Einführung Teil I

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Thomas_
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Einführung Teil I

Beitrag von Thomas_ » Sonntag 12. Februar 2012, 14:43

Der folgende Beitrag beruht auf dem sehr schönen Artikel aus der deutschsprachigen Wikipedia. Er soll hier als Einleitungstext für das Forum dienen und ist nur als Einstieg gedacht. Wegen des vielen Textes mußte ich den Artikel aufteilen. Ich denke zukünftig sind noch einige fossilienbezogene Erweiterungen wünschenswert.




Bernstein


Allgemeines

Bernstein (mittelniederdeutsch Börnsteen „Brennstein“, lat. electrum oder glaesum, altgriechisch ἤλεκτρον ēlektron; aus dem Phönizischen, in der Bedeutung „das Duft Verbreitende“) bezeichnet nach allgemeinem Sprachgebrauch den seit Jahrtausenden bekannten und insbesondere im Ostseeraum weit verbreiteten klaren bis undurchsichtigen gelben Schmuckstein aus fossilem Harz.

Damit ist überwiegend nur ein bestimmtes fossiles Harz gemeint, dieser Bernstein im engeren Sinne ist die Bernsteinart mit dem wissenschaftlichen Namen Succinit. Die anderen fossilen Harze werden auch als „Bernstein im weiteren Sinne“ bezeichnet. Manche kommen mit dem Succinit zusammen vor, z.B. die schon lange aus den baltischen Vorkommen bekannten Bernsteinarten Gedanit, Glessit, Beckerit und Stantienit. Diese werden auch als akzessorische Harze bezeichnet. Andere fossile Harze verschiedener botanischer Herkunft bilden hingegen eigenständige Lagerstätten unterschiedlichen geologischen Alters, wie z. B. der „Dominikanische Bernstein“ und der „Libanon-Bernstein“. Fälschlicherweise wird mitunter auch Copal als Bernstein bezeichnet (z. B. „Kolumbianischer Copal“, der auch als „Kolumbianischer Bernstein“ in den Handel kommt). Copal ist entwicklungsgeschichtlich wesentlich jünger als Bernstein.

Der älteste bekannte Bernstein stammt aus etwa 310 Millionen Jahre alten Steinkohlen. Seit dem Paläozoikum ist das Harz damaliger Bäume als feste, amorphe (nicht kristalline) Substanz erhalten geblieben. Weil er nicht mineralischer Natur ist, ist Bern„stein“ kein Mineral oder Gestein. Er zählt aber, soweit seine Eigenschaften eine Verarbeitung zulassen, wie das z. B. beim Succinit und dem Dominikanischen Bernstein der Fall ist, zu den Schmucksteinen.

Bereits seit vorgeschichtlichen Zeiten wird Bernstein als Schmuck und für Kunstgegenstände genutzt. Einige in Ägypten gefundene Objekte sind z. B. mehr als 6.000 Jahre alt. Das berühmteste Kunstobjekt aus Bernstein war das Bernsteinzimmer, das seit dem Zweiten Weltkrieg verschollen ist. In den Jahren 1979 bis 2003 haben russische Spezialisten im Katharinenpalast bei Puschkin das für die Öffentlichkeit wieder zugängliche Bernsteinzimmer mit Bernstein von Jantarny detailgetreu rekonstruiert, nachdem bis dahin unbekannte Fotografien gefunden worden waren, die dieses einzigartige Projekt ermöglichten.

Für die Wissenschaft, insbesondere für die Paläontologie, ist Bernstein mit Einschlüssen, den so genannten Inklusen, von Interesse. Diese Einschlüsse sind Fossilien von kleinen Tieren oder Pflanzenteilen, deren Abdrücke, in seltenen Fällen auch Gewebereste, im Bernstein seit Jahrmillionen perfekt erhalten sind.


Etymologie

Die deutsche Bezeichnung Bernstein leitet sich vom mittelniederdeutschen börnen (brennen) beziehungsweise börnesteen ab und ist auf die auffällige Brennbarkeit dieses „Steins“ zurückzuführen.

Das altgriechische Wort für Bernstein ist ḗlektron (ἤλεκτρον), das auch mit „Hellgold“ (oder Weißgold: Gold-Silber-Mischung im Verhältnis 4:1) übersetzt werden kann. Die Wurzel des Wortes élektron stammt aus der vorgriechischen Ursprache des Indoeuropäischen und hat die eigentliche Bedeutung „hell, glänzend, strahlend“. In vornehmen antiken Haushalten diente ein größerer Bernstein als Kleiderbürste; durch das Gleiten am Stoff lud er sich auf und zog die Staubteilchen an sich. Das Phänomen der statischen Elektrizität beim Reiben von Bernstein mit bestimmten Materialien war bereits Thales von Milet bekannt. Damit konnte das Wort für Bernstein zum (modernen) Namensgeber des Elementarteilchens Elektron und der Elektrizität werden. Dieses einfache elektrostatische Aufladen von Bernstein wurde auch für frühe Versuche zur Elektrizität benutzt.

Die Römer nannten den Bernstein mit einem griechischen Fremdwort electrum oder aber succinum (wohl nach succus, dicke Flüssigkeit, Saft) in der richtigen Vermutung, er sei aus Baumsaft entstanden. In der griechischen Antike wurde Bernstein auch als Lyncirium (Luchsstein) bezeichnet, da man annahm, er sei aus dem Harn des Luchses entstanden, der bei starker Sonneneinstrahlung hart geworden sei.

Die germanische Bezeichnung des Bernsteins lautete nach Tacitus„glaes“ oder „gles“ (latinisiert glaesum), in dem das Wort Glas seinen Ursprung hat. Ein anderer Name für Bernstein lautet „gelbe Ambra“; von diesem Begriff leitet sich in einigen Sprachen die Bezeichnung für Bernstein ab (engl: amber; frz.: ambre jaune; span.: el ámbar; ital.: ambra).


Allgemeine Definitionen


In der rezenten Pflanzenwelt, besonders häufig in den Tropen und Subtropen, sind hunderte Pflanzenarten bekannt, die Harz absondern. Von einigen, häufig inzwischen ausgestorbenen Arten ist das Harz fossil erhalten geblieben. Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch wird seit langem der Name Bernstein als Sammelbegriff für alle feste Partikel bildenden fossilen Harze verwendet. Für das von einer bestimmten Pflanzenart stammende fossile Harz hat sich der Begriff Bernsteinart eingebürgert. Obwohl Bernsteine keine Minerale sind, wird in Anlehnung an die mineralogische Nomenklatur für die Bernsteinarten die Endsilbe -it verwendet. Bereits seit 1820 trägt die häufigste baltische Bernsteinart, der Bernstein im engeren Sinne, den Namen Succinit. Gebräuchlich ist auch die Verbindung mit Namen von Regionen oder Orten, z. B. „Baltischer Bernstein“, „Dominikanischer Bernstein“, „Bitterfelder Bernstein“. Ursprünglich wurden damit nur ganz allgemein Fundorte von Bernsteinen bzw. Kollektive von Bernsteinarten gekennzeichnet.

In der baltischen Bernsteinlagerstätte sind andere Bernsteinarten sehr selten, so dass für die dominierende Bernsteinart Succinit umgangssprachlich der Name Bernstein verwendet wird, früher war auch der Begriff „deutscher Bernstein“ gebräuchlich. Die häufig verwendete Bezeichnung „Baltischer Bernstein“ für Succinit ist wegen der vor einiger Zeit bekannt gewordenen zahlreichen Funde in Mitteldeutschland wissenschaftlich nicht haltbar und sollte zur Vermeidung von Irrtümern nicht verwendet werden. Denn auch in der weltweit zweitgrößten Bernsteinlagerstätte Bitterfeld ist der Succinit die häufigste Bernsteinart und ein sich dann ergebender Name „Baltischer Bernstein aus Bitterfeld“ würde zu Missverständnissen führen. Für die Bernsteinart Succinit ist zur Verknüpfung der umgangssprachlichen mit der wissenschaftlichen Bezeichnung der Name Bernstein (Succinit) am besten geeignet. Da in beiden Lagerstätten auch andere Bernsteinarten vorkommen, müsste die Bezeichnung „Baltischer Bernstein“ auf die regionale Herkunft beschränkt werden. Gleichermaßen ist der „Ukrainische Bernstein“ ein Kollektiv von Bernsteinarten und auch dieser Begriff sollte nur zur Kennzeichnung des regionalen Vorkommens Anwendung finden.

Bei den Bernsteinarten werden wie bei den Mineralen nach ihrer Farbe, Transparenz und anderen Merkmalen Varietäten unterschieden, sie sind substanziell identisch und stammen von derselben Erzeugerpflanze ab.

Nach der äußeren Erscheinung sind Naturformen zu unterscheiden, ihre Gestalt geht auf die unmittelbare Absonderung des Harzes sowie die Veränderung der Gestalt beim Transport vom Erzeugerbaum bis in die Lagerstätte zurück.

