Der Steinkern - Heft 45

DER STEINKERN ist die Fossilien-Zeitschrift von Steinkern.de - von Fossiliensammlern für Fossiliensammler. Dieses Forum ist für Kritik, Lob und Vorschläge zu den einzelnen Ausgaben und den darin enthaltenen Artikeln gedacht.
Weitere Informationen und Bestellung der Zeitschrift unter www.der-steinkern.de

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Sönke
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Der Steinkern - Heft 45

Beitrag von Sönke » Samstag 10. April 2021, 00:37

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Liebe Mitglieder, liebe Leserinnen und Leser der Steinkern-Zeitschrift,

am Freitag (9.4.) habe ich die Abonnement-Hefte der Ausgabe Nr. 45 (Heft 2-2021) mit meinem Vater im Briefzentrum Herford abgeliefert. Sie dürften bei Euch also so nach und nach (überwiegend wohl kommende Woche) eintruddeln.

All jenen, die an der Ausgabe 2-2021 mitgewirkt haben, danke ich hiermit noch einmal sehr herzlich für die hervorragende Mitarbeit. :) Es sind eine neue Autorin und vier neue Autoren vertreten, was Stärke und Abwechlungsreichtum des Magazins ausmacht: Andi Fichtner, Kristof Kontermann, Robert Ernst, Tim Haye und Volker Dietze. Ihnen haben wir insgesamt sogar einen Großteil des Inhalts der Ausgabe zu verdanken. :top:

Die neue Zeitschrift hat einen Schwerpunkt beim Thema Holzmaden (ein von uns bisher im Print völlig vernachlässigtes Thema - es wurde Zeit!) und umfasst u.a. auch einen umfangreichen Beitrag über den Schweizer Jura. Sie ist insbesondere aber auch dem Gedenken an unsere verstorbenen Mitglieder Norbert Wannenmacher († 2020) und Oliver Schmid († 2015) gewidmet, die beide tragende Säulen der Steinkern-Community waren. Oliver ist post mortem Co-Autor des Artikels von Robert Ernst über eine exotische Muschelkalk-Pectinidae. Norbert Wannenmacher wurde ein Nachruf gewidmet.



Heft 45 (2-2021) enthält u.a. folgende Themen:


• Fossilien sammeln im Posidonienschiefer (Unterjura) von Holzmaden

• Geologie und Fossilien des Steinbruchs Jakobsberg/Unteregg (Aargauer Jura, Schweiz)

Praechlamys reticulata – die „exotische“ Kammmuschel aus dem Oberen Muschelkalk

• Gejagt, entkommen, erlegt? Prädation an Bundenbacher Trilobiten



Hier geht es zur ausführlichen Inhaltsangabe:
https://www.steinkern.de/inhaltsangaben ... eft45.html

Und hier geht es direkt zum Bestellformular:
https://www.steinkern.de/bestellformula ... nheft.html

Dieser Forenbeitrag ist neben der Information über die Neuerscheinung auch dazu gedacht über die Inhalte des Hefts zu diskutieren, Lob und/oder Kritik zu äußern, den Autoren oder dem Herausgeber Fragen zu stellen usw.!

Die Autoren und auch ich als Herausgeber (diesmal nur mit geringfügigen eigenen Beiträgen) freuen sich über Euer Feedback.

Viel Lesespaß wünscht Euch,
Sönke

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Freakshow
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Re: Der Steinkern - Heft 45

Beitrag von Freakshow » Samstag 10. April 2021, 07:58

Ich bin gespannt!

Danken möchte ich an dieser Stelle auch mal Deinen Eltern, die das Projekt Steinkern tatkräftig unterstützen!

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Sönke
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Re: Der Steinkern - Heft 45

Beitrag von Sönke » Samstag 10. April 2021, 16:37

Freakshow hat geschrieben:
Samstag 10. April 2021, 07:58
Ich bin gespannt!

Danken möchte ich an dieser Stelle auch mal Deinen Eltern, die das Projekt Steinkern tatkräftig unterstützen!
Ich auch. :top: In der Tat haben sie auch diesmal wieder eifrig beim Verpacken geholfen.
Das Bild ist von Juli 2020, als das Heft 42 eingetütet wurde.

