Einführung Teil II

Dieses Forum ist unser Austauschplatz für Bernstein- und Kopalsammler.

Moderator: boborit

Antworten
Benutzeravatar
Thomas_
Administrator
Beiträge: 6208
Registriert: Samstag 7. Mai 2005, 12:41
Wohnort: Essen

Einführung Teil II

Beitrag von Thomas_ » Sonntag 12. Februar 2012, 14:44

Fundorte mit bergbaulicher Gewinnung

Mindestens 75 % der Weltproduktion von Bernstein (Succinit) entstammt derzeitig dem regulären Bergbau auf der Halbinsel des Samlandes (Oblast Kaliningrad, Russland; ehemals Ostpreußen). In Polen wird seit langem insbesondere aus der Weichselniederung bei Danzig in Quartärsedimenten enthaltener umgelagerter Bernstein in zahllosen vorwiegend illegalen Kleingräbereien gewonnen. Die gewonnene Gesamtmenge wird für den Zeitraum 1945 bis 1995 mit 930 t angegeben, die durchschnittliche jährliche Fördermenge beträgt etwa 20 t.

Der Abbau aus kleineren Lagerstätten in der Nordukraine, z. B. bei Klesow, gewinnt derzeitig offensichtlich zunehmend an Bedeutung.

Die Bernsteingewinnung im Braunkohlentagebau Goitsche bei Bitterfeld hatte in den Jahren 1975 bis 1990 mit insgesamt 408 t zeitweise bis 10 % des Weltaufkommens betragen, die noch vorhandenen Restvorräte von 600 t bilden eine sichere Basis für eine erneute bergbauliche Aktivität.


Samland

Die Hauptförderung von Bernstein erfolgt seit 1871 bei der Ortschaft Jantarny (ehemals Palmnicken) 40 km westlich von Kaliningrad (ehemals Königsberg). Große, von der Steilküste bis weit ins Inland reichende Bernsteinvorkommen bilden die Grundlage. Die Hauptfundschicht, die „Blaue Erde“ liegt meist unter dem Niveau des Meeresspiegels, im Bereich des Strandes bis 10 m, im Inland aber bis 55 m unter der Geländeoberfläche. Das Flöz der „Blauen Erde“ ist ein mehrere Meter mächtiger sandiger Ton, dessen grünlichgraue Farbe vom enthaltenen Glaukonit verursacht wird. Der Bernsteingehalt schwankt sehr stark zwischen 23 und 0,5 kg pro Kubikmeter, in den besten Jahren waren es durchschnittlich zwei bis drei Kilogramm.

Im Jahre 1870 begann die bergbauliche Erschließung der „Blauen Erde“ durch die Firma Stantien & Becker. In den ersten Jahren erfolgte der Abbau ausschließlich von Hand in einem 10 m tiefen Tagebau am Strand, dieser wurde auch in die Steilküste hineingetrieben. Ab 1875 musste aus wirtschaftlichen Gründen zum Tiefbau übergegangen werden, die Strecken wurden zunächst vom Tagebau aus aufgefahren. Mit ab 1883 angelegten Schachtanlagen wurde Bernstein bis zum Jahre 1923 im Tiefbau gewonnen. Im Jahre 1916 wurde dann im neu angelegten Tagebau Palmnicken die Bernsteingewinnung aufgenommen. Der Abbau erfolgte mit großen Eimerkettenbaggern, wie sie auch in den mitteldeutschen Braunkohletagebauen üblich waren. Empfindliche Absatzkrisen beim Rohstoff für Schmuckwaren wurden durch den Ersten Weltkrieg verursacht und in den 1930er-Jahren verschlechterte sich die Wirtschaftlichkeit, weil das überwiegende Feinkorn nicht mehr für die Herstellung von Lackrohstoffen benötigt wurde.

Nach 1945 wurde das sowjetisch gewordene Palmnicken nach dem russischen Wort für Bernstein, jantar, in Jantarnyi umbenannt und die zum Erliegen gekommene Bernsteingewinnung wieder aufgenommen. Im Jahre 1976 erfolgte die endgültige Stilllegung des seit 1916 genutzten Tagebaus und der heute noch genutzte Tagebau „Primorskoie“ wurde in Betrieb genommen. Die Jahresproduktion erreichte in einigen Jahren 780 t, von 1951 bis 1988 wurden insgesamt rund 18.250 t gefördert. In den 1970er-Jahren, beim Übergang auf den neuen Tagebau, sank die Förderung infolge technischer und organisatorischer Probleme. Auch der politische Umbruch in den 1990er-Jahren hatte starke Auswirkungen, die zu einer zeitweiligen Einstellung des Abbaus führten. Die Abbautechnologie wurde verändert, zeitweilig kamen ausschließlich Hydromonitoren zum Einsatz. Derzeitig wird nach Abtrag des mächtigen Abraums der Rohstoff mittels Schürfkübelbagger gelöst, das abgesetzte Haufwerk mit Hydromonitoren aufgeschlämmt und der Schlamm von großen Pumpen über eine kilometerlange Rohrleitung in die Aufbereitungsanlage befördert. Dort siebt man den Bernstein heraus und führt ihn der weiteren Verwendung zu. Der Schlammrückstand wird über ein Rohrsystem am Ostseestrand verspült.






Bitterfeld und Mitteldeutschland

Bernstein in tertiären, Braunkohle führenden Schichten ist bereits seit 1669 von Patzschwig bei Bad Schmiedeberg bekannt. Als „Sächsischer Bernstein“ beschrieben ist er auch zeitweise gewonnen worden. Aus dem 19. Jahrhundert und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts liegen Fundmeldungen über einzelne Bernsteine in Braunkohlengruben bei Bitterfeld vor.

