Das Heimatmuseum Alzey

Das Heimatmuseum Alzey
Fossilien aus der Alzey-Formation des Mainzer Beckens (dem früheren Unteren Meeressand) liegen in den Sammlungen vieler Museen. Eine der besten Ausstellungen findet man jedoch in Alzey selbst; in der geologischen Abteilung des dortigen Heimatmuseums.

 

Bild 1

Das Museumsgebäude vom Parkplatz aus gesehen.


Geschichte des Museums
Das Museum gibt es seit ca. 100 Jahren, wobei in seiner Frühzeit der Schwerpunkt auf der römischen Geschichte der Stadt lag. Seit 1983 ist das Museum in einem alten Hospital untergebracht. Es liegt direkt an einem großen Parkplatz und nur wenige Minuten vom Bahnhof entfernt. Im Erdgeschoss und 1. Stock finden sich Ausstellungen zur Geschichte und Archäologie der Stadt, die man sich, so es die Zeit zulässt, ebenfalls ansehen sollte.


Die Ausstellung
Die geologische Abteilung befindet sich im 2. Stock in einem großen Raum (leider verfügt das Museum über keinen Fahrstuhl). Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt bei den Fossilien aus der Alzey-Formation, vor allem von den klassischen Fundstellen von Alzey-Weinheim (Trift, Zeilstück, Neumühle) und der großen Sandgrube bei Eckelsheim. Star der Ausstellung ist die Seekuh „Elsa“. Unterhalb des montierten Skeletts ist ein weiteres, leider nicht ganz vollständiges Skelett aus der Sandgrube Wendelsheim in Fundlage ausgestellt, darüber schwebt ein lebensgroßes Modell, das während einer Ferienaktion entstanden ist.

In einem abgetrennten Bereich befindet sich die systematische Sammlung mit Fossilien der Alzey-Formation, angefangen bei den Foraminiferen über Moostierchen, Korallen, Mollusken und Stachelhäuter bis zu Fischen, Reptilien und Säugetieren sowie Pflanzen (vor allem Holz und Koniferenzapfen aus den "Steinhardter Erbsen"). Über den Tischvitrinen sind in Wandvitrinen größere Objekte sowie rezente Vergleichsstücke untergebracht. Daneben gibt es übersichtlich gestaltete Schautafeln mit Informationen zu Lebensweise und Entwicklung der unterschiedlichen Tiere.

Vier Raumvitrinen widmen sich der Fauna der vermutlich berühmtesten Fundstellen des Mainzer Beckens; der großen Sandgrube an der Bellerkirche bei Eckelsheim sowie den Fundstellen Neumühle, Trift und Zeilstück bei Alzey-Weinheim mit ihren jeweils charakteristischen Fossilien.

Einige weitere Vitrinen sind den jüngeren Formationen gewidmet. Anders als die Vitrinen der Alzey-Formation, die vor einigen Jahren komplett überarbeitet wurden, sind hier die Bestimmungen nicht ganz auf dem neuesten Stand. Die Fossilien sind aber in jedem Fall sehenswert, nicht zuletzt da einige von historischen Fundstellen stammen, die heute nicht mehr zugänglich sind.

Aus den „Schleichsanden“ (=Stadecken-Formation) sind u. a. verschiedene Muscheln und Schnecken von der Flurbereinigung bei Bodenheim zu sehen, darunter einige große Helmschnecken der Gattung Mambrinia. Ebenfalls sehr schön sind die gezeigten Stücke aus den Pappillatenschichten von Zeilstück, wobei hier allerdings die Zugehörigkeit zu den „Schleichsanden“ bestenfalls umstritten ist (andere Autoren stellen die Schichten in die Sulzheim-Formation oder halten sie für eine eiszeitliche Zusammenschwemmung von Fossilien verschiedenen Alters).

Die gezeigten Fossilien aus den „Cyrenenmergeln“ (Sulzheim-Formation) stammen überwiegend von den weithin bekannten Feldern bei Sulzheim sowie aus der Rossloch-Bank bei Weinheim. Von letzterer Stelle ist auch ein fast einen Meter großer Brocken mit zahlreichen Schnecken, Muscheln sowie einem Haizahn ausgestellt.

