Fossil des Monats Mai 2015

Wir wählen jeden Monat das Fossil des Monats. Hier findet ihr die Kandidaten und Abstimmungen. Natürlich kann jeder selbst Fossilien zur Wahl stellen und an den Umfragen teilnehmen. Die Gewinner findet ihr in unserer Galerie auf Steinkern.de.

Moderatoren: Sönke, Miroe

Welches Fossil soll das Fossil des Monats Mai 2015 von Steinkern.de werden?

Umfrage endete am Dienstag 16. Juni 2015, 12:02

lupus: Unterkiefer (Conchorhynchus) von Germanonautilus aus dem Oberen Muschelkalk (Trias) von Troistedt
5
3%
TobiasG: Cadomites aus dem Bajocium (Mitteljura) von Sengenthal i.d.Opf.
27
18%
hubertus68: Koralle Pleurocora arachnoides aus dem Meerssen-Member (Oberkreide) von Maastricht
16
11%
stefan78: Ceratites enodis aus dem Oberen Muschelkalk (Trias) von Haina
18
12%
tbillert: Carnallicrinus carnalli aus dem Unteren Muschelkalk (Trias) von Obermöllern bei Bad Kösen
12
8%
Otoites: Hyperlioceras discites aus dem Mitteljura der Krottenbachschlucht (Wutachregion)
10
7%
Jens K: Trilobit Belenopyge estevei aus dem Pragium (Devon) von Jbel el Mrakib, Maider, Marokko
63
42%
 
Abstimmungen insgesamt: 151

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Sönke
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Fossil des Monats Mai 2015

Beitrag von Sönke » Freitag 1. Mai 2015, 00:40


Die Abstimmung über das Fossil des Monats Mai ist gestartet!

Bitte beteiligt Euch bis spätestens Dienstag 16. Juni 2015, 12:02. :)


Euer Moderatoren-Team
Michael und Sönke

lupus
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Re: Fossil des Monats Mai 2015

Beitrag von lupus » Freitag 8. Mai 2015, 16:32

Hallo Steinkerne,

ich stelle Euch hier einen Unterkiefer von Germanonautilus zur Wahl.

Das gute Stück habe ich im Sommer vergangenen Jahres im alten Bruch bei Troistedt gefunden. Die Präparation hat sich ziemlich hingezogen, da der Kiefer tief im Kalk steckte (s. erstes Foto). Vorteil dabei ist, dass er recht gut erhalten ist.
Das Besondere an dem Fossil ist die Erhaltung von organischer Substanz in Form kohligen Materials. Dieses Material ist etwas bröselig, weshalb ich mich bei der Präparation auf vorsichtiges Schaben unter dem Bino beschränkt habe. Zwischendurch kam auch mal Ameisensäure zum Einsatz, jedoch nicht ohne vorher die kritischen Stellen mit Mowilith zu versiegeln. Zum Schluß habe ich das überschüssige Mowilith mit Aceton abgewaschen und nochmal mit Mowilith eingelassen.

Ich hoffe, dass Euch der Kiefer auch so sehr gefällt wie mir!
LG Marcus (lupus)

Fossil: Conchorhynchus
+ einige Muschelreste, ein Ceratitenrest auf der Rückseite
Größe: ca. 2,5 cm x 2,0 cm
Stratigraphie: Oberer Muschelkalk (Trias)
Fundort: Alter Steinbruch bei Troistedt, Ostwand
Präparation (ca. 60 h): Schaben unter Bino, Ameisensäure, Mowilith
Sammlung, Präparation und Fotos: lupus

Für bessere Auflösung bitte auf die Fotos klicken.
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01 Conchorhynchus - Fundzustand.JPG
01 Conchorhynchus - Fundzustand.JPG (857.38 KiB) 22986 mal betrachtet
02 Conchorhynchus - Draufsicht.JPG
Maßstab: 1 cm
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TobiasG.
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Re: Fossil des Monats Mai 2015

Beitrag von TobiasG. » Sonntag 10. Mai 2015, 13:28

Hallo liebe Steinkerne,

heute möchte ich einen 2,8 cm kleinen Cadomites sp. ins Rennen schicken.

Gefunden wurde dieser auf einer großartigen Steinkernexkursion im August 2014. Da wir in Teams abgebaut haben und anschließend die Funde aufgeteilt haben, ist es mir nicht möglich zusagen, wer genau diesen Cadomites geborgen hat. Einige Monate lag der Cado nun unangetastet in meinem Keller, weil ich bange hatte bei der Präparation die Dornen zu verlieren.
Dank einiger hilfreicher Tipps von erfahrenen Steinkernen (http://forum.steinkern.de/viewtopic.php?f=19&t=20566) habe ich mich schließlich doch an die Präparation gewagt.

