Überraschungen bei der Präparation

Es gibt Stücke in jeder Sammlung, die besondere Geschichten erzählen. Fast jeder Sammler hat zu den meisten Stücken in seinen Vitrinen und Schränken die passende Geschichte parat.

 

In diesem Artikel möchten wir eine bestimmte Geschichte, wie sie wohl schon so manchem widerfahren ist, erzählen:

 

Der besondere Fund bei einer Präparation!

 

Steine, die man eigentlich mit ganz anderen Erwartungen mitgenommen hatte, der letzte Blick in den Präparationsschutt mit der plötzlichen Überraschung oder das Standardfossil, was auf einmal doch zu etwas ganz Besonderem wurde:

 
 


Zu diesen Thema wurde im Steinkern.de Forum ein Thread begonnen, in dem Mitglieder ihre Zufallsfunde präsentieren konnten.

 

Einige davon sind nun in diesem Artikel zu bestaunen.

 
 


Fleißig Beiträge geschrieben hat Redakteur Axel Cordes alias „Lybyman“, der - bekannt für seine exzellenten Lyby-Krabben - auch prompt das erste passende Beispiel lieferte.

Axel_Cordes_Muschel_an_Krabbe2.JPG

Auf dieser Coeloma sp. Aus dem oberen Oligozän Dänemarks befindet sich auf der linken Schere eine Muschel.

Axel_Cordes_Muschel_an_Krabbe.JPG

 

Ebenfalls sehr viel Glück war der Fund des folgenden Seesterns aus dem Bundenbacher Schiefer, der seine letzte Ruhe zwischen den Armen des rund 20cm großen Furcaster decheni gefunden hat.

Axel_Cordes_Bundenbach1.JPG Axel_Cordes_Bundenbach2.JPG
 

 

Bleiben wir im Paläozoikum und gehen zu den Funden von Mirco alias „Ems“ aus dem Devon über. Als wahres Überraschungspaket entpuppte sich folgender „Block“ aus dem Unterdevon von Waxweiler:

Mirco_alias_Ems_waxweilerunter_Devon_.jpg

 

Mirco_alias_Ems_waxweilerunter_Devon_4.jpg

 

Neben den Brachiopoden, weitestgehend der Gattung Paraspirifer, fanden sich bei fortlaufender Präparation noch diese Wurzelspirale von Acanthocrinus sp. ...

 

Mirco_alias_Ems_waxweilerunter_Devon_3.jpg

 

... dieser Gastropode (Phragmostoma rhenana (?) )...

 

 

Mirco_alias_Ems_waxweilerunter_Devon_2.jpg

... und dieser formschicke, etwa 3,5 cm große Trilobit der Gattung Acastoides sp.

 

Wirklich spannend ist auch folgender, bei der Säuberung des Steins zutage gekommener Nebenfund, den „Ems“ einige Beiträge später präsentierte:


Mirco_alias_Ems_Trilobit_2.jpg

Mirco_alias_Ems_Trilobit_1_.jpg

 

Zitat: „Als Mitte der 1990er Jahre in einem Steinbruch im Rupbachtal (Rhein-Lahn-Kreis) trilobitenführende Schichten des obersten Unterdevon aufgebaggert wurden, boten sich zeitweise ideale Sammelbedingungen. Die Funde konnten damals geradezu einfach aufgelesen werden. Mit dabei der Abdruck eines vollständigen scutelliden Trilobiten der Gattung Cavetia (Bild 1). Wo der Abdruck war, sollte auch der Steinkern (Positiv) eigentlich nicht weit sein und deshalb habe ich danach auch intensiv gesucht. Währenddessen habe ich u.a. den in Bild 2 abgebildeten Phacops sp. gefunden, eingepackt und mit nach Hause genommen. Nur das erhoffte Gegenstück zum gefundenen Negativ des (Cavetia) blieb verschollen. Aber siehe da, beim Reinigen des Phacops kam auf dessen Rückseite unter einer Lehmkruste das gesuchte Positiv zu Tage (Bild 3).

Ein Siliconabdruck des Fundes befindet sich übrigens als Holotyp der Art Cavetia heidelbergerorum (BASSE) in der Senckenberg´schen Sammlung.“

 
 

Um im Devon zu bleiben, präsentierte Stephan alias „Stephan“ ein Bryozoenhandstück, bei dem nach anschließender Rewoquad-Präparation das Kopfschild eines Trilobiten (Radiaspis ?) zum Vorschein kam.

Stephan_Eifeldevon_Trilo.jpg

Stephan_Eifeldevon_Trilo2.jpg

Um von den Wirbellosen zum „Wirbelhabenden“ zu kommen, finden sich in den Sammlungen von Redakteur Armin alias „Armin“ und Stefan alias „BlackDiamond“ je ein Haizahn, welche diesem Thema gerecht werden.
 

Stefan_alias_BlackDiamond__Buttenheim_Zahn.jpg
Diesen Haizahn fand Stefan zufällig beim reinigen von Buttenheimfunden. Demzufolge ein Stück aus dem Lias delta.

 

Bei der Präparation eines Ammoniten aus dem Lias gamma von Ehenfeld sprang bei Redakteur Armin ein ca. 5mm (!) messendes Bröckchen ab, auf dem sich ein rund 2mm kleines Zähnchen befindet.

Armin_Zahn_Ehenfeld_Lias_gamma.jpg
 

Weiter aus dem Lias folgen zwei Fotos aus der Sammlung von Redakteur Karsten alias „Karsten“, der bei der Bearbeitung einer Ammonitenstufe (Xipheroceras sp. + Promicroceras sp.) aus den Sinemurium von Dorset, Großbritannien, einen rund 10mm messenden Insektenflügel entdeckte.

