Altersbst. und Literatur zu Feuersteinwerkzeug

In diesem Unterforum werden Artefakte und von den Findern fälschlicherweise für Fossilien gehaltene Stücke archiviert.

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schdeidel
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Altersbst. und Literatur zu Feuersteinwerkzeug

Beitrag von schdeidel » Montag 24. Juni 2019, 10:19

Hallo allesamt,

anbei ein kleiner Feuerstein-Schaber, der die typischen Bearbeitungsspuren aufweist:
* die schlagwellen-Linien (Wallnerlinien) auf der ventralen Seite (im Bild leider nicht zu erkennen aber auf jeden Fall noch zu erahnen)
* den Bulbus auf der ventralen Seite
* die Negativ-Flächen auf der dorsalen Seite

Die Schneidkanten sind bereits arg vermutlich durch eiszeitlichen Flusstransport beschädigt und abgestumpft - ich denke das ist natürlicher Abrtrag und keine artifizielle Retusche, korrekt?

Gefunden habe ich das Stück gestern in einer Kieseldrainage an einem Mehrfamilienhaus im Stadtgebiet Dresden. Hier stammen die Drainagen oft aus örtlichen Kiesgruben, die Elbe- und Alt-Elbe-Schotter aufarbeiten. Das zumindest als Herkunftshinweis.
Meine Frage ist, ob sich das Alter das Stücks ggf anhand der Bearbeitungstechnik (hat die einen speziellen Namen?), der Gesteinsfarbe (ausgebleichter Flint) und dem vermuteten Flusstransport grob auf einige Jahrtausende einschätzen lässt?

Achso, und natürlich die Frage: Ist das wirklich das gewünschte Werkzeug selbst - Kratzer, Schaber oder Messer, oder nur ein Bearbeitungsrest?



Beste Grüße
schdeidel
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Günni F
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Re: Altersbst. und Literatur zu Feuersteinwerkzeug

Beitrag von Günni F » Montag 24. Juni 2019, 18:29

Hallo!
Halte das Stück auch für deutlich beschädigt und nicht an den Schneidflächen in dieser Art bearbeitet.
Insgesamt zeigt es aber alle von dir genannten Kriterien: Schlagbuckel, Schlagnarbe, Schlagringe...
Es ist somit auch meines Erachtens definitiv ein neolithisches Artefakt.
Ich halte es für eine Klinge und damit für ein "echtes" Werkzeug und nicht für einen Schlagabfall, einen einfachen Abschlag (die aberauch oft Verwendung fanden).
Sicherheit gibt dir, wenn du das Fundstück Fachleuten vorlegst.
In Bayern gibt es da das "Bayerische Landesamt für Denkamlpflege - Bodendenkmalpflege" - die bearbeiten und registrieren auch kleinere Funde und sind über Fundmeldungen sehr dankbar (so meine Erfahrung). Das Fundstück selbst habe ich in allen meinen Fällen auch wieder bekommen.
Sicher gibt es Vergleichbares auch in Sachsen.

Glückwunsch!

VLG Günni

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schdeidel
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Re: Altersbst. und Literatur zu Feuersteinwerkzeug

Beitrag von schdeidel » Dienstag 25. Juni 2019, 22:32

Hallo Günni,
Danke für Deine Einschätzung die sich gut mit meiner deckt.
Kann man "neolithisch" zeitlich noch etwas einschränken?

Könnte jemans mir noch ggf einen Lieraturtipp geben in dem die Technik gut bebildert ist?

Das mit dem Landesamt für Denkmalpflege fass ich mal ins Auge. Prinzipiell will ich das Stück an unsre Bekannten, die in dem Haus wohnen, als kleines Geschenk zurückgeben. Dazu würde ich auch gern kurze Dokumentation verfassen, damit die dann auch wissen, was sie da haben.


Beste Grüße
Schdeidel
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Günni F
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Re: Altersbst. und Literatur zu Feuersteinwerkzeug

Beitrag von Günni F » Mittwoch 26. Juni 2019, 07:06

Hallo!
Jemand vom Fach kann es sicher genauer einordnen, da bin ich überfragt. Klingen und Klingenkratzer sind ja eher "Durchläufer". Ich habe vergleichbare Stücke von bandkeramischen Fundplätzen...

Viele Grüße!

Günni

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