Im Jahre 1955 wurden im Braunkohlentagebau Goitsche östlich von Bitterfeld die Bernstein führenden Schichten für kurze Zeit angeschnitten, aber die zu Tage tretenden, zum Teil großen Brocken nicht als Bernstein (Succinit) erkannt, sondern als Retinit bezeichnet. Erst im Jahre 1974 wurde bei einem erneuten Anschnitt die Bedeutung des Bernsteinvorkommens erkannt. Die im gleichen Jahr begonnene geologische Erkundung führte zum Nachweis einer nutzbaren Lagerstätte. Als geologischer Vorrat wurden 1979 2.800 t Bernstein berechnet. Der Abbau begann bereits 1975. Grund für die so schnell aufgenommene Förderung war der starke Rückgang der Bernsteinimporte aus der Sowjetunion, die in den 1970er-Jahren ihre jährlichen Bernsteinlieferungen von zehn Tonnen auf eine senkte und damit die Schmuckproduktion im „VEB Ostseeschmuck“ in Ribnitz-Damgarten gefährdete. Von 1975 bis 1993 wurden im Tagebau Goitsche jährlich bis zu 50 t gewonnen, insgesamt 408 t. Der Bernsteinabbau wurde 1990 wegen der starken Umweltbelastung zunächst storniert und 1993 aus ökonomischen Gründen endgültig eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt standen noch 1.080 t gewinnbarer Vorrat in den Büchern. Nach Sanierung der Böschungen wurde das Restloch des Tagebaues Goitsche ab 1998 geflutet. Durch die Sanierung der Böschungen wurden zwar Teile der Vorratsfläche blockiert, aber nach einer Studie ist noch der Zugriff auf 600 t Bernstein möglich. Die Wasserbedeckung von 20 bis 25 m ist technisch kein Hindernis und nach einem limnologischen Gutachten wäre die Gewinnung auch umweltverträglich.

Der seit Ende der 1970er Jahre im Braunkohlenkombinat Bitterfeld gewonnene Bernstein wurde vor Ort handverlesen: Für den VEB Ostseeschmuck erfolgte eine Sortierung nach Handelsklassen; nicht zu Schmuck verarbeitbarer Bernstein wurde zur Pressbernstein verarbeitet; Bernsteinstücke mit Inklusen wurden dem Paläontologischen Museum der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Geiseltalmuseum der Martin-Luther-Universität Halle/Saale zur Verfügung gestellt. Die Inklusen des Bernsteins aus dem Bitterfelder Braunkohlerevier sind mithin systematisch ausgewertet worden und erlauben Vergleiche zur Fauna und Flora des Bernsteins aus anderen Lagerstätten. Unter anderem aus diesen Erkenntnissen speist sich die bis heute nicht abgeschlossene Diskussion über etwaige Unterschiede der Genese des Bitterfelder Bernsteins und des Baltischen Bernsteins. Wissenschaftliche Untersuchungen des gewonnenen Bernsteinmaterials führten zur Feststellung folgender Bernsteinarten: Succinit, Gedano-Succinit, Gedanit, Glessit, Goitschit, Siegburgit, Beckerit, Stantienit, Krantzit und Oxikrantzit. Weiterhin wurden die Bernsteinarten Bitterfeldit, Durglessit und Pseudostantienit aufgestellt, deren Berechtigung jedoch von einigen Autoren angezweifelt wird.


Polen

Polen ist ein wichtiger Bernstein(schmuck)-Lieferant, dessen Vorräte auf 12.000 t geschätzt werden. Der polnische Bernstein stammt hauptsächlich aus Mozdzanowo bei Ustka an der pommerschen Ostseeküste, wo er bereits Ende des 18. Jahrhunderts abgebaut wurde. Er wird dort in vielen unterschiedlichen Farbtönen gefunden. 60 % der Fundstücke sind durchsichtig. Auch an der Verbindungsstelle zur Halbinsel Hel findet sich Bernstein in 130 m Tiefe. Ferner wurde ein Bernsteinvorkommen auf der Lubliner Hochebene entdeckt. Der größte Teil des in Polen verarbeiteten Bernsteins stammt allerdings nicht aus eigener Produktion, sondern wird aus dem Kaliningrader Gebiet und aus der Ukraine importiert.


Nordukraine

Seit 1979 sind die Bernsteinvorkommen im Norden der Ukraine, in der Nähe von Dubrovitsa an der weißrussischen Grenze bekannt. Nach Erlangung der Unabhängigkeit beschloss die ukrainische Führung 1993, diese Vorkommen unter staatlichem Monopol auszubeuten. Da die Vorkommen an der Oberfläche in sandigen Schichten anstehen, sind sie sehr leicht zu fördern, und so hat sich in den letzten Jahren eine beträchtliche nicht-staatliche (und damit illegale) Förderung entwickelt (etwa 90 % der ukrainischen Produktion), die ihre Produkte zur Weiterverarbeitung über die Grenze nach Polen und Russland schmuggeln lässt. Die ukrainischen Vorkommen enthalten außergewöhnlich große Einzelstücke. Der in der Ukraine gefundene Bernstein ist vermutlich gleicher Genese wie der Succinit aus der Blauen Erde des Samlandes.


Aktuelle Marktsituation

Die Preise für ein Kilogramm russischen Rohbernsteins aus Jantarny lagen im März 2011 in Polen bei 260 € für Stücke zwischen 2,5 und 5 Gramm und rund 550 € für Stücke zwischen 50 und 100 Gramm. Die Weiterverarbeitung des in Russland geförderten Bernsteins zu Schmuck erfolgt meistenteils in Polen und Litauen. Von dort wird jährlich Schmuck im Wert von etwa 400 Millionen Euro verkauft.


Einzelstücke Baltischen Bernsteins

Krumbiegel führt in einem Beitrag aus dem Jahre 2003 Stücke aus quartären Sedimenten nordeuropäischer Vereisungsgebiete mit einem Gewicht von mehr als 2 Kilogramm auf. Aus dieser Liste von 28 Stücken nachfolgend eine Auswahl:

1922 und 1970 in Schweden: je etwa 1,8 kg;
1969 von einem schwedischen Hummerfischer bei Bohuslän an der Westküste Schwedens: 10,478 kg (zum Zeitpunkt des Fundes eine Masse; heute noch 8,886 kg, da etwas abgeschlagen wurde); es befindet sich im Ravhuset in Kopenhagen;
1860 bei Cammin in Pommern (nach 1945 Rarwino/Kamien Pomorski): Ein 48 × 22 × 20 cm großer und 9,75 kg schwerer Block, der im Berliner Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität aufbewahrt wird und im Mineraliensaal ausgestellt ist; Sonnenstein (Saulės akmuo): etwa 3,5 kg, 21 × 19 × 15 cm; ausgestellt im Bernsteinmuseum in Palanga, Litauen.


