Paläontologisch-mineralogische Aufschlüsse auf Lanzarote

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Moderator: Sönke

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Sönke
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Paläontologisch-mineralogische Aufschlüsse auf Lanzarote

Beitrag von Sönke » Montag 29. Juli 2019, 20:04

Schillanreicherung-La-Santa-Sport.jpg
Pleistozäne Schillanreicherung, La Santa Sport, Lanzarote. Foto: Frank Wenzel
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Betrifft:
Paläontologisch-mineralogische Aufschlüsse auf Lanzarote

Vorschau
Die spanische Insel Lanzarote ist die nördlichste Insel der Kanaren und liegt etwa 130 km vom afrikanischen Kontinent entfernt. Sie hat eine flächenmäßige Ausdehnung von 58 km x 34 km. Nach Teneriffa, Fuerteventura und Gran Ganaria ist Lanzarote die viertgrößte Insel des Kanarischen Archipels. Im Famara-Massiv im Norden der Insel befindet sich die mit 671 m Höhe größte Erhebung der Lanzarotes. Der mittlere Teil der Insel wird von unzähligen Vulkankegeln geprägt - wer nun denkt, die vulkanische Entstehungsgeschichte der Insel schließt das Vorkommen von Fossilien aus, der irrt. Der (Hobby-)Paläontologe begegnet auf der Insel ebenso interessanten Aufschlüssen, die u. a. Einblicke in die marine Fauna des Pleistozän bieten. Hier können artenreiche Molluskenfaunen entdeckt werden. Auch gibt es auf Lanzarote Zeolithe aus den ältesten Flutbasalten der Insel und Olivine aus den jüngsten Lavaströmen. Seit Aufnahme Lanzarotes ins Netzwerk der UNESCO-Geoparks dürfen Fossilien und Mineralien jedoch nur noch mit Erlaubnis des Cabildo de Lanzarote, die lediglich für wissenschaftliche Zwecke gewährt wird, exportiert werden. Zwar schränkt dies die Sammelmöglichkeiten für die ansich massenhaft vorkommenden Fossilien empfindlich ein, doch entschädigen Landschaft sowie auch die rezente Flora und Fauna der Insel den weitgereisten Besucher.

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Hallo zusammen,

vielen Dank für Deinen Artikel mit den eindrucksvollen Impressionen von einer wunderschönen Insel und die gute Zusammenarbeit, lieber Frank!
Ich hätte nicht gedacht, dass man auf einer Vulkaninsel überhaupt Fossilien finden kann. Dein Bericht zeigt und beschreibt, warum dies dennoch möglich ist.
Nun, finden kann man sie zwar, aber mitnehmen darf man sie offenbar nicht mehr so ohne Weiteres - schade, dass die Recherchen da nichts Positiveres ergeben haben, aber es ist wie es ist. Trotzdem ist der Bericht sehr interessant und bringt einem Schönheit und Geologie der Insel näher. :)

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Viele Grüße
Sönke

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Triassammler
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Re: Paläontologisch-mineralogische Aufschlüsse auf Lanzarote

Beitrag von Triassammler » Montag 29. Juli 2019, 22:36

Lieber Frank,

ich möchte mich bei dir ganz herzlich für diesen schönen, abwechslungsreichen Bericht bedanken!
Auch ich habe Lanzarote während eines Urlaubs im Jahre 2001 als geologisch, mineralogisch, paläontologisch höchst interessant erlebt. Alles eingebettet in eine einzigartige Landschaft, die ebenso einzigartige Speisen und Weine sowie die Architektur von César Manrique hervorgebracht hat. Dein Bericht reizt dazu, der Insel einen Besuch abzustatten. Allerdings erinnere ich mich noch, wie schön es damals war, maßvoll verschiedene Mineralien (die Fossilien sind mir eher zu jung) weitgehend ohne Einschränkungen sammeln zu können. Die Maßhaltigkeit ging allerdings einmalig und ausnahmsweise verloren, als am Rande einer Wegebaustelle eine lehrbuchmäßige Platte Stricklava den Geologen anlachte. Viel wiegt das luftige Material ja nicht, es war eher eine Frage der Kofferdimensionen... Auch die Suche nach Olivinknollen oder die Qual der Wahl bei den Salz- und Gipsstufen aus den Salinen blieben mir wohlig in Erinnerung. Und La Santa Sport (Heilix Sportle!) habe ich als monströsen Brutalismusbeton in Erinnerung, der einsam langsam im Sand versank, als wäre das Dingens direkt einer der "Vermilion Sands"-Stories von J. G. Ballard entsprungen. Eigentlich hatte ich tatsächlich letztes Jahr vor, mit jenem Ballardschen Buch unter dem Arm der Insel und La Santa einen Besuch abzustatten, die umfangreiche Wiedernutzung von La Santa und die Sammelproblematik haben mich dann aber auf andere Ziele kommen lassen. Aber wer noch nicht auf Lanzarote war: Koffer packen und hin!

