Lös.: vermutlich Porenbeton, gefunden in einer Brandenburger Kiesgrube

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hassi
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Lös.: vermutlich Porenbeton, gefunden in einer Brandenburger Kiesgrube

Beitrag von hassi » Montag 8. Mai 2017, 21:28

Hallo liebe Steinkerne,

habe ich hier einen Kreideschwamm in meiner brandenburger Kiesgrube gefunden oder was sonst? :hmm:

Beim Aufheben dachte ich erst ein Stück verwittertes Polystyrol gefunden zu haben, weil nur geringfügig schwerer. Von der Unterseite (Bild KS3) habe ich problemlos mit dem Messer davon abschneiden können. Den Abschnitt habe ich in HCL (25%) gebadet. Bis auf einige deutlich sichtbare „Fäden“ wurde alles aufgelöst. Da Polystyrol nicht von Salzsäure angegriffen werden kann, hoffe ich jetzt auf einen Schwamm. :D

Das Teil ist 3,5 cm lang, 2,5 cm breit und nunmehr 2 cm hoch. Es wiegt 5g und man könnte es als Tafelkreide benutzen.

MfG
Michael
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Re: Kreide-Schwamm? aus Geschiebe

Beitrag von Spongebob » Montag 8. Mai 2017, 23:01

Hallo Hassi,

Ich weiss nicht was du gefunden hast,
aber es sieht mir eher aus wie Bauschutt als Schwamm :wink:

MfG, Tom
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Re: Kreide-Schwamm? aus Geschiebe

Beitrag von hassi » Montag 8. Mai 2017, 23:22

Hallo Tom,

habe ich auch schon dran gedacht, aber das Teil ist extrem leicht. Ich kenne noch von früher Hochdruckspritzmaschinen für anhydridischen Putz bzw. Dämmung, aber so „luftig“ haben die das nicht hinbekommen und was wären dann die „Fäden“? :noidea:

Kann natürlich sein, dass es ein spezielles Verfahren und eine Materialmischung gibt, die so feine Poren produziert und zu 95% aus Kalk bzw. Anhydrid besteht. Vielleicht kennt jemand ein Solches? :hmm:

Mal noch eine Frage. Lösen sich die Schwammnadeln komplett in HCL auf?

MfG
Michael
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Re: Kreide-Schwamm? aus Geschiebe

Beitrag von Frank » Dienstag 9. Mai 2017, 19:41

Hi
denke auch, es ist ein leichtes Baumaterial, Dämmstoff oder Leichtbaustein, leider kein Schwamm
"Hoffentlich unterläuft dem Irrtum ein Fehler. Dann kommt alles von selbst in Ordnung"

(Stanislav Jercy Lec: Das große Buch der unfrisierten Gedanken)

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Re: Kreide-Schwamm? aus Geschiebe

Beitrag von Spongebob » Dienstag 9. Mai 2017, 20:13

hassi hat geschrieben:
Montag 8. Mai 2017, 23:22
Lösen sich die Schwammnadeln komplett in HCL auf?
Meistens sind fossilen Schwämme von ursprung Kieselschwämme gewesen und später verändert in Kieselklumpen
(zu dem ich als Geschiebesammler im Deutsch-Niederländischen Grenzgebiet verurteilt binn :conf: ).
Bei einem Matrix aus Kalk können mit Säure (Essig oder HCl) manchmal schöne Resultate ausgearbeitet werden.
Manchmal aber ist es andersrum und sind Kieselnadeln umgesetzt in Kalk. Dann werden die Skelettnadeln durch Säure aufgelöst.
Bei Kalkschwämme sind kalkige Skeletnadeln auch ersetzt durch Kiesel.

Also es ist stets die Frage: Kalk oder Kiesel?
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Re: Kreide-Schwamm? aus Geschiebe

Beitrag von hassi » Dienstag 9. Mai 2017, 23:20

Hallo Tom,
Spongebob hat geschrieben:
Dienstag 9. Mai 2017, 20:13
Bei einem Matrix aus Kalk können mit Säure (Essig oder HCl) manchmal schöne Resultate ausgearbeitet werden.
Manchmal aber ist es andersrum und sind Kieselnadeln umgesetzt in Kalk. Dann werden die Skelettnadeln durch Säure aufgelöst.
Bei Kalkschwämme sind kalkige Skeletnadeln auch ersetzt durch Kiesel.

das ist sehr interessant. Wenn wir mal annehmen, dass es sich hier um einen stark verwitterten Schwamm handelt, der nicht verkieselt ist, dann wäre es doch denkbar, dass die übrig gebliebenen "Fäden", erhaltene Schwammnadeln-Bündel/Büschel waren. :hmm:

Den gesammten Rest hatte ja die Säure vollständig zersetzt. Oder schließt Du bei diesem Objekt einen Schwamm definitiv aus?

MfG
Michael
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Re: Kreide-Schwamm? aus Geschiebe

Beitrag von Tapir » Mittwoch 10. Mai 2017, 07:40

hassi hat geschrieben:
Dienstag 9. Mai 2017, 23:20
dann wäre es doch denkbar, dass die übrig gebliebenen "Fäden"
Hallo Michael,

zeige die "Fäden" doch einfach mal.
Glück auf!

Johannes Kalbe

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Re: Kreide-Schwamm? aus Geschiebe

Beitrag von underthesun » Mittwoch 10. Mai 2017, 09:48

Hallo
Kann natürlich sein, dass es ein spezielles Verfahren und eine Materialmischung gibt, die so feine Poren produziert und zu 95% aus Kalk bzw. Anhydrid besteht. Vielleicht kennt jemand ein Solches? :hmm:
Vielleicht Gasbeton ?
Manchmal wäre ich gerne da, wo meine Gedanken sind.

