Bayern

Die Unterjura-Tongrube bei Buttenheim im Mai 2013

Anfang des Monats Mai 2013 besuchte ich mit Sammlerfreunden den Frankenjura. Natürlich war die Tongrube Buttenheim bei der Tour gleich mehrmals auf dem Programm, ist sie doch der einzige verbliebene aktive Lias-Aufschluss in der Region. An dieser Stelle möchte ich einen kleinen Überblick über die aktuelle Aufschlusssituation geben und einige der Funde zeigen. Zugegebenermaßen liegt der größte Teil des Fundmaterials der Exkursion noch unpräpariert in Kisten eingelagert im Rohmateriallager, aber dass das Präparieren oft länger dauert als das Sammeln, das kennen ja die meisten Sammler aus eigener Erfahrung.

 

Die Buttenheimer Grube wurde in den vergangenen Jahren kräftig in nordöstlicher Richtung in das ansteigende Gelände hinein erweitert. Von dem bisher zum Grubenpanorama gehörenden Waldstück, das man vom Haupteingang der Tongrube beim Blick Richtung Norden sehen konnte, sind inzwischen Teile in Vorbereitung zusätzlicher Erweiterungen der Grube gerodet worden. Es deutet sich mit der fortschreitenden Erweiterung eine rosige Zukunft für uns Sammler an, wenn wir weiterhin im Aufschluss geduldet werden. Bisher hat das sehr gut geklappt, es gab nach meiner Kenntnis keine größeren Zwischenfälle und die fränkische (Gast-)Wirtschaft möchte die Fossiliensammler wohl auch nicht als Gäste missen. Hoffen wir vor allem darauf, dass der Werksbetrieb in Buttenheim uns weiter wohlgesonnen bleibt. Also, wann immer die Grube begangen wird: die Autos an einer Stelle parken, wo sie nicht stören (weder den Betrieb noch den Landwirt), sich in der Grube von Maschinen fernhalten und außerdem gilt im Interesse der eigenen Sicherheit und dem Interesse aller Sammler die dringende Bitte keine frischen Radlager-Fahrspuren vor Feierabend zu begehen! Das kein Werkzeug und kein Müll in oder an der Grube hinterlassen werden dürfen, versteht sich von selbst.

 

Das Top des Hügelrückens wird durch das Untere Toarcium gebildet, welches bereits seit einigen Jahren aufgeschlossen ist - Steinkern berichtete darüber bereits 2007. In den letzten Jahren und Monaten haben sich die Aufschlussverhältnisse deutlich verbessert. Auch die Fundmöglichkeiten in der oberen Spinatum-Zone haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr dem Niveau des alten Unterstürmig angeglichen, nachdem die weißschaligen Ammoniten nun so hoch von Gestein überdeckt sind, dass die pyritisierten Formen so gut vor äußeren Einflüssen geschützt waren, dass sie keine starke Neigung zum Ausblühen mehr haben, wie die ersten Funde. Immer mehr Pleuroceraten haben eine so gut erhaltene Schale, dass es sich empfiehlt diese nicht herunterzubürsten, sondern auf dem Fossil zu belassen. Man findet normalerweise jedoch genug Stücke, um auch das eine oder andere abzubürsten und damit einen attraktiven Steinkern in Pyrit- oder Kalziterhaltung freizulegen. Besonders begehrt sind Stücke mit kalzitischen Innenwindungen, die im Gegenlicht wunderbar durchscheinen und im Gegensatz zu den Schwefelkiesammoniten eine "Ewigkeitsgarantie" mitbringen. Die Lage mit den Kalzit-Ammoniten befindet sich knapp unterhalb der Pyritammoniten, auf deren Höhe aufgrund der guten Fundfrequenz die meisten Schurfe durch Sammler angesetzt werden. Wer einmal das Glück hat nach Feierabend oder am Wochenende in einer neuen von der Raupe geschobenen Bahn mit dem Buddeln beginnen zu können, der sollte es ruhig einen knappen Meter unterhalb der sonstigen Schurfe probieren, denn viele davon sind (zumindest derzeit) so hoch angesetzt, dass die Knollenlage mit den Kalzit-Ammoniten verschüttet wurde und oberhalb im Bereich direkt unter den großen Septarien-Knollen nur Pyrit-Ammoniten gefunden werden. Man kann natürlich auch unter dem Schutt diese Lagen wieder ausgraben, aber das ist etwas mühselig und bis die ersten Funde kommen vergeht viel Zeit. Und wenn man Pech hat, ist die Schicht dann doch schon abgegraben worden...

