicht schräg nach unten ab, ihn ganz darzustellen wird kaum möglich sein, aber zumindest die Hälfte wird man freilegen können und das sollte sogar ganz gut aussehen, wenn die Erhaltung nicht zu sehr schwächelt. Der Ammonit ist noch stärker eingedrückt von der Rückseite als das große Exemplar, von daher hat man leider keine Garantie - ich bin aber guter Dinge.

 

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Abb. 49: Man beachte das Wohnkammerende mit dem darunter liegenden kleineren Ammoniten.

 

In Abb. 49 ist außerdem sichtbar, dass ein Teil des Überstandes des in mehreren Schichten rückseitig aufgetragenen Kunstharzes bereits reduziert worden ist. Hier habe ich abwechselnd mit dem HW-70 und einem Proxxon mit Diamantscheibe einiges abgetragen. Am Ende der Präparation muss hier noch etwas mehr mittels drehendem Werkzeug weggeschliffen werden, in der Absicht, dass in der vorgesehenen Präsentationsposition kein künstliches Material mehr sichtbar ist. Wie man den Ammoniten später auf einem Schiebeständer aufstellen wird müssen, war in diesem Fall ja leider schon bei Beginn der Präparation prädeterminiert. ;-)

Ergänzen werde ich den Ammoniten übrigens nicht, ich suche lieber bei Gelegenheit weiter nach einem perfekten Exemplar.

 

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Abb. 50: Der aktuelle Stand. Hier erkennt man die angesprochenen nächsten freigestrahlten Rippen der größten Innenwindung. Exakt nach einem Umgang, also am Aufeinandertreffen mit der Außenwindung, befindet sich ein deutlicher Versatz entlang der breiten Kalzitader. Hier war ziemlich bröckelige Substanz enthalten. Es zeigte sich nach jeweils kleinen Schreckmomenten dann aber jeweils wieder - wenn auch erst nach einem gewissen Versatz - die erhoffte schöne und wiederum recht stabile Schalenoberfläche.

 

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Abb. 51: Detailansicht des Bereichs vor der Wohnkammer mit dem kleinen Ammoniten. Rechts daneben verläuft die schwierige Kalzitader, die zum Glück beim weiteren Präparieren kein Thema mehr sein wird, weil die durchzogenen Bereiche bereits vollständig freigelegt sind.

 

Heute habe ich insgesamt rund sechseinhalb Stunden weitergerarbeitet - somit sind wir nur bei einem Zeitaufwand von 16 1/2 Stunden angelangt. Eine Prognose, wie lange es wohl noch dauern wird, ist schwierig abzugeben - vielleicht noch mehr als fünf, aber weniger als zehn Stunden? Neben den Innenwindungen und dem zweiten Ammoniten gilt es auch noch die Venteransicht rückseitig einigermaßen ansehnlich zu gestalten. Das ist schon noch einiges an Arbeit, es werden daher wohl noch mindestens zwei Fortsetzungen an dieser Stelle folgen.

 

P.S.: Nachtrag: Ich habe ganz vergessen zu erwähnen, dass sich zwischenzeitlich der neugierige aus Abb. 4 und 5 bekannte Osterhase ein Bild vom ordnungsgemäßen Fortgang der Präparation gemacht hat:

 

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Abb. 52: Bei seiner kurzen Stippvisite teilte der Gast ferner mit, dass sein Zeitarbeitsvertrag ausgelaufen sei und die Arbeitsmarktsituation für Osterhasen trotz insgesamt guter Wirtschaftslage ersteinmal schlecht sei, sodass er erst in gut einem Jahr wieder mit einer Anschlussbeschäftigung rechne.

 

Sönke Simonsen

 


 

Fortsetzung der Präparation (Montag, 9. April)

Heute habe ich nur noch einmal eine gute halbe Stunde am Ammoniten weitergemacht - es wurde dabei ausschließlich gestrahlt. In dem nun erreichten Größen- bzw. Altersstadium des Ammoniten verlischt die Beknotung allmählich. Eigentlich müsste man andersherum schreiben: Die Dornen setzen erst kurz vor dem Beginn der äußeren Windung ein. Im Zentrum erwartet uns also von der Form her ein "Aegoceras", während der Ammonit außen eher an ein "Liparoceras" erinnert - die Verschmelzung der beiden Formen macht diese Hybridformen aus.

53 Hybridform

Abb. 53: Es geht ganz ordentlich weiter in Richtung Zentrum, aber eine halbe Stunde ist angesichts des harten Gesteins natürlich nur ein Tropfen auf einen heißen Stein.

 


 

Fortsetzung der Präparation (Dienstag, 10. April)

Heute hatte ich mir vorgenommen, die Präparation abzuschließen - jedenfalls die echte Präparation, während die rückseitige Überarbeitung der Ergänzung sowie das Einlassen des Ammoniten später erfolgen sollen.