Dominikanischer Bernstein

Dominikanischer Bernstein wird auf der Insel Hispaniola, nahezu ausschließlich im Hoheitsgebiet der Dominikanischen Republik gefunden. Unter den Bernsteinvorkommen der Welt hat der Dominikanische Bernstein hinsichtlich seines Reichtums an fossilen Einschlüssen nach dem Baltischen Bernstein die größte Bedeutung. Allerdings wurde im Jahre 1987 von der Regierung in Santo Domingo verfügt, dass Bernsteinfossilien nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Nationalmuseums für Naturgeschichte außer Landes gebracht werden dürfen. Gleichwohl ist die Sammlung des Staatlichen Museums für Naturkunde (Löwentormusem) in Stuttgart die wohl bedeutendste wissenschaftliche Sammlung Dominikanischen Bernsteins mit organischen Einschlüssen weltweit.

Ferner beruht die Popularität des Dominikanischen Bernsteins auf der großen Zahl klarer Stücke, die sich vorzüglich für die Schmuckherstellung eignen und seiner Farbenvielfalt, darunter auch der seltene „Blaue Bernstein“, dessen „Farbe“ auf fluoreszierende Moleküle zurückzuführen ist. Entstanden ist er möglicherweise durch das nachträgliche Erwärmen durch vulkanische Aktivität. Der blau fluoreszierende Dominikanische Bernstein hat nichts mit dem ebenfalls nur auf Hispaniola vorkommenden blauen Pektolith zu tun, der mitunter in den gleichen Betrieben in Puerto Plata und in gleicher Weise verarbeitet und unter dem Namen Larimar als Schmuckstein verkauft wird.

Der Bernstein wird vorwiegend in Gruben und Stollen zumeist in Handarbeit abgebaut. Sehr geringe Mengen gehen bis in die heutige Zeit auf Strandfunde, insbesondere an dem als Costambar (Bernsteinküste) bezeichneten Küstenabschnitt nahe Puerto Plata zurück. Mitunter werden sehr große Einzelstücke mit einem Gewicht von mehreren Kilogramm gefunden.


Lagerstätten und Alter

Der Bernstein in den Gebieten Cordillera Oriental und Cordillera Septentrional auf Hispaniola lagert in tertiärem Sandstein. Aufgrund von Bohrungen wird vermutet, dass dort noch beträchtliche Mengen Bernstein liegen. Die Cordillera Septentrional sind ganz überwiegend von sedimentärem Gestein tertiären Alters bedeckt. Die meisten Bernsteinminen in dieser Gebirgsregion treten in der La Toca-Formation auf (Poinar verwendet die Bezeichnung „Altamira-Fazies der El Mamey-Formation“). Bei dieser Formation handelt es sich um einen mit Konglomeraten gerundeter Kieselsteine durchsetzten Schiefer-Sandstein. Häufig treten organisches Material und ausgedehnte Kohlegänge auf, wobei der Bernstein in lignitischem Sandstein bzw. den Lignitgängen liegt. Auf der Grundlage von Coccolithen konnte das Alter des Schiefers und Sandsteins von El Mamey mit 40 Mill. Jahren (Oberes Eozän) bestimmt werden. Anderenorts auf miozäner Lagerstätte gefundener Bernstein wurde teilweise umgelagert. Bis auf einige wenige Funde im Osten der Insel, bei denen es sich vermutlich eher um Kopal handelt, sind die Vorkommen Dominikanischen Bernsteins nach vorherrschender Meinung eozänen bis untermiozänen Alters, nach Auffassung einiger Autoren allerdings nicht weiter als zum mittleren Oligozän (30 Mio. Jahre) zurückreichend, aufgrund paläoentomolgischer Untersuchungen auf jeden Fall aber jünger als Baltischer Bernstein.


Harzproduzent

Blatt einer Hymenaea protera in Dominikanischem Bernstein. Der Baum hat vermutlich das Harz für den Dominikanischen Bernstein geliefert

Ausgehend von den pflanzlichen Funden im Bernstein wird angenommen, dass das Harz, aus dem der Dominikanische Bernstein entstand, von dem Baum Hymenaea protera erzeugt wurde. Diese fossile Art der Hülsenfrüchtler ähnelt am ehesten dem rezenten Baum Hymenaea verrucosa, der in Ostafrika und den vorgelagerten Inseln vorkommt. Untersuchungen mittels der Infrarot-Spektroskopie, der Kernspinresonanzspektroskopie (NMR) und der Massenspektrometrie haben die Ähnlichkeit des Dominikanischen Bernsteins mit dem Harz rezenter Hymenaea-Arten, insbesondere der Hymenaea verrucosa bestätigt. Als Harzlieferant wird auch der ebenfalls zu den Hülsenfrüchtlern gehörende Laubbaum Algarrobo (Prosopis pallida – Hymenaea – Jatoba) diskutiert.


Geschichte

Historische Berichte über Bernstein in der Dominikanischen Republik lassen sich bis zu den Tagebüchern von Christoph Kolumbus zurückverfolgen. Immer wieder tauchen auch Berichte über Indianerschmuck auf, der aus Bernstein gefertigt ist. Erste Hinweises über organische Einschlüsse im Dominikanischen Bernstein stammen aus dem Jahre 1939. In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts hat sich auch ein Unternehmen aus den USA an der Förderung des Dominikanischen Bernsteins versucht, stellte aber seine Aktivitäten ein, als der Stollen nach einem Wassereinbruch einstürzte. Auf den deutschen Markt kam Dominikanischer Bernstein erst in den 1970er Jahren.


Bernsteinförderung auf Hispaniola

Die Bernstein führenden Formationen erstrecken sich zwar über beide Staaten (Dominikanische Republik und Haiti) der Karibikinsel. Eine systematische Förderung des Bernsteins ist allerdings nur aus der Dominikanischen Republik bekannt. Obwohl die Vorkommen in Haiti vermutlich ebenfalls nicht unbeträchtlich sind, liegen hierüber nur wenige Informationen vor. Sicher ist, dass im Zenralplateau von Haiti Bernstein in einer Lignit-Lagerstätte gefunden worden ist.

