Trilobiten

Restauration eines Olenellus terminatus aus dem unterkambrischen Pyramid Shale von Kalifornien (USA)

In einem auf Trilobiten spezialisierten Online-Shop eines befreundeten Sammlers und Händlers wurde vor einiger Zeit ein für seine Art sehr großer Olenellus terminatus aus dem Unterkambrium von Kalifornien angeboten. Im Rohzustand brachte es das Stück auf etwa 37 mm Länge. Leider war der Kopfschild des preiswert angebotenen Trilobiten unvollständig und auch der Schwanzstachel lief aus dem Stein heraus.

 

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Abb. 1: Foto vergrößern.

 

Das Fossil weckte trotz der beschriebenen Abstriche das Interesse des Verfassers. Nach Kontaktaufnahme zum Anbieter landete es dann auch kurz darauf beim Autor.


Der Plan Abhilfe hinsichtlich der Fehlstellen zu schaffen, war schnell gefasst. Da der Stein hierzu dick genug war, konnte man ihn nämlich teilen und so einen Ansetzstein aus dem Originalgestein generieren. Das sollte mithilfe einer Diamanttrennscheibe geschehen. Zuerst wurde mit Bleistift markiert, wo gesägt werden soll. Rundherum wird unter Zugabe eines Sicherheitsabstands mit dem 35-mm-Blatt das Gestein etwa mittig eingesägt und dann mit Angst im Bauch und unter Zuhilfenahme eines Skalpells gespalten. Das risikobehaftete Aufspalten war erforderlich, da das Sägeblatt nicht bis zur Mitte des Steins reichte und daher ein Kern stehen geblieben war. Zum Glück klappte das Absplaten unfallfrei entlang der durch das Sägen definierten schmalsten Stelle des Gesteins.

 

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Abb. 2

 

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Abb. 3

 

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Abb. 4

 

Nun wird festgelegt, wie angesetzt werden soll. Auf Abb. 1 ist gut zu sehen, dass der Stein eine Schrägklüftung auf der Oberfläche aufweist. Auf deren Verlauf gilt es zu achten. Es sähe nämlich nicht gut aus, wenn beim Ansetzstein dieses tektonische Merkmal nicht beachtet und z. B. ein gegenläufiges Muster angesetzt würde.

 

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Abb. 5

 

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Abb. 6

 

Als Glücksfall erweist sich der Umstand, dass die obere Kante des Ansetzsteins eine Kluft ist und daher gut an das Originalstück passt. Auch von oben aus betrachtet, sieht es recht gut aus.

 

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Abb. 7 und 8

 

Mit Bleistift wird markiert, wo etwa der Ansetzbereich endet und dann unter Zugabe eines Sicherheitsabstands mit der Diamantscheibe eingeschnitten und dann der Stein abgebrochen.

 

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Abb. 9

 

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Abb. 10

 

Das so formatierte Stück wird nun unter die Hauptplatte geschoben und mit einer Reißnadel die Kontur der Ansetzkante auf den Ansetzstein übertragen.

 

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Abb. 11

 

Jetzt geht es mit der Schleiferei los. Abwechselnd angepasst und angeprobt.

 

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Abb. 12

 

Zwischendurch wird zur Entspannung noch ein wenig am Fossil als solchem gewerkelt. Die rechte Wange lässt sich noch herausarbeiten und auch am Schwanzstachel ist noch etwas Freilegungspotenzial vorhanden.

 

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Abb. 13

 

Dann wird wieder an den Kanten geschliffen. Nachdem das Ergebnis des Schleifens für zufriedenstellend befunden worden ist, werden die Klebekanten beider Steine entstaubt und alsdann die Steine mit Sekundenkleber miteinander verklebt.

 

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Abb. 14

 

Im nächsten Schritt wird Kleber mit dem zuvor aufgefangenen Schleifstaub eingefärbt und die noch verbliebene, relativ schmale Fuge zwischen den Steinen von unten her verfüllt. Es wird so lange mit dem Spatel über den Spalt gestrichen, bis der pastöse Kleber auf der Schauseite auszutreten beginnt.

 

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Abb. 15

 

Nachdem alles gut abgebunden hat, wird die endgültige Kontur des Steins festgelegt. Es wird wieder rückseitig eingeschnitten und dann gebrochen.

 

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Abb. 16 und 17

Jetzt geht es daran, den Trilobiten zu restaurieren. Damit das gut gelingt, galt es, etwas in diesem Fall Wichtiges zu beachten. Aber zuvor wird noch weiter an der rechten Wange gestichelt, die linke Wange akzentuiert, die Form auf das richtige Maß ergänzt und dann ein Spot bis zur ersten Makropleure gezogen.
Die weiter oben schon erwähnte Klüftung ist nicht nur eine runzelige Textur der Oberfläche, sondern Anzeiger eines tektonischen Prozesses. Der Stein ist gestaucht und das Fossil somit ebenfalls. In diesem Fall verläuft die Längsachse des Trilobiten annähernd parallel zur Stauchung. Hierauf gilt es bei den folgenden Restaurationsarbeiten zu achten!


Mit dieser Überlegung im Hinterkopf kann restauriert werden. Die primäre Kontur wird gesetzt und dann von oben her modelliert.

 

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Abb. 18

 

Nachdem die Restauration fertiggestellt ist, muss die Gesteinsoberfläche im Umfeld der Ergänzung noch fein gemacht werden. Der Rest vom Schwanzstachel wird freigelegt, dann noch eine Stufe in der Matrix rechts des Kopfschilds weggespalten. Die eigentliche Präparation und Restauration ist damit geschafft.

 

Nach dem Entstauben von Fossil und Gestein braucht nur noch eine Versiegelung aufgebracht zu werden.

 

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Abb. 19

 

Fertig! Bei ordentlicher Beleuchtung sieht das Stück jetzt vorzeigbar aus und auch das Ziel einer optischen Beruhigung wurde erreicht. Auf eine Koloration des restaurierten Bereichs wurde bewusst verzichtet.

 

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Abb. 20: Foto vergrößern.

 

 

Angaben zum Fossil im Überblick:

Trilobit Olenellus terminatus PALMER 1998

Stratigrafie: Unteres Kambrium, Pyramid Shale, Carrara Formation

Fundort: Emigrant Pass, San Bernadino County, Kalifornien, USA

Größe: 43 mm (restauriert). Entzerrt und mit vollständigem Schwanzstachel hätte dieses Exemplar die Marke von 55 mm sicherlich überschritten.

Arbeitszeit für die Präparation und Restauration: ca. 4 Stunden

 

 

Udo Resch für Steinkern.de