Unterer Jura (Lias)

Präparation einer Oistoceras-Konkretion vom Golden Cap (in 3D!)

An der südenglischen Jurassic Coast, genauer gesagt zwischen den kleinen Ortschaften Charmouth und Seatown in Dorset, befinden sich die klassischen Fundstellen Stonebarrow Hill und Golden Cap. Sie gehören zum UNESCO Weltnaturerbe, dürfen aber trotzdem besammelt werden. Die Erlaubnis zum Sammeln beschränkt sich jedoch auf das Auflesen. Grabungen in der Steilküste dürfen seit der Unterschutzstellung nicht mehr vorgenommen werden. 2011 und 2012 existierten dennoch Fundmöglichkeiten, die ich als gut bezeichnen würde. Die Erosion sorgt immer wieder für Nachschub für den Sammler. Als "Schlaraffenland für Fossiliensammler" darf man sich die Liasküste um Charmouth und Lyme Regis zwar nicht vorstellen, aber mit Glück und Ausdauer lassen sich prächtige Fossilien entdecken.

In Heft 8 von Der Steinkern wurden die eingangs genannten und weitere Lokalitäten bereits ausführlich besprochen, daher soll hier nur kurz auf einen speziellen Fund eingegangen werden.

Schon am Stonebarrow Hill unweit des Strandzugangs von Charmouth beginnt im mittleren bis oberen Bereich des Stonebarrow Kliffs der Ausstrich der zirka 30 Meter mächtigen Green Ammonite Beds des Unteren Pliensbachiums. In die tonig-mergeligen Schichtfolge sind mehrere Geodenlagen eingeschaltet, von denen einzelne eine reiche Fossilführung aufweisen.

Durch die Verwesung der Weichteile des Ammonitentiers kam es unter bestimmten Bedingungen um die Ammonitengehäuse herum zur Anreicherung von Kalk und damit zur Ausbildung von Konkretionen, welche die Ammoniten vor der Verformung durch Druck bewahrten. Diese plastisch erhaltenen Ammoniten galten Jahrzehnte lang als unpräparierbar und wurden bis vor Kurzem meistens geschnitten und poliert. Von der dadurch sichtbar werdenden grünen Kalziterhaltung des Phragmokons rühren der Name der Ammoniten und auch die Schichtbezeichnung: Green Ammonites bzw. Green Ammonite Beds. Inzwischen kann man die Ammoniten mit Geduld, Druckluftstichel und Sandstrahlgerät recht gut freilegen. Selbst in auf den ersten Blick hoffnungslos erscheinenden Fällen kann eine Präparation lohnend sein, wie dieser Bericht zeigt.

Die meisten Konkretionen der Green Ammonite Beds finden sich unterhalb von Golden Cap. Auch unterhalb des Stonebarrow Hill liegen vereinzelt Konkretionen, ebenso im eher flachen Küstenabschnitt zwischen den Kliffs und vom Golden Cap in Richtung Seatown. Dort bestehen auch manchmal gute Möglichkeiten im Versturzmaterial von Abbrüchen. Zumeist sind dort leider nur fossilarme Toneisensteinkonkretionen oder gleich gar keine Konkretionen enthalten, so dass das Fossilmaterial verdrückt im Ton vorliegt. Dafür ist die Funddichte hier so hoch, dass sie sowohl Anfängern als auch Fortgeschrittenen Freude bereitet. Immerhin sind die Wohnkammern der Ammoniten meist körperlich erhalten.

 

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Abb. 1: Stratigraphische Gliederung der Kliffs zwischen Charmouth im Westen und Seatown im Osten. Der grüne Streifen markiert den Ausstrich der Green Ammonite Beds (umgezeichnet und umgestaltet nach Woodward 1893, Arkell 1933, Davies 1935, West 2011 und Simonsen 2012).

