Von Bergung und Präparation eines Buttenheimer "Großamaltheus"

Vom 2. bis zum 7. April besuchte ich zusammen mit meinen Eltern wieder einmal das schöne Frankenland. Drei Tage verbrachten wir in Buttenheim, so auch den Tag vor der Abreise, den 6. April. Wir fokussierten uns bei unserer Sammeltätigkeit auf den, durch Publikationen in der Zeitschrift Fossilien, dem Internetmagazin Leitfossil.de aber auch und insbesondere durch Steinkern.de bekanntgewordenen Schichtbereich, der meist als "Erzbank" beschrieben wird und aus dem auch in unserer 68 Seiten umfassenden Buttenheim-Publikation in Der Steinkern - Heft 2 zahlreiche Fossilien gezeigt werden. Dieser Schichthorizont führt unter anderem die begehrten Schnecken der Gattungen Pleurotomaria und Pseudokatosira aber auch großwüchsige Amaltheen. Nach meinen Erfahrungen liegen diese bevorzugt im unteren Bereich des kompaktierten siltigen,  viele Fossilreste enthaltenden und bisweilen Schwefelkieslinsen führenden Schichtpakets von zirka 20 cm Mächtigkeit.
Ich möchte keine falschen Erwartungen wecken und daher vornweg erwähnen, dass solche Funde wie der hier gezeigte Amaltheus zwar keine sensationellen Ausnahmeerscheinungen darstellen, diese dem Sammler gleichwohl beim bloßen Ablaufen der Grube nicht gerade alle Nase lang im Weg liegen. Gerade zum Zeitpunkt unseres Besuchs bestanden keine guten Fundmöglichkeiten für Aufsammler, da über mehrere Wochen hinweg nicht abgebaut wurde. Wir kamen dennoch - mit entsprechendem Aufwand und dem nötigen Quentchen Glück - auf unsere Kosten.

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Abb. 1: Meine Eltern und ich an der Schurfstelle, an der einige Stunden später neben einer Pseudokatosira auch der im Folgenden vom Fund bis zur Präparation vorgestellte Amaltheus margaritatus zum Vorschein kam. Foto: Walter Esberger

Manchmal findet man im Bereich der Erzbank stundenlang nichts. So ähnlich erging es auch uns, dann aber entdeckte ich randlich an einem größeren gelösten Brocken ein Fragment einer verdrückten Pseudokatosira undulata. Während ich gerade versuchte den Rest im Anstehenden zu lokalisieren, entdeckte mein Vater einen Meter links von mir den Kiel eines großen Amaltheus.

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Abb. 2: Fundsituation des Amaltheus am Fuß der Erzbank.

Zunächst barg ich, nachdem ich den Rest der Schnecke zum Glück im Anstehenden hatte ausmachen können, den Vorderteil der Pseudokatosira. Die Konzentration galt im Folgenden ganz der Bergung des von meinem Vater entdeckten Amaltheus.

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Abb. 3: Es galt nach und nach das Material oberhalb des Ammoniten zu reduzieren, ohne diesen dabei zu beschädigen. Foto: Hermann Simonsen

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Abb. 4: Ein paar Minuten später ... hier deutet sich bereits an, dass nur der zuerst entdeckte Teil des äußeren Umgangs vollkommen plastisch erhalten ist. Schade, aber schauen wir mal, wie die Unterseite ist!

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Abb. 5: Viel Gestein liegt nun nich mehr über dem Ammoniten. Foto: Hermann Simonsen

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Abb. 6: Jetzt ist er aus dem Gesteinsverbund gelöst. Leider ist ein Stück lose und es zeigen sich (auf diesem Bild nicht erkennbar) mehrere Risse. Foto: Hermann Simonsen

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Abb. 7:  Geheimnis gelüftet - die Unterseite ist etwas besser erhalten als die obere Seite, leider aber keineswegs unverdrückt.

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Abb. 8: Blick auf den Abdruck den der Amaltheus im Gestein hinterlassen hat.

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Abb. 9: Nicht nur weil ein Teil des Ammoniten abbrach und der Ammonit einen deutlich Querriss aufwies, wurde er mit Alufolie umwickelt um ihn für den Transport zu stabilisieren.

