Mittlerer Jura (Dogger)

Neufund: Eine 28 cm große Parkinsonia als Lesefund vom Burton Cliff

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Abb. 1: Ansicht des Kliffs östlich von Burton Bradstock im April 2011. Oberhalb des erosionsanfälligen Bridport Sands lagert der Inferior Oolite, stellenweise mit einer wenige Meter mächtigen Überdeckung von Bathonium-Mergeln, teils sogar fast unmittelbar unter dem Mutterboden. Am rechten Bildrand ist eine Abscherung zu sehen, solche Felsnasen können unvermittelt kollabieren (diese dürfte inzwischen längst unten liegen). An dieser Lokalität ist daher beim Sammeln ganz besondere Vorsicht und Respekt vor dem Kliff geboten!

 

Ich bin zur Zeit auf einer Südengland-Exkursion (Standort: Charmouth). Am gestrigen 31. März 2014 besuchte ich mit den Sammlerfreunden von meiner Exkursionsgruppe, wie auch schon im Vorjahr, das Burton Cliff. Im Bereich eines Schuttkegels eines großen Absturzes von Bridport Sands und Inferior Oolite, der sich bereits im Vorjahr ereignet hatte, waren noch einige Brocken recht frisch nachgestürzt. Wir waren an diesem Morgen kurz nach Zurückweichen des Wassers die Ersten am Kliff, jedenfalls waren noch nirgends Fußspuren im Sand zu sehen. Nachdem der Blick nach oben zur Wand zeigte, dass hier keine gefährlich erscheinenden Überhänge mehr vorhanden waren, trauten wir uns, den vorgelagerten Teil des Kliffsturzes näher zu untersuchen. Die Kollegen begannen mit schwerem Werkzeug und vereinten Kräften einen fossilreichen Block mit Stephanoceraten zu zerlegen, ich dagegen war darauf angewiesen auf Lesefunde zu spekulieren, da der Stiel meines Vorschlaghammers am vorhergegangenen Sonntag in Eypesmouth beim Aufklopfen der zähen Margaritatus-Stones auf der Suche nach Amaltheen und Lytoceraten zu Bruch gegangen war und noch kein Ersatz beschafft werden konnte.

Wenige Meter weiter traute ich meinen Augen kaum, als ich einen großen Ammoniten unter drei offensichtlich frisch herabgefallenen Blöcken prominent herausschauen sah. Ich hatte zum Glück trotz der großen Neugierde, ob das Stück vollständig sein würde, die Geistesgegenwart gleich ein Foto von der außergewöhnlichen Fundsituation zu machen (Abb. 2 und 3). Meistens gehen größere Fossilien beim Sturz vom Kliff herab zu Bruch oder werden beschädigt. Ich fürchtete, dass auch dieser Ammonit z.T. zerborsten sein würde, doch das würde erst eine genauere Sichtung zeigen.

 

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Abb. 2: Im Schuttkegel zeigte sich ein großer Ammonit (erkennbar am rechten Bildrand). Hier waren, vermutlich über Nacht, einige kleinere Blöcke abgestürzt und ich war offensichtlich der Erste, der das Material genauer betrachtete. Ein echtes Glück, denn die professionellen englischen Sammler sind eigentlich immer den entscheidenden Schritt schneller.

 

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Abb. 3: Der Ammonit lag verkeilt unter Versturzmaterial. Es fiel auf, dass die Innenwindungen bereits frei lagen - das hat man auch nicht alle Tage, schon gar nicht in dieser Erhaltung! Nachdem der Blick nach oben zum Kliff nochmals bestätigte, dass kein gefährlich überhängedes Gestein mehr oben hing und man sich gefahrlos an die Stelle begeben konnte, stellte sich heraus, dass die über dem Ammoniten liegenden Blöcke sich so ineinander verkeilt hatten, dass der Ammonit nicht von den Steinen berührt und somit auch nicht heillos zerdeppert wurde. Um den Ammoniten beim Herausziehen nicht zu verkanten, scharrte ich mit dem Estwing Pickhammer den Bathonium-Mergel weg, auf dem der Ammonit den Sturz aus mehreren Dutzend Metern Höhe recht gut zu überstanden haben schien. Schließlich lag er frei - und es zeigte sich, dass er vollständig herum lief und nur an wenigen Stellen etwas Schale fehlte, was für ein Glück!

 

Es haftete rückseitig noch eine oolithische Gesteinsmatrix am Ammoniten, die beim Sturz aus großer Höhe dem Fossil die nötige Stabilität verliehen hatte, um ganz zu bleiben. Im Mergel kam der Ammonit offenkundig punktuell zu liegen, ohne weiter den Hang herabzurollen. Das Stück war praktischweise gleich so handlich, dass man den Brocken gut abtransportieren konnte. Nach dem Abwaschen im Spülsaum des Wassers lag ein nahezu fertig präparierter Ammonit vor. Den Sammlerfreunden entgleisten fast die Gesichtszüge als sie das Stück sichteten. Nachdem sich die Mimik wieder einigermaßen entspannt hatte, musste ich einige scherzhafte Tiraden gegen "faule Aufsammler" und "blinde Hühner, die auch ´mal ein Korn finden" über mich ergehen lassen und transportierte dann das Stück ab zum Auto. Man gab mir noch auf den Weg, dass es doch schön sei, dass ich ein Naturpräparat gefunden hätte, da ich das "wenigstens nicht mehr zu Hause kaputt präpieren könnte, wie sonst immer". Ich ließ den erwarteten Spott angesichts des schönen Fundes routiniert über mich entgehen und marschierte los.

