Fossilmagnete - eine andere Art Fossilien in Szene zu setzen

Liebe Steinkerne,

ich möchte in diesem Artikel eine Bastelidee vorstellen, mit der ich Weihnachten 2018 sehr viele Freunde und Kollegen bedacht habe und die ausnahmslos freudige und begeisterte Reaktionen hervorgerufen hat: Fossilien als Magnet-Pins.

 

Wie die Idee aufkam
Ausgangspunkt waren bei mir die „einseitigen Schönheiten“: Jeder hat sie in seiner Sammlung, keiner liebt sie so recht. Oft sind es sogar sehr ansehnliche Stücke, bei denen man sich denkt „verflixt, wenn die andere Seite auch so schön wäre, dann wäre es ein Top-Stück.“ In der Regel ruhen sie in den Tiefen der Sammlungen und kommen nur bei größeren Aufräumaktionen zu Tage. Da sie zum Wegschmeißen zu schade sind, gelangen sie anschließend wieder in Schubladen und Schachteln zurück. Jetzt hole ich derartige Stücke wieder heraus bzw. durchforste meine Bestände sogar gezielt nach solchen, da ich sie neuerdings dauerhaft ans Tageslicht bringen kann und ich bzw. andere sich an ihnen erfreuen können.
Anlässlich der Suche nach einem Geschenk durchforstete ich das Internet nach Magneten für Magnetwandtafeln - es sollten schöne und ausgefallene Magnete sein. Dabei hatte ich auch an Fossilienmotive gedacht, fand jedoch nur wenig in Form von Fossilien. Die Motive, die ich fand, waren überwiegend hart an der Grenze zum Kitsch.
Nachdem ich etwas tiefer in die Materie eingetaucht war und auch Anbieter von Magneten gefunden hatte, die Magnete in allen erdenklichen Dimensionen (scheiben-, stab-, quader-, würfel- oder kugelförmig) und Haftstärken vertreiben, hat mich die Neugier gepackt, selbst Fossilmagnete aus eben jenen nur einseitig gut erhaltenen Schönheiten zu basteln. Da man in diesen Fällen ohnehin lediglich eine Seite betrachten kann, sind Fossilien mit nur einer „Schokoladenseite“ perfekt dazu geeignet.

 

Auswahl geeigneter Magnete
Verwendet habe ich Neodym-Magnete, da sie derzeit die stärksten Dauermagnete sind, die man bekommen kann und sie auch bei geringer Größe bereits erstaunliche Haftstärken aufweisen. Scheibenförmige Magnete vom Magnetisierungsgrad N45 (je höher desto stärker) von 4 mm Durchmesser und 2 mm Höhe weisen z. B. eine Haftstärke von 420 g auf. Damit lässt sich für unsere Zwecke schon etwas anfangen – und das zu Stückpreisen von rund 25 Cent, da habe ich nicht lange überlegt und mir bei supermagnete.at (dem österreichischen Ableger von supermagnete.de) Magnete in verschiedenen Größen bestellt.

 

Abb 2

 

Abb 1

Abb. 1 und 2: Kleine Neodym-Scheibenmagnete, die für die Herstellung der Fossilmagnete verwendet wurden
(Durchmesser 3, 4 bzw. 5 mm und jeweils 2 mm hoch).


Herstellung der Fossilmagnete
Das Basteln ist nicht besonders aufwändig: Startpunkt sind (zumindest einseitig) fertig präparierte Fossilien, die am besten noch nicht eingelassen worden sein sollten. Da es in diesen Fällen um den optischen Eindruck geht, habe ich bei Ammoniten aus den Grands Causses (Südfrankreich) Fehlstellen bzw. fehlende Innenwindungen mit Apoxie Sculpt (geniale 2-Komponenten Modelliermasse) im Farbton braun ausgebessert.
Ammoniten eignen sich besonders gut für die Herstellung von Fossilmagneten, da die Verjüngung zu den Innenwindungen hin in der Regel Platz lässt, um kleine Scheibenmagnete unterzubringen, ohne dass diese anschließend zu weit herausragen. Ich habe mir aufgeschnittene und polierte madegassische Ammoniten mit Durchmessern zwischen 3 und 5 cm besorgt, bei denen ich lediglich ein wenig Sediment im Bereich oberhalb der Windungen der unbearbeiteten Rückseite entfernen musste, um die Magnete dort unterbringen zu können.
Als weitere „Opfer“ mussten Seeigel und Brachiopoden herhalten. Nachdem sie entweder nach außen gewölbt sind (Brachiopoden) oder die Wölbung nach innen nicht sehr stark ausgeprägt ist (Seeigel), habe ich mit einem gewöhnlichen Steinbohrer, eingespannt in eine Standbohrmaschine, vorsichtig flache Löcher in die Fossilien gebohrt. Die Bohrerdurchmesser sollte man ca. 1 mm größer wählen als die Magnete groß sind, welche man einsetzen will. Bei stark konvex geformten Brachiopoden habe ich am Schleifbock zusätzlich Flächen plan geschliffen. Überraschenderweise haben alle Fossilien diese Behandlung heil überstanden und dabei in der Regel weniger Widerstand geleistet als erwartet. Das lag zumeist an den mergeligen Sedimentfüllungen der Fossilien. Da herkömmliche Steinbohrer konische Spitzen haben, habe ich die Löcher durch Nachkratzen mit einem Schaber so nachbearbeitet, dass die Stirnfläche der Bohrung nicht mehr konisch, sondern flach ist. Einige Brachiopoden waren im Innenraum teilweise hohl und mit Kalzitkristallen ausgefüllt, das hat bei der Verarbeitung aber nicht weiter gestört.

