Mittlerer Jura (Dogger)

Sengenthal – Ein letztes Mal?

Hallo Leute!

Viele hat sicherlich das Sengenthal Fieber in den letzten 5 Jahren gepackt und ich kann mich da auch nicht ausschließen. Die fantastische Erhaltung der Funde aus dem Dogger im Oolith begeisterte mich im Jahr 2005 als es plötzlich hieß „Es kann wieder in Sengenthal gesammelt werden“ und so pilgerte auch ich die letzten 5 Jahre einmal im Jahr zum Winnberg. Die vielen Kisten mit braunen und grauen Fundstücken , die sich ansammelten, sollten nicht lange stehen bleiben und so baute ich mir, durch Tipps und Anregungen von Steinkern.de,  ein Sandstrahlgerät. Nach einigen Versuchen füllten sich meine Regale mit den „Köstlichkeiten“ des Braunjuras vom Steinbruch am Winnberg und es zeigte sich, dass ohne Sandstrahler nichts geht. Nachdem im letzten Jahr schnell die Runde machte, dass es mit der Schicht wohl zu Ende gehen würde und ein erneutes Freischieben nicht statt findet, hatten mein Vater und ich uns dieses Jahr entschlossen, nicht wie üblich im September, sondern schon im Mai zum Sammeln zu fahren. Die 730 km Anfahrtsweg von Lübeck schafften wir am Freitagnachmittag in knapp 6,5 h bei Tempo 130 kmh. Kein einziger Stau und keine größere lästige Baustelle. Rezession in Deutschland? Unglaublich – so gut kamen wir noch nie an. Entspannt und mit einem guten Frühstück machten wir uns dann am Samstagmorgen zum Treffpunkt im Steinbruch auf und freuten uns nach einem Jahr wieder von Dr. Martin Görlich  begrüßt zu werden. Wir waren insgesamt nur 5 Sammler und bekamen zum ersten mal auch eine Schubkarre ab. Was wir nicht wussten: Es durften wegen der Jahreszeit nicht mehr Sammler auf einmal in den Bruch. An der Fundstelle angekommen gab es genügend Freiraum für einen guten Platz.

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Abb. 1:
Unsere Stelle am ersten Tag nach der Trockenlegung und ersten Funden!

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Abb. 2:
Mein allererstes Stück, welches ich aus den Funden von 2009 präpariert habe. Die rechte Parkinsonia kam erst beim Freilegen der linken zum Vorschein. Länge der Stufe 14 cm. Sie stammt  aus einem Bereich, wo die Erhaltung nicht so gut war, doch wenn man versucht die eventuell vorhandene Begleitfauna zu retten, lassen sich auch aus solchen Bereichen ansehnliche Stücke präparieren.

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Abb. 3:
Ein weiteres Stück vom ersten Tag, was ich mal nur auf die Größe der Fossilien verkleinert habe. 2 Oecotraustes mit 2 Belemniten. Länge der Stufe 22 cm.
Am zweiten Tag sind wir dann in das Loch von Benno Alles und Gerhard Heimsch gezogen. Diese hatten wir am Samstag durch das Zeigen von guten und großen Parkinsonien kennen gelernt und da sie am Sonntag schon abgereist waren versuchten wir unser Glück eben mal dort.

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Abb. 4:
Wer kennt es nicht. Das Wetter hatte ganz toll mitgespielt und es gab nur Wasser von unten.

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Abb. 5:
Da passte natürlich auch jemand auf, dass wir nicht zu viel Wasser wegschöpften. War ja
spätestens am nächsten Morgen alles wieder da!

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Abb. 6:
Ein paar Funde zur Mittagszeit.

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Abb. 7:
Ein Lesefund: 6,5 cm Oxycerites mit 3 cm Obornella.

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Abb. 8:
Ein augenscheinlich schlecht erhaltener Oxycerites aus dem blau-grauen Bereich mauserte sich durch seine Begleitfauna, die sich wieder mal erst beim Verkleinern zeigte, zu einem ansehnlichen Stück. Der Oxy hat 11 cm, außerdem sind an der Seite noch 5 Schnecken, eine Grammatodon, eine doppelklappige Astarte, sowie eine Einzelklappe einer Astarte erhalten.

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Abb. 9:
Die Abbaustelle am Sonntag. Die Fossilien waren hier nicht so stark angelöst, obwohl der Oolith hier nicht mehr so mächtig war, denn die Keile sind schon unmittelbar auf der
Garantianenschicht.

Im Laufe des Tages versucht man sich mal gerade hinzustellen und beim Haldenabsuchen
wieder zu Kräften zu kommen. Man kann auch mal versuchen einen guten Ansatz in der Garantianenschicht zu finden, und so versuchte ich, wie in den letzten Jahren, mal eben einen Megatheutis heraus zu picken. 2005 habe ich einen geschenkt bekommen, denn 2 Brüder hinter mir, holten an dem Tag im September 2005 nicht weniger als 15 Megatheuten aus der Schicht. Doch dieses Jahr sollte es auch mal bei mir klappen. Das Ergebnis zeigte sich zu Hause.

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Abb. 10:
Mein erster und einziger selbst gefundener Megatheutis von Sengenthal mit Trigonia ,
doppelklappiger Pleuromya und Ober- und Unterseite einer Myophorella.
Länge des Megatheutis 21 cm.

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Abb. 11:
8 cm Oxycerites mit Grammatodon und 5 cm Belemnit.

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Abb. 12:
Das größte Fossil des Tages in seinem Element. Wer kennt ihn nicht, den Helmut - das
Frankenfossil. Immer mit aktiv im Bruch und es geht häufig der eine oder andere m³ Abraum am Tag auf sein Konto.
Danke für das nette Gespräch an diesem Tag!

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Abb. 13:
Natürlich hat Helmut auch seine Funde gemacht.

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Abb. 14:
Sonntag 17:30 Uhr. Das Auto ist gepackt, sieht gar nicht so viel aus - war aber viel,  und wohl zum letzten Mal ging es dann wieder zurück nach Lübeck.

Wie es nun aktuell in Sengenthal weiter gehen soll, weiß ich nicht, aber wenn es irgendwann noch mal möglich ist, komme ich gern den Bruch besuchen auf ein Paar Kisten Sengenthaler.
Weitere Funde werde ich im Steinkern.de Forum vorstellen.

Gruß
Michael Kegel