 

Nachdem im April kaum abgebaut wurde, wodurch sich die Fundsituation freilich sukzessive verschlechtert, waren wir glücklich, dass der Betrieb in der Woche unserer Anreise wieder aufgenommen worden war. Es waren mehrere LKWs, ein Radlader und eine Raupe im Einsatz, die die ungewöhnlich großen Mischhaufen auf der Grubensohle in kurzer Zeit abtrugen.

 

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Abb. 1: Reger Abbaubetrieb in der südöstlich von Buttenheim gelegenen Unterjura-Tongrube.

 

Erzbank

Beim ersten Besuch der Grube machte ich mir zunächst ein Bild von der Abbausituation und den Aufschlussverhältnissen. Diese sind insbesondere in der berühmt-berüchtigten Erzbank, der Fundschicht der schönen Schnecken um die Gattung Pseudokatosira, stark wechselnd, da manchmal Halden- oder zuviel anstehendes Deckmaterial auf der Bank liegt oder sie schon von anderen Sammlern bis zur Schmerzgrenze abgebaut wurde. Durch den Starkregen der letzten Tage hatte ich das Glück rasch eine kleine Pleurotomaria aus der Schicht herausragen zu sehen, die ich mit dem wenigen mitgeführten Werkzeug freiklopfen konnte. Ein erster Überblick war gewonnen und eine Stelle im östlichen Bereich der Grubensohle gefunden, auf der man in den kommenden Tagen noch etwas schürfen würde können. Die Stelle wo Steinkern-Kollege Benedikt kurze Zeit zuvor seine sagenhaften "fünf Pseudokatosiras auf einen Streich" gefunden hatte, war am ersten Tag nicht zugänglich. Statistisch gesehen dürfte an dieser Ecke das "Pseudokatosira-Glück" aber sowieso aufgebraucht gewesen sein, wie sich einige Tage später bestätigte, als der Radlader diesen Bereich etwas freigekratzt hatte und ich mir nach Feierabend im Spinatum-Fundlager dort doch noch einmal zu schaffen machte. ;-)

 

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Abb. 2: Die basale Windung einer kleinen Pleurotomaria amalthei ragte aus einem freigewaschenen Bereich der stellenweise vererzten und daher als "Erzbank" bezeichneten Schicht. Als Lesefund beim ersten Inspizieren der Aufschlussverhältnisse nimmt man so ein Stück natürlich gerne, sozusagen als Vorschuss im Hinblick auf die bevorstehende Grabungsarbeit.

 

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Abb. 3: Da noch immer viele Sammler, die nicht so häufig in Buttenheim sind, Mühe haben die Erzbank zu erkennen, zeige ich hier nochmals ein Foto, welches die gehäuften flachgepressten Gehäuse von frühen Pleuroceraten auf der angeschlagenen Fläche und die weiße Sprenkelung mit Schalenfragmenten schon im Querbruch zeigt. Das Gestein ist ein stark verhärteter, siltiger Ton. Vererzt sind - wie bereits erwähnt - nur einige Teile der Bank, es tauchen teils bis quadratmetergroße Pyritfladen auf, die sich im händischen Abbau kaum bewältigen lassen. Die Funddichte in der Bank ist als durchwachsen zu bezeichnen, der zähe Sammler hat aber (mittelfristig betrachtet) garantiert seine Freude an dieser Schicht! Die Erhaltung der Fossilien sucht ihresgleichen und es kommen viele Faunenelemente vor, vor allem Schnecken, die man im restlichen Profil nicht oder nur höchst vereinzelt findet.

 

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Abb. 4: Diese Pseudokatosira undulata mit 72 mm Länge stammt aus einer gemeinsamen Grabung mit meinem Bielefelder Sammlerfreund Markus Lücke in der Erzbank. Trotz leichter Komprimierung und fehlender Embryonalwindung ist es ein schönes Exemplar. Präpariert wurde das Stück mit dem Sandstrahlgerät bei geringem Druck und unter Einsatz von Eisenpulver. Danke für die großzügige Überlassung des gemeinsamen Fundes an Markus!

