Trilobiten

„Eine Kiste voller Leichen“ - Präparation marokkanischer Trilobiten, 12. Teil: Freilegung eines Leonaspis

Anfang 2018 war es wieder einmal soweit. Eine weitere Kiste mit Trilobiten-Rohlingen aus Marokko fand gegen einen fairen Kurs den Weg zu mir. Nach dem Sortieren der Kiste sah das Ganze dann etwa so aus wie auf diesem Bild:

 

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Abb. 1

 

In der Kiste befanden sich etwa 15 Rohlinge, die man insgesamt als bunte Mischung mit präparatorischer„Hausmannskost“, aber auch mit einigen „haarigen“ Geschichten beschreiben kann.
Einer der Steine beinhaltete den Leonaspis, dessen Präparation ich Ihnen nachfolgend vorstellen möchte. Nachdem der Inhalt der Kiste sortiert war, wurde der Stein sofort auf dem Bandschleifer mit einer Standfläche versehen. Dies war möglich, da das Stück bereits gefenstert (anpräpariert) war und somit feststand, „wie der Hase läuft“ bzw. der Trilobit liegt.

 

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Abb. 2

 

Danach geht es in die Werkstatt. Ich durchdenke zunächst die logischen Schritte der Präparation und erwäge, welche Schwierigkeiten dabei auftreten könnten. Die mit verlaufenem Kleber überzogenen Flächen durch Beschlagen wegzubekommen wird ein ehrgeiziges Unterfangen. Auch die mit Kleber voll gelaufenen Schächte der Pleurenstacheln werden sicherlich kein Vergnügen. Ansonsten sollte es jedoch keine Probleme geben – damit genug der theoretischen Erwägungen und frisch auf ans Werk!

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Abb. 3

 

Los geht es mit der Formfindung für den „Spot“, also mit der Matrixgestaltung rund um das Fossil. Grundsätzlich kann man beim Präparieren nie früh genug darüber nachdenken, wie die Matrix am Ende gestaltet werden soll. Für ein ansprechenden Ergebnis müssen die langen weißen Stichelbahnen auf der rechten Seite weichen - das geht nicht ganz risikolos, denn es muss ein Hammer herhalten. Man muss auch mal Glück haben: direkt vor dem Wangenstachel und seinem „Bart“ kommt die Scherbe hoch, das Fossil wird nicht tangiert.
Über dem Körper, wo ein Gesteinsklötzchen mit beim Entdecken der Fossils vom Hauptstein abgeplatzter Fossilsubstanz aufgeklebt worden ist, kann noch einiges an Gestein vorsichtig abgetragen werden, bevor der Trilobit erreicht wird.

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Abb. 4

 

Ein Auge war bereits zu sehen, Grund genug, einen Versuch zu unternehmen, das zweite Auge auch gleich zu lokalisieren, was gelingt. Dabei wird auch die Glabella weiter freigelegt und im Zuge dieser Arbeiten der Klotz auf dem Rücken des Trilobiten weiter reduziert.
Dass die Scherbe mit dem „Schnäuzer“ (gemeint ist der zentrale Bereich der Zacken am Saum des Kopfschilds, wo leider ein Splitter mit Fossilsubstanz bei der Bergung abhanden kam) fehlt, ist nicht dramatisch. Ich nehme die Fehlstelle zum Anlass, in einem Suchschurf zu ermitteln, ob sich das Hypostom zeigt, was aber leider nicht der Fall ist.

 

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Abb. 5

 

Mittlerweile liegt der Kopf fast frei und sieht von vorne auch schon sehr attraktiv aus.

 

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Abb. 6

 

Abermals geht es dem Stein mit dem Hämmerchen „an den Kragen“. Oben links liegt der Trilobit in einer zu tiefen Mulde, Schatten von der Matrix fallen auf das Fossil und stören die Optik beim vorgesehenen Präsentationswinkel. Außerderdem war auch Kleber auf der Fläche, den man nicht mehr zu entfernen braucht, wenn man den entsprechenden Stein abschlägt. Gesagt getan: wieder habe ich ein wenig Glück gehabt, dass die Scherbe wie erhofft abplatzte und keine Reparaturarbeiten notwendig wurden.