Das Ergebnis zeigt sich nun ohne jegliche Ergänzungen. Drei Dornenspitzen sind mir während der Präparation abhanden gekommen. Die übrigen Fehlenden sind bei der Bergung verloren gegangen.

Fossil und Größe: Cadomites sp. (Durchmesser: 2,5 cm)
Fundort: Steinbruch Winnberg bei Sengenthal i.d.Opf.
Fundschicht / Stratigraphie: Mittlerer Jura, Bajocium
Präparationswerkzeug: Stichel, Strahler, Schaber, Nassschleifpapier
Sammlung und Fotos: Tobias Gertz

Schöne Grüße,
Tobias
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hubertus68
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Re: Fossil des Monats Mai 2015

Beitrag von hubertus68 » Dienstag 19. Mai 2015, 23:41

Hallo liebe Steinkerne,

ich kann nicht anders als die von mir Mitte April gefundene Koralle am Wettbewerb teilnehmen
zu lassen. Sie zeigt so schöne Details, wie man sie nur selten in der Fundschicht findet – und
das obwohl sie nur ein Innenabdruck ist!

Die Fundstory lautet folgendermaßen: Als Mitglied der NGV (Nederlandse Geologische Vereniging,
Abteilung Süd-Limburg) besuche ich regelmäßig den bekannten ENCI-Steinbruch in Maastricht (NL).
Wegen Renaturierungs-Maßnahmen steht uns ab diesem Jahr nur noch ein kleiner Teil der Grube
für's Fossiliensammeln zur Verfügung. Und gerade in diesem Teil hatte ich noch nie gesucht.
Die Vorfreude auf neue Fossilien, die sich noch nicht in der Sammlung befinden, war also groß.

Die attraktivste Lage in diesem Teil der Grube, der Kalkstein von Meerssen, war mein Ziel.
Schnell musste ich jedoch feststellen, dass diese Lage größtenteils abgegraben wurde, also suchte
ich in der darunter liegenden Lage – leider ohne nennenswerten Erfolg.

Beim Rückweg nach unten stach mir aber ein großer Brocken ins Auge, der anscheinend keinem bisher
aufgefallen war: Einer der letzten Brocken aus dem Meerssener Kalkstein – voll mit Fossilien!!
Also schnell Hammer und Meißel ausgepackt und frisch ans Werk. Denn die Lage ist, verglichen mit vielen
anderen aus der Maastrichter Oberkreide, KNÜPPELHART! Nach ein paar Minuten offenbarten sich mir
Rudisten, Brachiopoden, zahllose Foraminiferen, Bryozoen und Korallen. Auf Letztere hatte ich es abgesehen
und schon nach einer halben Stunde hatte ich die ersten schönen Belege im Eimer
(http://www.steinkern.de/forum/viewtopic ... 30&t=20739).

Das schönste Stück war aber eine detailreiche Pleurocora arachnoides, WALCH, 1777, die ich hiermit zum
Wettbewerb einreiche. Determiniert wurde sie von Jacob Leloux (Hartelijk bedankt!).

Die Präparation war nicht ganz einfach, da die Matrix zum Teil schwer verkieselt war. Um die kleinen Details
der Koralle nicht zu beschädigen entschied ich mich dafür, das Ganze manuell zu machen. Ich entschied
mich für eine solide Reißnadel aus dem Fliesenlegergewerbe, mit der ich die umgebenden Matrixbestandteile
heraushebeln konnte. Dafür benötigte ich gute eineinhalb Stunden für das Freilegen einer Fläche von
ca. 3 x 3,5 cm!

Das Resultat ist in meinen Augen traumhaft schön, vor allem, wenn man es mit der Kamera mal ranzoomt.

Ich hoffe, Euch gefällt es genauso.

Fossil und Größe: Pleurocora arachnoides, WALCH, 1777 (Durchmesser: 3 x 3,5 cm)
Fundort und -datum: Steinbruch ENCI, Maastricht, 18.04.2015
Fundschicht: Meerssen Member (IV f3-5)
Präparationswerkzeug: Reißnadel, Präpariernadel, diverse Pinsel
Konservierung: Mowilith-/Aceton-Mischung
Determination: Jacob Leloux, Naturalis Biodiversity Center, Department of Geology, Leiden, Niederlande
Sammlung und Fotos: Oliver Kesselhut

Beste Grüße,
Oliver Kesselhut

Beste Grüße,
Oliver
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stefan78
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Re: Fossil des Monats Mai 2015

Beitrag von stefan78 » Mittwoch 20. Mai 2015, 14:54

Hallo,

mein Fossil des Monats ist ein Ceratites enodis aus dem Oberen Muschelkalk einer temporären Massenentnahmestelle bei Haina (Thüringen). Der Ceratit wurde Mitte Mai im Horizont der Schellroda-Bank + 40 cm geborgen. Er durchmißt 11.5 cm und wurde ausschließlich mittels eines Ultraschall-Meißels und Wasser präpariert. Abschließend wurde der Ceratit dünn mit Rember eingelassen.

