Private Sammlungen

Prachtvolles aus Franken – Die Sammlung von Johann Schobert

Johann Schobert hat seit 1994 in der Schichten des Lias erschließenden Tongrube Buttenheim (dem Nachfolger der alten Unterstürmiger Grube) unweit seines Wohnortes Hirschaid eine Art zweites zu Hause gefunden. Er und seine Sammelleidenschaft sind untrennbar mit Buttenheim verbunden und wer selbst gelegentlich in Buttenheim sammelt, der wird ihm gewiss mehr als einmal über den Weg laufen. Je nach Dauer seines bisherigen Aufenthalts in der Grube hat Johann Schobert bereits eine bergfrische Pleurotomaria in der Hand, wenn man ihn trifft. Denn die begehrten Pleurotomarien sind eine seiner Spezialitäten. Er hat davon bereits mehrere hundert gefunden, weshalb sein wertschätzend gemeinter Spitzname „Schneckenhans“ nicht von ungefähr kommt. Bemerkenswert neben den zahlreichen Funden aus den wöchentlichen bis manchmal täglichen Buttenheimbesuchen ist sein mühsam erarbeitetes und wohl unvergleichlich umfangreiches Wissen um jurassische Fundstellen auf Frankens Feldern im Raum Forchheim/Bamberg. Ob es nun die begehrten regulären Seeigel, Großammoniten von um die 50 cm oder wohlerhaltene Saurierwirbel sind, es gibt fast nichts, was Hans bei seinen Feldbegehungen noch nicht entdeckt hat. Auch archäologische Funde blieben im Laufe der vergangenen 13 Jahre Sammeltätigkeit nicht aus, doch dieser Bericht widmet sich ausschließlich den fossilen Schätzen des Hans Schobert.
Der passionierte Sammler beachtet neben den Trophäen auch die Klein- und Mikrofauna. Besonders aus Buttenheim hat er viele Schlämmproben unter dem Binokular ausgelesen und das nicht primär für die eigene Sammlung, sondern um die Funde der Wissenschaft zugänglich zu machen. So kennt Johann Schobert auf jedem Gebiet Wissenschaftler mit denen er sich austauscht und kooperiert. Die Forscher könnten sich vor Material nicht retten, wenn es eine größere Zahl solcher Sammler gäbe.
Doch genug der Worte, im Folgenden lasse ich die Bilder für sich sprechen.
Buttenheim (und Co.) à la carte!

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Abb. 1: Johann Schobert und der Autor mit zwei besonders prachtvollen Buttenheimer Amaltheen aus der Sammlung Schobert.

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Abb. 2: Mit dem schönen weißschaligen Pleuroceras spinatum aus der alten Unterstürmiger Grube begann Hans Sammelleidenschaft. Da der Abbau in Unterstürmig bereits eingestellt worden war und die Grube für Sammler nicht mehr zugänglich war, holte Hans in Buttenheim das nach, was er in Unterstürmig weitestgehend verpasst hatte.
Ein besonders schöner Buttenheim-Fund ist die einwandfrei körperlich erhaltene Katosira undulata rechts oben.

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Abb. 3: Die schalenerhaltenen Exemplare in der unteren Reihe sind zu Pleurocerassalebrosum zu stellen. Daneben befindet sich eine Steckmuschel (Pinna sp.). Darüber sind Pleurotomarien sowie zahlreiche pyritisierte Ammoniten aus den Anfangsjahren zu sehen. Diese Art pyritisierter Funde sind inzwischen seltener geworden.

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Abb. 4: Ein deutlich "spiralgestreiftes" Pleuroceras aus dem Formenkreis um P. solare. Die Spezialität der Tongrube Buttenheim!

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Abb. 5: Gerade wegen solcher Pleuroceraten ist die Tongrube Buttenheim Anlaufpunkt für Sammler aus ganz Deutschland. Massiv verkiest, mit einem Schlag an der richtigen Stelle fertig präpariert... besser geht's nicht. Leider aber in dieser Form wirklich selten.

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Abb. 6: Nicht unbedingt eine Schönheit sehr wohl aber ein imposantes und rares Belegstück stellt dieser 60 cm messende Amaltheus dar. Wer kann da noch mitbieten?

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Abb. 7: Pleurotomarien sind eine Spezialität von Hans. Über die Jahre hat sich viel Material angesammelt, natürlich wie das Bild exemplarisch zeigt in allen erdenklichen Erhaltungsstufen.

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Abb. 8: Solche Kleinfossilien sammelt Hans vor allem um sie Wissenschaftlern zur Verfügung zu stellen. Bei den hier gezeigten Schnecken handelt es sich meines Erachtens überwiegend um Rhynchocerithium kochi.

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Abb. 9: Dieses Pleuroceras salebrosum war in vier Teile zerbrochen, wurde aber dennoch zu einem sehr schönen Sammlungsstück, gerade wegen des erhaltenen Kielfortsatzes, der nur durch die Bergung samt Matrix nicht verloren ging.

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Abb. 10: Erstaunlich dass sich hier zwei der sonst nur sehr sporadisch auftretenden  Schnecken der Gattung Katosira so dicht beieinander abgelagert haben.

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Abb. 11: Ein Rhabdocidaris-Stachel aus Buttenheim. Der erste Seeigelstachel den ich bisher aus Buttenheim gesehen habe!

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Abb. 12: Eines der prachtvollsten Stücke aus der Sammlung Schobert stellt dieser große Amaltheus (zum Größenvergleich siehe Abb. 1) dar.

