Chilopoda (Hundertfüsser) in Baltischem Bernstein

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boborit
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Chilopoda (Hundertfüsser) in Baltischem Bernstein

Beitrag von boborit » Dienstag 10. April 2012, 20:15

Hallo Bern-Steinkerne,

heute möchte ich euch ein kleines, nicht zu unterschätzendes, Raubtier vorstellen.
Aus der Überklasse der Tausendfüsser leitet sich die Klasse der Hundertfüßer ab. Diese "Vielfüßer" haben ein Beinpaar pro Körpersegment, während die Tausendfüßer ansich 2 Beinpaare pro Segment aufweisen. Wirklich 1000 oder 100 Füße haben die aber nicht :wink:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hundertf%C3%BC%C3%9Fer

Der hier gezeigte "Steinläufer" http://de.wikipedia.org/wiki/Steinl%C3%A4ufer kommt auch heute noch in kaum veränderter Form in unseren Gärten vor (z. B. wenn man Steine umdreht).
Nachts macht er sich dann mit starkem Biss und Gift auf die Jagd.
Nachweisen lassen sich die Urahnen bis in das Karbon, damals in Riesenformen mit bis zu 2 Meter länge (siehe z.B. Arthropleura): http://de.wikipedia.org/wiki/Arthropleura
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Hundertfüßer (Steinläufer)
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Viele Grüße - Michael

..."Was wiederum bestätigt, dass das im Stein möglich Vorhandene sich optisch mehr verbergen, als das Sichtbare unmöglich optisch vorhanden sein kann! "

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boborit
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Beitrag von boborit » Sonntag 6. Mai 2012, 18:31

Hallo Inklusianer,

ich habe heute den Steinläufer erneut unter das Stereomikroskop gelegt und mein Glück versucht. Nun, zumindest im Detailbild ließ er mich in seine (seitlich am Kopf anliegenden) Augen schauen.
Als vor gut 50 Millionen Jahren ein anderer kleiner Gliederfüßer in diese Augen schaute war es vermutlich auch schon zu spät... :heul:

Möchtet ihr auch mal schauen? Bitte sehr! :wink:
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Steinläufer im Detail
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Viele Grüße - Michael

..."Was wiederum bestätigt, dass das im Stein möglich Vorhandene sich optisch mehr verbergen, als das Sichtbare unmöglich optisch vorhanden sein kann! "

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Beitrag von Thomas_ » Sonntag 6. Mai 2012, 21:04

Immer wieder irre diese Erhaltung!

Das Foto ist vermutlich eine ziemliche Herausforderung gewesen.
Mit welcher Ausrüstung Bzw Optik bist du das angegegangen?


Bin gespannt was als nächstes kommt
Thomas

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Beitrag von Wolfgang » Sonntag 6. Mai 2012, 21:22

Servus Michael

Wie groß ist denn das Monsterchen?
Und vor allem, wie alt?

Grüße
Wolfgang
Der höchste Lohn für unsere Bemühungen ist nicht das, was wir dafür bekommen, sondern das, was wir dadurch werden.

John Ruskin (1819-1900)

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Beitrag von Jens K. » Sonntag 6. Mai 2012, 23:09

Dachte ich könnte mir ein Posting sparen, aber auch dieses Exemplar ist klasse.
Bin begeistert. Sieht irre aus.

lg,
Jens

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Beitrag von boborit » Montag 7. Mai 2012, 18:16

Hallo Wolfgang, Thomas, Jens und weitere Inklusenfreunde,

also, gemacht habe ich das Detailbild mit meinem russischen Stereomikroskop MBS-10 und meiner Digicam Panasonic DMC TZ8 mit Leica-Optik. Ich habe mir nun ein gebrauchtes "Wild" Stereomikroskop gekauft, kommt (hoffe ich) die Woche. Mal sehen ob es mir gelingt, dann noch bessere Bilder zu machen!

Groß ist das "kleine" Raubtier satte 8 mm! Und wie alt...? Nunja der Baltische Bernstein wird so mit 30 - 50 Millionen Jahre gehandelt (also Oligozän-Eozän).

Ich poste mal ein Bild von dem ganzen Stein als Größenvergleich... mom...
Viele Grüße - Michael

..."Was wiederum bestätigt, dass das im Stein möglich Vorhandene sich optisch mehr verbergen, als das Sichtbare unmöglich optisch vorhanden sein kann! "

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Beitrag von boborit » Montag 7. Mai 2012, 18:19

... so, hier nun das kleine Raubtier gefangen im goldenen Bernstein...
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Viele Grüße - Michael

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Beitrag von Ahorn » Montag 7. Mai 2012, 20:40

Hallo Michael

Wunderschön als wie wenn er gleich aus den Stein kommen würde, so eine perfekte Erhaltung und wie viele unterschiedliche Insekten Ihr in den Bernsteinen findet, und wie Wunderschön Du diese Kostbarkeiten abbilden kannst , Danke für die mühe , ohne Dir und den anderen Bernsteinsammlern die sich hier so große mühe geben würde es auf Steinkern eine wirkliche Lücke geben die man sich vorher gar nicht bewusst war, ich hätte mir nie gedacht das es so Wunderschöne Funde und noch dazu mit diesen filigranen Details im Bernstein gibt, auf der nächsten Börse/messe sehe ich den Bernstein sicher mit anderen Augen, auch wenn ich ihn nicht sammeln werde , in der Beachtung und Achtung als Fossile Schatzkammer ist er bei mir sicherlich gestiegen, auch ein Dankeschön zu den anderen Beiträgen ( alle werden bewundert und angesehen !!! )