Mit seiner nahezu perfekt erhaltenen Oberfläche stellt der Ceratit meinen bislang besten Fund von dieser Fundstelle dar. Zu erwähnen ist eine ganz leichte Kappung des Phragmokons, die auf der Sichtseite des Ceratiten nicht zu erkennen ist.

Die wichtigsten Angaben im Überblick:

Fossil: Ceratites enodis
Größe: 11.5 cm
Stratigraphie: Oberer Muschelkalk, Schellroda-Bank + 40 cm
Fundort: nahe Haina, Thüringen
Präparation: mechanisch mit einem Ultraschall-Meißel, Rember
Foto, Sammlung, Präparation: Stefan Wagner

Grüße,
Stefan.
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tbillert
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Re: Fossil des Monats Mai 2015

Beitrag von tbillert » Donnerstag 21. Mai 2015, 17:27

Hallo zusammen,

in diesem Monat beteilige ich mich mit einem Stück aus dem Schaumkalk (Unterer Muschelkalk) von Obermöllern bei Bad Kösen / Freyburg/Unstrut.

Der Raum Freyburg/Unstrut im südlichen Sachsen-Anhalt hat in der Vergangenheit wunderbare Exemplare der Seelilie Carnallicrinus carnalli (früher Chelocrinus carnalli, siehe dazu auch hier) geliefert. Leider gibt es heute keine aktiven Aufschlüsse im Schaumkalk mehr. Die letzte Lokalität, die überhaupt noch - mit extrem viel Mühe! - Funde ermöglicht, ist ein aufgelassener Bruch bei Obermöllern, welcher während der Abbauzeit hervorragende Lilien lieferte (siehe dazu auch hier). Heute ist man auf das mühsame Absuchen der langsam zuwachsenden Halden angewiesen. Dies haben wir - unerschütterliche und leidensfähige Muschelkalksammler - im letzten Jahr mehrmals getan. Wir, das sind in erster Linie Frank Siegel (Heinitz-Bruch) und meine Wenigkeit. Kronen sind die absolute Ausnahme, wenn überhaupt dann gibt es Haftorgane oder Stielfragmente zu finden (jedoch sind auch diese weniger als rar gesät).

Im Spätsommer 2014 war Sebastian Brandt (brabast) mit vor Ort und fand nach vielen Stunden des Steineumdrehens ein Kelchfragment in einem Schaumkalk-Block. Einige Wochen später übergab Sebastian das anpräparierte Stück an mich, da es nicht zu seinem Sammelgebiet passt. Frank war kurze Zeit später zu Besuch und bot sich an, die Lilie zu präparieren - was ihm meisterhaft gelungen ist! Die Präparation geschah im April 2014, rein mechanisch durch Sticheln und viel vorsichtiges Schaben und nahm ca. 20 Stunden in Anspruch. Das fertige Stück befindet sich nun in meiner Sammlung (und Frank bekommt lebenslang freie Bratwurst bei mir ;-) ).

Mein Dank geht an Sebastian für das Überlassen und an Frank für die Präparation!

Hier nochmal zusammengefasst die Daten:

Fossil: Krone der Seelilie Carnallicrinus carnalli
Größe: ca. 6 cm
Fundschicht / Stratigraphie: Trias, Unterer Muschelkalk, Schaumkalkzone
Fundort: Obermöllern bei Bad Kösen, Sachsen-Anhalt
Fund: Sebastian Brandt (brabast)
Präparation: Frank Siegel (Heinitz-Bruch)
Sammlung: Thomas Billert

Viele Grüße,

Thomas.
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Gesamtansicht des Stücks mit Maßstab
Moellern-Lilie-FdM1.JPG (1.41 MiB) 22396 mal betrachtet
Moellern-Lilie-FdM2.JPG
Detailaufnahme der Krone 1
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Moellern-Lilie-FdM4.JPG
Die Kelchbasis ist nahezu unverdrückt
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Detailaufnahme der Krone 2
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Zustand nach dem Anpräparieren - man sieht die beim Fund freiliegenden Armfragmente und Kelchbasis
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Das Tolle am Internet ist, dass endlich jeder der ganzen Welt seine Meinung mitteilen kann – Das Furchtbare ist, dass das auch jeder tut.
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Otoites
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Re: Fossil des Monats Mai 2015