Zur Kennzeichnung bei der technischen Gewinnung und Verarbeitung des Succinit werden Sorten und Handelssorten unterschieden.



Bernsteinarten

Weltweit sind mehr als 80 Bernsteinarten bekannt, von den meisten aber nur geringe Mengen. Eine Auswahl findet sich auch im Artikel Bernsteinvorkommen. Die häufigste Bernsteinart ist der Succinit, allein im Baltikum sollen es nach einer Schätzung noch mehr als 640.000 t sein. Von den baltischen Vorkommen sind schon seit dem 19. Jahrhundert die akzessorischen Bernsteinarten Gedanit, Glessit, Beckerit und Stantienit bekannt. In der Bitterfelder Bernsteinlagerstätte kommen neben dem mit 99,9 % dominierenden Succinit außerdem Goitschit, Bitterfeldit, Durglessit und Pseudostantienit sowie weitere elf noch nicht namentlich gekennzeichnete fossile Harze vor.

Die Kopale, soweit nicht auch von Bäumen gesammeltes rezentes Harz einbezogen wird, sind junge fossile Harze der Tropen und Subtropen in West- und Ostafrika, Madagaskar, dem Malaischen Archipel, Neuseeland und Kolumbien. Sie gehören trotz ihres geringen geologischen Alters ebenfalls zu den Bernsteinen. Ihre gegenüber älteren Bernsteinarten geringere Härte und größere Löslichkeit sind nicht, wie häufig angenommen wird, eine Folge der „Unreife“, sondern wie bei den ähnlich weichen älteren Bernsteinarten Goitschit und Bitterfeldit aus Bitterfeld eine Eigenschaft des Ausgangsharzes.


Bernsteinvarietäten

Von der Bernsteinart Succinit werden Varietäten insbesondere nach dem Grad einer Trübung unterschieden, charakteristisch sind die fließenden Übergänge und Vermischungen in den einzelnen Stücken:

Klar oder Schierklar, völlig durchsichtig wie Glas, Färbung sehr schwach hellgelb (Eisklar) bis bräunlichgelb (Braunschweiger Klar).
Flom oder Matt, halbdurchsichtig trüb durch mikroskopisch kleine Bläschen.
Bastard, völlig undurchsichtig satt-trüb, homogen bis wolkig oder gefleckt (sogenannter Kumst) mit unterschiedlich starker Färbung.
Knochen, völlig undurchsichtig elfenbeinfarben bis reinweiß (Weißharz).
Schaum, völlig undurchsichtig gelblichweiß, leichter als Süßwasser (Verwitterungsform der Varietät Knochen).
Schwarzfirnis, grauschwarz bis marmoriert, Holzmulm und Erde mit Harz als Bindemittel.
Bunt, Mischung der Varietäten Klar bis Knochen, häufig scharf abgegrenzt und mit Spalten (siehe Abschnitt Entstehung).
Antik, Varietäten Klar bis Bastard durch Verwitterung unterschiedlich stark rot bis rotbraun gefärbt.

Auch von selteneren Bernsteinarten, z. B. Glessit und Bitterfeldit, sind Varietäten bekannt.



Naturformen

Bei den Naturformen sind die primären von den sekundären zu unterscheiden. Die primären Naturformen entstanden beim Ausfluss des Harzes, sie werden deshalb häufig auch Flussformen genannt:

Schlauben entstanden, wenn das Harz schubweise austrat und mehr flächig die vorangegangenen Harzausflüsse überdeckte. Sie sind meist klar, auf den Trennflächen sind Verschmutzungen (z. B. Staub) nicht selten, sie enthalten die meisten Fossileinschlüsse (Inklusen).
Zapfen entstanden aus mehr punktuellen Harzflüssen, die vor dem Herunterfallen am eigenen Tropfenfaden erstarrten. Längerdauernde Harzflüsse können zu dickeren Harz-Stalaktiten führen. Sie enthalten auch Fossileinschlüsse.
Tropfen entstanden aus abgetropftem Harz, vorwiegend abgeflacht und diskusförmig, aber auch kugelrund bis birnenförmig.
Fliese (Platten) entstanden durch Harzansammlungen der Varietäten Bastard und Knochen hinter der Rinde oder in Spalten, ohne Inklusen.
Knollen sind klumpenförmige Harzansammlungen in sekundären Hohlräumen des Holzkörpers (z. B. durch Schädlingsbefall oder Windbruch), ganz überwiegend Varietät Bastard, ohne Inklusen.

Sekundäre Naturformen entstanden durch Verwitterungsprozesse und die Beanspruchung beim Transport vom Entstehungsort bis in die Lagerstätte:

Erdstein ist die häufigste Form in den Lagerstätten, die typische Verwitterungsrinde entstand durch eine längere Lagerung an der Luft vor der endgültigen Einbettung.
Seestein ist die typische Form der an den Ost- und Nordseeküsten angespülten und wie poliert wirkenden Stücke, die Verwitterungsrinde ist durch das Schleifen über Sand abgetragen.
Gerölle treten insbesondere bei weicheren Bernsteinarten auf, die gut gerundeten Stücke weisen auf einen längeren Transportweg hin.

Sorten und Handelssorten

Der industriell gewonnene Bernstein (Succinit) kommt insbesondere nach der Größe und den Varietäten sortiert in den Handel. Nicht für die Schmuckherstellung, sondern allenfalls für die Bernsteindestillation geeigneter verunreinigter oder zu feinkörniger Bernstein wird als Brack, Schlack oder Firnis bezeichnet.

„Rohbernstein“ trägt in der Regel noch eine Verwitterungskruste, sofern diese nicht durch längeres Treiben am Meeresgrund abgeschliffen wurde. Als „Naturbernstein“ wird auch geschliffener und polierter Bernstein bezeichnet, dessen innere Struktur oder Farbe nicht künstlich verändert wurde.

Im Handel erhältlicher Bernsteinschmuck enthält oft „klargekochten“ Bernstein. Es handelt sich dabei um ursprünglich trüben „unansehnlichen“ Naturbernstein, welcher in heißem Öl gekocht wurde. Da heißes Öl einen deutlich höheren Siedepunkt hat als Wasser, werden Temperaturen erreicht, bei denen das fossile Harz weich und durchlässiger wird und die winzigen Luftbläschen mit Öl ausgefüllt werden. Da Öl einen Lichtbrechungsfaktor hat, der mit dem des Bernsteins nahezu identisch ist, sind die Bläschen nach der Abkühlung des Bernsteins nicht mehr sichtbar. Das Ergebnis ist ein glasklarer, einheitlich gefärbter „Stein“. Das Verfahren hat jedoch einen „Schönheitsfehler“: Der derart behandelte Bernstein ist während des Abkühlvorganges sehr empfindlich. Wird das Material nicht Grad für Grad behutsam abgekühlt, entstehen darin sogenannte „Sonnenflinten“, mehr oder weniger halbkreisförmige, goldglänzende Sprünge. Diese sind in unbehandeltem Bernstein nur sehr selten und allenfalls an Bruchstellen zu finden. Mitunter wird der Abkühlungsprozess aber auch ganz bewusst so gesteuert, dass sich dekorative und attraktive Flinten bilden. Zur Klärung kann anstelle des „Klarkochens“ in Öl auch eine Erhitzung des Bernsteins in einem Sandbad erfolgen. Bei diesem Verfahren füllen sich die Bläschen mit einer harzigen Masse, die der Bernstein selbst liefert. Geklärter Bernstein ist kein reines Naturprodukt mehr.

„Pressbernstein“ wird im Handel missverständlich als „Echtbernstein“, „Echter Bernstein“ oder „Ambroid“ angeboten. Damit ist jedoch nicht der natürlich entstandene Bernstein gemeint, sondern ein Produkt, das aus Schleifresten und kleinen Stücken in einem Autoklav gefertigt wurde. Pressbernstein wird hergestellt, indem gereinigte Bernsteinbröckchen erwärmt und dann unter starkem Druck zusammengepresst werden. Das geschieht unter Luftabschluss und bei einer Temperatur von 200 bis 250 °C. Bei einem Druck bis 3000 bar wird die Masse zu stangen- oder bogenförmigen Körpern verfestigt. Durch Variation von Hitze und Druck lassen sich unterschiedliche Farbtöne und sowohl klarer als auch trüber Pressbernstein herstellen.

Neben diesen Formen von Bernstein wird im Handel auch „Echtbernstein extra“ angeboten, ein Pressbernstein, der bis auf seine unregelmäßigen Blitzer aufgrund seiner geringen und feingliedrigen Schlierenverteilung visuell kaum vom Naturbernstein zu unterscheiden ist. Er kann nur durch gemmologische Untersuchungsmethoden eindeutig bestimmt werden.