Die bergbauliche Förderung in der Dominikanischen Republik erstreckt sich auf das Gebiet um Puerto Plata und Santiago (Cordillera Septentrional) und – weiter östlich – bei Bayaguana in den Cordillera Oriental. In der Umgebung von La Toca (nordöstlich von Santiago) wird der Bernstein sowohl aus offenen Gruben also auch aus in den Hang getriebenen, flach geneigten schmalen Stollen mit einer Tiefe von bis zu knapp 100 Metern gewonnen, indem er aus dem Muttergestein herausgeschlagen wird. Solche Stollen sind zumeist binnen drei Jahren ausgebeutet. Die Gruben und Stollen werden unorganisiert angelegt, sind unzureichend gesichert und laufen, vor allem in der Regenzeit, oft voll Wasser. In ähnlicher Weise erfolgt die Gewinnung des Bernsteins in fast allen anderen Abbaugebieten im Bergland der Dominikanischen Republik. Als besonders ergiebig gelten die Gruben in der Gegend von Palo Alto (nördlich von Santiago). In den Cordillera Oriental wird das begehrte Material auch im Duckelbergbau gewonnen. Solche Schächte sind zumeist in wenigen Wochen ausgebeutet. Zuverlässige Informationen über die Anzahl aktiv betriebener Gruben, Stollen- und Schachtanlagen liegen nicht vor. Schätzungen zufolge sind aber rund 3000 Arbeiter in der Bernsteinförderung tätig, viele davon nur saisonal. Da in einer Anlage meist deutlich weniger als zehn Personen beschäftigt sind, dürfte die Zahl der aktiven „Bergwerke“ in die Hunderte gehen, die der aufgelassenen wohl in die Tausende.

Wirtschaftliche Bedeutung für das Land

Neben den mehr oder minder regelmäßig Beschäftigten in den „Bergwerken“ (ca. 3000) sind zwischen 500 und 1000 Handwerker mit der Bearbeitung des Rohmaterials beschäftigt. Die Zahl der im Verkauf regelmäßig beschäftigten Personen geht weit über 1000 hinaus. Die Gesamtförderung eines Jahres unterliegt großen Schwankungen, geht aber nicht über fünf Tonnen hinaus. Wenngleich diese Menge nur rund 1 % der Fördermenge des Baltischen Bernsteins ausmacht, ist der Dominikanische Bernstein aus kommerzieller Sicht der weltweit wichtigste nach dem Baltischen Bernstein.


Bernstein-Einschlüsse: Inklusen


Entstehung von Inklusen

Bewunderung lösen immer wieder die vorzüglich erhaltenen Einschlüsse im Bernstein aus. Insbesondere die Inklusen zarter geflügelter Insekten bestechen durch Erhaltung selbst feinster Details bei vollkörperlicher Erhaltung. Sie sind weder zusammengedrückt noch anderweitig verformt wie viele Fossilien in Sedimentgesteinen. Selbst Spuren des Todeskampfes sind unverändert erhalten. Bei einigen Tieren ist eine Trübewolke (Verlumung) um massigere Körperteile zu beobachten, eine Folge austretender Gase und Flüssigkeiten bei der Verwesung des Tierkörpers. Deren beschränkte Ausbreitung ist wie der detailgetreue Abdruck nur bei einer sehr raschen Aushärtung vorstellbar, wie sie sonst nur bei schnell härtenden Kunststoffen auftritt. Die Inklusen sind nur der Abdruck des ehemaligen Lebewesens, im entstandenen Hohlraum sind in der Regel keine Bestandteile seines Körpers erhalten. Wie bereits im Abschnitt Entstehung beschrieben, können die bisherigen Vorstellungen über eine langsame Aushärtung durch die Untersuchungsergebnisse an Succinitstücken von Bitterfeld nicht aufrechterhalten werden. Der Succinit härtete bereits am Baum praktisch vollständig aus und dazu passt auch die formgetreue Erhaltung der Inklusen.


Häufigkeit von Inklusen

Organische Einschlüsse sind von den meisten Bernsteinarten bekannt, wenn auch in unterschiedlicher Häufigkeit. Bei der geologischen Erforschung der Bitterfelder Bernsteinlagerstätte wurde auch die Häufigkeit der Inklusen untersucht: Eine Tonne des Bitterfelder Succinit enthält schätzungsweise 4.500 tierische Inklusen.

Beim Succinit sind die sogenannten Schlaubensteine besonders ergiebig. Die aus Harzflüssen außen am Baumstamm entstandenen Schlauben sind schichtartig aufgebaut (jede Schicht entspricht einem Harzfluss), wobei sich die Einschlüsse zumeist an den Trennflächen der Harzflüsse befinden. Oft handelt es sich bei den Funden allerdings nur um Fragmente der eingeschlossenen Organismen. Zooinklusen sind häufig beschädigt, vermutlich durch Vogelfraß, als das Tier noch nicht vollständig vom Harz eingeschlossen war. Nicht selten sind auch einzelne Beine langbeiniger Arthropoden (z. B. Weberknechte) zu finden, die in der Lage waren, in Notsituationen ihre Beine abzuwerfen. Organische Reste aus zerfallenem Pflanzenmaterial und Holzmulm mit meist nicht identifizierbarer botanischer Herkunft treten häufig auf. Stücke mit vollständig erhaltenen Zeugnissen des damaligen Lebens sind aus wissenschaftlicher Sicht besonders wertvoll.

Inklusen sind leicht nur in transparenten oder zumindest halbtransparenten Stücken zu finden. Mit Hilfe der Synchrotronstrahlung ist es jedoch gelungen, auch in opaken Stücken organische Einschlüsse zu entdecken. Im Falle kreidezeitlichen Bernsteins aus Frankreich konnte durch eine Forschungsgruppe um den Paläontologen Paul Tafforeau unter Zuhilfenahme dieser Methode 3D-Modelle Inklusen in opaken Bernsteinstücken sichtbar gemacht werden.