Beitrag von Otoites » Donnerstag 28. Mai 2015, 21:58

Hallo Fossilienfreunde,

möchte hier den Ammoniten Hyperlioceras discites in den Wettbewerb stellen.
Obwohl dieser Ammonit keine besondere Formschönheit besitzt und auch nicht in Schalenerhaltung vorliegt sondern als ein echter "Steinkern" sich zeigt, hat dieses Exemplar doch seine besonderen Reize.

Hyperlioceras discites
Durchmesser 17cm
Fundort: Krottenbachschlucht (Wutachregion)
Sammlung und Präparation: Michael Kutz
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Jens K.
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Re: Fossil des Monats Mai 2015

Beitrag von Jens K. » Samstag 30. Mai 2015, 21:47

Hallo allerseits,

praktisch in den letzten Minuten vor Toreschluss möchte ich ebenfalls ein Präparat von mir hier vorstellen, welches diesen Monat nach etwa 30 Stunden Arbeitszeit fertig geworden ist. Es ist natürlich wieder einmal ein Trilobit, aber ein ganz Spezieller.

Fossil (Gattung / Art): Belenopyge estevei Corbacho & Kier, 2013
Größe: max. 2,4cm breit, 2,6cm lang
Fundschicht / Stratigraphie: Pragium, Ihandar Formation
Fundort oder Fundregion: Jbel el Mrakib, Maider, Marokko
Foto, Sammlung: Jens Koppka


Lichide Trilobiten sind im Devon nicht gerade häufig und deshalb begehrte Sammelobjekte. Sie sind eigentlich immer ziemlich stark ornamentiert und besitzen reichlich Stacheln, Pusteln oder Knötchen. Es macht viel Arbeit solche Tiere so zu präparieren, so dass von dieser zum Teil recht abenteuerlichen Bestachelung auch möglichst alles erhalten bleibt.

Nun, ich denke es ist bei dieser hübschen Belenopyge recht gut geglückt und die viele Arbeit hat sich in doppelter Hinsicht gelohnt, denn es stellte sich heraus, dass es sich um ein Exemplar mit einer heftigen Pathologie handelt.

Für mich sind solcherart Fossilien extrem spannend, einerseits vermittlen sie uns einen Einblick in das damalige Leben vom Fressen und Gefressen werden. Aber andererseits zeigen sie uns auch das enorme Regenerationsvermögen, welches Trilobiten besitzen, um beschädigte Panzerteile zu reparieren und gegebenfalls neu nachwachsen zu lassen.

Okay, ein paar Bemerkungen zu dieser ungewöhnlichen Pathologie. Die linke Seite des Trilobiten ist völlig normal entwickelt, aber wenn wir mal genauch hinschauen sieht man dass die Spindel des Thorax leicht konkav auf der rechten Seite gebogen ist. Dazu muss man wissen, dass Trilobiten ihren Thorax nicht nach links und rechts winden konnten, sondern sich halt nur Einrollen oder Ausrollen konnten. Man denke an die Kellerassel, bei denen ist es genauso.

Offensichtlich wurde dieses Exemplar ein paar Häutungen vor dem jetzigen Zustand attackiert und verlor bei Attacke zwar nicht das Leben aber dafür mindestens 2 Stacheln am Pygidium und 2 weitere Stacheln auf der rechten Thoraxseite. Die beiden unteren Stacheln sind im Vergleich zu den anderen leicht verdreht und deutlich dünner als die neu gebildeten Stacheln darüber. Beim Pygidium kam es zur Verschmelzung von Segmenten und ein ausgebissener Bereich wurde mehr schlecht als recht durch neugebildete Schale und Stacheln ersetzt. Der untere neugebildete Stachel verzweigt sich sogar.

Es ist somit ein ziemlich interessanter Fund, der ein kleines aber feines Prunkstück meiner Trilobiten-Sammlung darstellt.