 

Spinatum-Fundlager und Bollernbank

Oben in der Spinatum-Zone waren schon ziemlich tiefe Löcher gegraben worden, ein Glück dass die Raupe dort wieder mit dem Schieben begonnen hatte, so dass man sich nach Feierabend und am Wochenende in diese Bahn begeben konnte und die Schicht ohne Schuttüberdeckung ergraben konnte, so dass die Wahl des Grabungshorizontes keinen Einschränkungen durch die Vorarbeit zuvorgekommener Ausgräber unterlag.

So kamen im Laufe mehrer halber Grabungstage drei Kisten mit Pleuroceraten zusammen. Interessant waren neben größeren Exemplaren, die sich ab 6 cm aufwärts aber rar machten, auch die immer mal wieder zu findenden "Doppel-Stüfchen" mit zwei Exemplaren und die selteneren Gräber, bei denen der äußere Fossilbesatz allerdings meistens eingedrückt ist - im Inneren stecken allerdings attraktive und unversehrte Ammoniten.

 

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Abb. 5: Blick von der Grubensohle hinauf zu fleißigen Arbeitern und einem fleißigen Aufsammler im Bereich des Hauptvorkommens des Leitammoniten Pleuroceras spinatum.

 

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Abb. 6: Spitzhacken sind das Mittel der Wahl, um den Pleuroceraten in den Hang hinein zu folgen.

 

Für die schweißtreibende Arbeit entschädigen dann vielfältige Funde, hat man die richtigen Lagen ersteinmal ausgemacht.

 

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Abb. 7: Gut in eine Knolle eingebettetes Pleuroceras spinatum ordentlicher Größe, man beachte das links oberhalb bereits der nächste Rücken herausragt.

 

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Abb. 8: Manchmal sind die Ammoniten Mogelpackungen, wie z. B. dieser zunächst entzückende Venter eines großen Pleuroceras spinatum. Der fettige, über den Innenwindungen des Ammoniten zusammengedrückte Ton deutete schon an, dass die Innenwindungen wohl verdrückt sein würden. Diese Ahnung bestätigte sich leider kurze Zeit später beim Herausnehmen des Ammoniten. Schade!

 

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Abb. 9: Andere Stücke kamen aber auch perfekt und bereits in einem perfekten Zustand, den man so normalerweise erst nach der Präparation erwarten würde, zutage. So dieses mittelgroße pyritisierte Pleuroceras.

 

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Abb. 10: Just entdeckter Ammonit, fotografiert neben seinem Negativ-Abdruck. Hoffentlich sitzt auf den Innenwindungen nur Mergel und kein nicht entfernbarer Schwefelkies.

 

Mit fortschreitender Tageszeit füllen sich langsam die Depots der Sammler:

 

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Abb. 11: Blick in eine Dose mit Kalzit-Pleuroceraten, gefunden von Markus Lücke.

 

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Abb. 12: Depot mit bräunlichen Knollen – hoffentlich lassen sich die Ammoniten ordentlich präparieren. Der von einem Sammlerfreund ausgesprochene Wunsch "viel Spaß beim Präparieren!" kam irgendwie leicht ironisch daher. Aber Versuch macht klug und das Finden macht gerade hier in Buttenheim sowieso den meisten Spaß!

 

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Abb. 13: Ein Gemeinschaftsdepot von Markus und mir mit der gemeinsamen Ausbeute von nur einer guten halben Stunde, die aus einem Keil zwischen unserer beider Grabungen stammte. Wenn man erstmal auf der richtigen Schicht ist, dann purzeln die Pleuroceraten nur so heraus... Unter der Schale dieser Ammoniten verbirgt sich blanker Schwefelkies.

 

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Abb. 14: Wer meint, dass hier ein Sammler mit zu klein geratenen Händen ein Pleuroceras durchschnittlicher Größe in die Kamera reckt, der irrt sich, denn dieser Ammonit hat einen stattlichen Durchmesser von über 12 cm. Die glücklichen Händchen auf dem Bild gehören dem Finder Stefan Linke.

 

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Abb. 15: Glückwunsch Stefan, das ist ein Prachtkerl!

 

Im Folgenden zeige ich ein paar schon präparierte Stücke aus dem Spinatum-Lager, nicht die schlechtesten, aber sicherlich auch noch nicht die besten, die ich fand – jedenfalls aber die ersten, die ich aus der Rohmaterial-Kiste griff.

 

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Abb. 16: Pleuroceras spinatum (60 mm) aus einer bräunlichen, eisenschüssigen Konkretion vor der Präparation.