Tiere und Pflanzen im Bernstein

Im Bernstein finden sich fossil konservierte Lebensformen, die vor Millionen von Jahren in Wäldern gelebt haben: Zum einen findet man Kleintiere oder Teile davon als Einschlüsse (Zooinklusen): verschiedene Gliederfüßer (Arthropoden), vor allem Insekten wie Fliegen, Mücken, Libellen, Ohrwürmer, Termiten, Heuschrecken, Zikaden und Flöhe, aber auch Asseln, Krebstiere, Spinnen und Würmer sowie vereinzelt Schnecken, Vogelfedern und Haare von Säugetieren. Im oberkreidezeitlichen kanadischen Bernstein wurden einige sehr gut erhaltene Federn gefunden, die aufgrund ihrer strukturellen Merkmale von Dinosauriern stammen könnten. Mehrere Stücke mit Teilen von (lacertiden) Eidechsen, darunter ein weitgehend vollständiges Exemplar, wurden ebenfalls gefunden.

Außerdem gibt es eine Vielzahl von pflanzlichen Inklusen (Phytoinklusen): Pilze, Moose und Flechten, aber auch Pflanzenteile, die von Lärchen, Fichten, Tannen, Palmen, Zypressen, Eiben und Eichen stammen. Der weitaus häufigste organische Einschluss im Succinit ist das sogenannte „Sternhaar“, das sich in fast allen Schlauben findet. Es sind winzige, mit bloßem Auge kaum sichtbare, strahlenförmig verästelte Pflanzenhaare (Trichome), die mit großer Wahrscheinlichkeit von Eichen stammen. Diese Einschlüsse werden als charakteristisches Merkmal des Succinit angesehen.

Manchmal werden Inklusen mit Wassertropfen oder Lufteinschlüssen gefunden. Für Bernsteinstücke mit verschiedenen organischen Einschlüssen hat der polnische Paläoentomologe Jan Koteja den Begriff Syninklusen geprägt. Solche Bernsteinstücke sind einzigartige Beweisstücke über das zeitgleiche Vorkommen verschiedener Lebewesen in einem Habitat.


Geschichte der Inklusenforschung

Schon in der Antike bestand Gewissheit über den organischen Charakter zahlreicher Einschlüsse in Bernstein. Allerdings stehen zu der Zeit noch biologisch zutreffende Wahrnehmungen neben Dichtung und Mythos, wie sich beispielhaft an den Titeln zweier Epigramme des Martial zeigen lässt: Über eine Biene in Bernstein und Über eine Viper in Bernstein. Sein Epigramm über eine Ameise in Bernstein ist im Kapitel Bernstein in Mythologie und Dichtung vollständig wiedergegeben.

Die naturwissenschaftliche Erforschung der Einschlüsse setzte allerdings erst im 18. Jahrhundert ein, was nicht zuletzt mit der Verfügbarkeit deutlich verbesserter technischer Hilfsmittel (insbesondere Mikroskope) sowie dem enormen Fortschritt in der biologischen Forschung zusammenhängt. Im 19. Jahrhundert erschienen die ersten Monographien über Tier- und Pflanzengruppen (zu nennen sind hier insbesondere folgende Autoren von bis heute wichtig gebliebenen Arbeiten über Einschlüsse in Baltischem Bernstein: Heinrich Goeppert, Georg Carl Berendt, Hugo Conwentz, Robert Caspary, Richard Klebs, Anton Menge und Fernand Meunier).

An Darstellungen der Tier- und Pflanzenwelt im Baltischen Bernstein jüngeren Datums sind beispielsweise zu nennen, die wissenschaftlichen, aber weithin noch allgemeinverständlichen Arbeiten von Wolfgang Weitschat & Wilfried Wichard (Atlas der Pflanzen und Tiere im Baltischen Bernstein), George O. Poinar jr. (Life in amber) sowie die streng wissenschaftliche Arbeit von Sven Gisle Larsson (Baltic Amber – a Palaeobiological Study).


Die größten Inklusensammlungen

Die wohl größte jemals existierende Sammlung organischer Einschlüsse in Baltischem Bernstein dürfte mit geschätzt weit mehr als 100.000 Stücken die der Albertus-Universität Königsberg gewesen sein. Der größte Teil dieser Sammlung ist in den Wirren des Zweiten Weltkrieges untergegangen, der erhaltene Teil befindet sich heute im Institut und Museum für Geologie und Paläontologie (IMGP) der Universität Göttingen. Von erheblicher Bedeutung war vor dem Zweiten Weltkrieg auch die Sammlung des Westpreußischen Provinzial-Museums Danzig, deren Bestand deutlich mehr als 13.000 Exemplare umfasst haben muss.

Zu den größten Sammlungen unserer Tage zählen die der folgenden Institutionen:

- Britisches Museum für Naturgeschichte, London (ca. 25.000 Ex.)

- Museum der Erde, Warschau (ca. 25.000 Ex.)

- Zoologisches Institut St. Petersburg (ca. 25.000 Ex.)

- Paläontologisches Museum der Humboldt-Universität zu Berlin (ca. 20.000 Ex.)

- Museum für vergleichende Zoologie der Harvard Universität, Cambridge (16.000 Ex.)

- Bernsteinmuseum Palanga, Litauen (mehr als 14.000 Ex.)

- Institut für Geologie und Paläontologie, Göttingen (mehr als 11.000 Ex.)

- Zoologisches Museum Kopenhagen (ca. 8.000 Ex.)

- Senckenberg-Museum Frankfurt (Main) (mehr als 7.000 Ex., Schwerpunkt Spinnen).


Gebrauchsgegenstände und technische Geräte

In der chemischen Industrie wurde zunächst nicht für die Schmuckindustrie geeigneter Bernstein für die Herstellung von Bernsteinlack, Bernsteinöl und Bernsteinsäure verwendet. Lacke setzten sich zumeist aus Kolophonium (verbleibende feste Masse geschmolzenen Bernsteins nach Destillation von Bernsteinöl und Bernsteinsäure), Terpentinöl und Leinölfirnis, mitunter ergänzt um Bleiglätte, in unterschiedlichen Rezepturen je nach Verwendung des Endproduktes (z. B. als Schiffslack oder Fußbodenlack) zusammen. Zeitweilig wurden die Pferdehaare des Geigenbogens mit reinem Kolophonium bestrichen („Geigenharz“). Reines Bernsteinöl diente als Holzschutzmittel, das sich als sehr wirksam erwiesen hat, Bernsteinsäure fand Verwendung bei der Herstellung bestimmter Farben. Heute werden diese Produkte nahezu ausschließlich synthetisch erzeugt.