Eigenschaften

Die Farbe des Bernsteins (Succinit) reicht von farblos über weiß, hell- bis goldgelb und orange bis hin zu Rot- und Brauntönen, bei getrübten Stücken können durch Lichtbrechungseffekte selten auch grünliche und bläuliche Töne auftreten. Dunkelbraune bis schwarzgraue Stücke enthalten größere Mengen pflanzlicher und mineralischer Einschlüsse. Der Trübungsgrad hängt von der Anzahl der in ihm enthaltenen mikroskopisch kleinen Bläschen ab. Die Varietät Knochen (Weißharz) hat die größte Bläschendichte (Größe: 0,0002 bis 0,0008 mm, Anzahl: bis zu 900.000/mm2 Veraltet ist die Ansicht, dass die Bläschen mit „Wasser und terpenhaltigem Öl gefüllt“ sein sollen, also der Zellsaft der Bernsteinbäume erhalten geblieben sei. Im bergfrischen Zustand sind die Bläschen mit Wasser gefüllt. Da Bernstein nicht gasdicht ist, verdunstet das Wasser an der Luft mehr oder weniger rasch. Bei größeren Hohlräumen kann dabei zwischenzeitlich wie bei einer Wasserwaage eine Libelle entstehen.

Bei anderen Bernsteinarten ist das Farbspiel wesentlich größer, z. B. tiefschwarze (Stantienit, Pseudostantienit), dunkelblaugraue (Glessit) und auch blutrote Farben. Allseits bekannt ist der Blauschimmer, der beim Dominikanischen Bernstein häufig auftritt.

Bernstein (Succinit) kann im Gegensatz zu Imitationen aus Kunstharz leicht angezündet werden und zeigt während des Brennens eine gelbe stark rußende Flamme. Dabei duftet er harzig-aromatisch und verläuft an der Flamme zu einer schwarzen, spröde erhärtenden Masse. Der harzige Geruch entsteht, weil flüchtige Bestandteile (ätherische Öle) des Bernsteins verbrennen. Deshalb eignet er sich zum Räuchern und wird zum Beispiel in Indien als Weihrauchersatz für sakrale Zwecke verwendet.

Physikalische Eigenschaften

Bernstein (Succinit) hat eine Mohshärte von 2 bis 2,5 und ist damit ein recht weiches Material. Es ist möglich, mit einer Kupfermünze eine Furche in die Oberfläche zu ritzen. Manche andere Bernsteinarten sind viel weicher (z. B. Goitschit, Bitterfeldit, Kopale) oder sehr viel härter (z. B. die Braunharze, die sich kaum mit einer Stahlnadel ritzen lassen. Andere haben eine gummiartige Konsistenz (z. B. Pseudostantienit) oder sind außerordentlich zäh (z. B. Beckerit).

Bernsteine sind nur wenig dichter als Wasser. Wegen ihrer geringen Dichte (um 1,07 gcm−3) schwimmen sie in gesättigten Salzlösungen. Diese Eigenschaft wurde bei der Bernsteingewinnung in Bitterfeld genutzt, um im Siebrückstand >3 mm den Bernstein von Fremdbestandteilen zu trennen.

Bernstein (Succinit) hat keinen Schmelzpunkt, bei 170 bis 200 °C wird er weich und formbar und oberhalb von 300 °C beginnt er sich zu zersetzen. Bei der trockenen Destillation, die früher in großem Umfang durchgeführt wurde, entstehen als Hauptprodukte Bernsteinöl und Bernstein-Kolophonium. Bernsteinöl wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts für die Flotation von Erz verwendet und das Kolophonium war ein begehrter Lackrohstoff. Beide Substanzen haben ihre wirtschaftliche Bedeutung im Wesentlichen verloren und sind nur noch Nischenprodukte, Bernsteinöl z. B. als Naturheilmittel.

Bernstein (Succinit) hat einen sehr hohen elektrischen Widerstand und eine sehr niedrige Dielektrizitätskonstante von 2,9 (Naturbernstein) beziehungsweise 2,74 (Pressbernstein). In trockener Umgebung kann er durch Reiben an textilem Gewebe (Baumwolle, Seide) oder Wolle elektrostatisch aufgeladen werden. Dabei erhält er eine negative Ladung, das heißt, er nimmt Elektronen auf. Das Reibmaterial erhält eine positive Ladung durch Abgabe von Elektronen. Man bezeichnet diese Aufladung auch als Reibungselektrizität. Diese Eigenschaft kann als zerstörungsfreier, wenn auch – gerade bei kleineren Stücken nicht immer einfach durchzuführender – Echtheitstest verwendet werden: Der aufgeladene Bernstein zieht kleine Papierschnipsel, Stofffasern oder Wollfussel an. Dieser Effekt war bereits in der Antike bekannt und wurde durch die Werke von Plinius dem Älteren bis ins Spätmittelalter überliefert. Der englische Naturforscher William Gilbert widmete ihm in seinem im Jahr 1600 erschienenen Werk De magnete magneticisque corporibus ein eigenes Kapitel und unterschied ihn vom Magnetismus. Von Gilbert stammt auch der Begriff „Elektrizität“, den er aus dem griechischen Wort für Bernstein ableitete.

Bernstein (Succinit) leuchtet unter UV-Bestrahlung (Wellenlänge 320 bis 380 nm) in unverwittertem oder frisch angeschliffenen Zustand blau und in verwittertem Zustand in einem matten Olivgrün. Succinit glänzt, wenn er feucht oder geschliffen ist, da er bei glatter Oberfläche eine hohe Lichtbrechung aufweist. Er lässt bei Schichten bis zu 10 mm Dicke Röntgenstrahlung fast ohne Verlust passieren.

Eine Klassifizierung nach ihren physikalischen Eigenschaften haben Fuhrmann & Borsdorf vorgelegt, neben einer Succinitgruppe (Succinit, Gedanit) wird eine Glessitgruppe (Glessit, Bitterfeldit, Durglessit), eine Beckeritgruppe (Beckerit, Siegburgit) und eine Stantienitgruppe (Stantienit, Pseudostantienit) unterschieden. Sehr einfach durchzuführende infrarotspektrometrische Untersuchungen unterstützen diese Gliederung, die häufigste Bernsteinart Succinit zeichnet sich z. B. durch einen unverwechselbaren Abschnitt im IR-Spektrogramm, die sog. „Baltische Schulter“ aus.

Chemische Eigenschaften

Die Entschlüsselung der chemischen Eigenschaften der Bernsteinart Succinit hat eine lange Geschichte. So war beispielsweise bereits im 12. Jahrhundert das Destillationsprodukt Bernsteinöl bekannt; Agricola gewann im Jahre 1546 Bernsteinsäure und dem russischen Universalgelehrten W. Lomonossow gelang es Mitte des 18. Jahrhunderts einen wissenschaftlichen Beweis für die Natur des Bernsteins als fossiles Baumharz zu liefern. Berzelius fand 1829 mit schon modern anmutenden chemischen Analysemethoden heraus, dass Bernstein sich aus löslichen und unlöslichen Bestandteilen zusammensetzt.

Nach der Elementaranalyse bestehen Bernsteine zu 67–81 % aus Kohlenstoff, der Rest ist Wasserstoff und Sauerstoff sowie manchmal etwas Schwefel (bis 1 %). Durch Einlagerung von mineralischen Bestandteilen können weitere Elemente vorkommen. Bernstein ist ein Gemisch verschiedener organischer Stoffe, die in langen Fadenmolekülen gebunden sind. Nachgewiesene lösliche Bestandteile sind z. B. Abietinsäure, Isopimarsäure, Agathendisäure sowie Sandraracopimarsäure. Der unlösliche Bestandteil des Bernsteins ist ein Ester, der als Succinin (oder Resen, Sucinoresen) bezeichnet wird. Bisher sind über 70 organische Verbindungen nachgewiesen, die am Aufbau des Bernsteins (Succinit) beteiligt sind.

Die meisten Bernsteinarten verwittern durch Einwirkung von Luftsauerstoff und UV-Strahlung. Dabei dunkeln beim Succinit zuerst die äußeren Schichten nach und verfärben sich rot (Varietät Antik). Von der Oberfläche und vorhandenen Hohlräumen ausgehend bilden sich kleine polygonale Risse, mit der Zeit wird die Oberfläche rau und bröckelig und schließlich wird das gesamte Stück zersetzt. Dadurch werden auch vorhandene Einschlüsse zerstört.

Viele Bernsteinarten sind in organischen Lösungsmitteln nur wenig löslich. Bernstein (Succinit) reagiert nur an der Oberfläche mit Ether, Aceton und Schwefelsäure; bei längerer Einwirkungsdauer wird sie matt. Pressbernstein ist weniger widerstandsfähig. Er wird bei längerem Kontakt mit den oben genannten Substanzen teigig und weich. Dasselbe gilt prinzipiell auch für Kopal und Kunstharz, nur dass bei denen schon ein wesentlich kürzerer Kontakt ausreicht.

Die Nomenklatur fossiler Harze ist noch sehr unübersichtlich und muss vereinheitlicht werden. Die Bezeichnung der Bernsteinarten sowohl mit regionalen Namen nach Ländern und Regionen als auch nach ihren Eigenschaften in Analogie zu den Mineralen mit der Endsilbe –it kann zu Missverständnissen führen (siehe Abschnitt Bernsteinarten).