LG Kurt

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Beitrag von amaltheus » Dienstag 8. Mai 2012, 08:25

Hallo Michael,

bei den tollen Funden die du uns immer öfter zeigst ... frage ich mich ...
wie kommt man zu solch Superstücken ??
Ohne indiskret sein zu wollen ... findet "man" so was selber ... oder ist man da auf Tausch oder Kauf
angewiesen ?

Gruß Thomas
boborit hat geschrieben:... so, hier nun das kleine Raubtier gefangen im goldenen Bernstein...

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Beitrag von boborit » Dienstag 8. Mai 2012, 18:42

amaltheus hat geschrieben:Hallo Michael,

bei den tollen Funden die du uns immer öfter zeigst ... frage ich mich ...
wie kommt man zu solch Superstücken ??
Ohne indiskret sein zu wollen ... findet "man" so was selber ... oder ist man da auf Tausch oder Kauf
angewiesen ?

Gruß Thomas
boborit hat geschrieben:... so, hier nun das kleine Raubtier gefangen im goldenen Bernstein...
Hallo Thomas,

um eine anspruchsvolle Inklusensammlung mit vielen Spitzenstücken aufzubauen müsste man vermutlich 100 000de Bernsteine selber finden und bearbeiten.
Letztlich ist statistisch überhaupt nur in jedem 1000sten Bernstein eine gut erhaltene (dabei häufig vorkommene) Inkluse vorhanden.
Eine seltene und gut erhaltene Inkluse (wie diesen Steinläufer) findet man wohl nur in jedem 10 000sten Bernstein.
Davon ausgehend, dass ich in der Mitte Deutschlands und somit fernab von Bernstein-Fundgebieten lebe, ist die Sache also aussichtslos...
Somit ist man auf den Kauf angewiesen. Hier gilt esmit Vertrauen Partner zu finden und an dem eher kleinen Angebot hochwertiger Inklusen, seine Sammlung zu erweitern. Mittlerweile habe ich natürlich auch Material zum Tauschen, nunja und auch Dubletten zum Verkaufen... :wink:
Spitzenstücke sind nunmal leider auch nicht billig und schnell wieder vom Markt verschwunden...
Viele Grüße - Michael

..."Was wiederum bestätigt, dass das im Stein möglich Vorhandene sich optisch mehr verbergen, als das Sichtbare unmöglich optisch vorhanden sein kann! "

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Beitrag von amaltheus » Donnerstag 10. Mai 2012, 08:43

Hallo Michael,

vielen Dank für die Info.

Das Aufbauen einer Inclusen-Sammlung unterscheidet fast in jeder
Hinsicht von dem, was ich so betreibe.

Gruß Thomas

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Beitrag von boborit » Donnerstag 10. Mai 2012, 09:30

amaltheus hat geschrieben:Hallo Michael,

vielen Dank für die Info.

Das Aufbauen einer Inclusen-Sammlung unterscheidet fast in jeder
Hinsicht von dem, was ich so betreibe.

Gruß Thomas
Hallo Thomas,

ja, zugegeben, eine Inklusensammlung baut sich anders auf als das, was man als "Fossiliensammler" unter diesem Begriff verstehen mag. Das Resultat ist aber letztlich das Gleiche - eine zeigenswerte Sammlung von Relikten der Urzeit (bestenfalls mit wissentschaftlichem Wert).
Bernsteine selber sammeln begrenzt sich da oftmals auf "Rohbernstein".
Aber dennoch, meine Rügenfahrt steht bevor und es wäre beglückend einige Bernsteine selbst zu finden (vielleicht einer mit einer klitzekleinen Mücke drin!!) :wink:
Viele Grüße - Michael

..."Was wiederum bestätigt, dass das im Stein möglich Vorhandene sich optisch mehr verbergen, als das Sichtbare unmöglich optisch vorhanden sein kann! "

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Re: Chilopoda (Hundertfüsser) in Baltischem Bernstein

Beitrag von ettus » Montag 12. März 2018, 18:23

Guten Tag,

ich hätte da auch etwas zu bieten....
Wenn die Zahlen stimmen sollten, hätte mein Schwiegervater etliche Jahrzehnte für die Sammlung benötigt. Es waren aber "nur" zwanzig Jahre und etwa 400 Stücke, in denen ca. 200 Inklusen steckten. Nachdem er von uns ging, darf ich das nun sichten und fotografieren.
Die Tierchen sind ca. 8 - 10 mm lang und recht gut zu sehen,
Steinkern 13.jpg
Chilo 1.1
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Steinkern 14.jpg
Chilo 1.2
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Chilo 2
Steinkern 15.jpg (367.22 KiB) 2732 mal betrachtet
was nicht heißt, dass sie fotogen sind.

VG
Dirk

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