Lös.: Paläozoischer Cephalopode mit Bryozoenbewuchs

Geologische Phänomene mit Ähnlichkeit zu realen Fossilien.

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Fischer un sin Fru
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Lös.: Paläozoischer Cephalopode mit Bryozoenbewuchs

Beitrag von Fischer un sin Fru » Montag 28. November 2016, 17:46

Guten Abend,

hat jemand von euch eine Idee, was das sein könnte?
DSC02404.JPG
DSC02404.JPG (241.48 KiB) 13283 mal betrachtet
DSC02406.JPG
DSC02406.JPG (304.93 KiB) 13283 mal betrachtet
DSC02407.JPG
DSC02407.JPG (218.61 KiB) 13283 mal betrachtet
DSC02409.JPG
DSC02409.JPG (232.1 KiB) 13283 mal betrachtet
Gefunden im August diesen Jahres an der Sassnitzer Steilküste. Länge 20mm mit Durchmesser 10mm. Definitiv nicht magnetisch. Fühlt sich kalt und nach Stein an, ist aber eben zu regelmässig für die Natur, oder?!?!?

LG Marcell

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trashman
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Re: Fossil in Form eines Gewindes oder doch industriell?

Beitrag von trashman » Montag 28. November 2016, 18:51

Moin,
das ist ein abgerollter Cephalopoden Rest. Der Volksmund spricht dann im allgemeinen von einem Orthoceras (innen liegender Siphon) oder Endoceras ( außen liegender Siphon) wobei das nur Sammelbegriffe für gestreckte Nautiliden darstellt.

Keine Schraube, eindeutig tierischer Rest.
Mit größter Vorsicht würde ich Ctenoceras schmidti Noetling, 1884 vermuten.
http://fossiilid.info/2566 .Alter wäre dann Ordovizisch.

Gruß
Heiko
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Re: Fossil in Form eines Gewindes oder doch industriell?

Beitrag von Stijn » Montag 28. November 2016, 19:55

I bin gar sicher das est kein cephalopode, aber ein crinoide ist.

Stijn

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Re: Fossil in Form eines Gewindes oder doch industriell?

Beitrag von Tapir » Montag 28. November 2016, 20:18

Mit ziemlicher Sicherheit ein Cephalopodenrest, die uhrglasartig gewölbte Innenfläche spricht gegen einen Crinoidenstiel.

Übrigens sind da noch aufgewachsene Bryozoen.
Glück auf!

Johannes Kalbe

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Re: Fossil in Form eines Gewindes oder doch industriell?

Beitrag von Acrodus » Montag 28. November 2016, 21:57

Hallo,

ist definitiv ein Orthoceras (median gelegener Sipho) mit Bryozoenbewuchs.
Trashman und Tapir liegen somit richtig.
Ohne weitere Angaben würde ich mich mangels diagnostisch verwertbaren Merkmalen dieses Restes weder auf eine Gattung noch ein Zeitalter festlegen wollen - Paläozoikum geht wohl ok, mehr geben die Infos aber m.E. erstmal nicht her...

Beste Grüße,
Acrodus

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Re: Fossil in Form eines Gewindes oder doch industriell?

Beitrag von Tapir » Dienstag 29. November 2016, 07:50

trashman hat geschrieben:Moin,
das ist ein abgerollter Cephalopoden Rest. Der Volksmund spricht dann im allgemeinen von einem Orthoceras (innen liegender Siphon) oder Endoceras ( außen liegender Siphon) wobei das nur Sammelbegriffe für gestreckte Nautiliden darstellt.

Keine Schraube, eindeutig tierischer Rest.
Mit größter Vorsicht würde ich Ctenoceras schmidti Noetling, 1884 vermuten.
http://fossiilid.info/2566 .Alter wäre dann Ordovizisch.

Gruß
Heiko
Hi Heiko,

ich denke mit Orthocerida liegst Du ganz richtig. Bloß bei der Gattung wird es wieder schwierig, da schaue ich neben Ctenoceras eher auf so etwas wie Dawsonoceras, Calorthoceras, Striatocyloceras, Palaeodawsonocerina, Gorbyoceras, oder Dawsonocerina . Die sind grobmorphologisch alle recht ähnlich, da würde bei so einem abgerollten Individuum nur ein brauchbarer Anschliff weiter helfen...

Besten Gruß

Johannes

PS: klebt auf Bild DSC02409.JPG in der ältesten Kammer eine Beyrichie? Dann wäre es wohl eher ein Stück aus dem Silur... (?)
Glück auf!

Johannes Kalbe

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Re: Lös.: Paläozoischer Cephalopode mit Bryozoenbewuchs

Beitrag von Ronald » Mittwoch 30. November 2016, 17:58

Hallo Marcell,

meiner Meinug nach hat Johannes recht. Auf der ältesten Kammer ist ein abgerollter Nodibeyrichia sp. zu erkennen. Das spricht eindeutig für Beyrichienkalk und dei Gesteinsfarbe passt auch, sowie der Habitus und die Größe des Orthocerida. Kann man gelengetlich im Beyrichienkalk finden...oder wie hier als abgerolltes Fossil im Strandkies.
Anbei noch ein interessanter Überblick über die Nodiyrichien im Beyrichienkalk.