In einem ersten veralteten Versuch zur Unterscheidung anhand der chemischen Zusammensetzung wurden Succinite mit 3 bis 8 % Bernsteinsäure von den Retiniten mit 0 bis 3 % Bernsteinsäure abgetrennt.

Anderson & Crelling haben 1995 die folgende Klassifizierung nach den chemischen Grundbausteinen aufgestellt:

Klasse I: Polymere labdanoider Diterpene und Carbonsäuren, Alkoholen und Kohlenwasserstoffen. (Bernsteintypen mit einem Labdan-Gerüst weisen eine Verwandtschaft mit Harzen der Familie Araucariaceae auf.) Die Klasse I ist in drei Unterklassen gegliedert. Fossile Harze dieser Klasse sind am weitesten verbreitet.

Klasse Ia: Polymere und Co-Polymere labdanoider Diterpene, wie z. B. Communinsäure, Communol und signifikante Mengen Bernsteinsäure (dazu gehören Succinit und Glessit).

Klasse Ib: Polymere und Co-Polymere labdanoider Diterpene, wie z. B. Communinsäure, Communol und Biformen. Bernsteinsäure ist nicht enthalten (dazu gehört fossiles Harz der Kauri-Fichte).

Klasse Ic: Polymere und Co-Polymere labdanoider Diterpene in enantiomer Konfiguration (z. B. Ozsäure, Ozol und Biforme (dazu gehören Harze der ausgestorbenen Baumart Hymenaea protera, Mexikanischer und Dominikanischer Bernstein).

Klasse II: Makromolekulare Strukturen, die auf bizyklischen Sesquiterpenoiden basieren (insbesondere mit Cadinan-Gerüst). (Dazu gehört Bernstein aus verschiedenen Lagerstätten in Utah/USA und Indonesien).

Klasse III: Natürliches fossiles Polystyrol (dazu werden Siegburgit, Beckerit und New Jersey Bernstein gerechnet).

Klasse IV: Nicht-polymerer Aufbau, im Allgemeinen mit Sesquiterpenen mit Cedran-Gerüst (dazu gehören beispielsweise Retinite europäischer Braunkohle-Lagerstätten).

Klasse V: Nicht-polymere diterpenoide Harzsäuren, insbesondere basierend auf Abietan, Pimaren und Iso-Pimaren (dazu gehören beispielsweise fossile Harze der Gattung Pinus).

Die Einordnung unbekannter Bernsteinarten in diese Klassifikation erfordert aber sehr aufwendige massenspektrometrische, gaschromatographische und eventuell auch kernspinresonanzspektroskopische Untersuchungen.

Die Bestimmung der botanischen Herkunft anhand der chemischen Zusammensetzung ist problematisch, weil die geringe Löslichkeit der hochpolymeren Verbindungen analytisch extreme Schwierigkeiten bereitet, denn die bei der zwangsweise pyrolytischen Aufspaltung entstehenden Bruchstücke sind meist nicht identisch mit den ursprünglichen Substanzen. Die botanische Herkunft eines fossilen Harzes kann gesichert nur mit paläobotanischen Untersuchungen bestimmt werden, wie z. B. beim Gedanit.


Weltweites Vorkommen von Bernstein

Zur Kennzeichnung der weltweit verbreiteten Bernsteinvorkommen wurden vor längerer Zeit Namen nach Ländern oder ganzen Regionen eingeführt, z. B. Rumänischer Bernstein oder Sibirischer Bernstein. Ursache für diese Vereinfachung war häufig die unzureichende Kenntnis der physikalisch-chemischen Eigenschaften und nicht selten auch die geringe Menge des gefundenen fossilen Harzes. Daneben gibt es schon sehr lange die wissenschaftliche Kennzeichnung von definierten Bernsteinarten anhand der substanziellen Eigenschaften, erkennbar an der Namensendsilbe –it.

Sein geologisches Alter ist am Bernstein selbst nicht bestimmbar, sondern nur das Alter des ihn einschließenden Sediments. Die dazu benötigten Fossilien oder anderen Bestandteile, an denen Altersbestimmungen möglich sind, müssen aber nicht das gleiche Alter haben. Ein Beispiel dafür ist die „Blaue Erde“ der baltischen Bernsteinlagerstätte. Fossilien belegen ein obereozänes Alter von etwa 35 Millionen Jahren. Das an radioaktiven Isotopen bestimmte wesentlich höhere Alter bis 50 Millionen Jahre ist sehr wahrscheinlich durch Umlagerungen verursacht.

Bernstein kann nur in einem Wald gebildet worden sein. Fossile Waldböden mit eingeschlossenem Bernstein sind aber nur selten erhalten, z. B. unmittelbar unter dem obereozänen Braunkohlenflöz in der Nähe von Bitterfeld oder einige Kopalvorkommen Ostafrikas Im Gegensatz zu diesen autochthonen Vorkommen sind die meisten Vorkommen in jüngere Sedimente eingebettet, sie sind allochthon. Succinit ist gegenüber Luftsauerstoff aber wenig beständig, im belüfteten Waldboden kann er allenfalls einige Jahrtausende überdauern. Durch die erforderliche baldige Einbettung in ein für seine Erhaltung geeignetes Sediment ist der Altersunterschied zum einschließenden Sediment im geologischen Maßstab relativ unbedeutend, die Vorkommen sind deshalb parautochthon.

Die bekannteste Fundregion von Bernstein in Europa ist der südöstliche Ostseeraum, das sogenannte Baltikum, insbesondere die Halbinsel Samland (Kaliningrader Gebiet, Russland) zwischen Frischem und Kurischem Haff. Die reichste und auch heute noch wirtschaftlich genutzte Fundschicht, die sogenannte „Blaue Erde“, wurde im Obereozän vor etwa 35 Millionen Jahren abgelagert.

Daneben führen im Deckgebirge die nur etwa 20 Millionen alten miozänen Schichten der sogenannten „Braunkohlenformation“ Bernstein, der auch zeitweise genutzt wurde (siehe Abschnitt Gewinnung). So junger miozäner Bernstein ist auch aus Nordfriesland und der Lausitz bekannt. In Mitteldeutschland sind inzwischen zahlreiche Fundstellen bekannt, denn der Braunkohletagebau Goitsche ist nicht der einzige Fundort von Bernstein in den tertiären Schichten.

Der älteste Bernstein (Succinit) wurde unter dem obereozänen Braunkohleflöz Bruckdorf westlich von Bitterfeld gefunden, er ist damit etwa gleich alt wie der Bernstein der „Blauen Erde“ des Samlandes. Weitere Einzelfunde stammen aus dem Flözniveau des Unteroligozäns bei Breitenfeld nördlich von Leipzig, sowie bei Böhlen. Im gesamten Raum Leipzig-Bitterfeld wurden auf einer Fläche von 500 Quadratkilometern mehr als 20 Bernsteinvorkommen oberoligozänen Alters gefunden. An größeren Vorkommen sind neben der bekannten Bernsteinlagerstätte Bitterfeld im Tagebaufeld Breitenfeld 1.500 t und im Tagebaufeld Gröbern bei Gräfenhainichen beachtliche 500 t Bernstein prognostiziert worden.

Nur einige Forscher halten nach wie vor an der Meinung fest, dass der mitteldeutsche Bernstein aus der „Blauen Erde“ des Baltikums umgelagert oder dass zumindest die Herkunft noch unsicher sei. Alle diese Vorkommen sind eingeschlossen in eine im paläogeographischen Umfeld sehr gut bekannte Schichtenfolge, deren mineralische Bestandteile unzweifelhaft durch Flüsse aus südlicher Richtung in das Meeresbecken eingetragen wurden. Eine Umlagerung aus nordöstlicher Richtung über mehr als 600 Kilometer ist schon deshalb nicht möglich, weil dann auch die den Bernstein einschließenden mehr als 15 Milliarden Kubikmeter Sand hätten mit von dort verlagert werden müssen.

Die ältesten Bernsteinfunde Mitteleuropas stammen aus Braunkohletagebauen bei Helmstedt, des Geiseltales südlich von Halle, sowie bei Aschersleben und Profen bei Zeitz. Bei diesen Funden aus mitteleozänen Schichten handelt es sich nicht um Succinit, sondern um die Bernsteinarten Krantzit und Oxikrantzit, die möglicherweise von ausgestorbenen Vertretern der Storaxbaumgewächse stammen.