 

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Abb. 17: Derselbe Ammonit nach erfolgter Präparation. Die instabile Schale wurde entfernt. Die Innenwindungen liegen unter einer Schwefelkieskruste verborgen. Ich habe mich entschieden diese nicht herunterzusticheln, es wird schon noch genügend Stücke geben, wo die Innenwindungen freiliegen, zudem ist das Ergebnis dieser Stichelarbeit nicht immer ein Erfolg. Manchmal sind Fossil und Schwefelkiespanzer untrennbar miteinander verbunden. Danach kann man das Stück dann nur noch entsorgen – und als Belegstück taugt der Ammonit auch so. Die partiell limonitisierte Oberfläche macht das Stück interessant.

 

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Abb. 18: Viele Schalen sind so instabil, dass bei jeder Berührung Substanz verloren geht. Ich bürste solche Schalen in der Regel ab, weil sie meist unattraktiv wirken – so auch bei diesem 53 mm großen Ammoniten.

 

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Abb. 19: Das Exemplar von Pleuroceras spinatum aus Abb. 18 nach Sandstrahlbearbeitung und kurzem Sticheleinsatz. Leider ist das Zentrum nicht erhalten, aber es ist dennoch ein schönes und durch das Entfernen der Schale auch ebenmäßiges Fossil.

 

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Abb. 20: Die letzten Lobenlinien und der Beginn der Wohnkammer des zuvor gezeigten Ammoniten am Venter.

 

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Abb. 21: Dieses 38 mm große Belegstück darf seine kreidig-weiße Schale behalten, wenngleich darunter schon einige attraktive Lobenlinien hervorblitzen.

 

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Abb. 22: Zusammenschwemmung zweier mittelgroßer Pleuroceraten, die durch die Entsehung einer Schwefelkieskonkretion aneinander haften. Solche Funde sind gar nicht selten, der Vielzahl an Ammoniten in dieser Schicht sei dank.

 

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Abb. 23: Noch viel häufiger sind die sogenannten "Verwunschenen" (eine Bezeichnung, die auf unseren verstorbenen Sammlerkollegen Eberhard Lentz und seinen Artikel in der 1. Auflage des Buttenheim-Sonderhefts zurückgeht), gänzlich von Pyrit ummantelte Ammoniten, die mitunter recht bizarr ausschauen. Dieses Stück hat bei 62 mm Durchmesser eine Dicke von 30 mm – eine ohne diese Art von postmortaler Panzerung von einem Pleuroceras wohl nicht zu erreichendes Dickenwachstum

 

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Abb. 24: Weitere Ansicht des von Schwefelkies ummantelten Pleuroceras.

 

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Abb. 25: Ventrale Ansicht desselben Stücks.

 

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Abb. 26: Und abschließend zu diesem Exemplar noch eine letzte ventrale Perspektive mit Blick auf die Mündung.

 

Oberhalb des beliebten Grabungshorizontes folgen noch einige Meter tonige Ablagerungen des Oberen Pliensbachiums. Hier wurde jüngst eine u. a.  Echinodermen führende Schicht entdeckt, aus der ersten Funde u. a. durch den Lokalsammler Johann Schobert bereits im Steinkern-Forum gezeigt wurden. Weitere Funde von Seeigelresten sind zu erwarten, ein intaktes Gehäuse eines Seeigels zumindest zu erhoffen. Noch weiter oberhalb am Übergang zum Unteren Toarcium befindet sich die Bollernbank, eine in großen Bereichen Süddeutschlands auftretende Aufarbeitungsschicht mit Knollen des Oberen Pliensbachiums, die zahlreiche bräunliche Steinkerne von Pleuroceraten enthält. Die Knollen liegen in einem Sediment, dass im Unteren Toarcium entstand. Die Funddichte an Pleuroceraten ist nirgends höher als in dieser Aufarbeitungsschicht, es kann sich je nach Aufschlussverhältnissen durchaus einmal lohnen etwas darin zu scharren.

 

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Abb. 27: Am Übergang vom Pliensbachium zum Toarcium, ziemlich weit oben im Grubenprofil, befindet sich die Bollernbank. Das Foto zeigt einen von mir durch Scharren mit dem Hammer aufgewühlten Bereich und dokumentiert die hohe Belegungsdichte mit Knollen des Oberen Pliensbachiums. Die Schicht ist Zeugnis eines gigantischen Aufarbeitungsereignisses an der Zeitenwende zwischen Pliensbachium und Toarcium. Danach sind ein starker Faunenschnitt und eine völlig andere Sedimentbeschaffenheit zu beobachten.