Ende des 17. Jahrhunderts entstanden Techniken, Bernstein zu entfärben. Das klare Endprodukt wurde als Rohmaterial für optische Linsen verwendet. Optische Geräte, in denen Bernsteinlinsen verwendet wurden, blieben bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Gebrauch. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden bei Bluttransfusionen aus Bernstein gefertigte Gefäße verwendet, da der Hämolyse hierdurch entgegengewirkt werden konnte. Ein weiteres sehr seltenes Einsatzgebiet sind elektrische Isolatoren, da der spezifische Widerstand ungefähr 1016 Ωm−1 beträgt und damit größer ist als der von Porzellan.


Verwendung von Pressbernstein

Seit der Erfindung des Pressbernsteins in den 1870er Jahren in Königsberg und seit der ersten industriellen Umsetzung 1881 in Wien und dann später auch in der Staatliche Bernstein – Manufaktur Königsberg findet man ihn bei Gebrauchsgegenständen wie Zigarettenspitzen, Mundstücke von Tabakspfeifen oder der türkischen Tschibuk, Nippes (Kunst) und billigem Schmuck. Der nach Afrika exportierte Bernstein hieß auch abschätzig Negergeld.

Anfangs wurde Pressbernstein vielfältig verwendet, aber der noch billigere Kunststoff, es begann mit Bakelit, verdrängte ihn fast vollständig. So kommt es, dass Pressbernstein und natürlich ganz besonders Naturbernstein heute den Eindruck von etwas Besonderem erzeugt.

Bernstein wurde schon in der Steinzeit bearbeitet. Jeder kann dies ohne großen maschinellen Aufwand bewerkstelligen.

Werkzeug

Zur Bearbeitung von Bernstein wird Nass-Schleifpapier mit Körnungen von 80 bis 1000 gebraucht sowie Nadelfeilen mit Hieb 1 und 2, Schlämmkreide (Alternative: Zahnpasta), Brennspiritus, Wasser, Leinen- oder Baumwolllappen, Fensterleder (Ledertuch), eine kleine Bohrmaschine und Spiralbohrer (max. 1 mm), eine mittelstarke Laubsäge (zum Zerschneiden großer Bernsteinstücke) und eine Angelsehne (zum Auffädeln einer Kette). Im Umgang mit den Geräten ist Vorsicht geboten. Auf einer Werkbank lassen sich am besten die zu bearbeitenden „Rohsteine“ mittels kleiner Aufspannvorrichtungen bearbeiten.


Verarbeitungsprozess

Im ersten Schritt wird der Bernstein gefeilt und poliert. Dabei wird die unerwünschte Verwitterungskruste mit der Nadelfeile oder Nass-Schleifpapier der Körnung 80 bis 120 entfernt. Zum Aufbau des Schliffs werden mit dem Bernstein oder dem Schleifpapier kreisende Bewegungen ausgeführt. Dabei wird die Körnung stufenweise bis 1000 erhöht. Diese Bearbeitung erfordert etwas Geduld, da die gröberen Schleifspuren des vorherigen Schleifpapiers glatt geschliffen sein müssen, bevor die nächst feinere Körnung benutzt werden kann. Zudem sollte der Bernstein vor jedem Wechsel des Schleifpapiers gründlich mit Wasser abgespült werden, um ihn nicht zu überhitzen (dadurch kann eine klebrige Oberfläche entstehen) und um Kratzer zu vermeiden.

Im zweiten Schritt wird der Bernstein der Politur, dem letzten Arbeitsgang beim Schleifen, unterzogen. Dazu wird ein Leinen- bzw. Baumwolltuch mit Spiritus angefeuchtet und mit Schlämmkreide bestrichen. Mit dem so präparierten Tuch wird der Bernstein in kreisenden Bewegungen poliert und anschließend unter Wasser ausgewaschen. Zum Schluss wird der Bernstein mit einem Fensterleder nachpoliert.

Im dritten Schritt wird in den Bernstein, falls gewünscht, ein Loch gebohrt. Der Bohrer wird in eine elektrische Handbohrmaschine eingespannt. Die verwendete Drehzahl sollte niedrig sein, und eine gewisse Übung in der Handhabung von Bohrern ist nicht nur aus Sicherheitsgründen von Vorteil. Der Bohrer darf nicht verkanten oder mit großem Druck durch den Bernstein getrieben werden, da Bernstein sehr druckempfindlich und damit die Bruchgefahr sehr groß ist. Sollte der Bernstein doch einmal brechen, hilft ein handelsüblicher Sekundenkleber.

Matte, wenig glänzende, stumpfe oder ältere Bernsteine bekommen mit etwas Möbelwachs einen schönen Glanz.

Eine weitere Form der Ver- oder Bearbeitung stellt die Arbeit des Bernsteindrechslers dar. In Deutschland wird diese Spezialisierungsrichtung des Drechslers nur noch in einem Betrieb in Ribnitz-Damgarten gelehrt – der Ribnitzer Bernstein-Drechslerei GmbH.

Pflege

Unter Einfluss von Luftsauerstoff und Feuchtigkeit entwickelt Bernstein eine Verwitterungskruste (durch Oxidation). Dieser auch in der Lagerstätte des Bernsteins vielfach bereits einsetzende Prozess (sogenannter Erdbernstein trägt zumeist eine kräftige Verwitterungskruste) setzt sich fort, wenn Bernstein als Schmuck- oder Sammlungsstück aufbewahrt wird. Bis heute ist keine Methode bekannt, mit der dieser Prozess völlig unterbunden werden könnte ohne hiermit nachteilige Auswirkungen anderer Art hervorzurufen (z. B. Einschränkung der Untersuchungsmöglichkeiten bei Eingießung in Kunstharz). Alle Konservierungsmethoden dienen mithin dem Zweck, den Verwitterungsprozess zu verlangsamen. Für den Hausgebrauch genügt es im Allgemeinen, Bernstein dunkel, kühl und trocken aufzubewahren. Schmuckstücke aus Bernstein sollten regelmäßig unter fließend warmem Wasser gespült und nicht in die Sonne gelegt werden, da Bernstein schnell brüchig wird. Außerdem sollte weder Seife bzw. Putzmitteln noch chemische Substanzen verwendet werden, da durch den Kontakt mit diesen Stoffen irreparable Schäden entstehen können.