Vielen Dank für die Mühe beim Verfassen des Texts sowie für die guten, informativen Fotos, die nicht nur Geologie-, sondern auch Urlaubs- und Strandfeeling aufkommen lassen!

Grüße,
Rainer
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Re: Paläontologisch-mineralogische Aufschlüsse auf Lanzarote

Beitrag von NinaD » Montag 29. Juli 2019, 23:47

Hallo Frank,
Einen sehr schönen Bericht hast du da geschrieben!
Ich mache gerade auf La Palma Urlaub und bin hier, obwohl ich die Insel ziemlich gut kenne, noch keinen Fossilien begegnet - mit einer Ausnahme: im hiesigen Museum über die Guanchen (Ureinwohner) bin ich in einer Vitrine voller Steinwerkzeug optisch über einen Feuerstein-Seeigel gestolpert. Wie der wohl dahin kommt??
VG Nina

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Norbert Wannenmacher
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Re: Paläontologisch-mineralogische Aufschlüsse auf Lanzarote

Beitrag von Norbert Wannenmacher » Donnerstag 29. August 2019, 11:35

Hallo Frank,

herzlichen Dank für den sehr schönen Bericht mit den tollen Fotos.

Ich war auch vor etlichen Jahren (im letzten Jahrhundert!) auf Lanzarote. Es wurde schon sehr auf den Naturschutz geachtet. Die Olivine wurden von Kindern an Touristen angeboten und es gab noch keine Auflagen bei der Ausfuhr (zumindest mir damals nicht bekannt).
Am Weststrand auch bei El Golfo fanden sich vom Wellengang angespült filigrane, rezente Posthörnchen. Diese wurden sogar dann vom Wind auf den Strand getragen. Dabei gibt es dann natürlich Bruch bei den vergänglichen Teilchen.

Viele Grüße
Norbert
Dateianhänge
2019_0829lanzarote0001.JPG
Posthörnchen (Spirula) vom Westen der Insel Lanzarote auf Basaltkiesel.
2019_0829lanzarote0001.JPG (280.9 KiB) 15313 mal betrachtet

cidaris49
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Re: Paläontologisch-mineralogische Aufschlüsse auf Lanzarote

Beitrag von cidaris49 » Donnerstag 5. Januar 2023, 15:13

Hola Frank!
Vielen Dank für den umfassenden Artikel, den ich bei meinem nächsten Lanzarote-Urlaub im April sicherlich gut nutzen kann.
Zu einem Punkt möchte ich aber einen Korrekturhinweis geben:
Die "Straußeneier" bei Órzola sind keine Straußeneier, sondern stammen von großen Seevögeln ähnlich dem Albatros, nachzulesen bei:
Carracedo und Troll (2016): The Geology of the Canary Islands, Seite 525-527
Da heißt es (übersetzt):

In diesen Dünen gefundene große Eierschalen (Abb. 7.38B), die ursprünglich einem nicht fliegenden fossilen Strauß zugeschrieben wurden, lösten eine interessante biogeografische Debatte aus, da sie eine Landverbindung (eine Landbrücke) zwischen den Kanarischen Inseln und dem afrikanischen Kontinent zwischen der späten Kreidezeit vermuten ließen und das Miozän. Diese Hypothese steht im Widerspruch zur regionalen Geologie, da heute bekannt ist, dass alle Kanaren auf ozeanischer Kruste ruhen und der Ozeanabschnitt zwischen Lanzarote und dem Kontinent seit der Kreidezeit ein tiefes, kontinuierlich aktives Sedimentbecken ist. Neue Beweise scheinen den Widerspruch zu lösen und deuten darauf hin, dass diese Eier mit paläo-fliegenden Vögeln verwandt sind, die eine Art großer ozeanischer Vögel waren, die wahrscheinlich modernen Albatrossen ähneln, aber größer sind. Diese Vögel nisteten wahrscheinlich in äolischem Sand, wodurch einige Eier konserviert werden konnten (siehe García -Talavera, 1990, Aves gigantes en el Mioceno de Famara. Revista de la Academia Canaria de Ciencias 2, 71-79).

Ich weiß nicht, ob es zu diesem Thema neuere Publikationen gibt.

Ich werde versuchen, einen Auszug aus diesem Buch anzuhängen. Wenn das nicht klappt, müsstest Du mich per Mail anschreiben, damit ich Dir den Anhang direkt zusenden kann.

Saludos Gunther

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