Mittlerer Jura (Dogger)

Paul Winkler stellt sich und Funde aus dem Dogger des Plettenberges vor

Hallo allerseits!

Möchte mich, da das hier mein erster Beitrag ist, kurz vorstellen. Zumindest, wie es dazu gekommen ist, dass Ihr hier was von mir zu lesen bekommt. Sammle seit etwas über 40 Jahren Fossilien und möchte mich als einen (zumindest im Alter) fortgeschrittenen Anfänger bezeichnen. Habe dem Hobby nämlich über viele Jahre nur äußerst sporadisch gefrönt. Und bin daher ziemlich zurückgeblieben. Auch als Fossiliensammler. Und das noch aus einem ekelhaften Grund: ich bin fremdgegangen! Jawoll. Und tue es immer noch. Aber immer seltener. Ich versprech`s! Ja, ja,- die Mineralien... Aber dann war ich doch im Frühjahr zusammen mit einem Freund in Bayreuth, um mit einem dritten eine größere Tour zu besprechen (Mineralien). Jener dritte hatte aber erst am späten Nachmittag Zeit und machte dann den Fehler, uns darauf hinzuweisen, dass wir, so wir denn Fossilien nicht abträglich gesinnt seien, die Zeit in Mistelgau überbrücken könnten. Das sei leicht erreichbar und im Augenblick für jedermann zugänglich. Nun, da es mir eh nie so wichtig war, wo, bzw. was gesammelt werden sollte, sondern der gesellige Aspekt im Vordergrund stand (sofern der Fundort zumindest theoretisch die Möglichkeit guter Funde bot), fanden wir uns am Nachmittag des 1. Mai in Mistelgau ein. Den „Tag der Arbeit“ ignorierte ich allerdings weitgehend, da ich nur leichtes „Geschütz“ in Form eines Geologenhammers mitnahm.
Ich machte bestimmt nicht den Fund des Lebens, bekam am Abend eine phantastische alpine Mineraliensammlung zu sehen  – und holte mir trotzdem einen Infekt. Wieder daheim, erwischte ich mich dabei, wie ich seit Jahren vor sich hinstaubende Fossilienbücher zur aktuellen Nachtlektüre erkor. Internetbesuche folgten. Besuche am Plettenberg, den ich so lange nicht besucht hatte, dass ich überlegen musste, wie ich am besten hinkam. Immer wieder Internet, bis ich über Steinkern „stolperte“. Und was las ich da: Sengenthal war wieder zugänglich, jenes Sengenthal, das ich Ende der 80er so gern einmal besucht hätte, nachdem ich bei einem Mineralien (und Fossilien)-freund einen Wahnsinnscadomiten gesehen hatte, der mir all die Jahre nicht aus dem Kopf gegangen war (und das will bei mir was heißen... Alzheimer??). Der Steinbruch war wohl gerade (1988) dicht gemacht worden.
Ich rufe also in Nürnberg bei meinem Kumpel und damaligen Cadomitbesitzer an (der schon vor Jahren seine komplette Fossiliensammlung verkauft hatte und nun in Einehe mit seinen Mineralien lebte). Aber auf dem Laufenden war er immer noch.“ Sengenthal? Ja, das macht doch jetzt der Martin! Moment, hol mal was zum Schreiben.“ Und - schwups! Da war die Nummer. Und kurz darauf das Date... Leute, ich merke, ich schreib mich hier richtig in Rage, aber eigentlich wollte ich doch `ne ganz andere Schote zum Besten geben.

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Cadoceras sp. mit 9 cm im Durchmesser. Über eine noch genauere Zuordnung würde ich mich sehr freuen!

Habe das nämlich am Anfang nicht umsonst erwähnt, das mit dem Anfänger und so.
Wenn ich daran denke... mann oh mann! Ist jetzt vielleicht ca. 12 oder 13 Jahre her. War mit einem befreundeten Fossiliensammler (der die Bezeichnung wirklich verdient: hervorragende Sammlung u. Kenntnisse) am Plettenberg  in der Macrocephalenschicht zugange. Die dicken Kerlchen haben es mir einfach angetan.

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Macrocephalus sp. mit 5,5 cm Durchmesser. Wer kann das Stück genauer zuordnen?

War so, wie ich es liebe: viel Schufterei, 98% Schrott, aber immer die Möglichkeit, ein Sahneteil an Land zu ziehen. Schalenerhaltung, schwarzbraun, seidig bis kräftig glänzend...ganz ruhig bleiben. Hatten an dem Tag auch schon einige Teile rausgezerrt, allerdings ohne Sahne. Beförderte gerade einen größeren Ammo ans Tageslicht. Dachte ich jedenfalls (meine Frau meint manchmal, ich eigne mich nicht so zum Denken. Wo sie Recht hat...). An besagtem „Ammo“ schien irgendwie noch ein dicker „Dreckbollen“ zu haften . Wollte nicht so einfach abgehen. „Muß ich wohl mal mit Hammer und Meisel nachhelfen. Richtig! Ich dachte mal wieder. Aber...just in dem Moment, als ich zur Tat schreiten will, fällt der Blick meines Freundes auf das Teil. Der Blick des erfahrenen Sammlers. „Bist Du wahnsinnig!!“ Das sitzt. Leichenblass leg ich das Werkzeug weg. „Was Du da in der Hand hast, ist wie ein Sechser im Lotto!“ donnert er mich an. Verwirrt schaue ich erst auf ihn, dann genauer auf das „Teil“ in meiner Hand und erkenne, dass der vermeintliche Ammo in Wirklichkeit eine 10 cm große Schnecke ist, die in Fachkreisen Pleurotomaria armata genannt wird.

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Pleurotomaria armata, Durchmesser 10 cm

Es hat lange gedauert, bis durch den Schrecken, der mich voll erwischt hatte, etwas durchsickerte. So etwas, was man, allerdings ziemlich unzureichend, mit Freude umschreiben könnte.
Die habe ich auch heute noch, wenn mein Blick auf die Schnecke fällt, weil ich langsam immer mehr erkenne, wovor ich bewahrt wurde, und weil das gute Stück eine Geschichte lebendig hält, die ich bestimmt so nicht noch mal erleben möchte, die ich aber auch absolut nicht missen möchte.

Paul Winkler