 

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Abb. 2: Die niedrigste Ebbe des Jahres 2012 ermöglichte diesen Blick entlang des Stonebarrow Hill auf das Golden Cap (im Hintergrund). Foto: Hermann Simonsen

 

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Abb. 3 a-f: Studie der Freilegung eines 45 mm großen Oistoceras cf. wrighti mittels Sandstrahlgerät und Druckluftpräparierstichel.

a) Da vom Ammoniten nichts aus der Knolle herauragte, musste diese vor Ort aufgeschlagen werden. Erfreulich war, dass die Knolle einen Ammoniten enthielt, unerfreulich hingegen, dass der Ammonit nicht nur entzwei gebrochen, sondern die Knolle ist gleich in sechs größere Teile zersplittert war. Ein hoffnungsloser Fall? Fast, da aber alle Teile auffindbar waren, nahm ich die Splitter dennoch mit und versuchte einige Monate nach dem Fund mein Glück mit der Präparation.

b) Vor der Klebearbeit wurden Markierungen angebracht, in welcher Tiefe der Querbruch sich befand, um bei der späteren Präparation das Fossil möglichst ohne Beschädigung wieder zu finden. Die Risse wurden mit dünnflüssigem Sekundenkleber aufgefüllt - wie man an den Zwischenschritten der Präparation sieht, war ich hier recht großzügig. Dies ist in so einem Fall aber allemal besser, als am Kleber zu sparen. Der Sekundenkleber gewährleistete einen schmalen Fugenschluss und hielt gut genug, wie sich erweisen sollte. Beim Sticheln ist generell darauf zu achten, immer zu den Klebenähten hin zu arbeiten, um sie nicht zu stark zu beanspruchen und ein Aufbrechen zu vermeiden.

c) Suchschurf: Erst wurde eine Mulde auf Höhe des Querbruchs gestichelt und knapp oberhalb der erwarteten Höhe des Ammoniten gestoppt. Dann kam der Sandstrahler zum Einsatz und bald zeigten sich die ersten Ammonitenrippen. Schnell war klar, in welcher Position der Ammonit in etwa in der Konkretion liegen würde.

d) Die Mulde um den Ammoniten wurde Stück für Stück verbreitert.

e) Dabei wurde mit dem Druckluftstichel sehr nah bis an den Ammoniten heran gearbeitet. Als problematisch für das Sandstrahlen erwies sich nämlich, dass die Konkretion nach innen immer härter wurde. Daher musste bis auf die Rippen des Ammoniten gestichelt werden. Partiell führte das angesichts der Scharfkantigkeit der Berippung des Oistoceras leider auch zu kleinen Schalenabplatzungen. Diese wären durch eine erhöhte Strahldauer eventuell vermeidlich gewesen. Mehr zu strahlen, hätte allerdings auch ein mehr an flächendeckender Abrasion der Oberfläche - insbesondere der scharfkantigen Rippen des Oistoceras - bedeutet.

f) Die Kleberüberschüsse wurden im nächsten Arbeitsgang mit einem Skalpell abgeschabt und der Ammonit soweit freigelegt, dass der Venter knapp bis zur Hälfte frei lag. Dies war nötig, um den Ammoniten in der Wanne in der Geode erhaben darzustellen. Große Teile der Außenwindung des Oistoceras waren nun bereits freigelegt. Jetzt stand nur noch die Feinarbeit aus.

 

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Abb. 4: Die etwa 10 x 13 cm große Konkretion mit dem 45 mm großen Ammoniten (Oistoceras cf. wrighti) nach dem Freistrahlen der Innenwindungen und dem Glätten der Matrix sowie dem Bepinseln mit Mowilith. Das schöne an den Green Ammonites ist - nach meiner Erfahrung -, dass diese immer bis innen hereinlaufen. Ich wurde bisher nie enttäuscht in dieser Hinsicht.

In diesem Stadium ist die Präparation für mich beendet. Das Auffüllen der schmalen Risse oder das Kaschieren der (präparationsbedingten) Schalenfehlstelle auf der glatten Wohnkammer hielt ich nicht für erforderlich. Die Risse dokumentieren und veranschaulichen die Fundsituation. Wenn ich mir den Trümmerhaufen auf Abb. 3 a betrachte, den ich vor Ort beinahe liegen gelassen hätte, freue ich mich umso mehr über das Endergebnis der mehrstündigen Präparationsarbeit.

Nun folgt eine Darstellung der Präparation in 3D - viel Spaß!

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Fotos und Bericht, soweit nicht anders angegeben, Sönke Simonsen

 

Literatur:

Genzel, K. (2008): Stratigrafie und Fossilien der Jurassic Coast, Südengland, Teil 3: Die Belemnite Marls und die Green Ammonite Beds, Steinkern.de

Simonsen, S. (2012): Eine Exkursion in den Unteren Jura von Dorset (S. 18-39), Der Steinkern, Heft 8, S. 18-39.

West, I. M. (2011): Geology of the Wessex Coast (including UNESCO Dorset and East Devon World Heritage Site - Jurassic Coast), www.soton.ac.uk/~imw, Version: 25. Juni 2012.