Da der Brocken nicht in meinen Rucksack passte, musste ich viele Zwischenstops einlegen, bei einer Pause entstand dieses Foto, dass den Ammoniten nach dem Abwaschen mit Meerwasser zeigt:

 

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Abb. 4: Der Ammonit ist so schwer (man sieht das auch daran, wie er sich in den Sandboden drückt), dass ich beim Abtransport zahlreiche Pausen einlegen musste. Diese Aufnahme sieht fast so aus, wie die werbewirksamen Bilder aus einem der in den Touristen-Informationen ausliegenden Prospekte. Immer wieder werden präparierte Fossilien an den Strand transportiert, um Werbeaufnahmen zu machen. Hier war das nicht erforderlich - nur das Wetter hätte für die Aufnahme noch etwas besser sein dürfen. Aber das kann man sich nun mal nicht aussuchen! Im Hintergrund sieht man das Versturzmaterial, das überwiegend schon 2013 vom Kliff abbrach.

 

Nachdem ich vom Auto zurückkam, konnte ich nur noch einige kleine Leioceraten mit meinem überschaubaren Werkzeugarsenal bergen. Dafür kamen die Sammlerfreunde jetzt umso mehr auf Ihre Kosten und konnten gutes Material aus dem Stephanoceras-Block bergen, so dass am Ende jeder zufrieden und schwer beladen den Rückweg zum Auto und von dort aus zur Unterkunft in Charmouth antreten konnte. Ein gelungener Sammeltag und mit einem solchen Groß-Ammoniten für mich absolut unvergesslich!

 

Hier noch einmal Fotos des Ammoniten aus der Parkinsoni-Zone, den ich nach hilfreicher Diskussion mit Andy Richter inzwischen (Nachtrag vom 30. April 2018) zur Art Parkinsonia cf. dorsetensis (WRIGHT) stelle.

 

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Abb. 5: Bis auf partielle Schalenerosion am Außenbug, hier hatte der 28 cm große Ammonit wohl schon länger freigelegen, ist die Oberfläche recht gut erhalten. Die gute Erhaltung der Schale ist dem widerstandsfähigen Kalzit zu verdanken, dass bei geringer Huminsäure-Konzentration im Boden, aber langer Einwirkzeit der schwachen Säure kaum Schaden nahm. Man kennt perfekte unter Einwirkung von Huminsäuren entstandene Naturpräparate etwa von den Schlaifhausener Ammonitenfriedhöfen.

 

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Abb. 6: Ventrale Ansicht: Am rechten Bildrand hat sich die Huminsäure z.T. in dünnere Schalenpartien der Parkinsonia gefräst. Wie man an dem unverwitterten Sedimentsockel erkennt, bot die Parkinsonia dem Liegenden Schutz vor den in Oberflächennähe zirkulierenden Huminsäuren.

 

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Abb. 7: Selbst die Innenwindungen der Parkinsonia liegen in guter Erhaltungsqualität und fast ohne Schalenfehlstellen vor. Richtung Zentrum wird der Ammonit bläulich. Im Nabelbereich brauchte die Huminsäure die längste Einwirkzeit, um den Ammoniten freizulegen, wodurch der bergfrische, dunklere Farbton des Kalzits bewahrt wurde, während er in den Außenbereichen bereits ein wenig ausgebleicht ist. Die sich durch den Ammoniten ziehenden Risse sind möglicherweise durch den Sturz vom Kliff ausgelöst worden, haben aber nicht zum Aufbrechen geführt. Wären sie vorher vorhanden gewesen, hätte hier die Verwitterung angreifen können und das Fossil möglicherweise zerstört.

 

Alles in allem eine schöne Geschichte und ein für mich kaum zu toppender Fund, so dass ich mir heute eine Auszeit genommen habe und den Bericht spontan von einem der zahlreichen Internetcafés von Charmouth online gestellt habe - als eine Art Live-Berichterstattung für die Daheimgebliebenen.

 

Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich gelegentlich noch mal unter einem anderen Blickwinkel auf die Fundumstände eingehen.

Abonnenten der Steinkern-Zeitschrift finden einen Exklusivbericht über die Situation am Burton Cliff aus dem Jahr 2013 an dieser Stelle, wo auf Abb. 9 bereits eine ebensolche Parkinsonia vorgestellt wurde, die jedoch ein wenig mühevoller zu bergen war und auch etwas mehr Präparationsaufwand erforderte als der "Neufund".

 

Sönke Simonsen, Charmouth, 1. April 2014

 


 

 

Hinweis vom 25. April 2014:

Sicherlich werden viele von Ihnen beim Lesen und Betrachten der Fotos massive Zweifel am Wahrheitsgehalt dieser Nachricht bekommen haben und sich spätestens beim Blick aufs Datum (1. April 2014) bestätigt gefühlt haben. Die wahre Geschichte zum Fund lesen Sie seit heute hier.