Unterer Jura (Lias)

Lytoceras fimbriatum aus Bonenburg – Nachpräparation unter ästhetischen Gesichtspunkten

Situation in Bonenburg

Die Tongrube Bonenburg, gelegen im Kreis Höxter, ist einer der interessantesten Daueraufschlüsse der vergangenen Jahre im Unterjura Nordwestdeutschlands mit Fundmöglichkeiten für Ammoniten gewesen. Die Tongrube "Bonenburg I" (Bezeichnung nach SIMONSEN, S. & LÜCKE, M. 2011) steht leider zur Zeit nicht mehr im Abbau und wird mit Bauschutt und Erdaushub verfüllt. Der verbliebene Restaufschluss steht zur Zeit weitestgehend unter Wasser. Ob sich hier noch einmal Fundmöglichkeiten durch Abpumpen oder durch den Abbau des Plateaus mit der Lytoceras-Bank vor dem endgültigen Verfüllen der Grube ergeben, ist sehr fraglich. Es sieht zunächst einmal nicht danach aus. Bonenburg sollte man trotzdem nicht übereilt als Fundort von der geologischen Landkarte streichen, denn in der erst vor einigen Jahren angelegten Nachbargrube "Bonenburg III" bestehen mittlerweile auch Fundmöglichkeiten. Zwar sind diese hinsichtlich Ammoniten bisher weniger spektakulär als man es von der alten Grube gewohnt ist, doch fand Steinkern-Mitglied Michael Mertens im Sommer 2013 dort ein artikuliertes Schwimmsaurierskelett im Bereich der Rhät-Lias-Grenze, was alle bisherigen Funde aus Bonenburg in den Schatten stellt. Auf Steinkern.de wurde im Juli 2013 darüber berichtet: Zum Bericht.

 

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Abb. 1: Ernüchterndes Bild im Sommer 2013: Die Verfüllung der Tongrube "Bonenburg I" schreitet von Norden voran, jedoch wurde das Wasser leider aus dem Restareal bisher nicht abgepumpt. Im Hintergrund blickt man in Richtung der ausgedehnten Grube im Röt (Trias) und auf den Bergsturz im Unteren Muschelkalk (ebenfalls Trias) am Hang des Egge-Gebirges (man beachte die "eine Etage" tieferstehende Baumreihe!).

 

So traurig es ist, dass die Grube verfüllt wird, manchmal hat es auch gewisse Vorzüge, wenn kein Fundmaterial mehr nachkommt, jedenfalls ergibt sich so eher eine Gelegenheit zur Auswertung, Präparation oder sogar Nachpräparation der geborgenen Funde. Anders wäre mir wohl auch aktuell nicht das in diesem Bericht vorgestellte Exemplar eines Lytoceras fimbriatum noch einmal in die Hände und unter den Stichel gekommen.

 

Einordnung der Lytoceras-Bank

Die Lytoceras-Bank von Bonenburg ist ein Kondensationshorizont an der Grenze zwischen der Ibex-Zone im Liegenden und der Davoei-Zone im Hangenden. Beide Schichten sind ins Untere Pliensbachium (Unterer Jura) zu stellen. Das geologische Alter beträgt rund 185 Millionen Jahre. Die Kalkbank war durch den fortschreitenden Abbau im Süden der Grube aufgeschlossen worden und lieferte über mehrere Jahre hinweg gute und zahlreiche Funde. Ich möchte nicht wissen, wieviele Vorschlaghammerstiele den Kampf gegen die Bank verloren haben und wieviele Bandscheibenvorfälle und sonstige Gebrechen von Fossiliensammlern aufs Konto dieser Gesteinsbank gehen. Für mich war es jedenfalls immer wieder ein zähes Ringen überhaupt einige Fossilien aus dem Gestein zu befreien, während einzelne Experten durch den gezielten Einsatz von Schlagbohrern und zahlreichen kleinen Meißeln eine effektive Technik entwickelten auch größere Blöcke zu sprengen und ihre Ausbeuten somit erheblich zu steigern.

 

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Abb. 2: Im Jahr 2008 war die Lytoceras-Bank auf dem Plateau im südlichen Bereich der Grube "Bonenburg I" exzellent erschlossen. Man konnte sowohl kleine, von anderen Sammlern übrig gelassene Brocken auf der Suche nach kleineren Ammoniten zerklopfen als auch die Bank im Anstehenden, ohne allzu große Gesteinsüberdeckung, ergraben.

 

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Abb. 3: Die Lytoceras-Bank mit charakteristischer Orangefärbung entlang der natürlichen Klüftung, frisch freigelegt und bereit zum Herausziehen und Aufklopfen. Pro Quadratmeter Bank fanden sich immer einige ordentliche Lytoceraten, doch kenne ich im Unterjura kaum ein Material, welches Hammerschläge so "emotionslos" wegstecken kann, wie die Bonenburger "Lyto-Bank". Manchmal wirkte jedoch der Winter wunder und Restbrocken ließen sich erheblich einfacher zerschottern als bergfrisches Material!