Nach abgeschlossener Bergung und nun wieder daheim in Bielefeld, begann ich bereits einige Tage nach dem mein Vater den Fund gemacht hatte, mit der Präparation. Der erste Schritt war das Zusammenkleben der Bruchteile, bzw. das Ausfüllen der Risse mit flüssigem Sekundenkleber (bei so einem großen Objekt und der recht geräumigen Rissfuge - vielleicht wäre es besser gewesen den Ammoniten ganz aufzubrechen, die Bruchkanten zu säubern und ihn dann wieder zusammenzukleben - empfahl es sich nicht am Sekundenkleber zu sparen. So flossen denn einige Milliliter in die Risse und nach dem Aushärten war der Ammonit gewappnet für die folgende Präparation mittels Hammer und Meißel, Skalpell, Druckluftstichel und Sandstrahler.

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Abb. 10: Der zusammengeklebte Amaltheus. Man sieht (etwa auf 7 Uhr) einen kleinen Ammoniten aufsitzen. Dieser war allerdings, obwohl zum Teil im Schwefelkiesmantel des Groß-Ammoniten steckend, flachgepresst, so dass ich bei der Präparation keine Rücksicht auf ihn nahm.

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Abb. 11: Ersteinmal begann ich mit der Freilegung des unverdrückt erhaltenen Außenteils des Ammoniten. Hier ließ sich die Pyritschwarte lösen und platzte durch das Sticheln von der kreidigen Schale ab. Nachdem ein "Fenster" hereinpräpariert war, konnte ich mit ein paar vorsichtigen und seitlich gegen die Pyritschwarte gerichteten Schlägen mittels eines feinen Meißels Risse erzeugen...

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Abb. 12: Das Darunterhebeln mit dem Skalpell verhalf dann dazu mehrere Quadratzentimeter große Placken der Ummantelung abheben zu können (so sollte es immer sein...).

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Abb. 13: Nach weiteren Präparationsstunden ah der Ammonit so aus. Im verdrückten Bereich trennte der Schwefelkiespanzer nicht ganz so gut... aber es ging voran. Ganz "brutal" wurde es erst bei den flachgedrückten aber vorhandenen Innenwindungen, die auf der folgenden Abbildung, die das Endergebnis der Präparation zeigt, zu sehen sind. Zu erwähnen ist noch, dass der überschüssige Sekundenkleber entfernt wurde und zwei Risse etwas mit einer Mischung als Buttenheimer Ammonitenschalensubstanz und Ponal Holzleim aufgefüllt wurden.

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Abb. 14: Das Endergebnis der Präparation des gut 25 cm großen Amaltheus margaritatus - die Ummantelung auf Teilen der Außenwindung wurde bewusst belassen, da der Ammonit an diesen Stellen verdrückt ist und es zudem schön die einstige Umkrustung illustriert. Den Vorher-Nachher-Effekt könnte man auch mit der Rückseite verbildlichen, allerdings litte dann die instabile und von der Präparation und den anfallenden feinen Pyritstäuben hinreichend in Mitleidenschaft gezogene kalkige Schale, noch mehr als nötig. Für das Foto habe ich den Ammoniten vorerst letztmals aus der Vitrine geholt - jetzt darf er erstmal wieder einige Zeit ruhen und auf einen nicht verdrückten "Bruder" warten.

Dank
Vielen Dank an Walter Esberger für die Übersendung des Fotos und der Firma Liapor für die keineswegens selbstverständliche freundliche Duldung der Sammeltätigkeit sowie Johann Schobert für die Unterstützung bei der Bergung des Ammoniten.

Eine abschließende Bitte
Lasst keinen Müll in der Grube oder deren Eingangsbereich liegen bzw. helft ggf. den von anderen dort hinterlassenen Müll zu entfernen oder weist die Frevler (sowas machen doch keine "richtigen" Fossiliensammler?) auf deren Fehlverhalten hin. Anderenfalls darf sich niemand wundern, wenn es mit der sammlerfreundlichen Haltung des Werks irgendwann einmal vorbei ist.

Vielen Dank für Euer Interesse!

Fotos und Text, soweit nicht anders angegeben, Sönke Simonsen
heft2_neuauflage.jpg Unser Lesetipp:

Das 68-seitige Heft 2 unserer Zeitschrift Der Steinkern in der überarbeiteten Neuauflage von 2012 ist die einzige Print-Veröffentlichung am Markt, die sich mit den Fossilien der Tongrube Buttenheim umfassend auseiandersetzt. In der 68-seitigen Zeitschrift werden auf 34 Tafelseiten 144 Fossilien aus Buttenheim abgebildet. Zahlreiche Gelände- und Fossilfotos sowie Tipps für eine erfolgreiche Suche runden die Veröffentlichung ab. Ob Sammelanfänger, Fortgeschrittener oder Profi. Diese Veröffentlichung sollte bei keinem Buttenheim- bzw. Liassammler im Bücherschrank fehlen. Weitere Informationen.