Viele Grüße
Sönke
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Armin
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Re: Der Steinkern - Heft 45

Beitrag von Armin » Samstag 10. April 2021, 17:58

Hallo Sönke,

endlich sieht man mal die Angestellten, die im Hintergrund die Arbeit verrichten :lol:
Sehr gut, dass Du fleißige Unterstützung hast. Respekt für Deine Eltern!

Gruß Armin

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Sönke
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Re: Der Steinkern - Heft 45

Beitrag von Sönke » Samstag 10. April 2021, 23:37

Hi Armin,

danke - es ist halt ein klassischer Familienbetrieb. :wink:

Bis vor Kurzem hat sogar manchmal noch meine Oma, die am 22. März 100 Jahre alt geworden ist, mit angepackt. 8-) Aber jetzt hat sie das von mir innerfamiliär neu definierte Renteneintrittsalter erreicht. :lol:

Gruß und allen - einige haben sie sogar schon, es ist sensationell wie schnell es manchmal geht, aber ebenso sensationell wie lange es mit der Zustellung bisweilen dauert! - viel Spaß beim Lesen der neuen Ausgaben,
Sönke

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Freakshow
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Re: Der Steinkern - Heft 45

Beitrag von Freakshow » Sonntag 11. April 2021, 06:21

Sönke hat geschrieben:
Samstag 10. April 2021, 23:37
... innerfamiliär neu definierte Renteneintrittsalter erreicht. :lol: ...
Na dann...! Ab sofort gilt dann auch für Dich, viel Gemüse, kein Fastfood, nicht schwer heben, immer schön zur Grippeimpfung, ordentlich frische Luft und rechtzeitig an die Nachfolge denken!

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ostseewelle
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Re: Der Steinkern - Heft 45

Beitrag von ostseewelle » Mittwoch 14. April 2021, 14:55

Hallo Sönke,

und einen allgemeinen Gruß in die Runde.

Habe heute die neue Ausgabe erhalten :lol: . Es immer wieder erstaunlich, wieviel Zeit in die Recherche der wunderbaren Artikel gesteckt wird.
Dass Du zum Versand wunderbare helfende Hände zur Verfügung hast ist super.

Nicht unerwähnt möchte ich auch die in letzter Zeit sehr familiär und würdevoll erarbeiteten Nachrufe, lassen.
Für mich eigentlich alles unbekannte Personen. Die Beiträge nehmen mich dann aber auf eine Reise in eine andere Zeit mit. Und schon wirken sie
wie Vertraute/Fossilienfreunde. Da stellt sich oft die traurige Frage - warum so früh.

Jetzt geht es ran an die Seiten ...

Bleibt alle weiterhin gesund!

LG Carmen
Dein Leben ist wie eine Fotografie, du brauchst das Negative um dich zu entwickeln

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Victor Schlampp
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Re: Der Steinkern - Heft 45

Beitrag von Victor Schlampp » Mittwoch 14. April 2021, 17:19

Lieber Sönke,

vielen Dank für das neue Heft, das gestern bei mir eingetroffen ist.

Für mich natürlich Genuss pur der Artikel von Tim Haye und Ronald Ottinger über den Steinbruch Jakobsberg. Die Bilder und Grafiken sind hervorragend, der Text spannend und informativ zugleich. Im Steinkern-Forum würde ich mich natürlich sehr über weitere Ammonitenabbildungen mit Schwerpunkt Oberjura (die Liebe zu den Prägesteinkernen ist meine frühkindliche Prägung, ich kann nicht anders :bg: ) freuen. Vor allem auch um Abbildungen von Taramelliceraten aus diesem Bereich. Obwohl der Schweizer Oberjura eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung der frühen Taramelliceraten - auch als Brücke hinüber zu den französischen Ablagerungen - spielt, findet man kaum Arbeiten mit horizontiertem Fundmaterial.