Unter dem Begriff „Süßwasserschichten“ werden die Mergel der höheren Sulzheim-Formation (die eigentlichen Süßwasserschichten) sowie die Kalke der Hochheim-Formation (ehem. Landschneckenkalke) zusammengefasst. Es sind eine Reihe schöner Schnecken ausgestellt (leider meist ohne Beschriftung) sowie einige große „Schwalbennester“ (von Cyanobakterien umkrustete Süßwassermuscheln).

Aus dem Kalktertiär sind nur einige wenige Fossilien in einer kleinen Vitrine zu sehen; verständlich, da es in der näheren Umgebung von Alzey nie größere Aufschlüsse in diesen Schichten gegeben hat.

Deutlich besser ausgestattet sind die Vitrinen mit Wirbeltierfossilien aus den miozänen Flussablagerungen (Dorn-Dürkheim- und Eppelsheim-Formation). Hier gibt es Knochen, Kiefer und Zähne von verschiedenen Rüsseltieren (darunter dem Rheinelefanten Deinotherium), Nashörnern, Pferden und anderen Tieren zu sehen.
Den Abschluss bilden einige eiszeitliche Wirbeltierreste, vor allem aus den Rheinschottern, aber auch ein Unterkiefer eines Nashorns, der in quartärem Löss bei Weinheim gefunden wurde.

Für den mineralogisch Interessierten gibt es zusätzlich noch eine Vitrine mit Achaten aus der Umgebung von Alzey (viele Felder in der Umgebung liegen direkt auf vulkanischem Gestein aus dem Rotliegend, das Achat, Amethyst und andere Mineralarten führt).

Wer nach dem Museumsbesuch noch Zeit und Lust hat, kann sich bei Alzey-Weinheim die Fundstelle einiger der im Museum gezeigten Fossilien ansehen. Hier liegt die berühmte Sandgrube an der Trift, ein vor über 150 Jahren geschaffener Aufschluss, der heute als Geotop geschützt ist und als Typusprofil für die Alzey-Formation diente. Ohne geführte Exkursion ist zwar einige Meter vor der Wand an einem Zaun Schluss, aber auch so kann man einiges sehen wie z. B. die Wühlspuren von Rochen sowie einige größere Muscheln. Zudem gibt es eine Infotafel zur Geologie der Trift und des Mainzer Beckens.

Homepage: http://www.museum-alzey.de/

 

Im Folgenden einige Impressionen aus der Ausstellung.

 

Bild 2
Panoramabild der geologischen Abteilung. Rechts im Bild die Ausstellungen zur Alzey-Formation, links davon die Vitrinen mit den jüngeren Fossilien bis zur Eiszeit.

 

Bild 3
Die drei Seekühe des Museums.

 

Bild 4
Lackfilm mit Wühlspuren von Rochen sowie der Stammabdruck einer Palme auf einem gehärteten Sandblock, beides aus den Sandgruben von Eckelsheim.

 

Bild 5
Blick in den der Alzey-Formation gewidmeten Bereich. Rechts im Bild eine Vitrine mit zahlreichen fossilen Seekuhknochen aus dem Mainzer Becken sowie einem rezenten Dugong-Skelett und mehreren Schädeln verschiedener Seekühe, darunter dem Abguss eines Schädels der Stellerschen Seekuh.

Bild 6
Vitrinen mit Muscheln und Schnecken der Alzey-Formation.

 

Bild 7
Eine der Vitrinen mit verschiedenen Muscheln. Bei kleineren Arten ist oft noch ein vergrößertes Foto ausgestellt.

 

Bild 8
Fossilien von der berühmten Fundstelle „Neumühle“: Ein aus einzelnen Zähnen rekonstruiertes Gebiss des Siebenkiemerhais Notorynchus primigenius in einem Gebiss eines heutigen Verwandten. Rechts unten ein pathologischer Sandtigerhaizahn (das heftigste Beispiel für einen „kranken“ Zahn, das ich aus dem Mainzer Becken kenne).

 

Bild 9
Fossilien (u. a. Pelikanfuß- und Helmschnecken, Herz- und Islandmuscheln) aus der Stadecken-Formation, vor allem von Bodenheim.

 

Bild 10
Im Hintergrund befinden sich die Tischvitrinen mit den Fossilien aus Stadecken- und Sulzheim-Formation sowie den „Süßwasserschichten“, links im Vordergrund Vitrinen mit Wirbeltierfossilien aus den miozänen Flussablagerungen sowie der Eiszeit.

 

Bild 11
Die Trift bei Weinheim; vielleicht die berühmteste Fundstelle des Mainzer Beckens.

 

Kai Nungesser