Oberer Jura (Malm)

Ataxioceraten aus der 12er-Bank von Gräfenberg


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Ein rund 13 Zentimeter großes Ataxioceras aus der 12er-Bank.

Im Frühjahr und Sommer 2011 ist im Steinbruch Gräfenberg (Endress) die Bank 12 großflächig erschlossen gewesen. Zusammen mit meinen Sammlerfreunden Werner Hernus und Dr. Edmund Fischer aus Erlangen konnte ich eine große Fläche abbauen. Die darin enthaltenen Ataxioceraten präsentieren sich in einer für den Oberjura eher ungewönlichen Erhaltung und stellen an den Präparator besondere Anforderungen.



Die Bank 12 ist in der Regel rund 15 Zentimeter stark und plattig ausgebildet. Normalerweise wird sie zusammen mit den hangenden Kalken gesprengt und in den Brecher transportiert. Im Zuge einer Steinbrucherweiterung bildete diese Bank rund zwei Jahre lang den Fahrweg.

Im frischen Zustand ist diese harte und zähe Kalkschicht kaum spaltbar. Funde in größerer Anzahl waren nur deshalb möglich, weil die Bank in diesem Bereich jahrzehntelang oberflächennah angestanden war und damit Verwitterungsprozesse wirksam sein konnten. Zum anderen war sie durch das Befahren mit schweren Werksmaschinen bereits in kleinere Einheiten zerbrochen.

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Foto 1: Im gesamten Bereich bis zur Vegetation ist die Bank 12 im Frühjahr 2011 angestanden.
 
Nach einem Hinweis durch den Steinbruchbesitzer, dass der Fahrweg nicht mehr benutzt und dieser Bereich im Sommer abgebaut werde, habe ich die Gelegenheit für den Abbau genutzt. Die Brocken wurden mit Pickel und Brechstange gelöst und anschließend möglichst klein geklopft.

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Foto 2: Haufwerk aus der Schicht an einer ganz besonders guten Stelle.
 
Die Funddichte variierte sehr stark. In der Regel waren die Ataxioceraten nesterweise angereichert, dazwischen immer wieder größere fast fossilfreie Bereiche. Alle Brocken, in denen erkennbar ein größerer Ataxioceras enthalten ist, wurden fürs Auswittern mitgenommen. Beim Aufspalten der Ammoniten bleiben in aller Regel Teile des Positivs im Abdruck hängen. Viele Stücke zerreißen, da die Innenwindungen nicht selten hohl und mit Calzitkristallen ausgefüllt sind.

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Foto 3: Dass ein Parataxioceras beim Aufschlagen relativ sauber als Positiv und Ngativ aufspaltet, ist in der Bank 12 die große Ausnahme.

Die Ataxioceraten – und das ist für Oberjuraammoniten aus Franken eher die Ausnahme – sind beidseitig nahezu gleichermaßen gut erhalten. In der Regel ist die Oberseite sogar die bessere. Die meisten Ammoniten sind an der Basis der Bank 12 eingelagert worden. Diese ist von unten her an vielen Stellen angelöst. Man findet immer wieder Ataxioceraten, bei denen die Unterseite mehr oder weniger stark weggelöst ist.

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Foto 4: Ein typischer Block aus der Bank 12. Gut kann man erkennen, dass bei dem Ataxioceraten rechts die Unterseite stellenweise stark angelöst ist. Das Ataxioceras links liegt weiter innen im Stein. Hier sind beide Seiten gut überliefert.

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Foto 5: Ein rund 12 Zentimeter messendes Parataxioceras latifasciculatum (Wegele) im Fundzustand. Das Foto zeigt die Oberseite.

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Foto 6: So sah der Ammonit von der Unterseite her aus. Deutlich kann man links im Bild Spuren einer Anlösung erkennen.

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Foto 7: Nach dem Entfernen des Deckels liegen Positiv und Negativ vor einem.

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Foto 8: So sieht die Oberseite nach der Endpräparation mit dem HW 60 aus.
 
Bei der Präparationsarbeit zuhause geht es erstmal um das Kleben zerbrochener Gehäuse. Das Freilegen erfolgt am besten mit einem leistungsfähigen Druckluftstichel. Hierbei ist nach meinen Erfahrungen der HW 60 (Bezugsquelle www.frankenfossil.de) ein wahrer Segen. Mit ihm ist ein präzises und effektives Entfernen des harten Gesteins möglich.


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Foto 9: Ein rund 9 Zentimeter großes Parataxioceras liegt kompakt im Gestein.


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Foto 10: Mit dem HW 60 ist der Ammonit innerhalb einer Viertelstunde ohne Beschädigung freigelegt.
 
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Foto 11: Bei diesem rund 14 Zentimeter großen Parataxioceras latifasciculatum hat sich die aufwändige Klebearbeit gelohnt: Der Endmundsaum mit großem Ohr ist einfach spitze!

Kurze Interpretation für Malm-Freaks:
Die Bank 12 bildet vermutlich die Basis des Gamma 2 (Hypselocyclum-Zone, Hippolytense-Subzone). Neben der Dominanz früher Ataxioceraten, konnten wir als Seltenheiten nachweisen: Aspidoceras sp., Pachypictonia sp., Ochetoceras sp., Glochiceras cf. nimbatum (E), Physodoceras sp., Sutneria platynota (E), Cymaceras cf. guembeli (E), Trochiskioceras sp. (E), Lingulaticeras sp. und Taramelliceras sp.
(E) steht für Einzelstück
Die Ataxioceraten dürften alle zu einer einzigen Art gehören. Um die Formenfülle benennen zu können, stelle ich die Mikrokonche zu Parataxioceras latifasciculatum (= büschelartig berippt und weitnabelig) sowie zu Parataxioceras lussasense (= mehr polyplok berippt mit deutlichen subpolyploken Einheiten und in der Jugend engnabelig) sowie die Makrokonche zu Ataxioceras illibatum (weitnabelig) beziehungsweise Ataxioceras complanatum (eher engnabelig).
 
Zu den Mikrokonchen: Die drei von Wegele aufgestellten Arten Parataxioceras pseudoeffrenatum, Parataxioceras geniculatum und Parataxioceras latifasciculatum sind meiner Meinung nach die Variationsbreite einer Art. Zur Bezeichnung meiner Funde aus der Bank 12 verwende ich die letztgenannte Art, da der Holotyp sehr gut mit dem Mittelwert der von mir und meinen Freunden geborgenen Parataxioceraten übereinstimmt.
 
Zu den Makrokonchen: Hier reicht mein Material nicht aus, um eine qualifizierte Bestimmung abgeben zu können. Außerdem kenne ich die Fundhorizonte der Holotypen nicht.
 
Danksagungen:
 
Meinen Sammlerfreunde Werner Hernus und Dr. Edmud Fischer aus Erlangen danke ich bei der Unterstützung meiner Grabungsarbeit. Ohne deren Hilfe hätte ich das für die wissenschaftliche Bearbeitung der 12er Bank erforderliche Material nicht bergen können.

 
Fotos, Sammlung und Copyright für steinkern.de: Victor Schlampp