Bin ehrlich stolz auf das gute Stück und freue mich Euch das Ergebnis hier vorstellen zu können.
Die Präparation war aufwendig, da der Bruch ungünstig war und von der fragilen Sekundärbestachlung mal ganz zu schweigen. Das ganze wurde nach dem Anfenstern geklebt und dann mit feinen Pneumatiksticheln (HW-1, HW-70, fürs Grobe HW-60), einem Proxon-Schleifer und für die feine Bestachelung mittels Sandstrahltechnik vorsichtig frei gelegt.
Die Fotos zeigen einerseits den Trilo einmal natürlich und dann in Weiß, nach einer Bedampfung mit Ammoniumchlorid. Die Feinstrukturen sind auf bedampften Fotos deutlich besser darstellbar und haben wie ich finde ihren eigenen Reiz.

viele Grüsse,
Jens
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IMG_9084-SK.jpg
Belenopyge estevei, auf Matrix
IMG_9084-SK.jpg (144.07 KiB) 21939 mal betrachtet
IMG_9048-low-Sk.jpg
vergrössert
IMG_9048-low-Sk.jpg (325.42 KiB) 21939 mal betrachtet
IMG_9053-low-SK.jpg
mit Ammoniumchlorid bedampft
IMG_9053-low-SK.jpg (174.07 KiB) 21939 mal betrachtet
IMG_8871-low-Sk.jpg
Kopf von vorne
IMG_8871-low-Sk.jpg (59.11 KiB) 21939 mal betrachtet
IMG_9057-SK.jpg
Pygidium und Thorax auf der rechten Seite pathologisch
IMG_9057-SK.jpg (157.23 KiB) 21939 mal betrachtet

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Re: Fossil des Monats Mai 2015 (Abstimmung läuft!)

Beitrag von Sönke » Montag 1. Juni 2015, 12:04

Sönke hat geschrieben:
Die Abstimmung über das Fossil des Monats Mai ist gestartet!

Bitte beteiligt Euch bis spätestens Dienstag 16. Juni 2015, 12:02. :)


Euer Moderatoren-Team
Michael und Sönke
Auf geht´s zu einem toll besetzten Wettbewerb - es verspricht diesmal besonders spannend zu werden! :D

Viele Grüße
Sönke

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Re: Fossil des Monats Mai 2015 (Abstimmung läuft!)

Beitrag von primigenius » Dienstag 2. Juni 2015, 22:30

Das ist ja dieses mal brutal schwer sich zu entscheiden.
Ich sehe da mindestens drei Kandidaten die alle den Sieg verdient hätten.
Und Weitere die aufgrund ihrer Seltenheit auch einen Spitzenplatz verdient hätten.
Bin gespannt wer das Rennen macht.
Grüße aus dem Hexental
Emil

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Re: Fossil des Monats Mai 2015 (Abstimmung läuft!)

Beitrag von lupus » Dienstag 16. Juni 2015, 20:09

Meinen Glückwunsch an Jens und vielen Dank den anderen vier Nautilusvotern!
VG lupus

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Re: Fossil des Monats Mai 2015

Beitrag von Sönke » Dienstag 16. Juni 2015, 21:16

Hallo zusammen,

es war ein wunderbares Teilnehmerfeld diesmal - vom Ersten bis zum Letzten, jedes Stück für sich ein echtes Fossil des Monats für den Finder / Präparator! :top:

Glückwunsch auch von mir an Jens, dessen Belenopyge relativ klar das Rennen gemacht hat! :)

Diesmal hatte ich vergessen an die Teilnahme am Wettbewerb noch mehrmals zu erinnern, schön, dass trotzdem über 150 Stimmen abgegeben wurden. :thx:

Viele Grüße
Sönke

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hubertus68
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Re: Fossil des Monats Mai 2015

Beitrag von hubertus68 » Mittwoch 17. Juni 2015, 00:00

Glückwunsch Jens. Ist auch wirklich ein tolles Teil und vor allem: toll gepreppt!

Gruß,
Oliver

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Jens K.
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Re: Fossil des Monats Mai 2015

Beitrag von Jens K. » Mittwoch 17. Juni 2015, 01:32

Hallo,

freue mich sehr, dass trotz der vielen tollen Präparate meine Belenopyge gewonnen hat. Habe sehr viel Arbeit mit ihr gehabt und dann gabs am Ende noch eine schöne Überraschung.

Vielen Dank für die Glückwünsche;-)

lg,
Jens

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Piesbergala
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Re: Fossil des Monats Mai 2015

Beitrag von Piesbergala » Mittwoch 17. Juni 2015, 10:42

Hallo zusammen,

herzlichen Glückwunsch an Jens für den genialen Trilo mit Pathologie :eek: .
Ich hätte gerne mehrere Stimmen gehabt zum Verteilen, denn auch die anderen Kandidaten waren super :hmm: und die Verteilung der Stimmen spiegelt das tolle Niveau der Fossilien nicht ganz wieder.

Gruß
Piesbergala

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