Stücke von besonderem (wissenschaftlichen) Wert sollten hingegen fachkundig konserviert werden. Hierzu bedarf es in der Regel der Unterstützung durch einen Spezialisten (z. B. eines Konservators an einem naturkundlichen Museum). Einige gängige Konservierungsmittel und -methoden werden von K. Kwiatkowski (2002) beschrieben.


Fälschungen, Manipulationen und Imitationen

Bernsteinnachbildungen (Imitationen) sind in sehr vielfältiger Form im Handel. Dies trifft vor allem auf den Baltischen Bernstein zu. Zumeist handelt es sich um Nachbildungen auf der Grundlage verschiedenartiger Kunstharze, deren Eigenschaften zur Herstellung von Objekten, die das Erscheinungsbild von Bernstein haben, sich im Laufe mehrerer Jahrzehnte mehr und mehr verbessert haben. Um Fälschungen handelt es sich nach allgemeinem Sprachgebrauch stets dann, wenn Bernstein in der Absicht nachgebildet wird, ihn als Naturbernstein oder echten Bernstein auszugeben und als solcher angeboten wird.

Aufgrund der Wertschätzung, die seit Alters her organischen Bernsteineinschlüssen entgegengebracht wird, sind Inklusen naturgemäß besonders häufig Gegenstand von Fälschungen. Schon aus dem 16. Jahrhundert sind gefälschte Bernsteineinschlüsse bekannt. Man versuchte damals, Tiere wie Frösche, Fische oder Eidechsen als Inklusen im Bernstein unterzubringen, eine Praxis, die auch heutzutage noch gang und gäbe ist. Göbel berichtet 1558 über Nachbildungen (ein Frosch und eine Eidechse), die ein Danziger Händler einem italienischen Adeligen aus Mantua verkaufte. Im Jahre 1623 erhielt der polnische König Sigismund III. Wasa, ein Kunstsammler und -mäzen, anlässlich seines Besuch der Stadt Danzig einen in Bernstein eingeschlossenen Frosch von den Bürgern der Stadt als Gastgeschenk. Auch in der umfangreichen Sammlung von August II. von Polen (August der Starke) befanden sich nach einer von Sendelius im Jahre 1742 veröffentlichten Bestandsaufnahme (in der diese noch als authentisch angesehen wurden) zahlreiche Fälschungen, zumeist Wirbeltiere oder riesige Insekten.

Dabei fällt es auch der Wissenschaft nicht immer leicht, zu einem sicheren Ergebnis zu kommen. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die sogenannte „Bernstein-Eidechse von Königsberg“, die erstmals 1889 schriftlich erwähnt wird. Später tauchten wiederholt Zweifel an der Echtheit des Stückes auf – es wurde vermutet, die Eidechse sei von Menschenhand in Kopal eingebettet worden –, bis es am Ende des Zweiten Weltkrieges verschollen war. Nachdem das Stück Ende der 1990er Jahre im Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Göttingen wieder auftauchte und erneut gründlich untersucht wurde, ist jetzt seine Echtheit bestätigt. Dabei spielten im Bernsteinstück vorhandene Syninklusen (in diesem Fall Eichensternhaare) eine nicht unerhebliche Rolle.

Nicht selten wird auch der Bernstein selbst gefälscht, dies trifft vor allem für Bernsteinvarietäten zu, die aufgrund ihrer Farbe, Transparenz oder Größe in der Natur nur selten vorkommen. Abgesehen von ihrem Brenngeruch und ihrer geringen Härte bzw. Dichte sind manche Bernsteinsorten nur schwer von entsprechend gefärbten Kunststoffen zu unterscheiden. Solche Nachbildungen bestehen meist aus Materialien, die den Kunststoffgruppen der Thermoplasten und Duroplasten angehören. Darunter fallen Stoffe wie Celluloid, Plexiglas, Bakelit, Bernit (Bernat) und Casein. Gängige Handelsnamen hierfür sind unter anderem Galalith, Alalith oder Lactoid. Auch der in der DDR produzierte künstliche Bernstein aus Polyester und Bernsteinstücken, der als Polybern verkauft wurde, gehört zu diesen Kunststoffnachbildungen. In jüngerer Zeit sind häufig Bernsteinnachbildungen aus Polyesterharzen im Handel zu finden, oft ist dem Poyesterharz zuvor eingeschmolzener Naturbernstein zugefügt. In solche Objekte werden dann nicht selten rezente Insekten oder Spinnen eingefügt, die dann als Bernsteininklusen ausgegeben werden. Solche Nachbildungen werden besonders in Ländern mit reichen Bernsteinvorkommen und entsprechend umfangreichem Warenangebot hergestellt und im Handel angeboten (Polen, Russland). Mischungen von Bernstein und Kunstharzen sind mitunter an den Trennlinien der verwendeten Materialien zu erkennen, wenn Fragmente von Naturbernstein in das Kunstharz eingefügt wurden, ohne ihn zuvor zu schmelzen.

Weniger leicht zu identifizieren sind Rekonstruktionen aus pulverisiertem Schleifabfall oder kleinen Bruchstücken des puren Bernsteins, die miteinander verschmolzen werden. Bernsteinrekonstruktionen dürfen als „Echt Bernstein“ verkauft werden, da die Grundlage tatsächlich echter Bernstein(staub) ist. Er ist auch als Pressbernstein bekannt.

Zum Prüfen, ob es sich bei einem Bernstein um ein Original oder ein Imitat handelt, kann eine glühende Nadel verwendet werden. Diese hält man an den Stein und zieht sie mit etwas Druck darüber. Bildet sich eine Rille und wird der Stein schmierig bzw. riecht er harzig, während die Nadel an einer Stelle bleibt, ist es Bernstein. Andernfalls ist es ein Imitat.