 

Das Gestein über den Innenwindungen war über Nacht wiederum mittels eines nassen Tuchs feucht gehalten worden.

 

 

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Abb. 54

 

Nach dem Lüften des Tuches werden flächendeckend mit dem HW-1 nochmals 1-2 mm Substanz über den Windungen entfernt, was auch unfallfrei gelingt.

 

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Abb. 55: Der Rest ist jetzt reine Strahlarbeit!

 

Zunächst geht es noch mit 7 bar zu Werke, dann - je feiner die Rippen werden - nur noch mit rund 4 bar. Mit noch weniger Druck kommt kaum ein Abtrag zustande. Leider hat der Ammonit an der Nahtstelle von der zweiten zur dritten Windung von außen eine größere "Problemstelle". Hier befindet sich bröckelig-weiche Kalzitsubstanz unter der teils kalzitischer Steinkern oder versetzte Schalenreste zum Vorschein kommen, teils auch gar nichts. Nach einigen Rippen geht es dann allerdings in guter Qualität weiter.

 

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Abb. 56: Nacht anderthalb Stunden Strahlen nähert sich die Vorderseite des großen Ammoniten der Fertigstellung.

 

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Abb. 57: Hier sieht man zentral den "problematischen Bereich". Es wurde freigelegt, was vorhanden war. Tröstlich ist einzig, dass es in der Nachbarschaft relativ schnell wieder in guter Qualität weitergeht.

 

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Abb. 58: Die nächste Baustelle in den Fokus gerückt. Bevor das Zentrum des Großen freigelegt wird, entscheide ich mich, erst einmal hier weiterzumachen. Einerseits bleibt so die Spannung hinsichtlich des Vorhandenseins der Innenwindungen des Großen noch etwas weiter bestehen, andererseits - rein pragmatisch betrachtet - muss ich die Strahldüse dann nicht unnötig häufig wechseln. Für die Freilegung der Zentren muss nämlich jeweils eine feine Düse her.

 

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Abb. 59: Die Außenwindung des kleinen Ammoniten macht schonmal einen guten Eindruck. Ihn ganz freizulegen, würde zuviel Tiefschachtung in der Hybridform bedeuten, an der ich auch so schon noch mehrfach mit dem Stichel etwas höhlen muss, um das inzwischen definierte Ziel zu erreichen. Die Maßgabe ist, dass die Innenwindungen des kleineren Ammoniten zum Schluss vollständig sichtbar sein sollen.

 

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Abb. 60: Strahldüsen - von 1.0 mm wird auf 0.8 mm gewechselt. Das macht durchaus einen erheblichen Unterschied in Sachen Genauigkeit.

 

Zum Schluss vernachlässige ich die Fotodokumentation ein wenig, schließlich möchte ich heute endlich fertig werden!

 

Erst kommen die Innenwindungen des Großen an die Reihe. Ganz vorsichtig geht es mit der 0,8er-Düse und nur noch 2-3 bar Druck zu Werke. Es hilft alles nichts, der Ammonit schwächelt ganz innen, dann setzt er ganz aus. Eine bittere Pille!

Dies entspricht auch nicht meinen bisherigen Erfahrungen mit den Green Ammonites, allerdings präpariere ich normalerweise auch keine Exemplare, von denen außen bereits Teile eingedrückt sind und selten so große Stücke. Von daher schiebe ich derartige unerwartete Schwächen auf die nicht vollständige Konkretionseinbettung. Nun, es sind immerhin vier Umläufe ganz ordentlich beieinander und ein fünfter noch einigermaßen vorhanden, was im Zentrum immerhin kein riesiges Loch entstehen lässt, aber begeistert bin ich trotzdem nicht.

 

Jetzt hoffe ich, dass wenigstens der kleinere Ammonit schön reinläuft. Dies könnte durchaus noch zu einer Aufwertung der Gesamtansicht beitragen. Und siehe da, er läuft "wie am Schnürchen" - geht doch!

 

Nachdem die Vorderseite fertiggestellt ist, wird der Venter rückseitig präpariert, soweit dies noch erforderlich ist. Auch ein Teil der Flanke wird freigelegt. Dabei können einige winzige Pyritammoniten sowie die von Anfang an sichtbaren eingedrückten kleineren Ammoniten freipräpariert werden. Rein theoretisch hätte man hier noch weiter arbeiten können, aber nach dem Glätten des verbleibenden Konkretionshäubchens und nochmaligem Überstrahlen sind allein heute bereits wieder 7 1/2 Stunden vergangen und die Rückseite wird auch nach nochmaligen fünf Stunden nicht zur Schauansicht werden, es fehlt hier einfach zuviel.

