Überarbeitung eines Krebses der Gattung Pseudastacus aus den Solnhofener Plattenkalken

Ein Bekannter aus den USA brachte mir vor einiger Zeit anlässlich eines Besuchs bei mir zuhause als Geschenk einen Krebs mit, den ich für ihn Anfang der Neunziger Jahre präpariert hatte. Es war also in zweifacher Hinsicht ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Es handelt sich bei dem Krebs um einen Hummerartigen der Gattung Pseudastacus aus den Plattenkalken des Tithoniums bei Eichstätt.

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Abb. 1: Foto: Herbert Knodel

 

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Abb. 2: Foto: Herbert Knodel

 

Ich war überrascht, dass die Arbeit, welche ich damals gemacht hatte, durchaus bereits recht gut gewesen war. Dennoch war sie nicht mit dem heutigen Stand der Präparationstechnik vergleichbar. Unter dem Mikroskop wurde dies besonders deutlich. Es gab also noch einiges zu tun.

Zuerst wurde die alte Versiegelung (Zaponlack) entfernt. Dann konnten dem Fossil anhaftende Gesteinsreste entfernt werden. Dabei bot es sich an, auch noch den Schwanzfächer und die „Franseln“ am Hinterleib weiter freizulegen. Nachdem diese Arbeiten abgeschlossen waren, begann ich damit, die Kanten neu zu setzen.
Im ersten Versuch wurden diese im Konturverlauf geglättet und nachgeschabt. Mit dem Ergebnis war ich aber nicht so recht zufrieden. So probierte ich es mit dem Druckluftstichel. Das gefiel mir schon besser. Die Konturen konnten damit wunderbar hervorgehoben werden. Ich arbeitete mich vom Hinterleib nach vorne. Im Bereich des Kopfpanzers fanden sich dann sogar Bereiche, die noch vollständig von Gestein bedeckt waren. Hier konnten vorsichtig noch zwei der vier inneren Antennen freigelegt werden. Bei der oberen Antenne bekam ich eine Krise nach der anderen, da sie zum einen sehr dünn erhalten war und zum anderen einen unerwarteten Verlauf nahm. Dort beim Setzen der Konturen „noch die Kurve so zu kriegen“, dass es gut aussieht, war nicht so einfach. Die zweite innere Antenne hingegen bereitete keine Probleme.
Nun konnte mit der äußeren Antenne weitergemacht werden. Der Anfang stellte kein Problem dar. Im Bereich der Scheren konnten diese nachträglich durch das Anlegen eines entsprechenden Spots noch etwas plastischer dargestellt werden. Anschließend ging es am distalen Ende der Antenne weiter. Dabei stellte sich heraus, dass dort wo die alte Präparation endete, die Antenne noch gar nicht zu Ende war. Sie konnte vorsichtig Stück für Stück weiter freigelegt werden und gewann letztlich noch zusätzliche drei Zentimeter an Länge.

 

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 Abb. 3: Foto: Udo Resch

 

Weiter ging es mit der Arbeit am Ballen der unteren Schere, dann an den Beinen und zum Schluss im Bereich zwischen dem letzten Bein und dem Hinterleib. Das Ganze sah nun schon ganz gut aus. Allerdings empfand ich die stehengebliebenen Sockel zwischen den Scheren und den letzten beiden Beinen doch als störend, sodass ich sie entfernte. Auch wurde die gesamte Kontur noch ein bisschen runder gestaltet.
Abschließend wurde noch ein über die obere Schere verlaufender Steg mit Spachtelmasse aufmodelliert, um dort im nächsten Schritt den fehlenden Teil der Antenne aus kosmetischen Gründen zu restaurieren.

Das Ergebnis stimmt mich zufrieden. Es liegt ein herrlicher Pseudastacus in beachtlicher Größe vor. Die Strecke von der Spitze der oberen Schere zum höchsten Punkt des Hinterleibs beträgt 8,5 cm.

 

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Abb. 4: Foto vergrößern.

 

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Abb. 5: Gesamtansicht auf Matrix. Foto vergrößern.

 

 

Angaben zum Fossil im Überblick:

 

Fossil: Pseudastacus sp.

Fundort: Solnhofener Plattenkalke um Eichstätt

Alter: Tithonium

Verwendete Werkzeuge: Druckluftstichel HW-10, Nadeln, Skalpell

Zeitaufwand der Überarbeitung: ca. 4 Stunden



Dank

Mein Dank gilt Herbert Knodel für die Überlassung des „alten Bekannten“.

 


 

Weiterführender Hinweis

Wer sich eingehender mit Pseudastacus beschäftigen möchte, findet in Heft 8 - Der Steinkern Informationen und zahlreiche weitere Abbildungen dieser Krebsgatttung:

 

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Beobachtungen an der oberjurassischen Krebsgattung Pseudastacus aus den Solnhofener Plattenkalken
Autoren: U. Resch & R. Frattigiani, Umfag des Berichts: 10 Seiten

Die Plattenkalk-Spezialisten Udo Resch und Roger Frattigiani stellen 19 zum Teil herausragend erhaltene Exemplare des seltenen Krebses Pseudastacus aus dem Solnhofener Plattenkalk vor. Diese zu den Panzerkrebsen zählende Gattung hat ihr Häufigkeitsmaximum im Eichstätter Revier auf dem Blumenberg bei Wegscheid. Die Autoren stellten das Vorhandensein dreier verschiedener Scherentypen fest und diskutieren verschiedene Deutungsmöglichkeiten. Ein Denkanstoßanstoß für eine wissenschaftliche Klärung der aufgeworfenen Fragen?