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Re: Kreide-Schwamm? aus Geschiebe

Beitrag von Infulaster » Mittwoch 10. Mai 2017, 10:28

Hallo,

definitiv kein Schwamm. Auch wohl kein Fossil. Mit relativer Sicherheit anthropogen.

Gruß Olli

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Re: Kreide-Schwamm? aus Geschiebe

Beitrag von hassi » Mittwoch 10. Mai 2017, 15:40

Hallo liebe Steinkerne,

@Johannes: Ja, hatte die Suppe natürlich weggeschüttet, aber da es sich wohl nicht um einen Schwamm handelt, werde ich den „Versuch“ wiederholen. Vielleicht gelingt es die Fäden für Euch sichtbar zu machen, Waren ja nicht so klein. Kann ein bisschen dauern.

@Jens: Definitiv kein Gasbeton, den kenne ich von früher noch recht gut. Auch viel zu leicht dafür.

@Olli: Fürchte Ihr werdet recht haben.

Wenn die „Waben“ größer und nicht kleiner, bzw. bis 1mm im Durchmesser wären, könnte man an einen Insektenbau (Wespenwaben), der zugekalkt wurde, glauben. Die „Wabenwände“ machen fast einen celluloseartigen Eindruck. :hmm:

Mal sehen was bei dem „Versuch“ herauskommt.

MfG
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Re: Kreide-Schwamm? aus Geschiebe

Beitrag von Spongebob » Mittwoch 10. Mai 2017, 17:18

Insektenbau kommt überhaupt nicht im Frage.

Eher Ytong-Reste http://www.xella.nl/ytong-cellenbeton.php

Und die Faden die du gesehen hast sind (denke ich) erzeugt durch die Luftblasen der HCl-Reaktion.
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Re: Kreide-Schwamm? aus Geschiebe

Beitrag von hassi » Mittwoch 10. Mai 2017, 19:55

Hallo Tom,
Spongebob hat geschrieben:
Mittwoch 10. Mai 2017, 17:18
Insektenbau kommt überhaupt nicht im Frage.
habe mich mal wieder missverständlich ausgedrückt. Ich glaube nicht, dass es sich um einen Insektenbau handelt, sondern dass sich das Teil so ähnlich anfühlt (ein bisschen wie Cellulose).
Spongebob hat geschrieben:
Mittwoch 10. Mai 2017, 17:18
Eher Ytong-Reste http://www.xella.nl/ytong-cellenbeton.php
Nein Ytong ist ein sogen. Porenbeton, nur eben von der Firma Xella aus Deinem schönen Land. Das ist es nicht. Warten wir mal, was bei seinem neuerlichen Säurebad übrig bleibt. Melde mich dann morgen oder spätestens übermorgen.

MfG
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Re: Kreide-Schwamm? aus Geschiebe

Beitrag von hassi » Freitag 12. Mai 2017, 21:54

Hallo liebe Steinkerne,

das ist jetzt sehr unbefriedigend, aber nach drei Versuchen ist nur noch ein kleiner Rest vom Objekt übrig. Mir ist es leider nicht gelungen, die gut sichtbaren „Fäden“ heil aus der Suppe zu fischen. Offensichtlich sind sie derart porös, dass sie sofort bei Berührung in so keine Teilchen zerfallen, dass ich dafür ein Bino bräuchte, den ich nicht habe. :(

Ja ich denke, wir sollten den Beitrag hier mit dem Ergebnis schließen, dass es sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um einen Baustoff bzw. eher Dämmstoff handelt, den ich leider nicht kenne, obwohl ich auch damit früher beruflich zutun hatte.
Werde den kleinen Rest aufheben und ihn bei Gelegenheit mal meinen alten Kollegen zeigen, vielleicht ergibt sich so noch die Lösung des Rätsels.

Nochmals allen herzlichen Dank für Eure Hilfe bei der Aufklärung der „Fundsache“ und ich verspreche Euch zu informieren, wenn mir noch die Lösung gelingt.
Möge also unser Admin seines Amtes walten und auch diese Bestimmungsanfrage, dahin verschieben, wo sie hingehört, zu den Pseudos (peinlich). :oops:

MfG
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Re: Kreide-Schwamm? aus Geschiebe

Beitrag von Frank » Freitag 12. Mai 2017, 22:53

Hallo Michael
wieso peinlich? Irgendwie passiert das doch uns allen mal, mancher Fund ist doch so sehr einem Fossil ähnlich, das man schon mal in die Irre geführt wird. Ich finde solche Funde immer spannend.
denke auch, Deiner ist gut in den "Pseudofossilien" aufgehoben
viele Grüsse, Frank
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Re: Kreide-Schwamm? aus Geschiebe

Beitrag von strolch » Samstag 13. Mai 2017, 02:23

Hallo Michael,
Ich bin mir ziemlich sicher, dass es ein Stück verwitterter
Porenbeton ist.
Allein letztes Jahr habe ich mehr als 100 palleten von dem zeug verarbeitet.
Das mit dem Gewicht kommt schon hin, denn es gibt ja verschiedene Steinfestigkeitsklassen.
Ich arbeite viel mit Porenbeton von porit, da ist die dichte der geringsten steinfestigkeitsklasse 0,35.
Von anderen Herstellern gibt es sicher noch leichtere.
Auch die Form und die Anzahl der Luftporen sprechen für
Porenbeton.

Gruß Ingo

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