 

Schauen wir uns das Resultat nach Säubern und Trocknen des Ammoniten  an:

 

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Abb. 61: Entgegen meiner eigentlichen Planung, den Ammoniten auf die Fehlstelle zu stellen, sieht er dank des kleinen Aegoceras in der Mündung in dieser um 90° gedrehten Position nun durchaus recht vorzeigbar aus. Auch völlig ungeschönt, ohne jegliche Restauration oder Steinpflege. Ausgehend von einem Rohling hart an der Grenze zur Präparationswürdigkeit ein insgesamt zufriedenstellendes Ergebnis. Da der Strand nicht gerade mit Hybridformen gepflastert ist, sind auch die 24 Stunden Präparationsarbeit für mich gerechtfertigt. Viel länger hätte es aber auch nicht unbedingt dauern müssen. ;-)

 

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Abb. 62: Das kleine Aegoceras in der Mündung hat sich besser entwickelt als erwartet. Man beachte die geschwungene Kerbe kurz vor der Mündung - vielleicht war der Mundsaum hier beschädigt worden (ausgebrochen) und wurde neu aufgebaut? Ein interessantes Detail.

 

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Abb. 63: Tja, vom Zentrum des Großen hatte ich mir etwas mehr erfhofft! Fossilien sammeln und präparieren ist aber leider kein Wunschkonzert.

 

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Abb. 64: Hier fällt das "Potemkinsche Dorf" in sich zusammen - alles Fassade! Wobei man sagen muss, ohne die Unterfütterung mit Akepox wäre es schlichtweg nicht gegangen. Und - später dann etwas zugespachtelt - wird auch die Rückseite durch den Ammonitenbesatz noch einen gewissen Charme entwickeln.

 

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Abb. 65: Detail der Rückseite.

 

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Abb. 66: Das sieht nicht nach Aegoceras aus, vielleicht ist es ein klitzekleines Prodactylioceras?

 

68 70

Abb. 67-69: Drei sehr unterschiedliche Venteransichten. Die linke Ansicht zeigt die nicht unerheblichen Problemstellen beider Ammoniten, die mittlere den Ammoniten so wie man ihn gern hätte (nur mit etwas wenig Schale...) und die rechte den recht anspruchsvoll zu präparierenden First der verdrückten Wohnkammer.

 

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Abb. 70: Zum vorläufigen Abschluss des Berichts hier noch ein Foto, dass die größeren Mängel bewusst etwas kaschiert - so ungefähr hätte es also aussehen können, wenn die Ammoniten nicht aus der Knolle herausgeragt hätten. Das Androgynoceras gr. hybridiforme, so würde ich es nach nach FOSTER vorläufig benennen, ist etwa 180 mm groß, während das Aegoceras nur etwa 50 mm Durchmesser hat. Das restliche Gestein, welches man oben an der Wohnkammer sieht, kann übrigens nicht wegpräpariert werden, weil sich auf der Gegenseite hochgedrückte Schale des Ammoniten befindet.

 

Ich hoffe, es hat ein wenig Spaß gemacht die Höhen und Tiefen der Präparation mitzuverfolgen!

 

Wenn ich mal Zeit und Lust zum Zuspachteln bzw. Kolorieren des Kunstharzes sowie einsatzfähiges Steinpflegemittel habe, wird vielleicht noch ein letztes kleines Update erfolgen.

Etwaige Bestimmungshinweise könnten darin auch noch Berücksichtigung finden, wobei der Gordische Knoten bei der Nomenklatur der Liparoceratidae bisher ohnehin noch nicht durchschlagen ist. Wichtiger als der aktuell (subjektiv) valide Name ist eigentlich das Verständnis, dass die Familie Liparoceratidae einen außergewöhnlichen Trimorphismus (Dreigestaltigkeit) hervorgebracht hat, mit den Hybridformen als Bindeglied zwischen den anderen beiden Ausprägungen, die sonst morphologisch wenig verbindet. Aufgrund der vermittelnden Form ist es folgerichtig, dass die Hybridformen sowie die capricornen und die liparoceratoiden Formen in eine Familie gestellt werden. Im nächsten Schritt lassen sich dann oft noch die Formen einander zuordnen, die gemeinsam in einer Schicht vorkommen, entweder durch horizontierte Suche (an Fundstellen wo dies möglich ist) oder eben durch Stücke, die mit gleichaltrigen Verwandten assoziiert vorliegen, wie in diesem Fall.

 

Daten zum Fund im Überblick:

Androgynoceras gr. hybridiforme, 180 mm und Aegoceras sp., 50 mm

Stratigraphie: Davoei-Zone / vermutlich Capricornus-Subzone / Stonebarrow Nodule (Strandfund)

Fundort: Stonebarrow Hill bei Charmouth (Dorset, England)

Zeitaufwand der Präparation: zirka 24 Stunden

 

 

Sönke Simonsen

 

Literatur:

FOSTER, M. (unveröffentlicht): The Green Ammonite Nodules of the Dorset Lias - The Horizons of the Stonebarrow and Westhay Nodules, 104 S., 46 Taf.

 

 


 

Über den Bericht kann gerne im Forum diskutiert werden:

https://forum.steinkern.de/viewtopic.php?f=3&t=26057