Sonstige Bundesländer

Nostalgisches zur berühmten Fossillagerstätte Geiseltal

Beim Blättern in einem Fototoalbum meines 1994 verstorbenen Großvaters entdeckte ich vor einiger Zeit ein von ihm verfasstes Gedicht über den Braunkohletagebau im Geiseltal (Halle/Saale) und Fotos, welche 1933 aufgenommen wurden, als er - damals vermutlich Angehöriger des Arbeitsdienstes - an Ausgrabungen in der Grube Cecilie teilnahm.

Im Jahre 1933 wurde dort auch das vollständige Skelett des Geiseltalurpferdchens (Propalaeotherium isselanum) gefunden.
Das Geiseltal ist die einzige Braunkohlelagerstätte Mitteldeutschlands, aus der eine Vielzahl größerer Fossilfunde, d.h. pflanzliche und tierische Reste des Tertiärs (Eozän) aus der Zeit vor rund 50 Millionen Jahren überliefert sind.

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Die Grabungsmannschaft in der Grube Cecilie

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Die Grabungsmannschaft bei der Arbeit

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Pause (Aufschrift der Schilder: "Das Betreten der Fördertürme ist streng verboten")

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Zwei Arbeiter in der Grube Cecilie

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Überblick über die Grube Cecilie

Lied vom Geiseltal

(1933 verfasst von Karl-Boy Simonsen 1914-1994)

Denkt ihr noch an den Sommer zurück,
Kameraden vom Geiseltal?
Als wir hackten und bargen Stück für Stück,
Und die Sonne, die schien so fahl.
Ja, wir denken noch an den Sommer zurück!

Refrain:
Geiseltal, du bist unsere Heimat,
Wann kehren wir zu dir zurück?

Denkt ihr noch an den Sommer zurück,
Kameraden vom Geiseltal?
Spitzhacke, Stichel und Zaponlack
Und die Flasche mit Aceton.
Die Luft zerriss ein gellender Schrei:
"Schon wieder ein Lophiodon!"

Refrain.

Durchnässt, verdreckt, die Schaufel in der Faust,
Zerlumpt, zerrissen, ohne Schlips,
Hockten wir um den Topf mit Paraffin,
Verschmiert bis oben mit Gips.
Die glühende Sonne schmolz alles weg,
Der Körper klebte von Schweiß.
Wir gruben und hackten und fielen bald um.
Doch weiter, was heißt hier heiß?

Refrain.

Wenn der Tag zu Ende, die Arbeit aus
Und verblasst der Abendsonnenschein,
Fuhren wir, die Grabungskolonne, ahoi,
Auf dem Rad ins Ledigenheim.
Dort brachte uns Meta das Essen herbei,
(Von der Industrie finanziert).
Zur Liebe hatten wir keine Zeit,
Die Arbeit hat uns ruiniert.

Refrain.

Im heulenden Sanum, im Geiseltalsturm
Hackten und stachen wir uns wund.
Aus Anstrengung und Verzweifelung
Riss uns der neue Fund:
Der Fund, ein Krokodil mit Ei,
Eine unerhörte Sensation!
Nach Halle drang der gellende Schrei:
"Schon wieder ein Lophiodon"!

Refrain.

Die Augen schmerzten vom elenden Sand,
Nach Grubenwassern es stank;
Doch ein Halbaffe wurde unser Lohn,
Vier Zentimeter war er lang!
Die illustrierten Zeitungen schrieben davon,
Vom Skelett mit Haut und Haar.
Ein Borstenschwein durch die Presse jagt
Mit Incisiven und Molar.

Refrain.

Dem gierigen Griff des rastlosen Baggers
Wir manchen Fund entrissen.
Zu 90% waren die Funde gut,
der Rest war Bruch und bescheiden.
Ein Jahrmillionen altes Embryo:
"Schon wieder ein Lophiodon
Mit Koprolithen und Dünndarm dazu,
Mit Hämorrhoiden und Progynon.

Refrain.

Es folgen einige alte Aufnahmen von Funden aus dem Geiseltal (1933):

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Im Album als "Panzerechse" bezeichnetes Fossil, vermutlich handelt es sich jedoch um einen Schmelzschupperfisch

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Ein Krokodil

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Ein Frosch

Dieser Bericht war bereits im alten Steinkern zu lesen und anzuschauen, wurde jedoch bei der Übernahme in die neue Seite zunächst vergessen, deshalb ist er hier jetzt, im gleichen Wortlaut, aber um einige Bilder bereichert, erneut online.

Sönke Simonsen