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Abb. 13: Erlesenes vom Acker. Knochenmaterial unterschiedlicher Saurier. Die beiden großen Wirbel sind vom Ichtyosaurier.All diese Funde stammen aus dem Lias epsilon (Toarcium) der Frankenalb.

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Abb. 14: Weitere Wirbel aus dem Lias epsilon Frankens, deren zwei sogar zusammenhängend und mit Fortsätzen überliefert sind.

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Abb. 15: Im Keller findet sich ein buntes Gemisch an Großammoniten aus Lias und Malm.

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Abb. 16: Kaum zu glauben aber dieser fein belobte Riese ist ein Feldfund von der Frankenalb!

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Abb. 17: Pachypictonia(?) - ein Feldfund von selbiger Stelle wie der auf Abb. 16 gezeigte Ammonit.

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Abb. 18: Aspidoceras mit Aptychus "in situ"...

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Abb. 19: Neben seiner Lokalsammlung hat sich Hans Schobert auf Seeigel spezialisiert, von denen er in den vergangenen Jahren zahlreiche aus aller Herren Länder stammende Exemplare zusammengetragen hat.

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Abb. 20: Darunter finden sich auch große Brocken wie z.B. dieses Exemplar.

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Abb. 21: Echinocorys und Micraster aus Dalbyover in Dänemark.

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Abb. 22: Stufe mit zwei Plegiocidariden aus dem Malm der Frankenalb.

Abschließend möchte ich Hans Schobert dafür danken, dass wir (meine Eltern und ich) seine Sammlung besichtigen durften. Darüber hinaus freue ich mich für Steinkern über die Sammlung berichten zu können und somit einem breiten Publikum einen kleinen Einblick in diese sehr spezielle Lokalsammlung geben zu können. Dies soll aber eine Besichtigung der Originale keineswegs erübrigen, sondern eher dazu anspornen sich das Ganze mal “live” anzuschauen. Wer sich für Buttenheim und die Funde von den Äckern interessiert, der sollte Hans bei Gelegenheit fragen, ob eine Sammlungsbesichtigung möglich ist.
Jura-Fans und vor allem für Buttenheim-Sammler sollten die Sammlung unbedingt gesehen haben!

Sönke Simonsen, Bielefeld den 3. November 2007

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Aktualisierung vom 17. August 2008:
Bei meinem diesjährigen Besuch im Frankenjura (13.-17. August) hatte ich das Vergnügen mal wieder (bzw. erstmals!) einige Sammlerfreunde aus dem Steinkern zu treffen, darunter auch "Schneckenhannes" Johann Schobert, der einige seiner Neufunde in der Tongrube bei Buttenheim zum Zeigen mit dabei hatte. Seltene Kleinfauna genauso wie (ebeso seltene) große Prachtstücke. Diese möchte ich Euch nicht vorenthalten - dafür dass es lediglich "Arbeitsfotos" sind, bitte ich aufgrund der knapp bemessenen Zeit um Verständnis - ich hoffe man kann dennoch anhand der Bilder erkennen, dass Buttenheim nach wie vor für tolle Funde gut ist:

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Abb. 23: Ptychomphalus expansus und Pleurotomaria amalthei - eine wunderbare Kombination - bislang wohl einzigartig, da beide Schnecken nicht gerade häufig sind.

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Abb. 23: Pyritsteinkern eines bedornten Pleuroceras. Der "Konkretions-Deckel" ließ sich mit einem Schlag entfernen und gab die perfekt erhaltenen Innenwindungen des Ammoniten frei. Beachtlich ist, wie die äußerere Windung die Dornen der zweiten Windung umschlingt.

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Abb. 24: Vor einigen Wochen kam beim Ausbaggern des verschlammten Entwässerungsgrabens im alten Grubenbereich dieser Prachtkerl zum Vorschein: ein Amaltheus margaritatus mit erhaltenem Kielfortsatz. Rechts ist eine Fotografie der Fundstelle zu sehen.

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Abb. 25 (links): Eine große Pleurotomaria amalthei.
Abb. 26 (rechts):  Venteransicht eines kapitalen - leider aber, abgesehen von der Wohnkammer, flachgepressten - Pleuroceras.

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Abb. 27: Kleinfunde aus der Tongrube Buttenheim und deren Umgebung.
Abb. 28: Der "Schneckenhannes" am 14. August 2008 beim Freilegen eines Groß-Amaltheus von 35 cm (mehr dazu im Forum). Foto: Paul Winkler.

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Kleinfauna aus der Tongrube Buttenheim:
Abb. 29 (Links oben): Rhynchocerithium kochi
Abb. 30 (Rechts oben): Rare Kleinschnecken.
Abb. 31 (Links unten): Eine Krebsschere.
Abb. 32 (Rechts unten): Sisenna canalis

Schon jetzt bin ich gespannt, was Hans bei meinem nächsten Besuch an aktuellen Funden wird vorweisen können - da er fast täglich in Buttenheim und den Äckern der näheren Umgebung unterwegs ist und ihm das Glück hold zu sein scheint, bin ich nicht bange, dass bis dahin wieder einige bemerkenswerte Fossilien hinzugekommen sein werden.

Sönke Simonsen, den 17. August 2008

Literatur:
LENTZ, Eberhard & SCHOBERT, Johann (2008): Historie und Gegenwart des Abbaus in der Tongrube am Holzbachacker/Altendorf bei Buttenheim, in: Der Steinkern - Heft 1, S. 59-62.