Auch sehr spannend für mich der Artikel von Sönke über die Form Yezoites bladenensis. Es ist schon erstaunlich, dass es bis zum Ende der Ammonitenevolution immer wieder auch mikrokonche Formen mit Apophysen gegeben hat. Wobei der Treatise von 1996 die Gattung Yezoites als mikro- und makrokonch beschreibt und von den eigentlichen Scaphiten abtrennt. Doch vielleicht gibt es hier inzwischen neuere Erkenntnisse.

Für Sammler eine Schatzkiste ist die Abhandlung über den Posidonienschiefer von Holzmaden. Wer "Belemniten, Bones & Plattammos" liebt, sollte sich diese Sammelmöglichkeiten nicht entgehen lassen.

Auch die restlichen Artikel habe ich gerne gelesen. Vielen Dank an Sönke und Volker für den wunderbaren Nachruf an einen wunderbaren Sammlerkollegen.

Liebe Grüße

Victor
Ein Leben ohne fränkische Malm-Ammoniten ist möglich, aber sinnlos.

danylo
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Re: Der Steinkern - Heft 45

Beitrag von danylo » Mittwoch 21. April 2021, 13:17

Danke auch von mir für das neue und gelungene Heft mit tollen Beiträgen auf hohem Niveau,
vor allem diesmal Dank an die Neu-Autoren!

Schön, auch mal Sönkes fleißige Eltern in diesem Thread gewürdigt zu sehen!

Nachrufe hinterlassen immer eine Traurigkeit, auch wenn man die Menschen nicht persönlich kannte.
Es ist sicher nicht einfach, die richtigen Worte für so einen Nachruf zu finden- ich finde, das ist Euch, Volker und Sönke, sehr gut gelungen.
Für mich ist ein Nachruf auch immer ein Ruf, unsere Mitmenschen mehr zu würdigen, so lange sie noch am Leben sind-
sonst ist die Trauer umso größer z.B. über eine mögliche aber unterlassene Versöhnung, ein paar nicht gesagte freundliche Worte...
...reich ist, wer zufrieden ist mit dem, was er hat!

Liebe Grüße, Danylo

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Triassammler
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Re: Der Steinkern - Heft 45

Beitrag von Triassammler » Sonntag 9. Mai 2021, 01:46

Hallo,

Wenn ich ein neues Steinkern-Heft bekomme, freue ich mich jedes Mal über die Vielfalt der verschiedenen Themen, sowohl was den Inhalt als auch Stil und Intention der Autoren angeht. Es ist wie eine Fossilienschachtel – man weiß nie was drinsteckt. Auch wenn viele der Themen weder geografisch noch stratigrafisch mit meinen eigenen Sammelschwerpunkten zusammenhängen ist es genau dieser Blick über den Tellerrand, den ich als bereichernd empfinde. Es stellt bei mir auch eine Verbundenheit mit all jenen Menschen her, die in Deutschland, in Europa, ja sogar weltweit mit ganz unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen Fossilien nachspüren, und die auch gerne über ihr Tun und ihre Erkenntnisse öffentlich kommunizieren möchten.

Das aktuelle Steinkern-Heft Nr. 45 geht für mich persönlich darüber hinaus. Da ist einmal der Artikel "Fossilien sammeln im Posidonienschiefer (Unterjura) von Holzmaden" von Kristof Kontermann und Andi Fichtner: Jahre, die für meine persönliche Sicht auf das Fossiliensammeln und meine sammlerische Praxis prägend waren, bin ich im Raum Holzmaden aufgewachsen. Dies zu einer Zeit, als es dort noch einige Steinbrüche mehr gab und das Betreten derselben noch deutlich einfacher war. Just vor einigen Wochen fragte mich ein Sammlerfreund nach Details zu einer Lokalitätsangabe im Raum Holzmaden, und ich antwortete ihm, dass für seine auf immerhin wenige hundert Meter genaue Angabe gleich drei, heute nicht mehr existente, Steinbrüche in Frage kämen, von etwa einem Dutzend, die zur Hochzeit des Posidonienschieferabbaus auf den Gemarkungen von Holzmaden, Ohmden und Schlierbach betrieben wurden. Tempi passati. Die Autoren lassen auch ihre Fundumstände und -orte durchblicken, neben dem Steinbruch Kromer als offiziell betriebenem Sammlersteinbruch sind dies vor allem Baustellen. Die Ausweisung des "Grabungsschutzgebiets Holzmaden" stellt dabei besondere rechtliche Anforderungen an Sammler, egal ob in Steinbrüchen oder auf Baustellen. Dazu gleich mehr.