Allgemein bekannt sind die zahlreichen Funde von Bernstein an den Küsten der Nord- und Ostsee sowie in quartären Sedimenten im gesamten nordmitteleuropäischen Raum. Diese rein allochthonen Vorkommen stehen in keiner Beziehung zu den im Tertiär parautochthon entstandenen Bernsteinvorkommen. Sie können auch keinen Beitrag zur Erforschung der Bernsteinentstehung leisten. Nicht nur die baltischen, sondern auch die nordfriesischen und mitteldeutschen Bernsteinvorkommen unterlagen während der quartären Vereisungen einer starken Abtragung. Die Bernstein führenden Schichten wurden durch die Inlandgletscher ausgeschürft, ganze Schollen der Bernstein führenden Schichten, aber auch durch Schmelzwässer aus dem Verband gelöster Bernstein wurden weit über das gesamte nördliche Mitteleuropa verstreut. An der niederländischen, deutschen und dänischen Nordseeküste, im dänischen Jütland (Jütländischer Bernstein), auf den dänischen Inseln sowie an der schwedischen Küste kann nach Stürmen aus quartären Sedimenten ausgespülter Bernstein von Strandgängern gefunden werden. In Deutschland gibt es auch größere binnenländische Vorkommen in märkischen Gebieten – z. B. im Naturpark Barnim zwischen Berlin und Eberswalde (Brandenburg), man fand sie bei Regulierungen und Kanalbauten im nach Toruń ziehenden Urstromtal. Durch bis zu viermalige Umlagerung ist dieser rein allochthone Bernstein in allen quartären Schichten bis zum Holozän anzutreffen. Es handelt sich dabei überwiegend nur um Einzelfunde ohne größere Bedeutung.

Auch aus anderen Teilen Europas sind Bernsteinvorkommen bekannt geworden, einige mit wesentlich höherem Alter, im östlichen Mitteleuropa (Tschechien, Ungarn) und auch in Rumänien, Bulgarien und der Ukraine. Am bekanntesten sind der Mährische Bernstein (Walchowit), der etwa 100 Millionen Jahre alt ist, der Ukrainische Bernstein, der zum größten Teil aus Succinit besteht, sowie der Rumänische Bernstein (Rumänit), der in verschiedenen Lagerstätten auftritt und je nach Lagerstätte zwischen 30 und 100 Millionen Jahren alt sein soll. Bernsteinvorkommen sind auch aus der Schweiz, Österreich, Frankreich und Spanien bekannt. Bernstein aus den Schweizer Alpen ist etwa 55 bis 200 Millionen Jahre alt, solcher aus Golling etwa 225 bis 231 Millionen Jahre. Bernstein in jurassischen Schichten (Kantabrikum) bei Bilbao ist etwa 140 Millionen Jahre alt. Der bekannte Sizilianische Bernstein (Simetit) ist dagegen erst vor 10 bis 20 Millionen Jahren gebildet worden. Der älteste europäische Bernstein ist der Middletonit, er ist etwa 310 Millionen Jahre alt und stammt aus Steinkohlengruben von Middleton bei Leeds.

In Afrika findet man Kopal in Küstenländern Ost- und Westafrikas, vor allem aber auf Madagaskar. Dieser sogenannte Madagaskar-Bernstein ist allerdings erst 1.000 bis 100.000 Jahre alt und fossiles Harz der Bernsteinpinie. In Nigeria findet sich auch Bernstein, der etwa 60 Millionen Jahre alt ist.

Amerikas bekanntester Bernstein ist der wegen seiner Klarheit und seinem Reichtum an fossilen Einschlüssen begehrte Bernstein aus der Dominikanischen Republik, siehe dazu den Abschnitt Dominikanischer Bernstein weiter unten. Auch aus Kanada (u. a. Cedar Lake) und dem US-Bundesstaat New Jersey sind Bernsteinvorkommen bekannt.

In Asien findet man Bernstein vor allem im vorderen Orient (Libanon, Israel und Jordanien) und in Myanmar (früheres Birma/Burma). Der Libanon-Bernstein ist etwa 130 bis 135 Millionen Jahre und der Burma-Bernstein (Burmit) etwa 50 Millionen Jahre alt.

Im australisch-ozeanischen Raum wird Bernstein in Neuseeland und im malayischen Abschnitt der Insel Borneo (Sarawak-Bernstein) gefunden. Während der Bernstein auf Borneo 15 bis 17 Millionen Jahre alt ist, kann Neuseeland-Bernstein ein Alter von bis zu 100 Millionen Jahren haben.

Das größte bisher geborgene Bernsteinstück stammt aus Sarawak (Indonesien), wiegt 68 kg und befindet sich heute im Museum für Naturkunde in Stuttgart. Weitere sehr große Bernsteinstücke sind aus Japan bekannt. Aus der Lagerstätte bei Kuji wurde 1927 ein Bernsteinstück mit einem Gewicht von etwa 20 kg geborgen, ein weiteres 1941 mit 16 kg. Beide Stücke werden im National Science Museum von Tokio aufbewahrt.

Bernstein (Succinit)

Abgrenzung zu anderen Bernsteinarten

Der Bernstein im engeren Sinne, der Succinit, ist die bedeutendste und am besten erforschte Bernsteinart. Seine Bedeutung hängt mit der im Vergleich zu anderen fossilen Harzen großen Häufigkeit und Verbreitung zusammen, seiner schon vorgeschichtlichen Verwendung, seinem reichhaltigen Fossilinhalt und seinen günstigen Eigenschaften, die eine Verarbeitung zu allerlei Zwecken (Schmuck, Kultgegenstände usw.) ermöglicht.

Sein wissenschaftlicher Name Succinit wurde 1820 vom deutschen Mineralogen August Breithaupt unter Verwendung des römischen Namens eingeführt. Andere Bernsteinarten sind in den baltischen Vorkommen außerordentlich selten. Seit ihrer Beschreibung im 19. Jahrhundert sind in den letzten 130 Jahren bei einer gewonnenen Bernsteinmenge von etwa 40.000 t keine Neufunde gemeldet worden. Sie werden deshalb häufig vergessen und vereinfachend wird die total überwiegende Bernsteinart Succinit als Baltischer Bernstein bezeichnet. Wie bereits weiter oben begründet, sollte zur Vermeidung von Missverständnissen die Bezeichnung Baltischer Bernstein nur zur regionalen Kennzeichnung verwendet werden.

Die Abgrenzung des Succinit von anderen fossilen Harzen erfolgt, wie im Abschnitt Eigenschaften näher beschrieben, nach den physikalischen und chemischen Eigenschaften.

Entstehung

Die Erzeugerpflanze des Bernsteins (Succinit) ist immer noch nicht bekannt. Vor 165 Jahren hatten Heinrich Robert Göppert und Georg Carl Berendt anhand von Harzeinschlüssen in Holz mit einer ähnlichen Struktur wie die von rezenten Kieferngewächsen (Familie Pinaceae) geschlussfolgert, dass der Erzeuger des Succinit, der „Bernsteinbaum“, ein ausgestorbener Vertreter der heutigen einheimischen Nadelbäume sei und gaben ihm den Namen Pinnites succinifer. Hugo Conwentz kam 45 Jahre später zum gleichen Ergebnis, er engte aber die Herkunft auf eine ausgestorbene „Bernsteinkiefer“ (Pinus succinifera) ein. Von Kurt Schubert wurde schließlich 1961 diese Annahme im Wesentlichen noch einmal bestätigt.

Neuere chemische Untersuchungen schließen einen solchen Ursprung aus, aber trotz einer Vielzahl einbezogener rezenter Vertreter der Araukariaceae, der Gattungen Pseudolarix (Goldlärche) und Cedrus (Zedern), sowie der Pflanzenfamilie der Sciadopityaceae (Schirmtannen) ist die Herkunft immer noch unklar. Ursache dafür ist die bereits im Abschnitt Eigenschaften beschriebene Schwierigkeit, anhand des hochpolymeren Bernsteins die ursprünglichen chemischen Grundbausteine des Ausgangsharzes zu rekonstruieren.

Da sich die Beschaffenheit des Harzes dieser vermuteten rezenten Verwandten sehr stark vom harten und splittrigen Succinit unterscheidet, lag es nahe, dass das so weiche Harz erst durch einem Millionen Jahre dauernden Versteinerungsprozess zum Bernstein wurde. Das gehäufte Vorkommen in marinen Sedimenten ließ außerdem die Vermutung aufkommen, dass dabei dieses besondere geochemische Milieu eine Rolle gespielt hat. Noch spekulativer wird es schließlich, wenn versucht wird, die abweichenden Eigenschaften der Bernsteinarten mit einem unterschiedlichen „Reifegrad“ ein und derselben Pflanze zu erklären. Das überwiegend stark getrübte Harz einheimischer Nadelbäume initiierte auch die Vorstellung, dass der klare Succinit durch Sonneneinstrahlung aus stark getrübtem Harz entstanden sei. Diese beiden so logisch erscheinenden Annahmen finden sich seit mehr als 100 Jahren in der gesamten einschlägigen Literatur.

Untersuchungen am Succinit aus Bitterfeld, der in seinen Eigenschaften und auch im Merkmal der „Baltischen Schulter“ des Infrarotspektrogramms nicht vom Succinit der „Blauen Erde“ unterschieden werden kann, haben diese Annahmen nicht bestätigt. Viele Stücke der Varietät Bunt werden von Spalten durchzogen, die durch jüngere Harzflüsse wieder verschlossen wurden. An einigen Belegstücken sind mehrere Generationen von Spalten zu beobachten.