 

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Abb. 28: Dass die Bollernbank von Buttenheim auch Pleurotomarien enthält, war selbst eingefleischten Lokalsammlern unbekannt. Daher ist dieser Fund einer großen Pleurotomaria von Markus Lücke zumindest ein interessantes Belegstück.

 

Suche im Unteren Toarcium

Da noch einige andere Fundpunkte auf dem Reiseprogramm standen, gesammelt wurde auch viel im Oberen Jura von Gräfenberg und Drügendorf, auch um den Präpariertisch für Kinder des Urzeithofs Fehrenbötel zu unterstützen, blieb mir leider keine Zeit für mehr als eine Stichprobe im Unteren Toarcium beziehungsweise Lias Epsilon. Dieses ist mittlerweile relativ großflächig aufgeschlossen und das dürfte auch noch eine Weile so bleiben. Zwar wird das Epsilon-Material vom Werk nicht benötigt, doch muss dieses bei jeder Erweiterung der Grube nach Nordosten zunächst abgebaut werden, um den gewünschten Ton des Oberen Pliensbachium ausbeuten zu können.

 

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Abb. 29: Blick auf die Abbaufläche im Unteren Toarcium.

 

Die Raupe hatte gerade einen frischen Haufen aufgeschoben, auf dem einige Laibsteintrümmer umher lagen. Die hiesigen Laibsteine haben eine graublaue bis bräunliche Färbung und sind kaum geschichtet. Diese Beobachtung gilt insbesondere für das Zentrum der Laiber, während die "Deckel" gelegentlich noch auf der Ebene spalten. Das schlechte Trennverhalten ("Trümmerbruch") schließt lagenweises Aufspalten auf der Suche nach Fischen, Insekten usw. fast aus, hier bedarf es schon etwas Glück oder großer Ausdauer um fündig zu werden. Auf die Schnelle entdeckte ich nur einige Fischschuppen. Mehr Glück hatte beim Aufspalten der Laibsteine Peter Möser (Erlangen), der mir freundlicherweise die folgenden Fotos (Abb. 30-32) zur Verfügung stellte:

 

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Abb. 30: Druck und Gegendruck eines 63 mm langen Fisches der Gattung Leptolepis, dem wohl häufigsten Fisch im Unteren Toarcium von Buttenheim. Sammlung und Foto: Peter Möser

 

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Abb. 31: Hildaites murleyi, ein Lucky Split aus einem Laibstein des Unteren Toarciums von Buttenheim: Foto: Peter Möser

 

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Abb. 32: Das Hildaites murleyi von Abb. 31 nach Abschluss der Präparationsarbeiten. Während die Luftkammern mit Kalzit aufgefüllt wurden und unverdrückt vorliegen, ist die Wohnkammer (letzte halbe Windung) deformiert. Der Durchmesser des Ammoniten beträgt 58 mm. Foto und Sammlung: Peter Möser

 

Sammlerfreunde berichteten mir in der Grube, dass zuletzt einige Wirbeltierreste gefunden wurden, auch ein Ichthyosaurierschädel soll entdeckt worden sein. Letztendlich war dies beinahe erwartbar gewesen, denn das Untere Toarcium Süddeutschlands ist eine bedeutende Fischsaurier-Lagerstätte. Nach einiger Zeit wurden an fast allen größeren und intensiv besammelten Aufschlüssen entsprechende Vertebratenfunde gemacht, so dass die Nachricht sicherlich mehr als nur ein Gerücht ist.

Wissenswert ist auch, dass nicht nur in den Laibsteinen, sondern auch unmittelbar im Schiefer interessante Fossilien verborgen sind. Erfolg verspricht die gezielte Suche nach Fischen (meistens findet man Grätenfische) durch lagenweises Aufspalten der Schieferplatten (in bestimmten Horizonten), die bei systematischen Grabungen in ordentlicher Größe herausgehoben werden können. Hier werden von einigen Sammlern bei der Abbautechnik vernünftigerweise Anleihen an den Abbau im Solnhofener Plattenkalk genommen.