Alternativ kann man auch die Dichte des Bernsteins zum Test nutzen. Bernstein sinkt in Süßwasser (z. B. normalen Leitungswasser) schwimmt jedoch in konzentriertem Salzwasser. Man benutzt zwei Gefäße, eines mit Süßwasser, eines mit Salzwasser (etwa zwei Esslöffel Salz auf einen Viertelliter Wasser). Bernstein versinkt im ersten Glas, schwimmt jedoch im zweiten. Plastik schwimmt auch auf Süßwasser, Steine und Glas versinken im Salzwasser.

Zur Prüfung der Echtheit von Bernstein eignet sich auch die Fluoreszenz-Methode, da Bernstein unter UV-Licht weiß-blau strahlt, Plastik jedoch nicht.

Künstlich geklärte Bernsteine sind keine Seltenheit. Dabei werden trübe Naturbernsteine (95 % der Naturbernsteine) über mehrere Tage langsam in Rüb- oder Leinsamenöl erwärmt, um sie zu klären. Durch geschickte Temperaturregelung während des Klärungsprozesses können auch Sonnenflinten, Sonnensprünge und Blitzer, die in Naturbernsteinen äußerst selten vorkommen, gezielt hergestellt werden. Oft wird auch ein hohes Alter des Steins vorgetäuscht. Beim sogenannten Antikisieren wird das Material in einem elektrischen Ofen in gereinigtem Sand mehrere Stunden auf 100 °C erhitzt, um einen warmen Braunton zu erzeugen. Alle diese Manipulationen sind nur schwer nachzuweisen.

Bernstein wird oft mit durchscheinendem gelbem Feuerstein verwechselt, dessen Oberfläche auch glänzt. Aber im Gegensatz zum leichten und warmen Bernstein ist Feuerstein kalt und härter als Glas. Um selbst gefundene Bernsteine von Feuerstein zu unterscheiden (bei kleineren Splittern ist das Gewicht nicht ohne weiteres zu bestimmen), kann man den Stein vorsichtig gegen einen Zahn schlagen. Gibt dies einen weichen Ton, wie er zum Beispiel entsteht, wenn man mit dem Fingernagel gegen den Zahn schlägt, so ist es kein Feuerstein.

Seit den letzten Jahren wird Bernstein oft durch den „Kolumbianischen Ambar“ ersetzt: Dieser Kopal ist zwar nur an die 200 Jahre alt, erfährt aber durch verschiedene Verarbeitungsstufen eine künstliche Alterung. Im Endprodukt ist für Laien und die meisten Fachleute keine Unterscheidung zwischen alt und jung mehr möglich. Nach Auskunft kolumbianischer Kopalhändler werden mehrere Tonnen pro Monat zur „Bernsteinschmuckverarbeitung“ weltweit exportiert.


Legenden und Kuriosa

Der Königsberger Konsistorialrat Johann Gottfried Hasse, ein früher Verfechter der zu seiner Zeit nicht unbestrittenen Ansicht, dass Bernstein pflanzlicher Herkunft ist, beschäftigte sich auch mit Methoden der Mumifizierung und kam durch seine Kenntnis von Bernsteininklusen zu der Ansicht, dass in der Antike Bernstein als Konservierungsmittel eine Rolle spielte. In einer 1799 veröffentlichen Schrift bringt er sein Bedauern darüber zum Ausdruck, dass das Wissen hierüber offenbar verloren gegangen ist und, wäre es noch vorhanden, „[...] so hätte man Friedrichs des Zweyten irdische Reste für die Nachwelt verewigen sollen [...]“.

Es entspricht nicht dem Stand der Wissenschaft, dass aus organischen Einschlüssen in Bernstein DNA gewonnen werden kann. Für die Gewinnung sogenannter aDNA aus toten Organismen sind nach heutigem Stand der Erkenntnisse selbst die jüngsten Formen von Bernstein, trotz der hervorragenden Konservierungsbedingungen dieser Matrix, viel zu alt. Die Vorstellung, dass aus DNA einer inkludierten Mücke, die Dinosaurierblut aufgenommen hat, mit Hilfe der Gentechnik ein lebendiger Dinosaurier erzeugt werden kann, ist somit reine Phantasie. Dies war die grundlegende Idee des Buches DinoPark von Michael Crichton, das später als Jurassic Park verfilmt wurde.

Falsch ist auch die Behauptung, es gebe Einschlüsse von Meereslebewesen im Bernstein. Es handelt sich bei den eingeschlossenen Lebewesen ausschließlich um Landbewohner (70 % aller Inklusen) und Süßwasserlebewesen (30 %) der Bernsteinwaldgebiete. Die einzigen Ausnahmen sind Einschlüsse von Asseln der Gattung Ligia, die in der Spritzwasserzone mariner Felsstrände leben, sowie eine in einem kleinen kreidezeitlichen Bernsteinstück aus Südwestfrankreich gefundene Fauna aus marinen Mikroorganismen (u. a. Kieselalgen und Foraminiferen).

Psaronius
Mitglied
Beiträge: 145
Registriert: Freitag 18. September 2009, 20:15
Wohnort: Vorpommern

Beitrag von Psaronius » Sonntag 12. Februar 2012, 18:16

Hallo,
vielen Dank für Deinen Fleiß und Dein Bemühen, aber vielleicht hätte ein Hinweis oder Link auf Wikipedia gereicht?
Man muss nicht alles "doppelmoppeln"!
Gruß
Psaronius

Benutzeravatar
Thomas_
Administrator
Beiträge: 6208
Registriert: Samstag 7. Mai 2005, 12:41
Wohnort: Essen

Beitrag von Thomas_ » Sonntag 12. Februar 2012, 18:46

Hallo!
Das ist erst mal richtig und auch wieder nicht. Ich habe nicht vor es dabei zu belassen. Der Artikel ist als Basis fürs weiterschreiben wirklich gut. Auch die Suchfunktion des Forums bringt bessere Ergebnisse.

Thomas

Antworten

Zurück zu „Bernstein & Kopal“