Unzweifelhaft können die jüngeren Harzflüsse nur vom lebenden Baum stammen. Dass die Aushärtung des Harzes bereits am Baum weitgehend abgeschlossen war, zeigt das Bild der durchtrennten Spinne. Nur wenn der Bernstein bereits eine splittrige Beschaffenheit hatte, konnte sie so messerscharf durchtrennt werden.

Die Härte des Succinit ist also eine primäre Eigenschaft des Harzes und das weist auf eine nicht sehr enge Verwandtschaft mit rezenten Vertretern der Nadelbäume hin. Mit der praktisch vollständigen und so raschen Aushärtung des Harzes erklärt sich auch die unveränderte Körperform der zarten tierischen Inklusen, die niemals verbogen oder verzerrt sind (siehe auch Abschnitt Einschlüsse). Eine langsame, Millionen Jahre andauernde Aushärtung hätte bei dem Belastungen während des anzunehmenden längeren Transportweges zumindest bei einem Teil der Inklusen unweigerlich zu Formveränderungen führen müssen.

Am abgebildeten Stück ist klares Harz mit stark getrübtem Harz der Varietät Knochen bei scharfer Begrenzung zusammengeflossen. Das ist nur so zu erklären, dass der „Bernsteinbaum“ zwei Harzarten erzeugt hat und der klare Succinit nicht durch Sonneneinstrahlung entstanden sein muss. Das stark getrübte Harz, die Trübung wurde primär sicher durch wässrige Gewebesafttröpfchen verursacht, war vollständig mit dem klaren Harz mischbar. Diese Eigenschaft passt nicht zum hydrophoben Harz der einheimischen Kieferngewächse. Die Stammpflanze des Succinit ist wahrscheinlich eher eine Verwandte der ausgestorbenen Koniferenart Cupressospermum saxonicum. Diese wurde als Erzeugerbaum des Gedanit, einer nah verwandten Bernsteinart des Succinit, identifiziert. Denkbar ist auch, dass der Succinit von mehreren Arten einer Pflanzengattung gebildet wurde und die geringen substanziellen Unterschiede des Harzes mit den derzeitigen analytischen Verfahren noch nicht erkannt werden können. Die Herkunft von mehreren Arten einer Succinit bildenden Pflanzengattung würde auch die Bedenken von Paläontologen entkräften, dass eine einzelne Art nicht über die nachgewiesene Bildungszeit des Succinit, fast 20 Millionen Jahre vom Obereozän (Priabonium) bis zum Mittelmiozän, existiert haben kann.

Der Bernstein kann nur in einem Wald gebildet worden sein. Für die baltische Bernsteinlagerstätte kann der Standort dieses Bernsteinwaldes nicht mehr rekonstruiert werden, weil die Inlandgletscher der pleistozänen Vereisungen alle Spuren beseitigt haben. Die unbekannte und nicht rekonstruierbare Lage war und ist Anlass für allerlei Vermutungen, bei denen auch die beachtliche Größe der baltischen Bernsteinvorkommen eine Rolle spielt. Zusätzlich verkomplizierend wirkt die scheinbar lange Zeitspanne zwischen der Entstehung des Bernsteins im Bernsteinwald und der Einbettung in der „Blauen Erde“. Bis in die neuere Zeit wurde angenommen, dass die Bildung im Obereozän und die Einbettung erst etwa 10 Millionen Jahre später im Unteroligozän (Rupelium) erfolgte. Nach aktuellen Annahmen konzentrieren sich Entstehung und Einbettung zwar auf das Obereozän, aber nach geophysikalischen Altersbestimmumgen soll der Zeitunterschied nun sogar bis zu 20 Millionen Jahre betragen. Der Succinit übersteht unbeschadet nur wenige Jahrtausende im belüfteten Boden, wie z. B. der sehr stark verwitterte Bernsteinschmuck der mykenischen Königsgräber zeigt. Er müsste deshalb zwischenzeitlich in einer Lagerstätte luftdicht vor der Zerstörung bewahrt worden sein. Da es zu einem solchen „Zwischenlager“ nicht einmal Hinweise gibt, ist es viel wahrscheinlicher, dass der Succinit direkt aus dem Bernsteinwald in das marine Sediment der „Blauen Erde“ gelangte. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, wie der Bernstein in die „Blaue Erde“ gelangte, entweder wurde er durch einen Fluss in das Meeresbecken eingetragen oder der Bernsteinwald wurde durch das Meer überflutet. Die dazu vorliegenden Hypothesen können sich wiederum nicht auf konkrete Fakten stützen, bisher liegen nicht einmal sedimentologische Untersuchungen der „Blauen Erde“ vor. Durch denkbare Überflutungskatastrophen (Sturmfluten oder Tsunamis) könnte eine so mächtige und großflächig verbreitete Schicht nicht gebildet werden und Transgressionen verlaufen viel zu langsam für die großflächige Anreicherung eines so verwitterungsanfälligen Materials. Wahrscheinlicher ist deshalb die schon länger vorliegende Hypothese, dass der Bernstein über einen Fluss aus nördlicher Richtung ins Meer gelangte. Für diesen Fluss wurde in Anlehnung an die griechische Mythologie der Name Eridanos verwendet. Das Einzugsgebiet mit dem Bernsteinwald könnte das gesamte östliche heutige Skandinavien umfasst haben.

Wenn in einem so riesigen Gebiet der Fluss den bernsteinhaltigen Waldboden durch Mäandrierung umpflügt, dürfte selbst für die große Bernsteinmenge der baltischen Lagerstätte eine krankhafte Harzung, die sogenannte Succinose, durch besondere Ereignisse (Klimakatastrophen, Parasitenbefall u. a.) nicht erforderlich sein.

Für die zahlreichen mitteldeutschen Bernsteinvorkommen des Oberoligozäns (siehe Abschnitt Vorkommen) ist die Rekonstruktion ihrer Herkunft durch konkrete Befunde gesichert. Der Bernstein und die ihn einschließenden Sedimente wurden durch ein Flusssystem aus südlicher Richtung in ein gezeitenfreies Meeresbecken, eine „Paläo-Ostsee“ eingetragen. Im Flusstal dieses „Sächsischen Bernsteinflusses“ wurde der Bernstein gebildet.

Die zahlreichen Einzelfunde in quartären Sedimenten, ebenso wie in quartäre Schichtfolgen eingeschlossene Schollen Bernstein führender tertiärer Sedimente, haben mit der Entstehung des Bernsteins selbst nichts zu tun, sie sind nur eine Folge der Zerstörung primärer (parautochthoner) Vorkommen während der pleistozänen Vereisungen.

Geschichtliche Bedeutung

Der Bernstein hat den Menschen schon immer fasziniert. Er galt in allen bedeutenden Dynastien und zu allen Zeiten als Zeichen von Luxus und Macht. Daher wurde er schon früh als Schmuck verarbeitet.


Steinzeit


Aus Nordfriesland sind Anhänger und Perlen aus Baltischem Bernstein bekannt, deren Alter auf rund 12.000 Jahre datiert wurde und damit eine Nutzung bereits im Jungpaläolithikum belegt. Rechnet man auch die Lagerstätten in der heutigen Ukraine zum Baltischen Bernstein, ist dieser bereits vor rund 20.000 Jahren verarbeitet worden (Ausgrabungen bei Kaneva am Flusslauf des Ros). Für das Mesolithikum (ab ca. 9600 v. Chr.) lässt sich in Landstrichen an der Nord- und Ostseeküste vermehrt die Verarbeitung von Bernstein feststellen. In Dänemark und dem südlichen Ostseegebiet wurde ab 8000 v. Chr. Bernstein zur Herstellung von statushebenden Tieramuletten und Schnitzereien mit eingravierten Tiermotiven genutzt. Schamanen nutzen ihn auch als Weihrauch, so dass ihm eine rituelle Bedeutung zukam. Als um 4300 v. Chr. neolithische Bauern an die nördlichen Küsten gelangten war Bernstein nach wie vor ein begehrter Rohstoff. Sie begannen nun im großen Maße, Bernstein zu sammeln, der dann zu Ketten und Anhängern verarbeitet und getragen oder zu rituellen Zwecken (Opfergaben, Grabbeigaben) verwendet wurde. Die Erbauer der Großsteingräber fertigten die für die Zeit und diesen Kulturkreis typischen Axtnachbildungen aus Bernstein an. Bernstein-Depotfunde, besonders in Jütland, belegen die Bedeutung des Bernsteins auch als Handelsgut für die Menschen. M. Rech führt in Dänemark 37 Depots auf.

Bronzezeit

In der Bronzezeit nahm das Interesse am Bernstein zunächst ab, obwohl das Material eine beliebte Grabbeigabe blieb. Ein Collierfund in einem 3000 Jahre alten Urnengrab bei Ingolstadt zeigte eine Halskette aus etwa 3000 Bernsteinperlen, die von unschätzbarem Wert gewesen sein muss. Warum das Collier in einem Tonkrug vergraben wurde, ist ungeklärt.