 

Abb 4

Abb 3

Abb. 3 und 4: Vorbereitung der Fossilien. Seeigel und Brachiopoden wurden rückseitig vorsichtig angebohrt und das Bohrloch noch ein wenig plan ausgekratzt.

 


Vor dem Bohren bzw. Einkleben der Magnete habe ich fast alle Stücke mit dünnflüssigem Acrylatkleber (Sekundenkleber) gefestigt, da ich vermeiden wollte, dass sie durch die Bearbeitung und das später häufige „in die Hand nehmen“ zerbrechen. Bei den Bohrungen in mergelige Füllungen hat man auch mitunter recht bröselige und staubige Oberflächen, die mit dem Acrylatkleber entsprechend verfestigt werden konnten. So ließ sich auch die Haftung des später verwendeten 2-Komponentenklebers verbessern.
Da sich die Haftfähigkeit von Magneten mit steigenden Abstand zwischen Magnet und Eisenoberfläche exponentiell verringert, habe ich, um später eine möglichst gute magnetische Haftung zu gewährleisten, die Magnete nicht einfach irgendwie eingeklebt sondern folgende Vorgangsweise gewählt:
Über eine kleine Eisenplatte spannte ich eine Plastikfolie und setzte die Magnete auf diese auf. Die Magnete hafteten somit bündig auf der Fläche.
Danach wurde 2-Komponentenkleber (die "schnellere“ Variante mit ca. 5 Minuten Verarbeitungszeit) angerührt und sowohl auf dem auf der der Eisenplatte haftenden Magneten als auch in der entsprechende Fläche bzw. Bohrung des Fossils ein wenig vom Kleber aufgebracht. Kurz bevor der Kleber begann abzubinden (das ist dieser „Gel“-Übergangszustand, wo der Kleber nicht mehr ganz flüssig aber auch noch nicht fest ist) habe ich die beiden Teile dann zusammengefügt und entsprechend ausgerichtet

 


Abb 5
Abb. 5: Zum Kleben vorbereitete Magnete auf mit Folie überspannter Eisenplatte.

 

 

Abb 6neu

Abb. 6: Aufbringen des Klebers sowohl auf die Magnete als auch auf die Bohrungen in den Fossilien.

 

 

Abb 7

Abb. 7: Aufsetzen der Fossilien auf die Magnete.

 


Rund eine Viertelstunde später war das Ganze dann soweit ausgehärtet, dass man den Fossilmagnet vorsichtig von der Folie lösen kann. Idealerweise kratzt man zu diesem Zeitpunkt gleich überschüssige oder überstehende Kleberreste weg, da der Kleber noch nicht pickelhart ist.


Das war’s dann eigentlich auch schon: die Fossilmagnete sind prinzipiell einsatzbereit!

 

 

Abb 8

Abb. 8: Eingeklebte Magnete nach dem Aushärten des Klebers. Die überstehenden Kleberränder können noch weggekratzt werden.

 


Das Einlassen der Fossilien habe ich dann im fertigen Zustand vorgenommen, in meinem Fall mit ca. 1:3 in Tiger-Spezial-Waschbenzin verdünntem STH-100. In dieser verdünnten Variante trägt das STH-100 nicht so speckig oder wächsern auf und gefällt mir persönlich besser. Mit dem nachträglichen Einlassen wollte ich vermeiden, dass die Oberfläche vor der Klebung versiegelt wird, was die Haftung des 2-Komponentenklebers nachteilig beeinflusst hätte.

 

 

Abb 9

Abb. 9: Voilà! Die fertigen Fossilmagnete nach dem Einlassen und Polieren.

 

 

Abb 10

Abb. 10: Diese Auswahl von polierten Ammonitenhälften (größte Durchmesser ca. 4 cm) aus Madagaskar und Marokko habe ich an der Tür zu meiner Werkstatt angebracht.

 

Für die größeren Ammoniten und Seeigel wurden 5 x 2 mm Scheibenmagnete, für die Brachiopoden und kleineren Ammoniten 4 x 2 mm und für die kleinen Seeigel gar nur 3 x 2 mm Magnete verwendet. Die Haftkraft dieser Magnete (zwischen 680 und 300 g) in den genannten Konstellationen war bei allen hergestellten Fossilmagneten mehr als ausreichend – die von mir bearbeiteten Fossilien waren zwischen 1,5 und 4,5 cm groß und wogen bis maximal 12 g.
Da es Neodym-Magnete in sehr vielen Dimensionen und Haftstärken zu kaufen gibt, lassen sich damit auch schwerere Objekte zu Magnet-Pins umwandeln. Ein Scheibenmagnet N45 mit 12 mm Durchmesser und 5 mm Höhe hält beispielsweise bis zu 3,6 kg.

 

Viel Spaß beim Basteln!

Günter Richter (Wien)

 


 

Diskussion zum Bericht im Steinkern.de Forum:

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