Mineralienfunde bei der Fossiliensuche

Ist man auch eigentlich auf der Suche nach Fossilen, wird im Aufschluss doch manchmal das eine oder andere Mineral entdeckt und aufgelesen. Dabei gehören die formenreichen Modifikationen von Kalzit sowie auch Pyrit in den Sedimentgesteinen zu den häufigen Funden. Einige dieser zufällig gefundenen Mineralien zeigen besonders schöne Kristallausbildungen, andere erzählen etwas über die Fossilisation, die Gesteinsbildung oder die Ablagerungsbedingungen. Ohne die Mineralien wären die meisten Fossilien gar nicht vorhanden. Ursprüngliche organische Bildungen wurden durch sekundäre Mineralisationen ersetzt. Durch mineralische Bildungen in Hohlräumen von Fossilien entstehen hübsche Kristalldrusen.
Aus gelegentlichen Aufsammlungen kann leicht eine kleine Spezialsammlung anwachsen. So wird der mineralische "Beifang" im Laufe der Zeit zum eigenen Sammlungsthema.

 

Ein paar typische Beispiele aus den Juraschichten – vorwiegend von der Schwäbischen Alb – mögen als Anregung dienen, auch die Welt der Mineralien bei der Fossiliensuche zu beobachten. So manches unvollkommene oder zufällig aufgeschlagene Fossil kann bei genauer Betrachtung ästhetische Schätze und aussagekräftige Informationen in sich bergen:

 

Abb01 staengeliger Dolomit

Abb. 1: Stängeliger Dolomit und Kalzit in einer Kammer eines Arietenbruchstücks aus dem Unterlias von Wellendingen, Bildbreite: 30 mm.

 

Abb02 Psiloceras.JPG 860px

Abb. 2: Kalzitgefüllter Ammonit Psiloceras aus dem Hettangium (Unterjura, ø 45 mm) von Bebenhausen. Bei diesem Phragmokon zeichnen sich die Lobenlinien sehr schön ab. Foto vergrößern.

 

Abb03 Nautilus Cenoceras 860px

Abb. 3: Bei diesem Nautilus aus den Arietenschichten (Unterjura, Sinemurium, ø 50 mm) von Hechingen lohnte sich die Präparation nicht. Im Schnittbild offenbarte sich dann aber einiges Interessantes im Inneren. Gut zu sehen ist hier der zentral im Gehäuse verlaufende, sedimentgefüllte Siphonalkanal, der sich gegen die kalzitgefüllte Kammerung abzeichnet. Foto vergrößern.

 

Abb04 Seidenglanz bei Dolomit

Abb. 4: Seidenglänzender Dolomit in einer Ammonitenkammer aus den Amaltheenschichten (Oberes Pliensbachium, Bildbreite 50 mm) von Geislingen am Riedbach.

 

Abb05 Brachiopode Rosenfeld

Abb. 5: Aufgeschlagener Brachiopode im Arietenkalk von Rosenfeld mit Kalzit, Dolomit und Ankerit im Drusenhohlraum (Länge 32 mm).

 

Abb06 Crucilobiceras densinodum

Abb. 6: Pyritisierter Steinkern eines Crucilobiceras densinodum (Unterjura, Oberes Sinemurium, ø 27 mm) von Wessingen. Pyriterhaltung verleiht Ammoniten und anderen Fossilien edlen Glanz. Pyritbildungen zeigen Sauerstoffarmut im Sediment an.

 

Abb07 Phylloceras mit Bary 860px

Abb. 7: Tafelige Barytkristalle, Dolomit und Ankerit in Ammonitenkammern (Phylloceras zetes, Oberes Pliensbachium, Bildbreite 125 mm), Baustelle B 27 bei Bisingen. Foto vergrößern.

 

Abb08a u b Pyrit Dormettingen

Abb. 8a-b: In den Kalkmergeln der Costatenkalke (Oberes Pliensbachium) der Schwäbischen Alb sind gelegentlich herrliche kleine Schwefelkieskristalle (ø 8a : 10 mm, 8b: 14 mm) zu finden. Oft treten Pyrite auch im Zusammenhang mit fossilen Grabgängen auf. Die Pyrite aus Dormettingen zeigen durch beginnende Limonitisierung bronzene Anlauffarben.

 

Abb09a Belemnit wilder Schiefer

Abb09b Belemnit Pyrit Detail

Abb. 9a-b: Pyritisierter Belemnit aus dem Wilden Schiefer (Toarcium), Länge 55 mm, von Bisingen. In der Detailaufnahme ist die Pyritbildung zu sehen, die mit kleinen Fleckchen beginnt und dann flächig das ganze Belemnitenrostrum überzieht.