Bernstein war neben Salz und Rohmetall (Bronze und Zinn) eines der begehrtesten Güter. In Hortfunden und bei Grabfunden taucht er regelmäßig auf. Durch ihn sind weitreichende Beziehungen nachgewiesen worden. Zwei breite Goldringe, in die je eine Bernsteinscheibe eingelassen war, fanden sich in Südengland (Zinnvorkommen), und ein beinahe identisches Exemplar ist aus dem griechischen Bronzezeit-Zentrum Mykene bekannt (Blütezeit vom 15. bis 13. Jh. v. Chr.). Auch in einem frühbronzezeitlichen (um 1700 v. Chr.) Hortfund von Dieskau (Landkreis Saalkreis) befand sich eine Kette aus Bernsteinperlen.

Eisenzeit

In der Eisenzeit gewann Bernstein durch die Wertschätzung der Phönizier, Griechen, Skythen, Ägypter, Balten und Slawen als „Tränen der Sonne“ beziehungsweise „Tränen oder Harn der Götter“ wieder an Bedeutung. Später hielt man ihn für das „Harn des Luchses“, „versteinerten Honig“ oder „erstarrtes Erdöl“. Die Griechen schätzten den Bernstein als Edelstein, den sie als Tauschmittel für Luxusgüter aller Art nutzten, wie bei Homer erwähnt und beschrieben. Die Römer nutzten ihn als Tauschmittel und für Gravuren. Zur Zeit der Wikinger war er wieder ein begehrtes Material, das als Räucherwerk benutzt oder kunstvoll verarbeitet wurde. Aus dieser Zeit sind beispielsweise Funde von Perlen für gemischte Ketten, Spinnwirtel, Spielbrettfiguren und Würfel aus Bernstein bekannt.

Griechisch-römische Antike

In der griechisch-römischen Antike wurde erkannt, dass Bernstein sich elektrostatisch aufladen kann. Der griechische Philosoph Aristoteles berichtet darüber. Außerdem soll er mit Pytheas von Massila um 334 v. Chr. die sogenannten Bernsteininseln aufgesucht haben (gemeint sind wohl die West-, Ost- und Nordfriesischen Inseln in der Nordsee). Man nennt diese Inseln auch die Elektriden. Die Römer Tacitus und Plinius der Ältere schrieben über den Bernstein sowie seine Herkunft und seinen Handel. Kaiser Nero soll Bernstein in großen Mengen zu Repräsentationszwecken genutzt haben. Im Rom der Kaiserzeit trieb nicht nur der Kaiser, sondern auch das Volk mit dem Bernstein einen verschwenderischen Luxus. Man trank aus Bernsteingefäßen, er zierte alles, was von Wert war, und wohlhabende Frauen färbten ihr Haar bernsteinfarben. Plinius der Jüngere soll sich darüber geärgert haben, „dass ein kleines Figürchen aus Bernstein teurer als ein Sklave sei“. In der römischen Antike wurde zudem der Handel mit samländischem Bernstein erschlossen.

Antike Handelswege

Bereits zur Bronzezeit war der Baltische Bernstein ein wertvolles Tauschobjekt und Handelsgut, das südwärts gelangte. In mykenischer Zeit (etwa 1600 bis 1050 v. Chr.) wurde in Griechenland Schmuck aus importiertem Bernstein getragen, wie eine Reihe von Funden aus dieser Zeit zeigen. Die Handelswege des Bernsteins nennt man Bernsteinstraßen. Sie verlaufen bündelförmig nach Süden zum Mittelmeer:

nach Aquileia: Plinius der Ältere (23–79 n. Chr.) berichtet, dass Bernstein von der Ostseeküste nach Aquileia gebracht worden sei. Die bereits in der Urgeschichte bedeutsame Bernsteinhandelsroute folgt in Niederösterreich der March, überquert bei Carnuntum östlich Wiens die Donau und führt ab hier als römische Bernsteinstraße über Ungarn, Slowenien nach Aquileia in Italien. Als wichtige Verkehrsroute wurde sie zu Beginn des 1. Jahrhunderts n. Chr. unter Augustus und Tiberius ausgebaut und an das römische Straßennetz (s. a. Römerstraßen) angebunden; ins westliche Mittelmeer: auf verschiedenen Routen von Hamburg nach Marseille.


Mittelalter


Im Mittelalter und für katholische Gebiete auch danach wurde der Bernstein hauptsächlich zur Herstellung von Rosenkranz-Gebetsketten genutzt. Eine weitere Anwendung waren Brillengläser. Da er so beliebt war und man damit viel verdienen konnte, stellten Kaufleute und Feudalherren die Gewinnung und Veräußerung allen Bernsteins Ost- und Westpreußens bald unter Hoheitsrecht. Als ein Verstoß gegen dieses sogenannte „Bernsteinregal“ konnte das Sammeln und der Verkauf von Bernstein auf eigene Rechnung vom „Bernsteingericht“ mit dem Tod bestraft werden. Die Küstenbewohner hatten die Pflicht, unter der Bewachung durch Vögte Bernstein zu sammeln und abzuliefern (den „Bernsteineid“). Dabei mussten Frauen, Kinder und alte Leute täglich bei Wind und Wetter an den Strand. Erfüllten sie ihr festgesetztes hohes Soll nicht, hatten sie mit bösen Folgen zu rechnen.

Der Deutsche Orden sicherte sich im 13. Jahrhundert das gesetzliche Recht auf den alleinigen Handel mit Bernstein, welches ihm seinen Reichtum einbrachte. Aus den wertvollsten Bernsteinstücken fertigten sie vor allem in den Werkstätten Königsbergs und Danzigs künstlerische Gegenstände. Das „Bernsteinregal“ verpachtete der Deutsche Orden zunächst an die jeweiligen Landesherren, auf die es 1525 überging. Wiederum wurden die Küstenbewohner zum Sammeln von Bernstein angetrieben. Da die Fischer im Tausch gegen Bernstein das dringend benötigte Salz erhielten, lieferten sie viel ab und sammelten täglich. In abgemilderter Form galt das Gesetz bis 1945. Auch weiter im Landesinneren fanden sich Bernsteinvorkommen. In der Kaschubei lassen sich bei Bursztynowa Gora (Bernsteinberg) Trichter von bis zu 40 m Durchmesser und 15 m Tiefe in der Landschaft ausmachen. Der Abbau ist dort erstmalig schon aus dem 10. Jahrhundert bezeugt.

Aus der Zeit des 5. und 6. Jahrhunderts sind im Bernsteinmuseum von Klaipeda ausgestellte Halsketten überliefert, die in der Region des heutigen Baltikums als gesetzliches Zahlungsmittel gültig waren


Neuzeit

In der Neuzeit wurde Bernstein nach alter Tradition zu Schmuck verarbeitet und auch für Schatullen, Spielsteine und -bretter, Intarsien, Pfeifenmundstücke und andere repräsentative Sachen verwendet.

Im 16. und 17. Jahrhundert nutzten die preußischen Herrscher den Bernstein für Repräsentationszwecke und ließen verschiedene Zier- und Gebrauchsgegenstände daraus fertigen. Der preußische Hof gab hunderte von Bernsteinkunstgegenständen in Auftrag, vor allem Pokale, Dosen, Konfektschalen und Degengriffe, die als Hochzeits- und Diplomatengeschenke in viele Kunstsammlungen europäischer Fürsten- und Herrscherhäuser gelangten. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten größeren Bernsteinmöbel.

Im 18. Jahrhundert ließ der preußische König Friedrich I. das Bernsteinzimmer für sein Charlottenburger Schloss in Berlin fertigen, das 1712 fertiggestellt wurde. 1716 verschenkte sein Sohn das Zimmer an den russischen Zaren Peter I.. Später wurde es in den Katharinenpalast bei St. Petersburg eingebaut, im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen geraubt und nach Königsberg gebracht, wo es 1945 wahrscheinlich verbrannte. Es gibt allerdings Gerüchte, wonach das Bernsteinzimmer noch immer in unterirdischen Stollen eingelagert sein soll.

Durch den Fortschritt der Naturwissenschaften wurde erkannt, dass der Bernstein als fossiles Harz nicht mystischen, sondern natürlichen Ursprungs ist. Deswegen ging das höfische Interesse am Bernstein nach 1750 zurück.