 

Zum überarbeiteten Ammoniten

Zu meinen ersten Fundstücken aus der Lytoceras-Bank überhaupt zählt das nachfolgend gezeigte Lytoceras fimbriatum mit einem Durchmesser von 6,5 cm. Der Ammonit befand sich ein knappes Jahrzehnt in dem Zustand in meiner Sammlung, den Abb. 4 dokumentiert:

 

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Abb. 4: Zustand des Ammoniten nach der ersten und zunächst für abschließend erachteten Präparation. Hier kann man noch einiges herausholen – so jedenfalls meine Überlegung vor einigen Tagen.

 

Ich hatte den Ammoniten damals, so gut ich konnte, mit dem HW-25 Druckluftstichel präpariert. Die Matrix hatte ich nach Bearbeitung mit dem Spitzmeißel nicht geglättet. Mutmaßlich hatte ich damals auch schon mit einem schwachen Strahlgerät mit Eisenpulver einen dünnen Mergelfilm von der Schale des Ammoniten größtenteils entfernen können. An der Wohnkammer zeigte der Ammonit zunächst einen Aussetzer, um dann noch einmal mit einem schalenerhaltenen Bereich aufzuwarten. Dieses Fragment hatte ich damals nicht entfernt.

 

Als neulich ein Umzug meiner Bonenburg-Sammlung in eine andere Vitrine stattfand, fiel mir das Stück im beschriebenen und durch Abb. 4 dokumentierten Zustand in die Hände und ich dachte mir: "Da geht doch noch ´was!"

 

Mit einer halben Stunde oder einer Dreiviertelstunde Arbeit sollte das Stück später um einiges besser dastehen. Ich entschied mich nicht nur das Gestein mit dem Flachmeißeleinsatz des HW-70 Druckluftstichels zu glätten, sondern auch das Windungsbruchstück der Wohnkammer zu entfernen und mit einem leistungsfähigeren Strahlgerät einige Details nachzustrahlen. Meiner Meinung nach zeigt das Präparationsergebnis sehr schön, wie ein und dasselbe Fundstück, je nach präparatorischer Aufbereitung sehr viel schlechter bzw. besser dastehen kann:

 

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Abb. 5: Das Lytoceras fimbriatum (Sowerby, 1817) nach der Überarbeitung, partiell als Steinkern und partiell schalenerhalten. Vergrößerte Ansicht anzeigen.

 

Der Ammonit ist zwar durch das Entfernen des Wohnkammerbruchstücks nicht vollständiger geworden, aber schöner – oder finden Sie nicht?

Man könnte jetzt diskutieren, ob jedes Fossil "vollständig aussehen muss" und solche Schönheitskorrekturen nötig sind, letztlich wird man in einem solchen Fall nicht umhin kommen, dieses dem Geschmack des jeweiligen Sammlers zu überlassen. Solange es sich nicht um wissenschaftlich wertvolle Stücke und/oder beispielsweise interessante und eindeutige paläobiologische Belege (Beispiel: Bissstelle in der Wohnkammer, die aus ästhetischen Gründen vom Präparator entfernt wird) handelt, ist das Entfernen hässlicher Fossilreste meiner Meinung nach eine legitime Gestaltungsmöglichkeit. Ich werde beizeiten auch noch einen Ammoniten aus dem Unterpliensbachium in der Steinkern-Zeitschrift vorstellen, bei dem ich mich bewusst für die recht aufwendige präparatorische Darstellung von Wohnkammerfragmenten entschied, doch dazu später einmal.

 

Ich habe noch mehr überarbeitungsbedürftige Stücke in meiner Sammlung liegen, vor einigen Jahren nach damals bester Kenntnis präpariert, denen ich inzwischen einiges Potential für eine Feinpräparation oder schlichte Verbesserung der Matrixgestaltung beimesse. Ab und zu lohnt es sich, so ein Stück aus der Vitrine zu nehmen und ihm eine Generalüberholung zu teil werden zu lassen. Dies kann genau so zur Verbesserung der Sammlung beitragen, wie ein exquisites neues Fundstück. Wenn Ihnen also aktuell das Wetter noch zu schlecht ist, um neue Funde zu sammeln - überarbeiten Sie doch einfach einige Altfunde aus Ihrer Sammlung. Ich bin überzeugt, dass da in fast jeder Sammlung überarbeitungsfähiges Material vorhanden ist.

 

Sönke Simonsen für Steinkern.de

 

 

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Literatur über das Untere Pliensbachium von Bonenburg:

SIMONSEN, S. & LÜCKE, M. (2011): Bonenburg - Teil 1: Kopffüßer aus dem Unteren Pliensbachium, in: Der Steinkern - Heft 7, S. 10-26

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