 

Abb10 Gagat Bisingen 860px

Abb. 10: Versteinertes Holz (Gagat) mit gipsgefüllten Schrumpfrissen, Posidonienschiefer, Toarcium, Länge 105 mm, Bisingen. Aus dem schwarzen Gagat wurden früher auch Schmucksteine geschliffen. Foto vergrößern.

 

Abb 11 Lytoceras jurense 860px

Abb. 11: Eine bunte Mischung von Kalzit, Dolomit, Ankerit und Baryt in einer aufgebrochenen Ammonitenkammer eines Lytoceras jurense von Schömberg (Oberes Toarcium, Bildbreite: 60 mm). Die Färbungen entstehen oft durch Einlagerungen von Fremdstoffen in das Kristallgitter der Mineralien. Foto vergrößern.

 

Abb12 Coelestin

Abb. 12: Hellblauer Coelestin in einer Ammonitenkammer eines Procerites aus dem Bathonium (Mitteljura) von Blumberg (Bildbreite 60 mm). Coelestin findet sich als Seltenheit in Ammonitenkammern des mittleren und oberen Mitteljura der Schwäbischen Alb.

 

Abb13 Brachiopode mit Armgeruest

Abb. 13: Aufgeschlagener Brachiopode aus dem Mitteljura von Blumberg mit erhaltenem Armgerüst, das vollständig von Kalzitkristallen überwachsen ist, Bildbreite 35 mm.


Abb14 Sengenthal im Abfall

Abb. 14: Ein sehr kurioser Zufallsfund: An einer Baustelle im Unterjura bei Balingen wurde ein Eimer vermischter Präparationsabfall von einem unbekannten Sammler abgeladen. Im entsorgten Material lag ein Bruchstück eines Ammoniten (Oxycerites) mit eisenoolithischer Matrix, der in für die Fundstelle Sengenthal typischem roten Gestein (Parkinsonienoolith) vorliegt und ein ebenso typisches Kalzitrhomboeder (ø 10 mm) beinhaltet.

 

Abb15 Ardescia 860px

Abb. 15: Ardescia aus dem Oberjura von Obernheim (Handstückbreite 95 mm). Für puritanische Ammonitensammler ein "Wegwerficeras", doch gerade die Unvollkommenheit hat für andere wieder etwas an sich. Foto vergrößern.

 

Abb16 Amoeboceras

Abb. 16: Amoeboceras vom Plettenberg (Oberjura, Oxfordium, Bildbreite 35 mm). Vor der Mündung des Ammoniten ist eine striemige Drucklösungsfläche ausgebildet, auf der sich ein „Schwarm“ von kleinen Dendriten gebildet hat.

 

Abb17 Dendriten

Abb. 17: Die bäumchenförmigen Dendriten sind bekannt aus plattigen Kalkgesteinen und werden des Öfteren als Pflanzenfossilien fehlgedeutet. Ausgehend von einer sekundären Dolomitbildung im Kalkstein der Wohlgeschichteten Kalke-Formation (Unteres Kimmeridgium, Plettenberg) entstand dieses Dendritenbild entlang einer hauchdünnen Kluftfläche, Bildbreite 95 mm.

 

Die Mineralien im Schwäbischen Jura bilden oft Mischkristalle zum Beispiel von Kalzit, Dolomit, Ankerit und Siderit oder von Pyrit und Markasit. Die Bestimmungen sind nur mit Vorbehalt zu verstehen, da eine genaue Untersuchung nicht vorgenommen wurde.

 

Alle Abbildungen: Foto und Sammlung Norbert Wannenmacher.

Norbert Wannenmacher für Steinkern.de

 


 

Fragen, Anmerkungen und Diskussion zum Bericht im Forum:

https://forum.steinkern.de/viewtopic.php?f=3&p=262117

 


 

Weitere Abbildungsbeispiele von Mineralien in Fossilien liefern die Berichte "Schliffpräparate vom Feinsten" von Sönke Simonsen (1. Teil) und Roger Furze (2. Teil):

 

SIMONSEN, S. (2009): Der letzte Schliff: Schliffpräparate vom Feinsten - Teil 1, Steinkern.de, Rubrik: Sonstige Berichte.

URL: https://www.steinkern.de/vermischtes/sonstige-berichte/783-der-letzte-schliff-schliffpraeparate-vom-feinsten.html

 

FURZE, R. (2009): Der letzte Schliff: Schliffpräparate vom Feinsten - Teil 2, Steinkern.de, Rubrik: Sonstige Berichte.

URL: https://www.steinkern.de/vermischtes/sonstige-berichte/784-der-letzte-schliff-schliffpraeparate-vom-feinsten-teil-2.html