Sockel für kleine Fossilien und Mineralien selbst gemacht

Jeder Sammler kennt das Problem: Wie will man kleine Fossilien in Vitrinen schön präsentieren? Klar, man verwendet Sockel. Acrylsockel gibt es im einschlägigen Handel, zumeist sind diese transparent oder schwarz. Das sieht gut aus, kostet aber eine Kleinigkeit.
Man kann Sockel stattdessen auch selbst bauen. Eine Zeit lang habe ich hierfür Cut-Plex-Reste aus der Orthopädie verwendet. Das funktionierte auch, aber der Verschleiß an Sägeblättern auf der großen Bandsäge war enorm, da diese sich schnell mit dem Zeug zugesetzt haben und dann gerissen sind. Zudem kommt auch nicht jeder mal eben an Material und Gerätschaften, sodass ein Nachbau nicht so einfach zu realisieren wäre. Ich habe auch schon Astscheiben gesehen, auf die man dekorativ Fossilien und Mineralien gesockelt hatte, auch das ist eine Idee. Sie sehen schon, Möglichkeiten gibt es viele. In diesem Artikel möchte ich Ihnen eine weitere Möglichkeit zum „Sockeln“ kleiner Fossilien und Mineralien vorstellen.

 

Ein Beispiel wofür man kleine Sockel benötigt
Wenn man eine Fundstelle intensiv besammelt die vorwiegend kleine Muscheln, Brachiopoden, Kugelzähnchen, hin und wieder einen kleinen Fischkiefer, Seeigelkapseln, ab und zu ein paar Stacheln, Krebsscheren und anderes Kleinzeugs liefert? Und noch dazu ist alles lose, d. h. keine oder kaum Stücke, bei denen die Matrix als Präsentationssockel gestaltet werden kann, was sicherlich die, wo immer dies möglich ist, anzustrebende Ideallösung in Sachen „Sockel-Präsentation“ ist.
Eine solche Kleinfauna-Sammlung geht zahlenmäßig ganz schnell in die Hunderte. Wenn man diese nicht nur in Schachteln in einer Schublade verstauen möchte, sondern in einer Vitrine präsentieren will, kann das schnell eine Herausforderung für den eigenen Etat werden.

 

Wie bin ich eigentlich auf dieses Thema gekommen?
Nun, ich habe auch eine kleine Mineraliensammlung, „nix Dolles“. Als ich die neulich durchfotografieren wollte, fiel mir auf, dass der zum Aufsockeln verwendete Kitt leider oft in die Stücke und Stüfchen Öle abgegeben hatte - entsprechende Fettränder sehen alles andere als gut aus. Die Mineralien befanden sich überwiegend schon an die 15 Jahre in der Sammlung, da passiert das dann halt, es störte mich allerdings schon ein wenig. Folglich habe ich alle Mineralien von ihren bisherigen Sockeln heruntergenommen, den Kitt so gut es ging entfernt und die Mineralien dann erst einmal eine Woche über in Waschbenzin eingelegt. Die Fettränder bin ich damit weitgehend losgeworden. Den Rest erledigte dann ein mehrere Tage währendes Bad in Aceton. Ja und dann lag sie da, die ganze Pracht in Kisten.
Wie sollte es mit der Sammlung weitergehen?
Durch Zufall stolperte ich bei einem Besuch im Baumarkt in die Fliesenabteilung, warum auch immer und da sah ich sie dann: Mosaikfliesen aus Glas. Eine Idee reifte heran. Daheim ging es dann zur Rercherche ins Internet. Dort ist die Auswahl zumeist größer als in einem Baumarkt. Man kann sich schnell ein Überblick verschaffen. Z. B. bei Ebay in der Rubrik "Fliesen" mit den Suchbegriffen "Glasmosaik" und "Fliesen" bzw. direkt über diesen Link:
https://www.ebay.de/sch/i.html?_from=R40&_trksid=p2047675.m570.l1311.R4.TR12.TRC2.A0.H0.Xglasmosaik.TRS0&_nkw=glasmosaik+fliesen&_sacat=0
Da gibt es alles! Unterschiedliche Formate, viele Farben, spannende Texturen, variierende Stärken und verschiedenste Gebindegrößen. Natürlich kann man die Suche auch noch auf die Sektoren Fliesen und Natursteine erweitern, wenn man dies möchte.

Aller Anfang ist schwer. Ich bestellte zunächst ein paar Matten und wenige Muster. Der Volltreffer war die Matte „Transparent weiß“, der Megazonk die Matte mit verspiegeltem Boden und Facettenschliff oben. Die wurde gleich den Mädels einer Arbeitskollegin zum Verbasteln übergeben.

Für meinen Kleinkram habe ich mich für das 23 mm Quadrat entschieden, vorzugsweise in weißer oder in schwarzer Ausführung.

 

Was braucht man?
Wie geht das Ganze nun? Die Mosaiksteinchen alleine machen es noch nicht, denn zupft man sie vom Netz, auf dass sie geklebt sind, bleibt auf dem Boden eine raue Oberfläche. Diese könnte Kratzer auf Holz- und Glasböden hinterlassen und die Sockel kippeln etwas. Nicht wirklich gut. Was schnell Abhilfe schafft, sind Filzgleiter im richtigen Format. Z. B. diese hier im Format von 22 x 22 mm:
https://www.ebay.de/itm/320-Filzgleiter-selbstklebend-22x22mm-M%C3%B6belgleiter-Stuhlgleiter-Stuhlgleiter/162491434498?ssPageName=STRK%3AMEBIDX%3AIT&_trksid=p2057872.m2749.l2649
Die Teile zum Unterkleben sollten dünn sein, damit das Ganze nicht so aufträgt. Von Vorteil ist es auch, wenn die Filzgleiter schon die passende Größe haben. Will man die nämlich aus einer Platte schneiden (alles schon probiert), kleistert man sich die Schere mächtig zu und wenn man nicht gehörig Acht gibt, versaut man sich auch noch die Schneiden am Glas.

