Mittlerer Jura (Dogger)

"Eine Geode, die es in sich hat" aus dem Aalenium der Isle of Skye (Schottland)

Im Mai 2018 habe ich seit Langem endlich wieder einmal die Fundstelle Bearreraig Bay auf der Isle of Skye besucht. Die Isle of Skye ist die größte Insel der Inneren Hebriden und liegt im Atlantik unmittelbar vor der Westküste Schottlands.

 

Fundort

Abb. 1: Der Fundort.

 

Die Fundstelle Bearreraig Bay ist die Typuslokalität von Ludwigia murchisonae. Bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren wurde der Aufschluss stark abgesammelt, so dass heutzutage normalerweise nur noch kleinere Funde möglich sind. Das Graben im anstehenden Gestein ist strikt verboten, die Lokalität als SSSI (Site of Special Scientific Interest) streng geschützt. Da die Küste hier nur sehr langsam erodiert (der Bewuchs der Hänge in Abb. 1 lässt dies erahnen), kommt nur wenig neues Material aus dem Kliff nach, anders als es z. B. in Süd- oder Ostengland der Fall ist. Daher war ich hocherfreut als ich bei der letzten Exkursion an einem sehr regnerischen Tag eine Geode aus dem Ollach Sandstone Member (Aalenium) am Strand nördlich von Holm Bay fand. Es ragte bereits ein großer Ammonit daraus hervor, auch ein zweiter Ammonit war deutlich sichtbar - dieser war jedoch stärker erodiert und befand sich in einem Bereich, der sich vom besseren Teil der Geode abtrennen ließ. Da ich an diesem Tag das Zeitungspapier zum Sichern der Funde vergessen hatte, beschloss ich die Geodenhälfte mit dem besseren Ammoniten komplett mitzunehmen.

 

Konkretion

Abb. 2: Konkretion in Fundlage.

 

Konkretion2

Abb. 3: Aus dem Schlamm gezogen und zerteilt.

 

Angesichts der Größe, des Gewichts der Geode von ca. 30 Kilogramm, des Wetters und des langen Rückwegs die Klippe hinauf, war der Abtransport eine echte Herausforderung. Zudem hatte die Geode tief im Matsch eines Bachlaufs gesteckt (Abb. 3), das machte die Aktion auch noch zu einem extrem dreckigen Unterfangen an einer ansonsten sehr sauberen Fundstelle (Abb. 4).

 

Schlepperei

Abb. 4 und 5

 

Zuhause habe ich die Geode einige Wochen sauber regnen lassen und mir immer wieder überlegt, wie ich sie präpariere. Im Juli haben wir bei einer „Geodenöffnungsparty“ Whisky aus der neuen Raasay Destille gekostet – die Isle of Raasay ist eine Nachbarinsel der Isle of Skye. Anschließend haben wir die besagte und andere Geoden von Skye und Raasay geknackt. 

 Whisky

Abb. 6: Zu den schottischen Spezialitäten zählen längst nicht nur Jura-Ammoniten.

 

Da die große Geode bereits sehr stark angewittert war, konnte ich davon ausgehen, dass die Ammoniten sich entlang der weitgehend aufgelösten Schalen mit einem "Lucky Split" lösen werden.  

 

Geoden knacken

Abb. 7-9: Das Knacken entlang der Trennfugen verlief nach Plan.

 

Geoden knacken2

Abb. 10: Sichten des Resultats.

 

Es ist auf den Fotos vom Aufklopfen noch nicht so deutlich zu erkennen, wie auf den Bildern nach der Präparation, aber es sind zwei größere Ammoniten enthalten, die sehr eng aufeinander liegen.

 

Geoden knacken Resultat

Abb. 11: Die beiden größeren Ammoniten wurden Flanke an Flanke eingebettet, dazwischen befand sich nur sehr wenig Gesteinsmatrix.

 

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Abb. 12-14: Ludwigia sp., 24 cm und 7 cm, mit tollen Farben und Lobenlinien.

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Abb. 15-17: Ludwigia sp.,  21 cm, mit einem Aptychus (4 cm) an der Wohnkammer.

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Abb. 18-20: Zu den lustigsten Dingen, die ich auf der Isle of Skye gefunden habe, zählt dieser „Negativ–Negativ-Ammoniten-Verbinder“. Er dokumentiert den Abstand und die Lage der beiden großen Ammoniten zueinander in der Konkretion.

 

Des Weiteren fanden sich noch kleine Ludwigien in der Geode. Es waren sehr viele dieser kleinen Ammoniten enthalten. Ich habe nur jene behalten, die sich mit einen Schlag vollständig aus dem Gestein lösten, ohne sie weiter präparieren zu müssen.

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Abb. 21: Ludwigia sp., Größe 2,5 cm bis 5 cm. Foto vergrößern.

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Abb. 22: Zwischen den großen Ammoniten kam dieser 4 cm große Aptychus zum Vorschein.

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Abb. 23: Dieses etwa 2 cm große Aptychen-Paar lag hingegen inmitten der kleinen Ammoniten.

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Abb. 24 a-c: Das wohl seltenste Fossil in der Geode ist ein Stück von einer Pflanze (eventuell Palmfarn?). Es liegen drei Stücke vor, die man wieder zusammensetzten kann.

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Abb. 25 a und b: Unbestimmter Muschel-Steinkern, Länge 3,5 cm.

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Abb. 26: Das Geodenstück mit dem großen Negativabdruck habe ich mit einer Flex formatiert. Auf der Vorderseite ist zusätzlich eine 4 cm große Ludwigia zu sehen und auch auf der Rückseite befinden sich Ammoniten und Belemniten.

 

 

Vorher 

Abb. 27: Zum direkten Vergleich hier zunächst nochmals ein Foto vom Vorherzustand.

 

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Abb. 28: Nachher sah der Ammonitenstapel dann so aus.

 

Bildfolge

Abb. 29 a-d: Anhand dieser Animation kann man sich den schichtweisen Aufbau des Stapels in vier Schritten vergegenwärtigen.

 

Es erwies sich als gute Entscheidung, die Konkretion in aller Ruhe zu präparieren und jedes Stückchen auf darin enthaltene Fossilien zu untersuchen, anstatt sie vor Ort im Regen zu zerschlagen und sich die kleineren, aber besonders interessanten Bestandteile wie den Farn oder die Aptychen entgehen zu lassen.

 

Explosionsbild 2

Abb. 30: Der Inhalt der Konkretion nochmals auf einen Blick.

 

Wer Interesse am Fossiliensuchen und/oder der Landschaft der Isle of Skye und der Isle of Raasay hat, den möchte ich auf meinen Vortrag am 9. November 2018 um 20 Uhr im Dobergmuseum Bünde aufmerksam machen:

 

fossilien von skye und raasay

 

 

Gert Greitens

 


 

Diskussion zum Bericht im Steinkern.de Forum:

https://forum.steinkern.de/viewtopic.php?f=3&t=26841