Präparation und Bergung

Präparation einer Staufenia staufensis

Mit diesem Beitrag möchte ich anhand einer Präparation, die ich vor nicht allzu langer Zeit fertigstellte, zeigen, wie aufwendig die Arbeit an Funden aus den Schichten des Ober-Aaleniums des Wutach-Gebiets oft sein kann. Zugegeben, wenn man das Glück hat eine Zusammenschwemmung in der unteren Sinon-Bank zu erwischen, erlauben das weichere Gestein und die guten Trennfugen das komfortable Bergen schöner Platten, die vergleichbar leicht zu präparieren sind. Das Gestein der anderen Horizonte ist aber in der Regel extrem hart und unnachgiebig und es ist oft so, wie auch in diesem Beispiel, dass die Fossilien nur in Bruchstücken aus dem Anstehenden geborgen werden können. Zu Hause dann, steht man vor einer Puzzle-Arbeit, die einiges an Überlegungen und schließlich einen feinfühlig durchgeführten Präparationsvorgang erfordert.


Wie das folgende Bild zeigt, wurde die Staufenia staufensis in drei Stücke zerbrochen aus der Staufensis-Bank der Bradfordensis-Zone am Scheffheu geborgen. Die Bruchflächen ließen sich leicht im Gesteinsverbund erkennen und so setzte ich alles daran, die restlichen Teile des Ammoniten ohne Verlust aus dem zähen Gestein zu bergen - diesmal mit fast vollständigem Erfolg, was nicht immer der Fall ist.

 

1.1

 

Ich muss jedes Mal vom Neuem überlegen, ob ich die Bruchstücke gleich vor der Präparation zusammenklebe oder sie einzeln bearbeite. Manchmal klebe ich ein paar Stücke zusammen und bearbeite die anderen erst einmal allein weiter, bevor alles zu einem großen Ganzen zusammengefügt wird. Das hat alles seine Vor- und Nachteile. Wenn die Fossilien-Teile tief im Gestein stecken, oder - wie in diesem Fall - die Teile relativ groß sind, werden die Stücke einzeln vor dem Zusammenkleben bearbeitet. Dies erspart ein aufwendiges Markieren und Nachgraben mit dem Stichel und die Stücke sind handlicher. Der Vorteil des Zusammenklebens der Stücke besteht hingegen darin, dass man damit die Gefahr des Verlusts von Fossilsubstanz an den Bruchkanten bannt. Wenn man Einzelteile bearbeitet, muss man beim Sticheln höllisch aufpassen und besonders an den Rändern - wenn möglich - hauptsächlich mit dem Strahler arbeiten, um Verluste zu vermeiden. Für die folgende Abbildung habe ich ich die drei Stücke in Position gelegt, um das Gesamtbild zu veranschaulichen. Wenn man die Gehäusemorphologie dieses Ammoniten kennt, kann man anhand des Studiums des Querbruchs bereits abschätzen, wie er im Gestein liegt und wie viel Gestein noch abzutragen ist.

 

2.1

 

Ich wählte die zwei kleineren Stücke rechts aus und fing an, sie erst einmal einzeln zu bearbeiten. Ich besitze Presslufthämmer des Herstellers Hardy Winkler und habe zuerst mit dem HW-60 mit dem Flachmeißel-Einsatz, der sich hervorragend für die Vorpräparation, d. h. das Abtragen von größeren Gesteinsmengen eignet, bis auf einige Millimeter an die Schale vorgearbeitet. Nur an den Rändern habe ich vorsichtig mit dem für feinere Präparationsschritte besser geeigneten HW-70 mit Spitzmeißel-Stichel und dem Sandstrahler der "Marke" Eckhard Petersen gearbeitet, wobei ich Eisenpulver als Strahlmittel verwendete. Das Gestein ist teilweise so hart, dass ich mit bis zu 8 bar Druck arbeiten musste. Im nächsten Bild sieht man ein erstes Zwischenresultat. An dem Teil rechts unten habe ich die Schale mit dem Strahler schon teilweise freigelegt. Kurz darauf habe ich zwei der drei Stücke dann mit Sekundenkleber zusammengeklebt.

 

3.1

 

Als nächstes wurde das größere Stück links mit der gleichen Methode durch Sticheln freigelegt und grob angestrahlt.

 

4.1

 

Dann wurde der Nabel ausgearbeitet und die Stücke anschließend zusammengefügt.

 

5.1

 

Nun war Feinarbeit mit dem Strahler angesagt und schließlich das Formatieren der Matrix, wobei überflüssiges Gestein entfernt wurde, um eine ästhetisch ansprechende Form zu finden.

 

6.1

 

Man sieht auf dem obigen Foto an den Enden der längsten Bruchfuge zwei Stellen, an denen kleine Teile des Ammoniten unwiederbringlich bei der Bergung verlorengingen. Ich habe diese Bereiche und die schmalen Spalten mit einem Gemisch aus Gesteinsmehl und Klarlack ergänzt und den Ammoniten zum Abschluss mit Rember behandelt. Nach dem Fotografieren wurden diese Stellen noch mit Wasserfarbe angeglichen.

 

Das nächste Foto zeigt das Endresultat: einen Ammoniten der Art Staufenia staufensis mit 20 cm Durchmesser, auf einer Stufe mit einem Maß von 27 x 21 x 9 cm.

 

staufenia

 

Roger Furze