Im Unterschied zu den Solnhofener Plattenkalken bedürfen die stark angewitterten Schieferplatten aus Buttenheim zur dauerhaften Erhaltung jedoch konservatorischer Maßnahmen, da sie sich durch Trocknung aufzurollen und zu zerbersten drohen. Der Abbau im Schiefer, das Erkennen der Fossilien und die anschließende Konservierung sind etwas für Fortgeschrittene und die größten Erfolge werden wohl spezialisierte Lokalsammler bei der Suche haben. Der sporadische Besucher der Tongrube wird dagegen sicherlich weiterhin vor allem im Oberen Pliensbachium auf seine Kosten kommen. Dennoch sollte jeder wissen, dass sich durch den inzwischen flächenhaften Aufschluss des Lias Epsilon die Liste möglicher Funde sehr stark erweitert, insbesondere bei den Wirbeltieren. Bevor man dort wild zu buddeln anfängt, sollte man sich in jedem Fall Expertise einholen, da hier nur ein gezieltes und technisch sauberes Graben sinnvoll ist. Sonst führt man in aller Regel wohl mehr Zerstörung herbei, als dass man Fossilien heil aus dem Gestein entnehmen kann. Sind Wirbeltierfunde im Oberen Pliensbachium beinahe ausgeschlossen, treten sie im Unteren Toarcium in vergleichbarer Häufigkeit wie Kopffüßer auf.

 

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Abb. 33: Bislang noch nicht näher bestimmter Fisch aus dem Lias Epsilon, Länge: 8 cm. Der Fisch stammt aus einer Lage, die zirka 50 cm über den Laibsteinen liegt. Foto und Sammlung: Fritz Lang.

 

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Abb. 34: Ebenfalls noch unbestimmter und 8 cm langer Fisch aus derselben Schicht im Lias Epsilon. Foto und Sammlung: Fritz Lang.

 

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Abb. 35: Grätenfisch aus dem Schiefer des Untertoarc, Länge: 9 cm. Foto und Sammlung: Fritz Lang

 

Bemerkenswert und bisher für Buttenheim noch nicht beschrieben, ist ein gehäuftesm besterartiges Vorkommen von Schlangensternen. Wohl erstmals entdeckt - jedenfalls aber erstmals im Steinkern-Forum beschrieben - wurde dieses von Fritz Lang. Er entdeckte die Schicht wenige Zentimeter unterhalb der Fundlage der oben abgebildeten Fische. Die Schlangensterne können auf einer Schicht verfolgt werden und treten dort in Nestern auf. Fritz konnte die Schicht an mehreren unterschiedlichen Stellen durch Stichproben erneut lokalisieren. Die Erhaltung ist zwar bisher durchwachsen und eine weitere Präparation scheint bei der bisherigen Erhaltung kaum möglich zu sein, dennoch handelt es sich um beachtliche Erstnachweise für Buttenheim, die auf den abschließenden Fotos gezeigt werden. Weitere solcher Funde sind zu erwarten, mit Glück vielleicht stellenweise in besserer Erhaltung. Wenn die Fossilsubstanz noch nicht so stark durch Verwitterung angegriffen wäre, wäre eine Sandstrahlpräparation oder auch eine Präparation mit Glasfaserradierern erfolgversprechend und könnte optisch äußerst attraktive Ergebnisse bringen. Dank an Fritz Lang für die Mitteilung über die Neuentdeckung über das Steinkern-Forum und für das Anfertigen der Fotos der Schlangensterne (Abb. 36-39) und der Fische (Abb. 33-35) für diesen Bericht.

 

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Abb. 36: Schichtausschnitt mit mehreren Schlangensternen aus dem Lias Epsilon von Buttenheim, Breite des Bildausschnitts zirka 4 cm. Foto und Sammlung: Fritz Lang (Hirschaid)

 

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Abb. 37: Nesterartige Schlangenstern-Zusammenballung aus dem Lias Epsilon von Buttenheim, Bildausschnitt: 5 cm. Foto und Sammlung: Fritz Lang (Hirschaid)

 

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Abb. 38: Schlangenstern (Armlänge: 15 mm) aus dem Lias Epsilon von Buttenheim. Foto und Sammlung: Fritz Lang (Hirschaid)

 

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Abb. 39: Schlangenstern mit 21 mm Armlänge aus dem Lias Epsilon von Buttenheim. Foto und Sammlung: Fritz Lang (Hirschaid)

 

Sönke Simonsen für Steinkern.de

Fotos und Sammlung, soweit nicht anders angegeben, Sönke Simonsen.

 

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