Oberer Jura (Malm)

Sensationelles Spurenfossil aus Solnhofen

Sammlerkollege Roger Frattigiani hat mir die Bilder eines absolut sensationellen Fossils aus Solnhofen zugeschickt. Natürlich möchte ich euch diesen Fund nicht vorenthalten.

Es handelt sich hierbei um die erste bekannte Überlieferung eines Häutungsprozesses eines Krebses von Anfang bis Ende.

Spurenfossilien aus Solnhofen sind relativ häufig überliefert. Berühmt geworden ist unter anderem eine mehrere Meter lange Spur eines Mesolimulus (ein für den Solnhofener Raum berühmter Schwertschwanzkrebs), welche im Jura-Museum in Eichstätt zu bestaunen ist. Nicht selten findet man am Ende dieser Spuren das dazugehörige verendete Tier.

Ursache für diese Art der Überlieferung sind die lebensfeindlichen Bedingungen, welche zur Zeit des Malm zeta im Solnhofener Raum herrschten. Die Becken zwischen den großen Riffbarrieren waren – darin sind sich die Forscher mittlerweile lange einig – stark übersalzen und sauerstoffarm. Das Leben fand in den oberen Wasserschichten, sowie den Riffen statt.

Einzig manche Krebse wie z.b. Mesolimulus und Mecochirus waren in der Lage auch längere Zeit in diesem unfreundlichen Milieu zu überleben. Die so erzeugten Spuren konnten aufgrund der geringen Wasserbewegung überliefert werden. Diese gefährlichen Ausflüge führten nicht selten zum Tod, was die fossilen Überlieferungen der Spurenerzeuger am Ende der Fährten belegen.

Um so sensationeller ist der hier vorgestellte Fund. Ein Häutungsprozess eines Krebses ist für das Tier sowohl sehr anstrengend als auch u.U. langwierig. Die Tatsache, dass die Spur überliefert ist, zeigt, dass keine Strömung vorherrschte und somit auch kein frisches, sauerstoffreiches Wasser den Weg in die tieferen Lagen der Becken gefunden hat.

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(Für eine größere Ansicht einfach das Bild anklicken) Die Platte misst 120cm, die Spur selbst ist 95cm lang.

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(Für eine größere Ansicht einfach das Bild anklicken) Der rechte Teil der Spur. Von hier kam der Krebs, bevor er sich häutete.

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(Für eine größere Ansicht einfach das Bild anklicken). Während der Häutung drehte sich der Krebs mehrfach um sich selbst und verursachte dabei dieses interessante Spurenbild.

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(Für eine größere Ansicht einfach das Bild anklicken). Geschafft! Der Mecochirus hat sich seiner alten Haut entledigt und trabt munter davon.

Dieser kleine ca. 9cm lange Mecochirus war also vermutlich ein enormer Lebenskünstler oder aber es herrschten doch bessere Bedingungen in den Becken als bisher angenommen vor.

In jedem Fall gehört dieser Fund zu den interessantesten, die ich aus dem Solnhofener Raum kenne. In naher Zukunft wird dieses Stück noch näher untersucht werden, was vielleicht einige neue Erkenntnisse liefern kann. Es bleibt spannend....

Vielen Dank an Roger für das zur Verfügung stellen der Bilder!

Gerne könnt ihr hier bei uns im Forum weiter über diesen Fund diskutieren.


Weiterführende Links zum Thema:
Roger’s Homepage
Solnhofen-Fossilienatlas.de und  Rogers´s Forum