 

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Abb. 7

 

Nun, da der Kopf schon recht gut aussieht, geht es weiter mit der Präparation the Thorax und der dazugehörenden Bestachelung. Hier geht es dann nicht mehr ganz so rosig weiter, denn der vom vorherigen Besitzer verwendete Kleber erweist sich als recht zäh, er platzt nicht einfach weg und beeinträchtigt die Sicht auf die Fossilsubstanz empfindlich. Das muss man aushalten und am Ende Kleberrückstände in Fossilnähe vorsichtig mit einer Nadel entfernen.

 

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Abb. 8

 

Pleure für Pleure geht es an der rechten Körperhälfte nach hinten. Dort wo aus Gründen der bilateralen Symmetrie des Körperbaus des Trilobiten bereits klar ist, wie der Körper liegen wird, kommt auf der anderen Seite ein Diamantschleifer zum Einsatz. Das spart Zeit beim Annähern ans Fossil und erzeugt weniger Erschütterungen als zu sticheln.

 

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Abb. 9

 

Wieder kommt das Hämmerchen zu Einsatz, wieder fliegen Scherben und nach jedem Schlag folgt ein banger Kontrollblick: „Sind die Augen noch beide dran?“, dann die beruhigende Erkenntnis: „Ja, sie sind noch an Ort und Stelle.“
Dort, wo auf der linken Seite des Kopfschilds der Wangenstachel auf halber Länge abgebrochen ist, wird bei der Vorbereitung des Spots gezielt ein Steg stehen gelassen, um eine optische Verlängerung auf desen volle Länge zu ermöglichen, um die Gesamtansicht des Fossils optisch zu beruhigen.

 

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Abb. 10

 

Der Schwanzschild muss noch bearbeitet werden. Er ist oft nicht ganz einfach zu holen, denn er taucht bei Vertretern der Gattung Leonaspis oftmals nach unten ab. Folgerichtig ist dies auch beim vorliegenden Individuum der Fall. Glücklicherweise ist der Schwanzschild aber nicht unter den Thorax abgewinkelt, er lässt sich insofern gut darstellen.
Oben links am Stein muss noch eine kleine Ecke weichen. Hierzu kommt wieder ein kleines Hämmerchen zum Einsatz.

 

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Abb. 11

 

Jetzt gilt es noch die rechte Körperseite des Thorax freizulegen. Auch braucht der Spot noch etwas Pflege.

 

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Abb. 12

 

Dann kommt die Nadel zum Einsatz. Vorsichtig werden letzte noch an Fossil und Gestein haftende Kleberfilme entfernt. Selbiges gilt auch für einzelne Krümel von Gestein, das örtlich noch am Fossil klebt. Nachfolgend wir der Trilobit mit Zaponlack eingelassen.

Außerhalb der Arbeitsumgebung ins rechte Licht gerückt, sieht der Leonaspis inzwischen recht ansehnlich aus. Vom Vorbesitzer war das Stück übrigens wegen des unvollständigen linken Wangenstachels ausgesondert worden. Durch das dezente Nachahmen von dessen Verlauf in Form des Stehenlassens eines Gesteinsstegs, fällt diese Imperfektion im Gesamtbild zwar noch immer auf, irritiert aber kaum. Auf ein Kolorieren wurde zugunsten der Authentizität des Exponats verzichtet.

 

14Abb. 13: Ansicht vergrößern.

 

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Abb. 14

 

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Abb. 15

 

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Abb. 16: Ansicht vergrößern.

 

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Angaben zum Fossil im Überblick:

 

Fossil: Leonaspis sp.

 

Fundort: Jbel Oufaten, Maider Region, Marokko

 

Stratigrafie: Unteres Devon, Oberes Emsium

 

Körperlänge: ca. 2,6 cm ohne Stacheln

 

Verwendete Werkzeuge: HW-10, HW-1, Chicago Eigenumbau, Nadeln


Udo Resch für Steinkern.de

 

 

Diskussion zum Bericht im Steinkern.de Forum:

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