Geologische Denkmäler und Attraktionen

Meteoritenkrater Nördlinger Ries: Das Geotop Kalvarienberg

Das Geotop Kalvarienberg in der Gemeinde Huisheim-Gosheim (Lkr. Donau-Ries) am östlichen Rand des Nördlinger Ries (48°49'59.04"N, 10°43'28.83"E) wurde am 8. 6. 2013 als zweites einer geplanten Reihe von Geotopen im Meteoritenkrater Nördlinger Ries eingeweiht, mit dem Ziel, Besuchern den Umfang und die Dynamik des Meteoriteneinschlags und seine tiefgreifenden Auswirkungen auf die Geologie und Geomorphologie der Region zu erläutern.

Überblick

In dem ehemaligen Steinbruch wurde früher zerrütteter Kalkstein einer allochthonen (beim Impakt ausgeworfenen) Malmscholle des Oxford/Kimmeridge-Übergangs abgebaut. Die Zerrüttung hatte den Vorteil, dass das kleinstückige Material mit einfachen Werkzeugen in Handarbeit gewonnen werden konnte. Es fand anschließend als sog. „Kies“ entsprechende Verwendung.

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Die Besonderheit der Gosheimer Malmscholle besteht darin, dass sie in überkippter Lagerung vorliegt, wie man dies sonst nur aus Faltengebirgen kennt. Die überkippte Lagerung konnte biostratigrafisch mit Hilfe der enthaltenen Ammoniten nachgewiesen werden, wobei die chronologisch jüngeren Arten in der Bankfolge unten und die älteren oben liegen.

Ries-Tektonik und geschockte Fossilien

Entsprechend dem Befund wurde die Scholle beim Impakt durch die Schockwelle flach ballistisch nach außen transportiert, d. h. nicht einfach zur Seite geschoben, sondern sie legte eine beachtliche Distanz im Flug zurück – und das bei einer Länge von mindestens 600 m und einer Mächtigkeit von bis zu ca. 200 m (gemäß geologischer Kartierung). Sie kam überkippt mit einem Schichtfallen von ca. 60-65° W und mit Nord-Süd-Streichen am morphologischen Kraterrand zu liegen, dabei bildeten sich außerdem Stauchfalten. Der Aufschluss illustriert damit beispielhaft die enormen Energien, die bei dem Impakt frei wurden, und die zur Bildung der sog. Megablockzone – dem Bereich zwischen dem eigentlichen Einschlagskrater und dem heute sichtbaren morphologischen Kraterrand, der sich durch Zurückrutschen randlichen, zerrütteten Materials in den eigentlichen Krater kurz nach dem Einschlag herausbildete – führten. Diese Prozesse werden unter dem Begriff Ries-Tektonik – im Gegensatz zur irdischen, endogenen Tektonik - zusammengefasst und sind Gegenstand anhaltender Forschungen.

Wie auch in anderen Aufschlüssen im Ries besteht hier die Möglichkeit, Belege der typischen geschockten Fossilien, wie der sog. Ries-Belemniten, zu finden. Ausdrücklich sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass das Sammeln von Fossilien im losen Schutt frei zugänglicher Stellen ohne Werkzeugeinsatz gestattet ist. Entnahmen aus dem Anstehenden oder gar Bergung von Belegstücken mit Hilfe von Werkzeugen ist verboten und muss unter allen Umständen unterbleiben, im Interesse des Erhalts eines möglichst informativen Geotops und unter dem Aspekt der Rücksichtnahme auf zukünftige Besucher, die auch gerne im Anstehenden das nachvollziehen möchten, was auf den Informationstafeln dargestellt wird.

Abdruck eines Ammoniten in geschockter Matrix.

Schöne Aussichten

Das Geotop wurde bei schönstem blau-weißen Wetter im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung eröffnet. Im Anschluss führten Dipl.-Geol. Gisela Pösges (Rieskrater-Museum Nördlingen) und Prof. Dr. Richard Höfling (GeoZentrum Nordbayern der Universität Erlangen-Nürnberg) die geladenen Gäste auf dem Lehrpfad und informierten dabei an den einzelnen Stationen ausführlich über den aktuellen Kenntnisstand.

Ein Highlight für die Besucher dürfte der Blick auf das Nördlinger Ries gewesen sein, wie er sich bei guter Fernsicht vom Gipfel des Kalvarienbergs oberhalb des Steinbruchs aus bot: Die Aussicht reichte bis zum gegenüberliegenden, rund 25 km entfernten, westlichen Kraterrand. Ebenfalls gut zu erkennen waren die Hügel im Ries selbst, die relikthaft den inneren Ringwall (Umrandung des eigentlichen Einschlagkraters) nachzeichnen.

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Es bleibt zu wünschen, dass das Geotop-Konzept des Geoparks Ries erfolgreich auf andere Aufschlüsse erweitert werden kann. Das Nördlinger Ries ist, als gut erhaltener und leicht zugänglicher Großkrater, ein wichtiges Forschungsobjekt; im Ries gewonnene Erkenntnisse halfen und helfen nicht nur bei der Interpretation anderer irdischer Impaktkrater, sondern unterstützten auch die amerikanischen Mondlandungsmissionen und haben einen Anteil an der Fernanalyse von Kratern auf anderen Himmelskörpern. In dieser Hinsicht ist es zu begrüßen, dass  Aufschlüsse, die ansonsten von Verfall, Verwachsung oder Verfüllung bedroht oder bereits betroffen sind, in dieser Weise für die Öffentlichkeit erschlossen werden und ihre Bedeutung für die geologische Forschung unterstrichen wird.

Dank

Herzlicher Dank sei an dieser Stelle Frau Heike Burkhardt, stellvertretende Geschäftsführerin des Geoparks Ries, für die Bereitstellung von Informationsmaterial und die Erlaubnis zur Veröffentlichung auf Steinkern.de, ausgesprochen.

Weiterführende Informationen

Homepage des Geoparks Ries: http://www.geopark-ries.de/
Daten zum Geotop und Lehrpfad Kalvarienberg: http://www.geopark-ries.de/index.php/de/Geopark-Erleben/wandern/geopark_lehrpfade
Eine Pressemitteilung des Geoparks Ries ist in Vorbereitung, sie wird an dieser Stelle verlinkt, sobald sie verfügbar ist.

Eine aktuelle Steinkern-Publikation über das Nördlinger Ries:

Kalbe, J. & Albert, R. (2013): Eine Exkursion ins Nördlinger Ries - Fossilien sammeln im "Geschiebe", in: Heft 12 - Der Steinkern, S. 56-66.