Der Artikel "Praechlamys reticulata – die "exotische" Kammmuschel aus dem Oberen Muschelkalk" von Robert Ernst und Oliver Schmidt war mir nicht nur fachlich eine Freude, sondern auch noch einmal eine Art Wiedersehen mit einem geschätzten Freund, dessen Tod nicht nur bei mir eine tiefe, bis heute nachwirkende menschliche Lücke hinterlassen hat, und mit dem auch der modernen Erforschung der Germanischen Muschelkalks eine Koryphäe allzu früh entrissen wurde. Der Artikel ist exemplarisch für die strukturierte und akribische Arbeit der beiden Autoren, bei der man nicht mehr von einer Hobbybeschäftigung sprechen kann, sondern die echte Forschung nach wissenschaftlichen Prinzipien ist. Dafür sprechen allein schon die verfertigten Profile und das umfangreiche Literaturverzeichnis. Hier wurde nicht etwas zusammengesammelt oder nach Trophäen gegraben, hier wurde wissenschaftlich gearbeitet und sich dem Untersuchungsgegenstand auf alle erdenklichen Weisen genähert – und dies schließlich auch publiziert. Umso bedauerlicher ist es, bei den im Artikel gezeigten stratigrafischen Profilen den Hinweis „unpubliziert“ zu lesen. Ich wünsche Robert Ernst, dass er die Zeit findet, all sein Wissen und das, das ihm von Oliver überkommen ist, zur Veröffentlichung bringen zu können. Ich finde – ganz ohne Übertreibung – beide, Robert Ernst und Oliver Schmidt posthum, haben für ihre lebenslangen Bemühungen um Fragestellungen der Stratigrafie und Paläobiologie des Muschelkalks die Ehrendoktorwürde verdient.

So verschieden die beiden Themen sind, eines verbindet sie: Der private Fossiliensammler, der Hobbygeologe ist hier auf Feldern präsent, tätig und rührig, wo von der staatlichen, der akademischen Geologie und Paläontologie wenig zu sehen und zu hören ist. Zumindest in Baden-Württemberg, das sich mit Holzmaden und auch als eine klassische Muschelkalkregion zuvorderst angesprochen fühlen darf.

Regelmäßig, mehrmals im Monat, fahre ich auf der Autobahn A8 an der ICE-Neubaustrecke Stuttgart-Ulm entlang. Hier präsentiert sich mir ein Profil durch den gesamten Unterjura, auf einer Strecke von 30 Kilometern. Unglaubliche Abraumberge türmen sich auf den Baustellen – gut gesichert, mit strengstem Betretungsverbot. Mein Angebot an das Staatliche Museum für Naturkunde, als damals ehrenamtlicher Mitarbeiter bei entsprechender Beauftragung tätig zu werden, verlief ergebnislos. Ergänzende private Anfragen an den Bauherrn, die Deutsche Bahn, wurden mir abschlägig mit deutlichen Strafandrohungen im Falle der Zuwiderhandlung beantwortet. Immerhin für den Bereich des Grabungsschutzgebiets Holzmaden, der durch die Baumaßnahmen berührt ist, war anfänglich eine Begleitung durch Mitarbeiter (nicht: Ehrenamtliche) des Staatlichen Museums für Naturkunde angedacht, hat meiner Kenntnis nach letztlich aber nicht stattgefunden. So ist es denn außerordentlich begrüßenswert, wenn wenigstens einige Funde durch private Sammler vor der Zerstörung auf der Baustelle gerettet werden konnten. An diesem Punkt allerdings ist mein Interesse an dem Bauprojekt und eventuellen Fossilienfunden rundweg erloschen.