 

Karsten_Sinemur_Dorset_Insekt1.jpg

Karsten_Sinemur_Dorset_Insekt2.jpg

 
 

Steinkernredakteur Sönke steuerte aus den Unterpliensbach (jamesoni-Subzone) von Bielefeld das Bild folgender Gastropodenstufe bei.

Soenke_Bielefeldschnecken.JPG
Zitat Sönke: „...es war nur ein Exemplar teilweise erkennbar... der Rest kam beim Sandstrahlen raus.“

Ebenfalls zufällig erwischten es Ingrid und Rüdiger alias „Rumandel“ bei der Aufarbeitung von Sengenthalfossilien....

Ingrid_Ruediger_alias_Rumandel_Seeigel__Sengenthal.JPG

.... es kam dieser tolle reguläre Seeigel zum Vorschein. (bislang noch unbestimmt, wer einen Hinweis hat, bitte direkt an die Finder via PM im Forum :-) )

 

 

 

Wir bleiben im Dogger blicken jedoch nach Frankreich - genauer Bayeux- und schauen uns im Folgenden den Fund von Günther alias „Dinohunter“ an, der bei der Präparation eines Ammoniten noch ganze 8 Schnecken und Muscheln förderte.

Guenter_alias_Dinohunter_Dogger_aus_Bayeux.JPG

Redakteur Miroe machte in einem aus dem Lutet (mittleres Eozän) des Pariser Beckens stammenden Schneckenhaus den Fund einer 8mm winzigen Granosolarium cf. canaliculatum.

 

Miroe_Fleury_Granosolarium_01.jpg
Zitat: „
Zu finden ist solches bei der Aufarbeitung des Präparationsrückstands.“

 

Zu guter Letzt folgen einige Beispiele glücklicher Nebenfunde aus meiner eigenen Sammlung.

 

Ähnlich wie Karsten hatte ich das Glück, bei der Präparation eines Lytoceras siemensi aus dem Lias epsilon von Mistelgau einen kleinen, bislang unbestimmten Insektenflügel zu finden.

fluegel.jpg
Die Länge des Insektenflügels beträgt 12mm

Anstoß für dieses Thema war allerdings folgende Anchura (Dicroloma) bicarinata, eine Flügelschnecke hier aus dem Malm gamma 1 von Gräfenberg.

Anchura Dicroloma bicarinata MUENSTER_1844_GRAE06_ST_NK_1.jpg
Zu sehen waren lediglich Teile der Spitze. Leider sieht das Stück auf dem Bild recht ramponiert aus, was sie de facto nicht ist. Vielleicht auf dem Bild noch zu erahnen: es handelt sich um die Wohnkammerausfüllung eines größeren Ammoniten.

Wie der Zufall es wollte, gesellte sich rund zwei Monate später eine zweite Anchura (Dicroloma) bicarinata mit ähnlicher Geschichte, jedoch in noch besserer Erhaltung zu! Anchura__Dicroloma__bicarinata2.jpg
Auch hier sieht die Schnecke leider angestichelt aus, was sie glücklicher Weise nicht ist.

Mit den Schnecken nicht genug, folgte kurz darauf ein Stück aus dem Malm gamma von Geisingen. Übernommen aus einer alten Sammlung und bereits fertig präpariert war ein Ammonit. An der Seite des Steins linste ein kleines Stück Windung heraus, welches untypisch für einen Ammoniten aussah. Die darauf folgende Präparation brachte eine Pyrgotrochus speziosus ans Tageslicht.

Pyrgotrochus_speziosus.jpg
Das wirklich besondere an diesem Fund ist jedoch die Erhaltung der flachgedrückten Spitze; Untypisch für diese Gattung und mir bislang aus dem Weißjura gamma nicht bekannt.

Abschließend noch ein Beispiel aus den Parkinsionienoolith (oberes Bajocium) von Sengenthal.

 
 

Im Querbruch erkannte man lediglich drei Brachiopoden, im Verlauf der Präparation erhöhte sich die Zahl der Individuen allerdings auf acht. Man beachte, dass die für Brachiopoden typische Öffnung jeweils „oben“ liegt. Da direkt über den Fossilien ein Schalenrest, welches möglicherweise als Substrat für die Tiere fungierte, lag, liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei der Ansammlung um eine Kolonie handeln könnte.

 

Callirhynchia_triplicostata.jpg

7x Callirhynchia triplicosta und ein unbestimmter Brachiopode.

 

 

Das war er nun, der kleine Exkurs in die Welt der Zufallsfunde, die ganz nebenbei und nur mit viel Glück geschehen. Insofern hoffe ich, der Artikel hat euch gefallen und regt vielleicht den ein oder anderen an, doch mal genauer hin zu sehen ... Die mögliche Belohnung für´s nachschauen könnt ihr dann gerne im Forum präsentieren!

 

Nico :-)

 
 

Quelle:

http://www.steinkern.de/forum/viewtopic.php?t=2604

 

Mit bestem Dank an alle Mitwirkenden im Forum, ganz gleich, ob eure Bilder hier verwendet wurden, oder nicht!

 

Alle Angaben zu den Fossilien sind von den Findern/Besitzern übernommen, keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Bei Fragen zu einzelnen Stücken, bitte ich um Rücksprache mit den jeweiligen Findern/Besitzern oder im Forum.