 

Die Kosten
Ich habe mir von einem Anbieter zwei Matten bestellt. Unter Einschluss der Versandkosten liegen wir bei aufgerundeten 12 €. Dazu kommen die Kosten für 320 Filzgleiter, die inklusive Versand bei abgerundeten 6 € liegen. Macht zusammen 18 € und im Ergebnis haben wir über 200 Sockel! In Acryl ist man schnell mal bei 20 € für 10 Sockel annähernd identischer Größe, die Preisersparnis liegt auf der Hand.

 

Das Aufsockeln
Und dann geht es ans Werk. Die Mosaiksteinchen werden von den Matten gelöst, ggf. entgratet und gleich von unten mit einem Filzgleiter versehen.

 

1

Abb. 1: Die noch in Folie verpackten Matten.

 

2

Abb. 2

 

3

Abb. 3: Die größenmäßig auf die Mosaiksteinchen abgestimmten Filzgleiter sind eingetroffen. Diie Arbeit kann beginnen!

 

4

Abb. 4: Die Glasmosaiksteine auf ihrem Netz.

 

5

Abb. 5: Nach dem Abnehmen folgt das Entgraten.

 

6

Abb. 6

 

7

Abb. 7: Aukleben der Filzgleiter.

 

Die fertigen Sockel kommen alle in eine Kiste. Man kann ruhig mehr basteln als man zunächst benötigt, die Sockel werden so schnell nicht schlecht. Ja und wenn mal etwas schief geht, hat man gleich Reserve und muss nicht wieder von Vorne anfangen.
Die gereinigten Stücke liegen vor einem auf dem Tisch, die Sockel vorzugsweise in einer Schale.Aufgrund der oben beschriebenen Negativerfahrung wollte ich nicht wieder mit Kitt arbeiten, so entschied ich mich für Heißkleber. Der Umgang damit erfordert kaum Übung, aber einige Vorbereitungen. Man sollte eine Unterlage haben und dort wo man die Klebepistole ablegt am besten eine Pappe, die man darunter legt. Im Dauereinsatz neigt die Klebepistole zum „Sabbern“ (zumindest meine).

 

8

Abb. 8: Ein erster Test der Heißklebepistole.

 

Mit einer Lampe, die auf die noch unbestückten Sockel gerichtet ist, wärmt man diese etwas vor, dann haftet der Kleber besser.
Vor jedem Klebevorgang sollte man zunächst eine „Trockenübung“ machen und das Stück einmal probehalber dort anhalten, wo es am Ende auf dem Sockel stehen sollte. Geht mal etwas schief, reicht in der Regel heißes Wasser um Stein, Kleber und Sockel wieder voneinander zu trennen.

Dann wird es ernst: Kleberklecks auf den Sockel mit der einen Hand, in der anderen Hand schon das anzubringende Fossil oder Mineral.

 

9

Abb. 9

 

Vorsichtig wird das Objekt mit einem Finger ohne Druck in Position gehalten, bis der Kleber erstarrt ist. Und dann geht es gleich mit dem nächsten Teil weiter.

 

10 11

Abb. 10 und Abb. 11

 

Manchmal ist es erforderlich, nachdem das Objekt aufgeklebt wurde, auch seitlich noch etwas mit Kleber zu unterfüttern, damit auch bei verschobenem Schwerpunkt das ganze Konstrukt auf Dauer hält.

Die Wahl der Sockel ist Geschmackssache. In der Regel ist es aber so, dass helle Objekte auf dunklen Sockeln besser wirken.

 

14

Abb. 12

 

15

Abb. 13

 

In einer kleinen Vitrine sieht das schon recht professionell aus:

 

16

Abb. 14

 

Ein paar Beispiele einzeln aufgenommen:

 

17

Abb. 15: Rote Smaragde (oder auch roter Beryll), Violett Claims, Wahwah Mountains (Utah), USA.

 

18

Abb. 16: Muschel in Chalzedon-Erhaltung aus dem Eozän der Dakhla Region, Marokko.

 

19

Abb. 17: Schnecke in Chalzedon-Erhaltung aus dem Eozän der Dakhla Region, Marokko.

 

20

Abb. 18: Schnecke in Chalzedon-Erhaltung aus dem Eozän der Dakhla Region, Marokko.

 

21

Abb. 19: Dass es in Marokko neben attraktiven Fossilien auch reizvolle Mineralien gibt, beweist dieser Vanadinit aus Mibladen.

 

Speziell beim letzten Stück fällt noch etwas auf: Weiße Sockel reflektieren das Licht so, das die Stücke teilweise auch von unten beleuchtet werden. Dies kann beim Fotografieren von Vorteil sein, da es die Farben betont. Licht schafft es auf diesem Wege, wie etwa bei Abb. 17, der senkrecht aufgesetzten Schnecke aus Marokko, in tote Winkel bei Hinterschneidungen zu gelangen und leuchtet dezent das vorhandene Relief aus.

 

Viel Vergnügen beim Nachbau!

Udo Resch

 

 


 

Lob, Kritik, Anmerkungen und Fragen zum Artikel im Steinkern.de Forum:

https://forum.steinkern.de/viewtopic.php?f=3&t=26211