Mittlerer Jura (Dogger)

Fossilfallen aus dem Callovium (Brauner Jura)

Ich möchte in diesem Beitrag einige Ansammlungen von Fossilien vorstellen, die ich in der Sammlung meines Freundes H. Meissner aus Winnenden gesehen habe.

Heinz Meissner möchte ich gleich hier an dieser Stelle danken, dass er - ohne zu zögern - sofort bereit war, seine Fossilien für diesen Beitrag zur Verfügung zu stellen ! Ohne solche herzeigewilligen Sammler wären viele meiner Beiträge nicht möglich.

Obwohl mein Freund H.M. viele weitere und auch sehr schöne u. seltene Funde in seiner Sammlung stehen hat - die alle irgendwie erwähnenswert wären - so sind mir doch insbesondere seine "Fossilfallen" im Gedächtnis geblieben.

Diese sind - so haben es mir andere Sammler bestätigt - so einmalig, dass ich davon einige zeigen möchte.

Die Funde stammen aus dem obersten Dogger (Callovium) der Nord-Schweiz (Baseler Gegend).

Ich bitte  zu entschuldigen, dass ich die Funde "nur" abbilde ... aber keine Bestimmung mitliefere.
Als Nicht-Braunjura-Spezialist bin ich da etwas überfordert da mir die Literatur hierfür fehlt.

Aber evtl. kann man das ja - mit Hilfe der entsprechenden Spezialisten - noch nachträglich durchführen !?
Aus diesem Grunde habe ich die einzelnen Fundstücke mit Objekt-Nummern bezeichnet.

Gleiche Objektnummer bedeutet übrigens auch ... dass es sich jeweils um dasselbe Fundstück handelt - nur halt aus einer anderen Postion photographiert !


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Blick in eine Vitrine ... mit sog. Fossilfallen.





In 30 Jahren Sammeltätigkeit an der besagten Fundstelle - davon 20 Jahre im Callovium - hat H.M. bisher nur eine einzige Linse gefunden ... in der Funde - wie die abgebildeten - möglich waren.

Diese Linse wurde - soweit irgendwie möglich - am Fundtag geborgen.
Alle gezeigten Fossilstücke entstammen - außer es ist anders angegeben - aus dieser Linse.
H.M. schätzt, dass er bereits ca. 1000 Schnecken aus dem Gestein dieser Linse freipräpariert hat.


Aber was ist eigentlich eine Fossilfalle bzw. eine Fossillinse ?


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Eine typische Fossilfalle ! ... oder vielleicht doch nicht ??

Definition (Versuch):

Bei einer "Fossilfalle" handelt es sich um einen Ort, an dem sich z.B. tote (oder auch lebende) Tiere durch besondere örtliche Begebenheiten / Umstände ansammeln ... und dann sedimentiert und fossiliert werden.

Unter örtliche Begebenheit (Umstände) kann man z.B. verstehen:

-     Ein Baumstamm, oder ein großer Kadaver in dessen Strömungsschatten sich
Organismen ansammel und dann dort nach und nach verwesen und von Sedimenten überdeckt werden.

-    Ein Spalte im Boden (Riffspalte. Höhle), oder auch nur eine gewöhnliche Bodenvertiefung in der sich Objekte verhaken und allmählich anreichern.

-     Eine große Schale z.B. eines großen Nautiliden oder eines großen
Ammoniten in dessen Wohnkammer kleinere Muscheln, Schnecken, Ammoniten etc.    eingeschwemmt werden und sich somit konzentieren.

-    Eine etwas größere und damit schwerer Muschelschale in deren Strömungsschatten
siche andere, kleinere Objekte nach und nach ansammeln ... ein dann immer größeres Hinderniss bilden ... bis zuletzt auch größere Objekte daran hängen bleiben.
    
-     Aber auch ein Tropfen Harz der vom Baum direkt auf das zu dem Zeitpunkt noch lebende Lebewesen fällt ... ist eine Fossilfalle. In diesem Falle trifft es ein lebendes Tier.

Da sich Fossilfallen beim Auffinden manchmal von der Umgebung absetzen (z.B. durch eine höhere Verkalkung und damit verbundenen anderen Gesteinsfarbe) werden diese von Sammlern gerne auch als Fossillinsen bezeichnet, nicht zuletzt auch deshalb, weil manche davon im Querbruch tatsächlich linsenförmig aussehen (z.B. Geoden).

