Fossiles Holz aus dem Geschiebe

Fossiles Holz aus dem Geschiebe


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Geschiebeholz aus Tramm
Länge 23 cm, Gewicht 1,4 kg

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Ähnliches Stück quer geschnitten und poliert.
Oberes Bild: 14 cm x 5,5 cm
Unteres Bild: Detailausschnit des Holzes darüber
Jahresringe (vertikal), Holzstrahlen (horizontal) und Holzzellen

Der Norddeutsche Raum wurde, wie bekannt, mehrfach von Eisbergen überfahren. Mit dem Ende jeder Eiszeit blieben große Mengen Sand und Geröll zurück, das sogenannte Geschiebe.
Neben Gesteinen der unterschiedlichsten Arten aus dem skandinavischen Raum sind auch sehr viele Flint- oder Feuersteine aus den Kreidebergen zwischen Møn und Rügen sowie aus dem Norden Dänemarks dabei.
Aus dem baltischen Raum ist aber erfreulicherweise auch Holz mit nach Norddeutschland getragen worden. Diese Stücke sind durchweg verkieselt. Mir bekannte Fundorte sind z.B. die Kiesgrube in Tramm bei Dannenberg, die Kiesgruben der Fa. Andresen in Damsdorf und Segrahner Berg.
Auch stark von Teredo (eine Bohrmuschel, auch Schiffsbohrwurm genannt) befallene Stücke aus Damsdorf und Groß Pampau befinden sich in meiner Sammlung.

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Von Teredo befallenes Kieselholz, Größe zirka 6 cm x 4 cm

Baumförmige Nadelhölzer (Gymnospermen) haben sich zwar schon vor 260 Millionen Jahren im kühleren Perm entwickelt, die verkieselten Geschiebehölzer aus Tramm und dem übrigen Norddeutschen Raum sind jedoch überwiegend dem Eozän zuzuordnen. Sie sind somit ca. 40 – 50 Millionen Jahre alt. Zu dieser Zeit war der Bereich östlich der Fundstellen, der sogenannte baltoskandische Raum,  mit einem sogenannten Bernsteinwald bewachsen. Es ist daher gut möglich dass der Lieferant der Harze zur Bernsteinentstehung, ein den heutigen Kiefern sehr ähnlicher Baum, auch der Lieferant der verkieselten Hölzer ist. Ältere Untersuchungen sehen als Harzlieferanten auch eine Pinienart (Pinus succinifera).
Das Klima im Entstehungsgebiet war zu der Zeit gemäßigt warm bis subtropisch, ist also mit dem heutigen Klima in Florida oder Südchina zu vergleichen.

Die Hölzer sind innen meist dunkelbraun gefärbt. Außen zeigen sie eine hellere Farbe. Dieses lässt sich mit Einlagerung in aggressiven Lösungen im Boden erklären.
Eine Rinde fehlt in der Regel bei den Geschiebehölzern.

Anschliffe
Durch die Verkieselung sind feinste Strukturen des Holzes erhalten geblieben, so dass mit der nötigen Erfahrung, eine recht gute Bestimmung möglich ist. Dem Laien ist zumindest eine Unterscheidung von Laub- und Nadelhölzern möglich.
Zur Bearbeitung müssen zumindest Anschliffe, möglichst in 3 Richtungen, quer, radial und tangential, angefertigt werden. Besser und genauer sind aber Dünnschliffe aller 3 Richtungen.
  
Am Querschliff  sind die Jahresringe mit bloßem Auge, und die Holzzellen (Tracheiden) sowie die Holzstrahlen (Parenchymzellen) unter dem Binokular deutlich zu sehen. Gelegentlich sind axiale auch Harzgänge erkennbar.

Dieter Ketelsen

    
Quellen:    
Versteinertes Holz,  extra Lapis Nr. 7
400 Millionen Jahre Baum / Bayrische Staatssammlung für Paläontologie.
Der Aufschluß, 1978, Heft 9,
Mineralien Magazin  4 / 1981
Fossilien, Heft 5 / 1986
Atlas der Pflanzen und Tiere im Baltischen Bernstein / W. Weitschat, W. Wichard
Bernstein / Manfred Kutscher