HG
Ronald

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Re: Lös.: Paläozoischer Cephalopode mit Bryozoenbewuchs

Beitrag von trashman » Mittwoch 30. November 2016, 18:49

Danke Johannes für deine weiterführenden Erläuterungen.
Die Vielfalt bei den Nautiliden ist wirklich oft Verwirrend und schwer durchschaubar (für mich als Laien) ich bin da schon sehr vorsichtig geworden.

Ich tue mich mit dem Muschelkrebs schwer. Meint ihr das Gebilde hier im roten Kreis?


Gruß
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Re: Lös.: Paläozoischer Cephalopode mit Bryozoenbewuchs

Beitrag von Fischer un sin Fru » Donnerstag 1. Dezember 2016, 09:27

Guten Morgen,

Wir freuen und bedanken uns riesig über die rege Anteilnahme und gehen jetzt mal davon aus, stolze Besitzer einer abgerollten paläozoischen Cephalopode mit Moostierchenbewuchs zu sein.

@Heiko
Vllt. hilft diese weitere Nahaufnahme deiner roten Markierung? Ich als Laie erkenne da unter der Lupe nur ein paar Krümel.
DSC02753.JPG
DSC02753.JPG (215.52 KiB) 13093 mal betrachtet
LG Marcell

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Re: Lös.: Paläozoischer Cephalopode mit Bryozoenbewuchs

Beitrag von Ronald » Donnerstag 1. Dezember 2016, 12:11

Hallo Marcell und Heiko,

genau dieses Fossil ist gemeint. Das ist der Muschelkrebs ( Ostracode). Obwohl er ziemlich abgerollt ist , ist dennoch zu erkennen das er zu den Beyrichien gehört. Mehr kann man zu dem Ostracoden im Moment nicht sagen. Außer das der Chephalopode somit zeitlich in das Pridoli,Obersilur zu stellen ist und aus dem Beyrichienkalk herausgewittert wurde. Die bläulich graue Farbe des Gesteins spricht neben dem Ostracoden auch für Beyrichienkalk.

@ Marcell. Vergleich mal den "Krümel" mit den Abbildungen in dem PDF, welches ich in meinem letzten Posting verlinkt hatte, dann wist Du sicherlich auch erkennen das es sich hierbei um einen Ostracoden handelt der zu den Beyrichien zu stellen ist. Naja...Die Winzigkeit ist eben seiner Zugehörigkeit zu den Mikrofossilien geschuldet. Nimms dem Kleinen nicht übel....;-)

HG
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Zuletzt geändert von Ronald am Donnerstag 1. Dezember 2016, 12:21, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Lös.: Paläozoischer Cephalopode mit Bryozoenbewuchs

Beitrag von trashman » Donnerstag 1. Dezember 2016, 12:19

Ja super, jetzt seh ich ihn auch. :top:
Tatsächlich. Ein super Auge Johannes und Ronald. Das Fragment muss man erst mal zu deuten wissen.


Gruß
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Re: Lös.: Paläozoischer Cephalopode mit Bryozoenbewuchs

Beitrag von Ronald » Donnerstag 1. Dezember 2016, 12:23

Hallo Heiko,

wenn man jahrzentelang im Geschiebe sammelt lernt man das....;-)

HG
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Re: Lös.: Paläozoischer Cephalopode mit Bryozoenbewuchs

Beitrag von Fischer un sin Fru » Freitag 2. Dezember 2016, 08:12

Guten Morgen,

ich kann mich Heiko's Würdigung, bezüglich eurer geschulten Adleraugen nur anschließen.

@Ronald. Deinen Link habe ich mir angesehen und muss zu meiner Schande gestehen, dass ich echt Mühe hatte dem Beschriebenen zu folgen :hmm:

Liebe Grüße an die Ostsee

Marcell

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Re: Lös.: Paläozoischer Cephalopode mit Bryozoenbewuchs

Beitrag von Ronald » Freitag 2. Dezember 2016, 16:40

Hallo Marcell,

ok.....;-) das war sicherlich ein Sprung ins kalte Wasser und in einem Fachartikel wimmelt es ja nur so von Fachausdrücken von denen Ihr Beide sicherlich noch nie etwas gehört hattet. Das ist also keine Schande. Denn Jeder hat irgendwann einmal angefangen. :-)
Aber an die Fachausdrücke werdet Ihr Euch sicherlich langsam gewöhnen und auch immer besser verstehen. Und wenn Ihr Fragen habt, immer her damit!!! Denn in den unterschiedlichsten Spezialbereichen sind hier eine ganze Menge Leute zu Hause. Und mich dürft ihr natürlich auch befragen. Also traut Euch. ;-)
Und wenn Ihr Lust habt und ich wieder in Deutschland bin, dann können wir ja gerne die eine oder andere Tour an die Ostseeküste machen. Rostock ist ja nicht soweit von Berlin weg ;-)

HG und ein schönes 2. Adventwochenende

Ronald
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