Manchmal gelingt es sogar, plausibel zu erklären warum gerade die aktuelle Fossilanreicherung entstanden sein könnte. So z.B. wenn man in direkter Nachbarschaft zur Fossilanreicherung ein größeres Stück versteinertes Treibholz findet.
Meist muß jedoch dahingestellt bleiben, wie und warum nun gerade an der besagten Stelle eine Fossilanreicherung zustande gekommen ist ... und weniger Meter schon wieder keine.

Aber ich denke ... die Steinkernleser interessieren sich mehr für Bilder ... als für noch mehr Text.

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Objekt 1 a / Auster ... Oberseite. Wer nimmt so was überhaupt mit ? Breite ca. 8cm

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Objekt 1 b /  Aber siehe da ... die Unterseite. In der Höhlung der Auster wurden mehrere Schnecken eingeschwemmt.


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Objekt 2 a / Vorderseite. Bildbreite ca. 12cm


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Objekt 2 b / Rücksteite. Neben Muscheln, Ammoniten, Schnecken ... und einem Belemnit ... befinden sich auch einige kleine Seeigel auf dem Stück.


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Objekt 3 a / Breite des Stücks max. ca. 12cm.


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Objekt 3 b / aus anderer Position


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Objekt 3 c / nochmals andere Position


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Nochmals Objekt 3 d


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Abschließendes Bild von Objekt 3 e


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Objekt 4 / Breite ca. 7cm


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Objekt 5 a / Vorderseite / Breite ca. 8cm


tomba_06b_DSCF3461.JPGObjekt 5 b / Rückseite

 tomba_08a_DSCF3481.JPGObjekt 6 a / Breite ca. 10cm / Diese Seite ist so gut wie fertigpräpariert


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Objekt 6 b / Rückseite ... die noch nicht ganz fertig präpariert ist. Da fehlen noch einige Durchgänge mit Ätzkali.


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Objekt 7 a / Vorderseite  / Breite ca. 10cm / Noch erkennt man nicht allzuviel.


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Objekt 7 b /  Diese Stück befindet sich gerade "in Präparation". Bisher wurde nur mit Ätzkali gearbeitet.
Nach und nach gibt das Handstück seinen Inhalt frei.


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Objekt 8 a / Breite ca. 35cm / Das Handstück befindet sich  "in Präparation".


Innerhalb eine halben Jahres wurden bereit ca. 300 Ätzvorgänge (2x täglich) an diesem Fundstück durchgeführt
um den aktuellen Zwischenstand zu erhalten.
Nach dem Ätzen bleiben jedoch immer noch Bereiche stehen, die sich kaum bzw. gar nicht ätzen lassen. Diese muss man wegsticheln bzw. versuchen, mit dem Sandstrahler zu entfernen.
Aufgrunddessen, dass sich Gestein u. Fossil kaum trennen, ist dies natürlich ein sehr schwieriges Unterfangen.
Infolge dessen dauert die Präparation sehr lange.


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Objekt 8 b / Detailaufnahme / Durchm. des "großen" Ammoniten ca. 4,5cm


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Objekt 8 c / Die Schnecke aus dem vorangegangenen Bild in Nahaufnahme


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Objekt 8 d / Anderer Blickwinkel / Der Ammonit oben dürfte ein Erymnoceras sein.


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Objekt 8 e / Ein kleiner Nautilus mit ca. 3,5cm Durchm.


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Objekt 8 f / Der Nautilus nochmals in Nahaufnahme


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Objekt 12 / Breite ca. 8cm


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Objekt 13 / Breite ca. 7cm


Aber auch an anderen Fundorten und anderen Fundschichten gibt es wunderschöne Fossilanreicherungen
Nachfolgend Beispiele aus dem Obersten Braunen Jura (Callovium) von England bzw. aus dem Unteren Pliensbachium der Normandy.


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Objekt 11 a / Ammonitenansammlung in einer Geode aus dem Callovium von England / Breite ca. 50cm


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Objekt 11 b / Nahaufnahme / Bei den Ammoniten dürfte es sich um die Gattung: Kosmoceras handeln.


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Objekt 9 a / Fossilansammlung aus dem unteren Pliensbachium der Normandie / Breite ca. 7cm


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Objekt 9 b / andere Ansicht


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Objekt 9 c / Nahaufnahme


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Objekt 10 a / Nochmals eine Stufe mit einer Schneckenansammlung ... aus dem unteren Pliensbachium der Normandie
Breite ca. 6cm