Bis ins 19. Jahrhundert wurde der Bernstein hauptsächlich durch Strandlese gewonnen. 1862 konnten beispielsweise mit dieser Methode 4000 kg gesammelt werden. Im Jahre 1837 überließ der preußische König Friedrich Wilhelm III. die gesamte Bernsteinnutzung von Danzig bis Memel gegen die Summe von 30.000 Mark den Gemeinden des Samlandes. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Abbau zunehmend maschinisiert. Pioniere auf diesem Gebiet waren die beiden Unternehmer Friedrich Wilhelm Stantien und Moritz Becker, die 1858 ihre Firma Stantien & Becker in Memel gegründet hatten. Sie begannen zunächst, das Kurische Haff bei Schwarzort systematisch auszubaggern. 1875 dann errichteten sie bei Palmnicken das wohl weltweit erste Bernsteinbergwerk. Im Jahr 1890 konnten auf diese Weise bereits über 200.000 kg gefördert werden. Bernsteinschmuck wurde nun mehr und mehr zu einem Produkt auch der wohlhabenden Bürgerschicht. Der noch heute existierende „Bernsteinladen“ am Münchner Marienplatz geht auf das Jahr 1884 zurück. Stantien & Becker hatten weltweit Verkaufsniederlassungen (u. a. in Indien, Mexiko und Tokio).

Seit 1881 gab es Pressbernstein, so dass Schmuck für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich wurde. In manchen Regionen Europas gehörten facettierte Bernsteinketten zur Hochzeitstracht der Bauern. 1899 ging die profitable Produktion wieder in staatlichen Besitz über. Allein 1912 wurden 600 t Bernstein gefördert. Insgesamt förderte man im Samland von 1876 bis 1935 über 16.000 t Baltischen Bernstein. 1926 entstand in Ostpreußen die weltgrößte Manufaktur, die Staatliche Bernstein-Manufaktur Königsberg (SBM), in der bis 1945 künstlerische Produkte und Gebrauchsgegenstände aus Bernstein gefertigt wurden. In der NS-Zeit sprach man vom „Deutschen Gold“.

Aus der jüngeren Vergangenheit ist insbesondere der polnische Künstler Lucjan Myrta zu erwähnen. Zahlreiche seiner Werke, bei denen es sich oft um Arbeiten im Stil des Barock handelt und deren künstlerischer Rang in der Fachwelt nicht unumstritten ist, sind im Historischen Museum der Stadt Danzig zu sehen. Sehr viele der oft ungewöhnlich großen Kunstwerke hat der in Sopot lebende Künstler in seinem persönlichen Besitz behalten. Vermutlich unterhält der Künstler die weltgrößte, allerdings nicht öffentlich zugängliche Sammlung von Bernsteinartefakten. In einem der in seinem Privatbesitz verbliebenen großvolumigen Werke ist mehr Rohbernstein verarbeitet als im gesamten Bernsteinzimmer.


Bernsteingewinnung in der vorbergbaulichen Zeit

Zur Gewinnung des Bernsteins im Samland in der Zeit vor Beginn des Bernsteinbergbaus liegen zahlreiche Schriften vor, eine umfangreiche neuere Darstellung stammt von Rainer Slotta.

Vor 1860 wurde Bernstein im Samland überwiegend nur durch Aufsammeln des an der Küste angespülten Bernsteins gewonnen. Die fortschreitende Erosion der Steilküste durch das Meer sorgte für den ständigen Nachschub aus den Bernstein führenden Schichten. Eine geringere Rolle spielte eine bergmännische Gewinnung, die sich aus technischen Gründen aber auf die grundwasserfreien Deckschichten der „Blauen Erde“ beschränken musste. Der Abbau erfolgte in kleinräumigen Gräbereien, die insbesondere nesterartige Anreicherungen der Bernstein führenden miozänen sogenannten „Braunkohlenformation“ nutzten. Kleinere aktive Tiefbaue aus dieser Zeit sind urkundlich von 1781 bis 1806 belegt.

Über die durch Sammeln gewonnenen Bernsteinmengen an der sogenannten Bernsteinküste wird in einigen Chroniken berichtet. So soll die jährliche Menge durch Aufsammeln an den Stränden 20 bis 30 Tonnen betragen haben. Nach heftigen Stürmen konnte die Menge des im Verlaufe eines Tages angespülten Bernsteins auch 1.000 Kilogramm und mehr erreichen. Das einfache Sammeln von Bernstein am Spülsaum der Küste war die am weitesten verbreitete und wohl ergiebigste Methode zur Bernsteingewinnung. Aber auch andere Methoden führten zum Erfolg:

Bernsteinfischen oder Bernsteinschöpfen. Dabei stellte sich der Bernsteinfischer mit einem an einer langen Stange befestigten Netz in die Brandung. Das Netz wurde in die auflaufende Welle gehalten. Dabei füllte es sich mit Seetang und Sprockholz, zwischen denen sich der aufgewirbelte Bernstein verfangen hatte. Das Material wurde an den Strand geworfen und dort durchsucht. Diese Methode wird noch heute an Ostseeküstenabschnitten in Russland, Litauen, Polen, Deutschland und Dänemark angewandt.

Bernsteinstechen. Insbesondere größere Bernsteinstücke blieben oft zwischen größeren Steinen im küstennahen Bereich liegen. Die Steine wurden von speziellen, besonders breit ausgelegten Ruderbooten aus mit langen Stangen gelockert und gelegentlich selbst als Baumaterial geborgen. Danach wurde der Meeresgrund nach Bernstein durchsucht. Dazu dienten an langen Stangen befestigte Käscher, mit denen der Bernstein aufgewirbelt und mit dem Netz ins Boot befördert wurde.

Bernsteintauchen. Schon im frühen 18. Jahrhundert wurden Versuche unternommen nach Bernstein zu tauchen. Das geschah ohne Hilfsmittel und blieb weitgehend erfolglos. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde mit Hilfsmitteln (Tauchanzüge) das Bernsteintauchen durch die später auch den Bernsteinbergbau bei Palmnicken betreibende Firma Stantien & Becker zum Erfolg geführt. Die höchste durch Bernsteintauchen gesammelte jährliche Menge betrug 14 Tonnen im Jahre 1881.

Das Aufsammeln von Bernstein im Küstenbereich wurde im Samland mit der Aufnahme der bergbaulichen Gewinnung durch die Firma Stantien & Becker im Jahre 1871 wirtschaftlich zunehmend bedeutungslos. Das Bernsteintauchen z. B. wurde 1883 eingestellt.

Für den Übergang zur bergbaulichen Gewinnung spielte die Bernsteinbaggerei durch die Firma Stantien & Becker von 1862 bis 1890 an der Kurischen Nehrung bei Schwarzort (jetzt Juodkrantė) eine bedeutende Rolle. Jährlich wurden bis zu 75 t Bernstein gewonnen. Von Bedeutung ist auch der dabei gefundene und 434 Stücke umfassende Bernsteinschmuck aus dem Neolithikum.

An der deutschen Nordseeküste wurde insbesondere im Gebiet Eiderstedt bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts viel Bernstein gefunden. Im Watt und auf einigen besonders fündigen Sandbänken wurde Bernstein durch sogenannte Hitzläufer und Bernsteinreiter gesammelt. Geschickte Reiter verstanden es, mit einem kleinen, an einer Stange befestigten Netz den Bernstein aus dem Flachwasser zu fischen, ohne vom Pferd abzusteigen. Einige Forscher sehen unter Verweis auf die von Plinius dem Älteren überlieferten Angaben aus dem Reisebericht des Pytheas in diesem Gebiet das Bernsteinland (Elektriden) der Antike und des frühen Römischen Reiches. Die reichen Bernsteinfunde sind auf die Abtragung Bernstein führender Schichten des Miozäns zurückzuführen. Über die Herkunft dieses nordfriesischen Bernsteins gehen die Meinungen noch auseinander. Nach der noch am weitesten verbreiteten Ansicht soll er aus der Hauptfundschicht des Baltikums, der „Blauen Erde“ umgelagert worden sein. Aber die erwiesene Eigenständigkeit der zahlreichen mitteldeutschen Bernsteinvorkommen aus dem Oberoligozän (siehe Abschnitt Vorkommen) macht auch für den nordfriesischen Bernstein, wie auch den miozänen Bernstein des Baltikums eine Umlagerung aus der „Blauen Erde“ sehr viel unwahrscheinlicher.


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Beitrag von boborit » Sonntag 12. Februar 2012, 18:41

Danke für deine "Sonntags"-Arbeit Thomas!!

Aus dem Wikipedia-2-Teiler kann sich sicherlich jeder ein Bernstein-Grundwissen anlesen oder auch Spezielles für die Fortgeschrittenen!
Viele Grüße - Michael

..."Was wiederum bestätigt, dass das im Stein möglich Vorhandene sich optisch mehr verbergen, als das Sichtbare unmöglich optisch vorhanden sein kann! "

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Beitrag von Thomas_ » Sonntag 12. Februar 2012, 19:29

Hallo Michael!

Ich habe überlegt was in so ein 'neues' Forum noch hineingehört. Da ich von Bernstein wenig Ahnung habe, fand ich so einen Einleitungsartikel sinnvoll.

Jetzt gehen mir noch so einige Ergänzungen durch den Kopf, die mir noch fehlen: Literaturverzeichnisse, Fundstellenvereichnisse usw.

Eigentlich egal, ob in diesem Artikel, oder in eigenständigen Beiträgen.



Thomas

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