Es stimmt mich sehr nachdenklich, wie mich so der Eindruck beschleicht, dass es mit der Zusammenarbeit zwischen öffentlichem paläontologischem Denkmalschutz und erfahrenen und rührigen Fossiliensuchern in Baden-Württemberg nicht weit her ist. Und dass zwar in (Dauer-)Zeiten (dauer-)klammer Kassen beim Bodendenkmalschutz die Mitwirkung und die Beiträge der "citizen scientists" nötiger denn je sind, auf staatlicher Seite aber kein Verständnis für diese gegenseitige Abhängigkeit vorhanden zu sein scheint und erstaunlicherweise keinerlei Anstrengungen zur Hebung dieser wertvollen, dabei durchaus preisgünstigen Ressource gemacht werden. Mir scheint, dass von Seiten der Sammler auch einiges an reservierter, mitunter vielleicht sogar fragwürdiger Behandlung duldend hingenommen wird, um auch weiterhin zumindest ein Minimum an Akzeptanz durch die staatliche Denkmalpflege und die akademische Paläontologie zu erhalten. Und ich frage mich: Muss dieser Umgang miteinander so sein? Dass Hobbypaläontologen, Amateure – im besten und eigentlichen Sinne des Wortes Liebhaber ihrer Sache – nicht nur wertvolle Unterstützung bei der Rettung von Fossilien bei Bauvorhaben oder bei der Rohstoffgewinnung sein können, sondern auch mit wissenschaftlicher Methodik paläontologische Fragestellungen selbstständig bearbeiten können, zeigen einmal mehr die beiden Artikel im aktuellen Steinkern-Heft. Und sie sind nicht die einzigen in der Geschichte dieser Zeitschrift! Möge dies auch ein Wink in Richtung der akademischen Paläontologie sein, mehr Vertrauen denjenigen Hobbypaläontologen entgegen zu bringen, die ihre Unterstützung gerne anbieten würden. Dazu gehört auch die Bereitschaft, bestehende gesetzliche Regelungen zu prüfen und bei Bedarf zu modifizieren, wenn sie im Kontext einer solchen Zusammenarbeit sichtlich nicht praktikabel sind. Es ist widersinnig, Grabungsschutzgebiete auszuweisen, wenn darin Bauvorhaben nach Belieben und ohne wissenschaftliche Begleitung durchgeführt werden können, während aber die Suche nach Fossilien – die Rettung von Fossilien – in ebendiesen Baustellen für Privatpersonen ein rechtlich waghalsiges Unterfangen darstellt, schon aufgrund von Formulierungen wie, dass bei einem bodendenkmalverdächtigen Fund eine Präparation nicht begonnen werden darf. Wehe dem Sammler, der erst während der Präparation eines vermeintlichen Allerweltsfundes feststellt, dass vielleicht doch ein meldepflichtiges Objekt vorliegen könnte. Hier liegt die naheliegende Rettung im Verschweigen (Unterschlagen) oder Vernichten (Mülltonne). Solche am Schreibtisch gut gemeinten, in der Praxis aber beileibe nicht immer trennscharf anwendbaren Regeln gehören auf den Prüfstand einer gedeihlichen weil praktikablen Kooperation zwischen beiden Seiten. Ansonsten wird binnen einer Generation der staatliche Bodendenkmalschutz im Bereich der Paläontologie ein Ziel erreicht haben: Fossiliensammler werden sich an den wenigen Orten konzentrieren, wo sie – gegen Eintrittsgeld und Abtretungsregelungen an private Grundbesitzer, als Kunden von Unternehmern – keinen Schaden anrichten können weil sie keine relevanten Funde tätigen können, und die Bodendenkmäler werden im Boden verbleiben, bis sie entweder verwittern oder durch Baumaßnahmen und Rohstoffgewinnung zerstört werden. Zwar hat davon keine Institution etwas, es bleibt aber immerhin die Genugtuung, dass sich keine Privatperson daran bereichert.

Grüße,
Rainer
The way we win matters.
-- A. E. Wiggin

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